Asperger-Syndrom – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Asperger-Syndrom (AS) mitbedingt sein können:

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Adipositas (starkes Übergewicht) – erhöhtes Risiko durch selektives Essverhalten, Bewegungsmangel und psychische Komorbiditäten (Begleiterkrankungen)
  • Essstörungen – insbesondere Anorexia nervosa (Magersucht) und vermeidend-restriktive Ernährungsstörung (ARFID; starke Vermeidung bestimmter Nahrungsmittel)

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Chronische Obstipation (Verstopfung) – häufig bei rigidem Verhalten, sensorischen Besonderheiten und eingeschränkter Ernährungsauswahl
  • Funktionelle gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden ohne organische Ursache) – insbesondere Bauchschmerzen, Meteorismus (Blähungen) und Reizdarmsymptomatik (Beschwerden wie bei einem Reizdarm)

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Angststörungen – insbesondere soziale Angststörung, generalisierte Angststörung (anhaltende übermäßige Ängste) und Zwangssymptomatik (zwanghafte Gedanken oder Handlungen)
  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS; Aufmerksamkeits- und Unruhesyndrom) – häufige Komorbidität
  • Depression – insbesondere im Jugend- und Erwachsenenalter
  • Emotionale Dysregulation (gestörte Gefühlssteuerung) – erhöhte Reizbarkeit, Affektinstabilität (starke Stimmungsschwankungen) und reduzierte Frustrationstoleranz
  • Epilepsie – gegenüber der Allgemeinbevölkerung erhöhtes Risiko
  • Persönlichkeitsstörungen
    • Ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung
    • Zwanghafte Persönlichkeitsstörung
  • Schlafstörungen – insbesondere Ein- und Durchschlafstörungen
  • Selbstverletzendes Verhalten – häufiger bei zusätzlicher Depression, Angststörung oder Überforderung
  • Soziale Isolation – häufige Folge von Kommunikations- und Interaktionsstörungen
  • Substanzgebrauchsstörungen (Abhängigkeit oder Missbrauch von Alkohol oder Drogen) – insbesondere sekundär bei Depression, Angst oder sozialer Anpassungsproblematik
  • Suizidgedanken und Suizidversuche – erhöhtes Risiko insbesondere bei komorbider Depression
  • Tic-Störungen (unwillkürliche Bewegungen oder Lautäußerungen) – einschließlich motorischer und vokaler Tics
  • Zwangsstörungen – häufige Komorbidität mit ritualisiertem Verhalten und Zwängen

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Enuresis nocturna (nächtliches Einnässen) – gehäuftes Auftreten insbesondere im Kindesalter

Weiteres

  • Delinquentes Verhalten (straffälliges Verhalten) – in Studien bei Personen mit Asperger-Syndrom bzw. hochfunktionaler Autismus-Spektrum-Störung in 2,74-26 % beschrieben; meist assoziiert mit komorbider Impulskontrollstörung (Störung der Impulskontrolle), ADHS, Persönlichkeitsstörung oder fehlender sozialer Regelkompetenz
  • Erhöhtes Risiko für Mobbing, soziale Ausgrenzung und sekundäre psychosoziale Belastungen (seelische und soziale Belastungen als Folge)
  • Erhöhtes Risiko für Arbeitslosigkeit, Schulabbrüche und eingeschränkte soziale Teilhabe

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter Teil 1: Diagnostik . (AWMF-Registernummer: 028-018), April 2016 Langfassung
  2. S3-Leitlinie: Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter Teil 2: Therapie. (AWMF-Registernummer: 028-047), März 2021 Kurzfassung