Angststörungen – Differentialdiagnosen

Atmungssystem (J00-J99)

  • Asthma bronchiale (anfallsartige Verengung der Atemwege) – anfallsweise Dyspnoe (Atemnot), Thoraxenge (Engegefühl im Brustkorb), Husten, Giemen (pfeifendes Atemgeräusch) und vegetative Aktivierung (Aktivierung des unwillkürlichen Nervensystems) können Panikattacken imitieren; Abgrenzung durch Auskultation (Abhören), Peak-Flow-Messung (Messung der maximalen Ausatemstromstärke), Lungenfunktionsprüfung und Verlauf
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (dauerhaft verengende Lungenerkrankung) – Dyspnoe, Hyperventilation (übermäßige Atmung), Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut) und Exazerbationen (akute Verschlechterungen) können sekundäre Angst auslösen oder als Angststörung fehlinterpretiert werden
  • Lungenembolie (Verschluss einer Lungenarterie) – akute Dyspnoe, Thoraxschmerz (Brustschmerz), Tachykardie (Herzrasen), Synkope/Präsynkope (Ohnmacht/Beinahe-Ohnmacht), Hypoxämie und Todesangst; bei abruptem Beginn oder Risikokonstellation vorrangig somatisch (körperlich) abzuklären
  • Schlafapnoe-Syndrom (nächtliche Atemaussetzer) – nächtliche Atemnot, panikähnliches Erwachen, Palpitationen (Herzklopfen), nicht erholsamer Schlaf und Tagesmüdigkeit; besonders bei Adipositas (Fettleibigkeit), Schnarchen und Hypertonie (Bluthochdruck) relevant

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Anämie (Blutarmut) – Tachykardie, Belastungsdyspnoe (Atemnot bei Belastung), Schwindel, Schwäche und innere Unruhe können als Angstsymptomatik fehlinterpretiert werden; Abklärung insbesondere bei Blässe, Blutungsanamnese (Vorgeschichte zu Blutungen), Fatigue (ausgeprägte Erschöpfung) oder chronischer Erkrankung

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Cushing-Syndrom (Erkrankung durch zu viel Cortisol) – Angst, depressive Symptome, Schlafstörungen, kognitive Beschwerden (Beschwerden des Denkens und Erinnerns) und psychomotorische Unruhe (seelisch-körperliche Unruhe) bei Hypercortisolismus (Cortisolüberschuss); Verdacht bei Stammfettsucht (Fettvermehrung am Rumpf), Striae rubrae (rötliche Dehnungsstreifen), Hypertonie, Muskelschwäche und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Diabetes mellitus mit Hypoglykämien (Unterzuckerungen) – adrenerge Symptome (durch Stresshormone ausgelöste Beschwerden) wie Tremor (Zittern), Schwitzen, Palpitationen, Heißhunger, Unruhe und Angstgefühl können Panikattacken imitieren
  • Hyperparathyreoidismus (Überfunktion der Nebenschilddrüsen) mit Hypercalcämie (erhöhtem Calciumspiegel im Blut) – Schwäche, Polyurie (vermehrtes Wasserlassen), Durst, gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden), depressive Symptome, kognitive Störung (Störung des Denkens und Erinnerns) und angstähnliche Symptomatik; Abklärung bei Hypercalcämie oder Nephrolithiasis-Anamnese (Vorgeschichte mit Nierensteinen)
  • Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) – Nervosität, Tremor, Tachykardie, Gewichtsverlust, Wärmeintoleranz (Hitzeunverträglichkeit), Diarrhö (Durchfall) und Schlafstörungen; eine der wichtigsten endokrinologischen Differenzialdiagnosen (hormonellen Abgrenzungsdiagnosen) bei neu aufgetretener Angst
  • Hypocalcämie (erniedrigter Calciumspiegel im Blut) – Parästhesien (Missempfindungen), Tetanie (Muskelverkrampfung), Muskelkrämpfe, Hyperventilation und angstähnliche Symptomatik; insbesondere nach Schilddrüsenoperation, bei Vitamin-D-Mangel oder chronischer Nierenerkrankung relevant
  • Nebenniereninsuffizienz (Nebennierenschwäche) – Schwäche, Gewichtsverlust, Hypotonie (niedriger Blutdruck), Übelkeit, Hyponatriämie (erniedrigter Natriumspiegel im Blut) und psychische Symptome; Abgrenzung vor allem bei systemischen Begleitsymptomen (den ganzen Körper betreffenden Begleitsymptomen) erforderlich
  • Phäochromozytom (hormonbildender Nebennierentumor) beziehungsweise Paragangliom (hormonbildender Nervengewebstumor) – attackenartige Hypertonie, Kopfschmerz, Schwitzen, Palpitationen, Tremor und Panik-ähnliche Episoden
  • Vitamin-B12-Mangel – Angst, depressive Symptomatik, Parästhesien, Gangstörung, kognitive Beeinträchtigung (Beeinträchtigung des Denkens und Erinnerns) und makrozytäre Anämie (Blutarmut mit vergrößerten roten Blutkörperchen); besonders bei Malabsorption (gestörter Nährstoffaufnahme), Autoimmungastritis (autoimmune Magenschleimhautentzündung) oder veganer Ernährung zu beachten

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Akutes Koronarsyndrom (akute Durchblutungsstörung des Herzens) – Thoraxdruck (Druckgefühl im Brustkorb), Dyspnoe, Kaltschweißigkeit, Übelkeit, Palpitationen und Todesangst können als Panikattacke fehlgedeutet werden; bei Risikoprofil, Belastungsbezug oder atypischem Verlauf vorrangig kardiologisch (herzmedizinisch) abzuklären
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche) – Belastungsdyspnoe, Orthopnoe (Atemnot im Liegen), nächtliche Atemnot, Ödeme (Wassereinlagerungen) und Palpitationen können Angst auslösen oder imitieren
  • Herzrhythmusstörungen – insbesondere supraventrikuläre Tachykardien (Herzrasen aus den Herzvorhöfen), Vorhofflimmern, ventrikuläre Extrasystolie (zusätzliche Herzschläge aus den Herzkammern) oder Bradyarrhythmien (zu langsame unregelmäßige Herzrhythmen) mit Palpitationen, Schwindel, Thoraxenge und Angstgefühl
  • Hypertensive Krise (akute starke Blutdruckentgleisung) – Kopfschmerz, Thoraxdruck, Dyspnoe, Unruhe, vegetative Aktivierung und neurologische Symptome (Symptome des Nervensystems); Abgrenzung durch Blutdruckmessung und Endorgandiagnostik (Untersuchung auf Organschäden)
  • Posturales Tachykardiesyndrom (lageabhängiges Herzrasen) – orthostatische Tachykardie (Herzrasen beim Aufrichten), Palpitationen, Benommenheit, Schwäche und vegetative Symptome mit Angst-ähnlicher Präsentation (Erscheinungsbild); nur bei lageabhängiger Symptomatik differenzialdiagnostisch relevant

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Enzephalitis (Gehirnentzündung) – Angst, Agitation (starke Unruhe), Verwirrtheit, Fieber, Kopfschmerz, fokal-neurologische Defizite (örtlich begrenzte Ausfälle des Nervensystems) oder epileptische Anfälle (Krampfanfälle); bei akuter Wesensänderung als Notfalldiagnose abzugrenzen
  • Humanes Immundefizienz-Virus (HIV)-Infektion (Infektion mit dem menschlichen Immunschwächevirus) – Angst- und depressive Symptome im Kontext systemischer Erkrankung, neurokognitiver Störung (Störung von Denken und Gedächtnis durch Nervensystembeteiligung), opportunistischer Infektionen (Infektionen bei geschwächtem Immunsystem) oder psychosozialer Belastung; differenzialdiagnostisch bei Risikokonstellation relevant
  • Sepsis (Blutvergiftung) beziehungsweise schwere systemische Infektion – Unruhe, Angst, Hyperventilation, Tachykardie, Hypotonie, Fieber oder Hypothermie (Untertemperatur) und Verwirrtheit können frühe Zeichen einer vital bedrohlichen somatischen Erkrankung sein

Mund, Ösophagus, Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (Rückflusskrankheit von Magensäure) – retrosternales Brennen (Brennen hinter dem Brustbein), Thoraxdruck, Globusgefühl (Kloßgefühl im Hals) und Luftnotgefühl können Panik- oder Herzsymptome imitieren; Abgrenzung anhand Symptomtriggern (Beschwerdeauslösern), Refluxzeichen (Rückflusszeichen) und kardiopulmonaler Ausschlussdiagnostik (Untersuchung zum Ausschluss von Herz- und Lungenerkrankungen)

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Karzinoid-Syndrom (Beschwerdekomplex durch hormonaktive Tumoren) bei neuroendokrinem Tumor (hormonbildendem Tumor) – Flush (anfallsartige Hautrötung), Diarrhö, Bronchospasmus (Verkrampfung der Atemwege), Palpitationen und Angstgefühl; nur bei typischer attackenartiger vegetativer Symptomkonstellation differenzialdiagnostisch relevant
  • Zentralnervöse Tumoren (Tumoren von Gehirn oder Rückenmark) – Angst, Persönlichkeitsänderung, kognitive Defizite (Einschränkungen von Denken und Gedächtnis), Kopfschmerz, fokal-neurologische Symptome oder epileptische Anfälle; Abklärung bei progredientem Verlauf (fortschreitendem Verlauf) oder neurologischen Begleitsymptomen

Ohren – Warzenfortsatz (H60-H95)

  • Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (gutartiger anfallsartiger Lageschwindel) – attackenartiger lageabhängiger Drehschwindel mit Übelkeit, vegetativer Begleitsymptomatik und sekundärer Angst
  • Morbus Menière (Innenohrerkrankung mit Schwindelanfällen) – episodischer Drehschwindel, Hörminderung, Tinnitus (Ohrgeräusch), Ohrdruck und vegetative Symptome; Abgrenzung von Panikattacken bei führender vestibulärer Symptomatik (Gleichgewichtsbeschwerden)
  • Vestibuläre Migräne (Migräne mit Schwindel) – Schwindelattacken, Übelkeit, Licht-/Lärmempfindlichkeit, Kopfschmerz oder Migräneanamnese (Vorgeschichte mit Migräne) mit sekundärer Angst

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Agoraphobie (Platzangst) – Angst vor Situationen, in denen Flucht schwierig erscheint oder Hilfe nicht verfügbar wäre; häufig mit Panikattacken und Vermeidungsverhalten assoziiert
  • Alkoholbezogene Störungen (Störungen durch Alkohol) – Angstzustände bei Intoxikation (Vergiftung), Entzug, protrahiertem Entzug (verlängertem Entzug) oder komorbider Angststörung (zusätzlich bestehender Angststörung); zeitlicher Bezug zu Konsum, Reduktion oder Abstinenz entscheidend
  • Alzheimer-Krankheit (Demenz vom Alzheimer-Typ) – neu auftretende oder progrediente Angst-/depressive Symptome bei älteren Menschen können frühe neuropsychiatrische Begleitsymptome (seelische Begleitsymptome bei Erkrankung des Nervensystems) einer präklinischen oder beginnenden Alzheimer-Erkrankung sein; kognitive Diagnostik (Untersuchung von Denken und Gedächtnis) bei Verlauf, Alltagsbeeinträchtigung oder entsprechender Fremdanamnese (Angaben durch Angehörige) erforderlich [1]
  • Anpassungsstörung (Belastungsreaktion) – Angst, Anspannung, depressive Symptome oder Grübeln im zeitlichen Zusammenhang mit identifizierbarer psychosozialer Belastung; Abgrenzung nach Dauer, Schweregrad und Funktionsbeeinträchtigung
  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter (Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung) – innere Unruhe, emotionale Dysregulation (gestörte Gefühlsregulation), Schlafprobleme, Konzentrationsstörungen und Vermeidungsverhalten können als Angststörung fehlgedeutet werden
  • Autismus-Spektrum-Störung (tiefgreifende Entwicklungsstörung) – soziale Unsicherheit, Reizüberflutung, Rückzug, rigide Verhaltensmuster (starre Verhaltensmuster) und komorbide Angst; relevant bei lebenslanger sozial-kommunikativer Auffälligkeit
  • Bipolare Störung (manisch-depressive Erkrankung) – Angst, Agitiertheit, Schlafminderung, innere Getriebenheit und Reizbarkeit können in manischen, hypomanen (leicht manischen) oder gemischten Episoden auftreten
  • Delir (akute Verwirrtheit) – akute Bewusstseins-, Aufmerksamkeits- und Orientierungsstörung mit Angst, Agitation, Halluzinationen (Sinnestäuschungen) oder fluktuierendem Verlauf (wechselndem Verlauf); somatischer Notfall, besonders bei älteren oder multimorbiden Patienten (Patienten mit mehreren Erkrankungen)
  • Depressive Episode (depressive Krankheitsphase) – Angst, Grübeln, Schlafstörungen, somatische Anspannung und psychomotorische Unruhe sind häufig; Leitsymptome sind gedrückte Stimmung, Interessenverlust und Antriebsminderung
  • Dissoziative Störungen (Abspaltungsstörungen) – anfallsartige Bewusstseins-, Bewegungs-, Wahrnehmungs- oder Erinnerungssymptome mit Angstbezug; Abgrenzung von Epilepsie (Anfallsleiden) und Panikattacken erforderlich
  • Epilepsie – insbesondere fokale Anfälle (Anfälle aus einem umschriebenen Hirngebiet) mit epigastrischer Aura (Bauchgefühl als Anfallsvorbote), Déjà-vu (Vertrautheitsgefühl), Angstgefühl, vegetativen Symptomen oder Bewusstseinsveränderung können Panikattacken imitieren
  • Generalisierte Angststörung (dauerhafte übermäßige Sorgen) – anhaltende, schwer kontrollierbare Sorgen über mehrere Lebensbereiche mit vegetativer Anspannung, Muskelspannung, Schlafstörung und Konzentrationsstörung
  • Gemischte Angst und depressive Störung (gemischte Angst- und Depressionsstörung) – gleichzeitige Angst- und depressive Symptome ohne eindeutiges Überwiegen einer Störung; Abgrenzung von depressiver Episode und generalisierter Angststörung erforderlich
  • Krankheitsangststörung (übermäßige Krankheitsangst) beziehungsweise hypochondrische Störung (übersteigerte Angst, krank zu sein) – übermäßige Angst vor schwerer Erkrankung trotz unauffälliger oder nicht erklärender Befunde; Abgrenzung von Panikstörung, somatischer Erkrankung und Zwangsstörung erforderlich
  • Migräne – Aura (Vorzeichen einer Migräne), Schwindel, vegetative Symptome, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit und Angst können attackenartig auftreten; Kopfschmerz- und Auraanamnese wegweisend
  • Panikstörung (wiederkehrende Panikattacken) – wiederkehrende unerwartete Panikattacken mit Palpitationen, Schwitzen, Tremor, Atemnot, Thoraxenge, Schwindel und Angst vor Kontrollverlust oder Tod
  • Persönlichkeitsstörungen (Störungen überdauernder Persönlichkeitsmuster) – Angst, Anspannung, interpersonelle Krisen (zwischenmenschliche Krisen) und Vermeidung können sekundär auftreten; relevant bei überdauerndem Muster seit Jugend oder frühem Erwachsenenalter
  • Phobische Störungen (Angststörungen vor bestimmten Situationen oder Objekten) – situations- oder objektgebundene Angst mit Vermeidung; hierzu zählen spezifische Phobien (konkrete Ängste), soziale Phobie (Angst vor Bewertung durch andere) und Agoraphobie
  • Posttraumatische Belastungsstörung (Traumafolgestörung) – intrusive Erinnerungen (sich aufdrängende Erinnerungen), Vermeidung, Hyperarousal (Übererregbarkeit), Schlafstörungen, Reizbarkeit und Angst nach traumatischem Ereignis
  • Psychotische Störungen (Störungen mit Realitätsverlust) – Angst im Kontext von Wahn (krankhaft falscher Überzeugung), Halluzinationen, Ich-Störungen (Störungen des Ich-Erlebens), Realitätsverkennung oder desorganisiertem Denken (ungeordnetem Denken); Abgrenzung besonders bei ungewöhnlichen Überzeugungen und Wahrnehmungsstörungen essenziell
  • Somatoforme Störungen (körperliche Beschwerden ohne ausreichende organische Erklärung) – körperliche Beschwerden mit wiederholter medizinischer Inanspruchnahme und Krankheitsbefürchtung ohne ausreichende organische Erklärung; häufige Überlappung mit Angststörungen
  • Substanzinduzierte Angststörung (durch Substanzen ausgelöste Angststörung) – Angstzustände durch Alkohol, Cannabis, Kokain, Amphetamine, Halluzinogene (bewusstseinsverändernde Substanzen), Sedativa-Entzug (Entzug von Beruhigungsmitteln) oder Mischkonsum; zeitlicher Zusammenhang ist diagnostisch zentral
  • Zwangsstörung (Störung mit Zwangsgedanken und Zwangshandlungen) – intrusive Zwangsgedanken (sich aufdrängende Zwangsgedanken) und/oder Zwangshandlungen mit Angst- und Anspannungsreduktion durch Rituale; Abgrenzung von generalisiertem Grübeln und krankheitsbezogener Angst

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Peripartale Angststörung (Angststörung um die Geburt herum) – Angststörung während Schwangerschaft oder Wochenbett; häufig komorbid mit Depression und relevant für Mutter-Kind-Interaktion
  • Postpartale Depression (Depression nach der Geburt) – Angst, Grübeln, Schlafstörung, Schuldgefühle und depressive Kernsymptome nach Geburt; Abgrenzung von isolierter Angststörung und postpartaler Psychose (Psychose nach der Geburt) erforderlich
  • Postpartale Psychose – akute psychotische, manische oder schwere affektive Symptomatik (schwere Stimmungssymptomatik) mit Angst, Schlaflosigkeit, Verwirrtheit oder Wahn; psychiatrischer Notfall
  • Präeklampsie/Eklampsie (Schwangerschaftsvergiftung/Krampfanfall bei Schwangerschaftsvergiftung) – Kopfschmerz, Sehstörungen, Oberbauchschmerz, Dyspnoe, Unruhe oder Angst bei schwangerschaftsassoziierter hypertensiver Erkrankung (schwangerschaftsbedingter Bluthochdruckerkrankung); somatisch vorrangig abzuklären

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Hyperventilation – Dyspnoe, Parästhesien, Schwindel, Tetaniegefühl (Gefühl von Muskelverkrampfung) und Thoraxenge; kann Folge einer Angstattacke sein, erfordert aber bei Erstmanifestation (erstmaligem Auftreten) Abgrenzung von kardiopulmonalen, metabolischen (stoffwechselbedingten) und neurologischen Ursachen
  • Synkope beziehungsweise Präsynkope – Benommenheit, Schwarzwerden vor Augen, Palpitationen und Angst; differenzialdiagnostisch insbesondere gegen Herzrhythmusstörungen, orthostatische Dysregulation (Kreislaufstörung beim Aufstehen), Lungenembolie und epileptische Anfälle abzugrenzen

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Chronische Niereninsuffizienz (chronische Nierenschwäche) – Fatigue, Schlafstörungen, Restless-Legs-Symptomatik (unruhige Beine), Pruritus (Juckreiz), metabolische Störungen und urämische Beschwerden (Beschwerden durch Harnstoffvergiftung) können Angst und innere Unruhe verstärken
  • Prämenstruelle dysphorische Störung (schwere seelische Beschwerden vor der Regelblutung) – zyklusabhängige affektive Labilität (Stimmungsschwankungen), Reizbarkeit, Angst und depressive Symptome in der Lutealphase (zweiten Zyklushälfte)

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Schädel-Hirn-Trauma (Kopf-Hirn-Verletzung) – Angst, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Schwindel und Kopfschmerz nach Trauma (Verletzung); Abgrenzung von primärer Angststörung über Verlauf, Traumaamnese (Vorgeschichte einer Verletzung) und neurologische Begleitsymptome

Medikamente

  • Antidepressiva (Medikamente gegen Depressionen) zu Therapiebeginn – initiale Aktivierung (anfängliche Aktivierung), Unruhe, Schlafstörung oder Angstzunahme möglich; besonders in den ersten Behandlungswochen zu beachten
  • Anticholinergika (Medikamente mit hemmender Wirkung auf bestimmte Nervenbotenstoffe) – Verwirrtheit, Unruhe, Tachykardie und angstähnliche Symptomatik, besonders bei älteren Patienten
  • Benzodiazepin- oder Z-Substanz-Entzug (Entzug von Beruhigungs- oder Schlafmitteln) – Rebound-Angst (Wiederauftreten verstärkter Angst), Schlaflosigkeit, Tremor, vegetative Symptome und epileptische Anfälle bei abruptem Absetzen oder Dosisreduktion
  • Betasympathomimetika (atemwegserweiternde Medikamente) – Tremor, Tachykardie, Palpitationen und Nervosität, insbesondere bei inhalativer oder systemischer Anwendung
  • Glucocorticoide (Cortisonpräparate) – Angst, Schlafstörung, Agitation, depressive Symptome, Manie (krankhaft gehobene Stimmung) oder psychotische Symptome dosisabhängig möglich
  • Levodopa und dopaminerge Substanzen (dopaminwirksame Medikamente) – Angst, innere Unruhe, Impulskontrollstörungen (Störungen der Impulskontrolle) oder psychotische Symptome insbesondere bei Parkinson-Erkrankung (Schüttellähmung) möglich
  • Schilddrüsenhormone – Überdosierung mit Hyperthyreose-ähnlicher Symptomatik, Tremor, Palpitationen, Schlafstörung und Angst
  • Stimulanzien (anregende Medikamente) – Methylphenidat, Amphetamine oder Modafinil können Nervosität, Schlafstörung, Tachykardie und Angst verstärken
  • Sympathomimetika (Medikamente mit adrenalinähnlicher Wirkung) – systemische adrenerge Effekte (den ganzen Körper betreffende Stresshormoneffekte) mit Palpitationen, Tremor und innerer Unruhe möglich

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Alkoholintoxikation (Alkoholvergiftung) und Alkoholentzug – akute Angst, vegetative Übererregung, Tremor, Schlaflosigkeit, Krampfanfälle und Delir; Entzugssyndrom (Beschwerden beim Entzug) als potenziell vital bedrohliche Differenzialdiagnose
  • Cannabisintoxikation (Cannabisvergiftung) – Panikattacken, Derealisation (Gefühl der Unwirklichkeit), Depersonalisation (Entfremdung vom eigenen Ich), Tachykardie und paranoide Symptome (misstrauisch-wahnhafte Symptome) möglich
  • Koffein- beziehungsweise Energy-Drink-Überkonsum – Tremor, Palpitationen, Schlafstörung, Nervosität und Panik-ähnliche Symptomatik
  • Kokain- und Amphetaminintoxikation (Vergiftung durch Kokain und Amphetamine) – Angst, Agitation, Palpitationen, Hypertonie, Thoraxschmerz, Psychose (Realitätsverlust) und epileptische Anfälle möglich
  • Kohlenmonoxidintoxikation (Kohlenmonoxidvergiftung) – Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, Verwirrtheit, Dyspnoe und Angst; besonders bei mehreren Betroffenen oder Exposition (Kontakt) in Innenräumen zu berücksichtigen
  • Nikotin beziehungsweise Nikotinentzug – Nervosität, Reizbarkeit, Schlafstörung, Konzentrationsstörung und Angstverstärkung möglich

Literatur

  1. Donovan NJ, Locascio JJ, Marshall GA et al.: Longitudinal Association of Amyloid Beta and Anxious-Depressive Symptoms in Cognitively Normal Older Adults. American Journal of Psychiatry. 2018;175(6):530-537. https://doi.org/10.1176/appi.ajp.2017.17040442