Asperger-Syndrom – Differentialdiagnosen

Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)

  • 16p11.2-Deletionssyndrom (Verlust eines kleinen Abschnitts auf Chromosom 16) – genetische Ursache autistischer Symptome mit Sprach- und Entwicklungsauffälligkeiten
  • 22q11.2-Deletionssyndrom (Verlust eines kleinen Abschnitts auf Chromosom 22) – kann mit autistischen Symptomen, Angststörungen und psychotischen Symptomen einhergehen
  • Fragiles-X-Syndrom (erblich bedingte Entwicklungsstörung) – häufigste monogene Ursache autistischer Symptome
  • Marfan-Syndrom (erblich bedingte Bindegewebserkrankung) – gelegentliche Assoziation mit Autismusspektrum-Störungen
  • Tuberöse Sklerose (erblich bedingte Erkrankung mit gutartigen Tumoren in verschiedenen Organen) – häufig mit Autismusspektrum-Störung, Epilepsie (Anfallsleiden) und Intelligenzminderung (verminderte geistige Leistungsfähigkeit) assoziiert

Atmungssystem (J00-J99)

  • Asthma bronchiale (Asthma) – etwas häufiger als in der Allgemeinbevölkerung
  • Schlafbezogene Atmungsstörungen (Atemstörungen im Schlaf) – insbesondere obstruktive Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer) bei Schlafstörungen und Adipositas (starkes Übergewicht)

Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)

  • Strabismus (Schielen) – gehäuftes Auftreten bei Autismusspektrum-Störungen
  • Visuelle Wahrnehmungsstörungen (Störungen der visuellen Verarbeitung) – häufige sensorische Besonderheit mit Überempfindlichkeit gegenüber Licht oder Bewegungen

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Adipositas (starkes Übergewicht) – erhöhtes Risiko infolge Bewegungsmangel, selektiver Ernährung oder Psychopharmakotherapie (Behandlung mit Medikamenten gegen psychische Erkrankungen)
  • Diabetes mellitus Typ 2 (Zuckerkrankheit) – sekundär erhöhtes Risiko bei Adipositas und Bewegungsmangel
  • Vitamin-D-Mangel – häufiger bei selektivem Essverhalten und geringer Sonnenexposition

Mund, Ösophagus, Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Chronische Obstipation (dauerhafte Verstopfung) – häufig bei rigidem Essverhalten und sensorischer Nahrungsmittelselektion
  • Funktionelle Bauchschmerzen – gehäuft im Rahmen vegetativer Dysregulation (Störung des unwillkürlichen Nervensystems)
  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (Sodbrennen durch Rückfluss von Magensäure) – häufiger bei Kindern und Erwachsenen mit Autismusspektrum-Störung
  • Reizdarmsyndrom – gehäuftes gemeinsames Auftreten

Ohren – Warzenfortsatz (H60-H95)

  • Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (Störung der Verarbeitung von Höreindrücken) – häufige Ursache von Kommunikationsproblemen
  • Hyperakusis (Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen) – Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Alexithymie (Gefühlsblindheit, Gefühlskälte) – häufige Begleiterscheinung mit eingeschränkter Wahrnehmung und Benennung eigener Emotionen
  • Angststörungen – besonders häufig generalisierte Angststörung, soziale Angststörung und Panikstörung
  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) – häufige Komorbidität mit Störungen von Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Exekutivfunktionen
  • Autistische Burnout-Symptomatik (autistische Erschöpfung) – Erschöpfungszustand infolge chronischer sozialer Überforderung und Anpassungsleistung
  • Depressive Störungen (Depressionen) – häufig infolge sozialer Isolation, chronischer Überforderung oder Mobbingerfahrungen
  • Epilepsie (Anfallsleiden) – deutlich häufiger als in der Allgemeinbevölkerung, insbesondere fokale Epilepsien (Anfälle aus einem begrenzten Hirnbereich)
  • Essstörungen
    • Anorexia nervosa (Magersucht) – gehäuftes gemeinsames Auftreten, insbesondere bei Frauen
    • Selektive Essstörung – häufig bei sensorischer Überempfindlichkeit
  • Geschlechtsdysphorie (Leiden unter dem empfundenen Geschlecht) – tritt häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung
  • Intelligenzminderung (verminderte geistige Leistungsfähigkeit) – beim klassischen Asperger-Syndrom definitionsgemäß nicht vorhanden, jedoch mögliche Komorbidität im weiteren Autismusspektrum
  • Migräne – gehäuftes Auftreten, möglicherweise im Zusammenhang mit sensorischer Überempfindlichkeit
  • Motorische Koordinationsstörung (Störung der Bewegungskoordination) – häufig mit Ungeschicklichkeit sowie fein- und grobmotorischen Defiziten
  • Persönlichkeitsstörungen
    • Ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung – häufige Differentialdiagnose bei ausgeprägter sozialer Unsicherheit
    • Borderline-Persönlichkeitsstörung – Differentialdiagnose insbesondere bei emotionaler Instabilität und Selbstverletzungen
    • Narzisstische Persönlichkeitsstörung – seltene Differentialdiagnose bei rigidem Selbstbezug und eingeschränkter Empathie
    • Schizoide Persönlichkeitsstörung – häufige Differentialdiagnose aufgrund sozialen Rückzugs und eingeschränkter emotionaler Ausdrucksfähigkeit
    • Schizotypische Persönlichkeitsstörung – Differentialdiagnose bei bizarrer Kommunikation und ungewöhnlichem Verhalten
    • Zwanghafte Persönlichkeitsstörung – häufige Überlappung mit Perfektionismus, Ritualisierung und rigidem Verhalten
  • Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) – erhöhtes Risiko infolge Mobbing, Ausgrenzung oder traumatischer sozialer Erfahrungen
  • Schizophrenia simplex (schleichend beginnende Form der Schizophrenie) – seltene, wichtige Differentialdiagnose bei schleichendem sozialem Rückzug und Verhaltensveränderung ohne ausgeprägte Halluzinationen oder Wahn
  • Schlafstörungen – häufig Ein- und Durchschlafstörungen, gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus oder zirkadiane Dysregulation
  • Soziale Phobie (starke Angst vor sozialen Situationen) – häufige Differentialdiagnose; soziale Angst kann zusätzlich zum Asperger-Syndrom bestehen
  • Substanzgebrauchsstörungen (Abhängigkeit oder Missbrauch von Alkohol, Drogen oder Medikamenten) – möglich insbesondere bei sekundärer Selbstmedikation von Angst, Depression oder Schlafstörungen
  • Tic-Störungen/Tourette-Syndrom (unwillkürliche Bewegungen oder Lautäußerungen) – gehäuftes gemeinsames Auftreten motorischer und vokaler Tics
  • Zwangsstörungen – häufig mit ritualisiertem Verhalten, Zwangsgedanken und Zwangshandlungen; Abgrenzung zu autistischen Routinen oft schwierig

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Enuresis nocturna (nächtliches Einnässen) – gehäuftes Auftreten im Kindesalter
  • Funktionelle Blasenentleerungsstörungen (Störungen beim Wasserlassen ohne organische Ursache) – möglich bei sensorischen Besonderheiten und verzögerter Wahrnehmung körperlicher Signale