Polyzystisches-Ovar-Syndrom (PCO-Syndrom) – Anamnese
Die Anamnese (Krankengeschichte) stellt stellt einen wichtigen Baustein in der Diagnostik des Polyzystischen-Ovar-Syndroms (PCO-Syndrom)/Polyendokrines metabolisches Ovarsyndrom (PMOS) dar.
Familienanamnese
- Gibt es in Ihrer Familie gehäuft Mamma-, Ovarial-, Endometrium- oder Kolonkarzinome (Brust-, Eierstock-, Gebärmutterschleimhaut- oder Dickdarmkrebs) bzw. ein bekanntes hereditäres Tumorsyndrom (erbliches Krebssyndrom), z. B. ein hereditäres Brust- und Eierstockkrebssyndrom (erbliche Veranlagung für Brust- und Eierstockkrebs) oder Lynch-Syndrom (erbliches Krebsrisikosyndrom)?
- Traten bei weiblichen Angehörigen eine prämature Ovarialinsuffizienz oder eine frühe Menopause vor dem 45. Lebensjahr auf?
- Gibt es in Ihrer Familie Osteoporose (Knochenschwund) oder niedrigtraumatische Frakturen (Knochenbrüche nach geringfügiger Belastung), insbesondere Hüft- oder Wirbelkörperfrakturen?
- Sind bei nahen Angehörigen venöse Thromboembolien (Blutgerinnsel in Venen oder Lunge), bekannte hereditäre Thrombophilien (erblich erhöhte Blutgerinnungsneigung) oder früh aufgetretene kardiovaskuläre Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen) bekannt, insbesondere wenn eine systemische Menopausenhormontherapie erwogen wird?
Sozialanamnese
- Gibt es Hinweise auf eine Doppelbelastung durch Beruf und Familie?
- Bestehen derzeit psychosoziale Belastungen, z. B. im familiären Umfeld, im Beruf oder durch Pflegeverantwortung?
- Besteht eine einschneidende Lebensveränderung, z. B. Trennung, Verlust oder Pflege von Angehörigen?
- Leben Sie allein oder in einer Partnerschaft?
- Wie empfinden Sie Ihre soziale Unterstützung und emotionale Stabilität im Alltag?
- Beeinträchtigen die genitalen, sexuellen oder den unteren Harntrakt betreffenden Beschwerden Ihre Partnerschaft, Ihre Sexualität oder Ihre sozialen Aktivitäten?
- Beeinträchtigen Harndrang, häufiges Wasserlassen oder Harninkontinenz (unwillkürlicher Harnverlust) Ihre beruflichen und privaten Aktivitäten oder die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben?
- Planen Sie Aktivitäten nach der Verfügbarkeit einer Toilette oder vermeiden Sie bestimmte Situationen aus Sorge vor Harndrang oder unwillkürlichem Harnverlust?
Aktuelle Anamnese/Systemanamnese (somatische und psychische Beschwerden)
Vegetative und psychische Symptome
- Haben Sie Hitzewallungen oder Schweißausbrüche bemerkt, insbesondere nachts?
- Bestehen Ein- oder Durchschlafstörungen bzw. eine insgesamt verkürzte Schlafdauer?
- Wird Ihr Schlaf durch Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Harndrang oder nächtliches Wasserlassen unterbrochen?
- Fühlen Sie sich emotional labil, z. B. mit Weinerlichkeit, Reizbarkeit, Nervosität oder gedrückter Stimmung?
- Bestehen Antriebsminderung, Interessenverlust, ausgeprägte Ängstlichkeit oder depressive Verstimmung?
- Haben Sie Konzentrations-, Merkfähigkeits- oder Gedächtnisstörungen festgestellt?
Körperliche Beschwerden
- Kam es zu einer ausgeprägten oder unbeabsichtigten Gewichtsveränderung?
- Bestehen ausgeprägte Erschöpfung, Kälte- oder Wärmeintoleranz oder andere Beschwerden, die auf eine endokrine Differentialdiagnose hinweisen könnten?
- Bestehen Obstipation (Verstopfung), erschwerte Stuhlentleerung, Stuhlinkontinenz (unwillkürlicher Stuhlabgang) oder das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung?
- Bestehen Kreuzschmerzen, Rückenschmerzen, Gelenkbeschwerden oder chronische Beckenschmerzen?
- Haben Sie Herzklopfen, Herzstolpern oder Herzrasen bemerkt?
- Bestehen neu aufgetretene Muskelschwäche, Gangunsicherheit, Sensibilitätsstörungen (Störungen des Empfindens) oder Taubheitsgefühle im Bereich von Gesäß, Genitalregion oder Oberschenkeln?
Urogenitale Beschwerden
- Seit wann bestehen die urogenitalen Beschwerden und traten sie im zeitlichen Zusammenhang mit der Perimenopause (Übergangsphase vor und nach der letzten Regelblutung), Menopause (Zeitpunkt der letzten Regelblutung), einer Ovarektomie, Chemotherapie, Strahlentherapie oder endokrinen Therapie auf?
- Bestehen die Beschwerden dauerhaft oder intermittierend und haben sie im Verlauf an Häufigkeit oder Intensität zugenommen?
- Bestehen Schmerzen, Brennen oder andere Beschwerden bei der Miktion (Wasserlassen)?
- Besteht eine erhöhte Miktionsfrequenz (häufigeres Wasserlassen) am Tag?
- Besteht ein plötzlich einsetzender, schwer unterdrückbarer Harndrang?
- Wie oft müssen Sie nachts zur Miktion aufstehen und wird dadurch Ihr Schlaf beeinträchtigt?
- Kommt es im Zusammenhang mit starkem Harndrang zu einer Drangharninkontinenz (Harnverlust bei plötzlich starkem Harndrang)?
- Kommt es beim Husten, Niesen, Lachen, Heben, Treppensteigen oder bei körperlicher Belastung zu einer Belastungsharninkontinenz (Harnverlust bei körperlicher Belastung)?
- Tritt sowohl im Zusammenhang mit Harndrang als auch bei körperlicher Belastung ein unwillkürlicher Harnverlust im Sinne einer Mischharninkontinenz (Kombination aus Belastungs- und Drangharninkontinenz) auf?
- Wie häufig und in welcher Menge tritt der Harnverlust auf und verwenden Sie Einlagen, Vorlagen oder andere Hilfsmittel?
- Besteht ein kontinuierlicher, von Harndrang und körperlicher Belastung unabhängiger Harnverlust als möglicher Hinweis auf eine urogenitale Fistel (unnatürliche Verbindung zwischen Harnwegen und Genitaltrakt)?
- Ist ein neu aufgetretenes nächtliches Einnässen zu beobachten?
- Bestehen Startschwierigkeiten, ein verzögerter Miktionsbeginn oder die Notwendigkeit, zur Blasenentleerung zu pressen?
- Ist der Harnstrahl abgeschwächt, unterbrochen, gespalten oder sprühend?
- Dauert die Blasenentleerung auffällig lange?
- Besteht am Ende der Miktion ein verlängertes Nachträufeln?
- Besteht nach der Miktion das Gefühl einer unvollständigen Blasenentleerung?
- Kommt es nach dem Aufstehen von der Toilette zu einem erneuten Harnverlust?
- War die Blasenentleerung zeitweise gar nicht oder nur durch bestimmte Körperhaltungen, manuelle Unterstützung oder andere Hilfsmaßnahmen möglich?
- Bestehen Druck, Zuggefühl, Fremdkörpergefühl oder eine tast- bzw. sichtbare Vorwölbung im Bereich der Scheide?
- Müssen Sie eine vaginale Vorwölbung zur Blasen- oder Darmentleerung manuell zurückdrängen?
- Sind wiederholt Harnwegsinfektionen aufgetreten? Falls ja: Wie häufig, wurden Urinkulturen angelegt und besteht ein zeitlicher Zusammenhang mit Geschlechtsverkehr?
- Traten sichtbares Blut im Urin, Fieber, Schüttelfrost, Flankenschmerzen, ausgeprägte Unterbauchschmerzen oder neu aufgetretene Beckenschmerzen auf?
- Bestehen Harntröpfeln oder eitriger Ausfluss aus der Harnröhre (Urinröhre)?
- Wie hoch sind die tägliche Trinkmenge und der Konsum von Kaffee, Tee, koffeinhaltigen Getränken und Alkohol?
- Wie stark beeinträchtigen Harndrang, erhöhte Miktionsfrequenz, Nykturie (nächtliches Wasserlassen), Harninkontinenz oder Blasenentleerungsstörungen (Störungen beim vollständigen Entleeren der Harnblase) Ihren Alltag und Ihre Lebensqualität?
Menstruelle Veränderungen
- Wann war die letzte spontane Regelblutung?
- Bestehen Veränderungen der Zykluslänge, Blutungsdauer oder Blutungsstärke?
- Kam es zum Ausbleiben der Regelblutung und seit wann besteht die Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung)?
- Sind nach mindestens zwölfmonatiger Amenorrhoe erneut vaginale Blutungen aufgetreten?
- Bestehen Zwischenblutungen, unregelmäßige Blutungen oder Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr?
- Bestehen Blutungen unter einer Menopausenhormontherapie oder nach einer Änderung des Hormonschemas?
Sexuelle Beschwerden
- Besteht eine Scheidentrockenheit oder verminderte Lubrikation (Befeuchtung), auch außerhalb sexueller Aktivität?
- Bestehen Brennen, Juckreiz, Wundgefühl, Reizung oder Schmerzen im Bereich von Vulva, Vestibulum (Scheidenvorhof) oder Vagina?
- Treten Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auf? Falls ja: Bestehen die Schmerzen am Scheideneingang, innerhalb der Scheide oder tief im kleinen Becken?
- Treten die Schmerzen zu Beginn, während oder nach dem Geschlechtsverkehr auf und wie lange halten sie an?
- Kommt es beim oder nach dem Geschlechtsverkehr zu kleinen Einrissen, Wundgefühl oder Blutungen?
- Bestehen Berührungsschmerzen oder Beschwerden beim Einführen von Tampons, Vaginalapplikatoren oder bei einer gynäkologischen Untersuchung?
- Haben Sie eine verminderte sexuelle Lust oder eine Veränderung von Erregbarkeit, Orgasmusfähigkeit oder sexuellem Erleben festgestellt?
- Werden sexuelle Aktivitäten aufgrund der Beschwerden eingeschränkt oder vermieden?
- Haben Sie einen vermehrten oder veränderten vaginalen Ausfluss bemerkt? Falls ja: Welche Farbe, Konsistenz und welchen Geruch weist der Ausfluss auf?
- Besteht ein unangenehmer oder fischartiger Geruch, insbesondere nach dem Geschlechtsverkehr?
- Haben Sie Verfärbungen, Einrisse, Bläschen, Ulzerationen (Geschwüre), Blutungen, Verhärtungen oder andere tastbare Veränderungen im Genitalbereich bemerkt?
- Bestehen fokale, einseitige oder anhaltende Beschwerden, die sich unter einer bisherigen Behandlung nicht gebessert haben?
- Verwenden Sie Gleitmittel, vaginale Feuchtigkeitspräparate oder andere lokale Präparate und wie wirksam bzw. verträglich sind diese?
- Welche bisherigen lokalen oder systemischen Behandlungsversuche wurden durchgeführt und wie haben sich die Beschwerden darunter verändert?
Haut- und Haarveränderungen
- Haben Sie eine vermehrte Trockenheit, Verletzlichkeit, Reizung oder Faltenbildung der Haut bemerkt?
- Ist Ihnen ein diffuser oder umschriebener Haarausfall aufgefallen?
- Besteht eine verstärkte Gesichts- oder Körperbehaarung, insbesondere im Bereich von Oberlippe oder Kinn?
- Bestehen außerhalb des Genitalbereichs Haut- oder Schleimhautveränderungen, die auf eine dermatologische oder autoimmune Erkrankung hinweisen könnten?
Eigenanamnese
- Vorerkrankungen:
- Autoimmunerkrankungen (Erkrankungen durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems), insbesondere Sjögren-Syndrom (Autoimmunerkrankung mit ausgeprägter Schleimhauttrockenheit) oder andere Erkrankungen mit Haut- oder Schleimhauttrockenheit?
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)?
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
- Hypertonie (Bluthochdruck)?
- Schilddrüsenfunktionsstörungen (Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse)?
- Lebererkrankungen?
- Venöse Thromboembolien oder bekannte Thrombophilie?
- Mamma-, Ovarial-, Endometrium-, Zervix-, Vaginal- oder Vulvakarzinom (Brust-, Eierstock-, Gebärmutterschleimhaut-, Gebärmutterhals-, Scheiden- oder Vulvakrebs) bzw. andere Tumorerkrankungen?
- Osteoporose oder niedrigtraumatische Frakturen?
- Rezidivierende Harnwegsinfektionen (wiederkehrende Harnwegsinfektionen)?
- Harninkontinenz, überaktive Blase (Blase mit starkem und häufigem Harndrang), Blasenentleerungsstörung oder Harnverhaltung (Unfähigkeit, die Harnblase zu entleeren)?
- Genitalprolaps (Senkung oder Vorfall der Genitalorgane) oder andere Beckenbodendysfunktionen (Funktionsstörungen des Beckenbodens)?
- Urogenitale Fisteln?
- Vulväre Dermatosen (Hauterkrankungen der Vulva), z. B. Lichen sclerosus (chronisch-entzündliche Hauterkrankung des Genitalbereichs), Lichen planus (Knötchenflechte), Lichen simplex chronicus (chronisch verdickte und juckende Haut), Psoriasis (Schuppenflechte) oder Kontaktdermatitis (entzündliche Hautreaktion nach Kontakt mit Reiz- oder Allergiestoffen)?
- Rezidivierende vaginale oder vulväre Infektionen?
- Vulvodynie (chronische Schmerzen der Vulva), Vestibulodynie (chronische Schmerzen am Scheidenvorhof), Beckenbodendysfunktion oder chronisches Beckenschmerzsyndrom (lang anhaltende Schmerzen im Beckenbereich)?
- Neurologische Erkrankungen (Erkrankungen des Nervensystems), die die Blasen-, Darm- oder Sexualfunktion beeinflussen können?
- Wann trat die Menopause ein und war sie spontan, operativ oder durch Medikamente, Chemotherapie oder Strahlentherapie bedingt?
- Besteht eine prämature Ovarialinsuffizienz oder frühe Menopause?
- Wurden in der Vergangenheit gynäkologische Operationen durchgeführt, z. B. Hysterektomie, ein- oder beidseitige Ovarektomie oder Myomektomie?
- Haben Sie eine Descensus- oder Inkontinenzoperation erhalten?
- Wurden andere Operationen im kleinen Becken, an der Harnblase, Harnröhre oder am Darm durchgeführt?
- Bestehen Folgen einer Chemotherapie, Strahlentherapie oder endokrinen Tumortherapie?
- Wie viele Schwangerschaften und Geburten hatten Sie und kam es zu vaginal-operativen Geburten, höhergradigen Geburtsverletzungen oder anderen Beckenbodenschäden?
- Bestehen chronischer Husten, Asthma, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (dauerhafte Lungenerkrankung mit verengten Atemwegen) oder chronische Obstipation mit starkem Pressen?
- Rauchen Sie oder haben Sie früher geraucht?
- Bestehen bekannte Allergien oder Unverträglichkeiten gegenüber Arzneimitteln, Hilfsstoffen, Gleitmitteln, Intimpflegeprodukten oder lokalen Vaginalpräparaten?
Medikamentenanamnese
- Antibiotika oder Antimykotika, insbesondere wiederholte oder länger dauernde Behandlungen
- Immunsuppressiva
- Hormone und endokrine Therapien
- Glucocorticoide
- Hormonelle Kontrazeptiva
- Systemische Menopausenhormontherapie, z. B. oral oder transdermal
- Lokale vaginale Estrogene
- Vaginales Prasteron oder Ospemifen
- Aromatasehemmer
- Selektive Estrogenrezeptormodulatoren, insbesondere Tamoxifen
- GnRH-Analoga oder andere ovarialsuppressive Therapien
- Schilddrüsenhormone
- Diuretika
- SGLT-2-Inhibitoren
- Antidepressiva, Antipsychotika, Sedativa oder Schlafmittel
- Anticholinergika bzw. Antimuskarinika oder andere Arzneimittel, die die Blasenentleerung beeinflussen können
- Antihistaminika
- Opioide
- Zytostatika
- Vaginale Feuchtigkeitspräparate, Gleitmittel, Intimpflegeprodukte, pflanzliche Präparate oder andere frei verkäufliche lokale Produkte
Unsere Empfehlung: Drucken Sie die Anamnese aus, markieren Sie alle mit „Ja“ beantworteten Fragen und nehmen Sie das Dokument mit zu Ihrem behandelnden Arzt.