Vulvovaginale Atrophie/Genitales Menopausensyndrom – Symptome – Beschwerden

Folgende Symptome und Beschwerden können auf ein genitourinäres Syndrom der Menopause (Beschwerden im Genital- und Harntrakt durch hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren) (GSM; einschließlich vulvovaginaler Atrophie [Rückbildung und Ausdünnung des Vulva- und Scheidengewebes]) hinweisen:

Pathognomonische Symptome (eindeutig beweisende Krankheitszeichen)
Für das genitourinäre Syndrom der Menopause bestehen keine pathognomonischen Symptome. Die Diagnose beruht auf der Kombination typischer genitaler, sexueller und den unteren Harntrakt betreffender Symptome mit korrespondierenden Untersuchungsbefunden sowie dem Ausschluss anderer Ursachen [2-4, LL1-LL3].

  • Keine: Kein einzelnes Symptom beweist das Vorliegen eines genitourinären Syndroms der Menopause [3, LL1].

Hauptsymptome (primäre Symptome)
Diese Hauptsymptome prägen das klinische Bild eines genitourinären Syndroms der Menopause. Die nachfolgend genannten Häufigkeitsangaben beziehen sich ausschließlich auf Frauen mit diagnostizierter vulvovaginaler Atrophie in der italienischen AGATA-Studie und sind nicht als populationsbezogene Prävalenzangaben zu interpretieren [1, 3, 4]:

  • Vulvovaginale Trockenheit (Trockenheit von Vulva und Scheide): Häufigstes berichtetes Symptom; bedingt durch eine verminderte Schleimhautbefeuchtung und Lubrikation (Befeuchtung und Gleitfähigkeit) sowie strukturelle Veränderungen des vulvovaginalen Gewebes [3, 4, LL1]
  • Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) bzw. Schmerzen bei vaginaler Penetration: Insbesondere infolge verminderter Lubrikation, reduzierter Elastizität, Schleimhautverdünnung und erhöhter Gewebeverletzlichkeit; in der AGATA-Studie bei 77,6 % der betroffenen Frauen [1, 3, LL1]
  • Brennen: Vulvär (die Vulva betreffend), vestibulär (den Scheidenvorhof betreffend) oder vaginal (die Scheide betreffend); in der AGATA-Studie bei 56,9 % der betroffenen Frauen [1, 3, LL1]
  • Pruritus (Juckreiz): Vulvär oder vaginal; in der AGATA-Studie bei 56,6 % der betroffenen Frauen [1, 3, LL1]
  • Vulvovaginale Reizung, Wundgefühl oder Druckempfindlichkeit: Möglich beim Sitzen, Gehen, Abwischen, bei körperlicher Aktivität, vaginaler Penetration oder gynäkologischen Untersuchungen [3, LL1]
  • Symptome des unteren Harntrakts (LUTS; Beschwerden der Harnblase und Harnröhre): Veränderungen der Urethra (Harnröhre), des periurethralen Gewebes (Gewebe um die Harnröhre) und der Harnblase können folgende Speicher- und Miktionssymptome (Beschwerden bei der Urinspeicherung und beim Wasserlassen) verursachen oder verstärken [3, LL1-LL3]:
    • Dysurie (schmerzhaftes oder erschwertes Wasserlassen) bzw. urethrales Brennen; in der AGATA-Studie bei 36,1 % der betroffenen Frauen [1]
    • Pollakisurie (häufiges Wasserlassen kleiner Urinmengen) bzw. erhöhte Miktionsfrequenz
    • Nykturie (nächtliches Wasserlassen)
    • Imperativer Harndrang (plötzlich auftretender, kaum unterdrückbarer Harndrang)
    • Dranginkontinenz (unwillkürlicher Urinverlust bei starkem Harndrang) bzw. Symptome einer überaktiven Blase (übermäßig aktiven Harnblase)

Begleitsymptome (sekundäre Symptome)
Diese Begleitsymptome sind weniger charakteristisch, können gleichzeitig mit einem genitourinären Syndrom der Menopause auftreten oder auf Komplikationen bzw. Differentialdiagnosen (andere mögliche Erkrankungsursachen) hinweisen:

  • Kontaktblutungen (Blutungen bei Berührung) bzw. Schmierblutungen (geringfügige Blutungen):
    • Bei gynäkologischen Untersuchungen
    • Beim Geschlechtsverkehr
    • Nach vaginaler Manipulation
    Leichte Kontaktblutungen können durch die erhöhte Verletzlichkeit der atrophischen Schleimhaut entstehen. Jede spontane, persistierende, rezidivierende oder nicht eindeutig erklärbare postmenopausale Blutung (Blutung nach den Wechseljahren) muss jedoch gesondert abgeklärt werden [3, LL1].
  • Verminderte Lubrikation: Kann Reibung, Schmerzen, Fissuren (Einrisse) und Kontaktblutungen bei vaginaler Penetration begünstigen [3, LL1].
  • Beeinträchtigung der Sexualfunktion: Möglich sind eine verminderte sexuelle Erregbarkeit, ein reduziertes genitales Empfinden, Orgasmusstörungen (Störungen des sexuellen Höhepunkts), eine verminderte sexuelle Zufriedenheit oder eine Abnahme des sexuellen Verlangens. Diese Beschwerden sind multifaktoriell und nicht spezifisch für das genitourinäre Syndrom der Menopause [3, LL1].
  • Vaginaler Ausfluss: Meist bestehen verminderte Vaginalsekrete; infolge von Veränderungen des vaginalen pH-Werts und des Mikrobioms (Gesamtheit der Mikroorganismen) kann jedoch auch ein wässriger oder vermehrter Ausfluss auftreten [3, LL1].
  • Rezidivierende Harnwegsinfektionen (wiederkehrende Infektionen der Harnwege) bzw. Zystitiden (Blasenentzündungen): Der menopausale Hormonmangel mit Veränderungen des vaginalen Mikrobioms und der periurethralen Gewebe kann rezidivierende Harnwegsinfektionen begünstigen [3, LL1-LL3].
  • Harninkontinenz (unwillkürlicher Urinverlust): Eine Dranginkontinenz kann Bestandteil des LUTS-Komplexes sein. Eine Belastungsinkontinenz (unwillkürlicher Urinverlust bei körperlicher Belastung) kann gleichzeitig bestehen, ist jedoch multifaktoriell; ein eindeutiger kausaler Zusammenhang mit dem genitourinären Syndrom der Menopause ist nicht belegt [3, LL2, LL3].
  • Rezidivierende vulvovaginale Beschwerden: Infektiöse Vaginitiden (Scheidenentzündungen), vulväre Dermatosen (Hauterkrankungen der Vulva), Kontaktreaktionen und andere Erkrankungen können ein genitourinäres Syndrom der Menopause imitieren oder gleichzeitig bestehen und müssen differentialdiagnostisch (zur Abgrenzung anderer Ursachen) abgeklärt werden [3, LL1].

Untersuchungsbefunde

Die nachfolgenden Prozentangaben beziehen sich ausschließlich auf Frauen mit diagnostizierter vulvovaginaler Atrophie in der AGATA-Studie [1]:

  • Schleimhauttrockenheit: 99,0 %
  • Ausdünnung bzw. Verlust der vaginalen Rugae (Schleimhautfalten): 92,1 %
  • Blässe der Schleimhaut: 90,7 %
  • Erhöhte Schleimhautverletzlichkeit bzw. Kontaktblutung: 71,9 %
  • Petechien (punktförmige Einblutungen): 46,7 %
  • Verminderte Vaginalsekretion bzw. fehlende Schleimhautbefeuchtung [3, LL1]
  • Blässe, Erythem (Rötung) oder entzündlich imponierende Veränderungen der Vulva, des Vestibulums oder der Vaginalschleimhaut [3, LL1]
  • Verminderte Elastizität, Verkürzung oder Verengung der Vagina bzw. Stenose (Verengung) des Introitus (Scheideneingangs) [3, LL1]
  • Abflachung der vaginalen Fornices (Scheidengewölbe) [3]
  • Fissuren oder Druckschmerzhaftigkeit im Bereich des Vestibulums [3]
  • Verminderung des Fettgewebes der Labia majora (großen Schamlippen) sowie Verkleinerung, Resorption oder Fusion der Labia minora (kleinen Schamlippen) [3, LL1]
  • Retraktion (Zurückziehung), verminderte Verschieblichkeit oder Adhäsionen (Verklebungen) der Klitorisvorhaut [3, LL1]
  • Prominenz des Urethralmeatus (Harnröhrenöffnung) sowie periurethrale Petechien, Erytheme oder Fissuren [3, LL1]
  • Erhöhter vaginaler pH-Wert, häufig > 5; unterstützender, jedoch nicht allein diagnostischer Befund [3, LL1]

Beachte: Die Schwere der subjektiven Beschwerden und das Ausmaß der objektiven Untersuchungsbefunde korrelieren nicht zuverlässig. Ausgeprägte Beschwerden können trotz nur diskreter klinischer Atrophiezeichen bestehen [3, LL1].

Red Flags (Warnzeichen) bei genitourinärem Syndrom der Menopause

Die folgenden Symptome und Befunde sind nicht ausreichend durch ein genitourinäres Syndrom der Menopause zu erklären und erfordern eine zeitnahe differentialdiagnostische Abklärung [3, LL1]:

  • Spontane, persistierende oder rezidivierende postmenopausale Blutung
  • Rezidivierende oder zunehmende postkoitale Blutung (Blutung nach dem Geschlechtsverkehr)
  • Fokale vulväre oder vaginale Läsionen (umschriebene Gewebeveränderungen), Ulzerationen (Geschwüre), Indurationen (Verhärtungen), Knoten, persistierende Fissuren oder irreguläre Pigmentierungen
  • Persistierender oder progredienter (zunehmender) vulvovaginaler Pruritus bzw. Schmerz
  • Fehlendes Ansprechen auf eine sachgerechte Behandlung bzw. rasche Verschlechterung der Beschwerden
  • Blutiger, eitriger oder übelriechender vaginaler Ausfluss
  • Makrohämaturie (sichtbares Blut im Urin) bzw. persistierende Mikrohämaturie (nur mikroskopisch nachweisbares Blut im Urin)
  • Persistierende Dysurie, Pollakisurie oder Drangsymptomatik bei wiederholt negativer Urinkultur bzw. fehlendem Ansprechen auf eine adäquate Behandlung
  • Fieber, Flankenschmerzen, Unterbauchschmerzen oder reduzierter Allgemeinzustand in Verbindung mit Harnwegsbeschwerden
  • Akuter Harnverhalt (plötzliches Unvermögen, die Harnblase zu entleeren)

Literatur

  1. Palma F, Volpe A, Villa P et al.: Vaginal atrophy of women in postmenopause. Results from a multicentric observational study: The AGATA study. Maturitas. 2016;83:40-44. doi: 10.1016/j.maturitas.2015.09.001.
  2. Portman DJ, Gass MLS, Vulvovaginal Atrophy Terminology Consensus Conference Panel: Genitourinary Syndrome of Menopause: New Terminology for Vulvovaginal Atrophy from the International Society for the Study of Women's Sexual Health and The North American Menopause Society. J Sex Med. 2014;11(12):2865-2872. doi: 10.1111/jsm.12686.
  3. Simon JA, Nappi RE, Chedraui P et al.: Genitourinary syndrome of menopause (GSM): recommendations from the Fifth International Consultation on Sexual Medicine (ICSM 2024). Sex Med Rev. 2026;14(1):qeaf055. doi: 10.1093/sxmrev/qeaf055.
  4. Woods NF, Shaver JF, Berg JA: Genitourinary Syndrome of Menopause: Prevalence and Predictors. Clin Obstet Gynecol. 2024;67(1):27-42. doi: 10.1097/GRF.0000000000000847.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. British Menopause Society: Genitourinary Syndrome of Menopause (GSM). BMS Consensus Statement. Reviewed November 2025. Konsensuspapier [LL1]
  2. S3-Leitlinie Konsultationsfassung: Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen [Stand: 09.06.2026; gültig bis 01.10.2026]. (AWMF-Registernummer 015-062 KF). Juni 2026 Kurzfassung [LL2]
  3. National Institute for Health and Care Excellence: Menopause: identification and management. NICE Guideline NG23. Published November 2015; last updated April 2026. Leitlinienseite Langfassung [LL3]