Eierstock- und Eileiterentzündung (Adnexitis) – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Salpingitis (Eileiterentzündung) bzw. Oophoritis (Eierstockentzündung) (Adnexitis (Entzündung der Eileiter und Eierstöcke)) mitbedingt sein können:
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Rezidivierende Adnexitis/PID (wiederkehrende Entzündung der Eileiter und Eierstöcke/Beckenentzündung) – insbesondere nach unvollständiger Erregereradikation (vollständige Beseitigung der Krankheitserreger), erneuter Exposition (erneutem Kontakt mit Krankheitserregern) oder verzögerter Therapie (Behandlung) [1, 2]
- Sepsis (Blutvergiftung) – seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Komplikation bei schwerer aufsteigender Infektion, Tuboovarialabszess oder Peritonitis [1, 2]
Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (K70-K77; K80-K87)
- Perihepatitis (Entzündung der Leberkapsel) (Fitz-Hugh-Curtis-Syndrom (Entzündung der Leberkapsel bei Beckenentzündung)) – perihepatische Entzündung (Entzündung im Bereich der Leberkapsel) im Rahmen einer aufsteigenden Genitalinfektion (Infektion der Geschlechtsorgane), insbesondere bei Chlamydia-trachomatis- oder Neisseria-gonorrhoeae-assoziierter Adnexitis/PID [1, 2]
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Peritonitis (Bauchfellentzündung) bzw. Pelvioperitonitis (Bauchfellentzündung im kleinen Becken) – insbesondere bei Ausbreitung der Infektion über das kleine Becken hinaus oder nach Ruptur (Einriss/Platzen) eines Tuboovarialabszesses [1, 2]
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs) – eine klinisch verifizierte Adnexitis/PID ist epidemiologisch (bevölkerungsbezogen) mit einem erhöhten Risiko für das epitheliale Ovarialkarzinom (von der Eierstockoberfläche ausgehender Eierstockkrebs) assoziiert; in einer nationalen bevölkerungsbasierten Fall-Kontroll-Studie (Studie mit Vergleich von Erkrankten und Nichterkrankten) aus Schweden betrug das adjustierte Odds-Ratio (bereinigtes Chancenverhältnis) 1,39. Dies ist als Risikofaktor (Einflussgröße, die das Erkrankungsrisiko erhöht) bzw. Assoziation (statistischer Zusammenhang), nicht als gesicherte unmittelbare Folgekomplikation zu werten [6, 7]
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)
- Extrauteringravidität (Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter) – insbesondere Tubargravidität (Eileiterschwangerschaft) infolge entzündlicher Tubenschädigung (Schädigung des Eileiters), Narbenbildung und gestörter Tubenfunktion (gestörter Eileiterfunktion) [1, 3, 5]
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Chronischer Unterbauch- bzw. Beckenschmerz (länger anhaltender Schmerz im Unterbauch bzw. Becken) – typische Langzeitfolge nach akuter oder rezidivierender Adnexitis/PID, häufig begünstigt durch persistierende Entzündung (anhaltende Entzündung), Adhäsionen oder Tubenschädigung [1, 2, 4]
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Adhäsionen im kleinen Becken (Verwachsungen im kleinen Becken) – entzündlich bedingte Verwachsungen nach Salpingitis, Pelvioperitonitis oder Tuboovarialabszess [1, 2]
- Hydrosalpinx (flüssigkeitsgefüllter Eileiter) – chronische flüssigkeitsgefüllte Tubendilatation (Erweiterung des Eileiters) nach entzündlicher Tubenschädigung [1, 3]
- Infertilität (Unfruchtbarkeit) bzw. Sterilität (dauerhafte Unfruchtbarkeit) durch Tubenfaktor (eileiterbedingte Ursache) – zentrale Langzeitfolge nach Salpingitis, insbesondere bei verzögerter Therapie, schwerem Verlauf oder Rezidiven (Wiederauftreten der Erkrankung) [1, 3, 5]
- Pyosalpinx (eitergefüllter Eileiter) – eitrige Tubenfüllung (Eiteransammlung im Eileiter) als Ausdruck einer schweren Salpingitis [1, 2]
- Tuboovarialabszess (Eiteransammlung an Eileiter und Eierstock) – schwere komplizierte Form der Adnexitis/PID mit abgekapselter eitriger Entzündung im Bereich von Tube (Eileiter) und Ovar (Eierstock) [1, 2]
Prognosefaktoren
- Behandlungsverzögerung – erhöht das Risiko für Tubenschädigung, Infertilität, Extrauteringravidität und chronische Schmerzen [1, 2]
- Chlamydia-trachomatis-Infektion – relevant für klinisch milde oder subklinische Verläufe (Verläufe ohne deutliche Krankheitszeichen) mit späterer Tubenschädigung [1, 3]
- Rezidivierende Adnexitis/PID – erhöht das Risiko für chronische Schmerzen, Adhäsionen und tubare Infertilität (eileiterbedingte Unfruchtbarkeit) [1, 2]
- Schwerer klinischer Verlauf mit Tuboovarialabszess oder Peritonitis – erhöht das Risiko für operative Interventionen (Eingriffe), Sepsis und bleibende Fertilitätseinschränkungen (Einschränkungen der Fruchtbarkeit) [1, 2]
Literatur
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Leitlinien
- S2k-Leitlinie: Chronischer Unterbauchschmerz der Frau (AWMF-Register-Nr. 016-001) November 2022 Langfassung.
- CDC: Sexually Transmitted Infections Treatment Guidelines – Pelvic Inflammatory Disease, 2021, Onlinefassung. Leitlinie.
- Ross J, Guaschino S, Cusini M, Jensen J: 2017 European guideline for the management of pelvic inflammatory disease. Int J STD AIDS. 2018;29(2):108-114. doi: 10.1177/0956462417744099.
- BASHH: United Kingdom National Guideline for the Management of Pelvic Inflammatory Disease, 2019 Interim Update. Leitlinie.