Brachymenorrhoe – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Brachymenorrhoe (verkürzte Menstruationsblutung) mitbedingt sein können:

Die Brachymenorrhoe bezeichnet eine verkürzte Menstruationsblutung. Sie ist primär ein Blutungsmuster und keine eigenständige Erkrankung. Eine isolierte, stabile Brachymenorrhoe bei regelmäßigem Zyklus, normaler Blutungsstärke, fehlenden Beschwerden und unauffälligem gynäkologisch-endokrinologischem Befund hat meistens keinen eigenen Krankheitswert. Folgeerkrankungen sind für die isolierte kurze Blutungsdauer nicht gesichert, sondern nur indirekt bei zugrunde liegender endokriner (hormoneller), endometrialer (die Gebärmutterschleimhaut betreffender), intrauteriner (innerhalb der Gebärmutter liegender) oder iatrogener (durch medizinische Maßnahmen verursachter) Ursache plausibel bzw. belegt [1-4].

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Osteopenie/Osteoporose (verminderte Knochendichte/Knochenschwund) – nicht Folge der Brachymenorrhoe selbst, sondern nur bei chronischem Hypoöstrogenismus (Östrogenmangel), insbesondere im Rahmen einer funktionellen hypothalamischen Zyklusstörung (durch eine Fehlsteuerung im Zwischenhirn bedingte Regelstörung) oder prämaturen Ovarialinsuffizienz (vorzeitigen Eierstockschwäche), relevant [3, 5, 6].

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Krankheitsbezogene psychische Belastung – möglich bei neu aufgetretener oder persistierender (anhaltender) Brachymenorrhoe, insbesondere bei Kinderwunsch, Sorge vor Fertilitätsstörung (Fruchtbarkeitsstörung) oder Verdacht auf intrauterine bzw. endokrine Ursachen; eine eigenständige brachymenorrhoespezifische Folgeerkrankung ist nicht belegt [1, 2, 4].

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Frühschwangerschaftsverlust (Fehlgeburt in der frühen Schwangerschaft) – nicht durch die kurze Blutungsdauer selbst gesichert; allenfalls indirekt bei zugrunde liegender Endometriumstörung (Störung der Gebärmutterschleimhaut), Endometriumatrophie (Rückbildung der Gebärmutterschleimhaut), intrauterinen Synechien (Verwachsungen in der Gebärmutterhöhle) oder prämaturer Ovarialinsuffizienz zu berücksichtigen [2, 4, 6].

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Infertilität/Subfertilität (Unfruchtbarkeit/eingeschränkte Fruchtbarkeit) – nicht als direkte Folge der isolierten Brachymenorrhoe gesichert; möglich bei zugrunde liegender ovulatorischer Dysfunktion (Störung des Eisprungs), unzureichender endometrialer Proliferation (unzureichendem Aufbau der Gebärmutterschleimhaut), Endometriumatrophie, intrauterinen Synechien oder prämaturer Ovarialinsuffizienz. Prospektive Kohortendaten (vorausschauend erhobene Verlaufsdaten aus einer Personengruppe) zeigen für eine Blutungsdauer < 3 Tage gegenüber 3-4 Tagen nur eine nicht eindeutig signifikante Reduktion der Fekundabilität (Verringerung der Wahrscheinlichkeit, pro Zyklus schwanger zu werden) [4, 6].
  • Sekundäre Amenorrhoe/Oligomenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung nach vorheriger Regelblutung/zu seltene Regelblutung) – nicht Folge der Brachymenorrhoe selbst, sondern möglicher Verlauf einer zugrunde liegenden hypothalamisch-hypophysär-ovariellen Dysfunktion (Störung der Steuerachse zwischen Zwischenhirn, Hirnanhangsdrüse und Eierstock), eines chronischen Hypoöstrogenismus oder einer prämaturen Ovarialinsuffizienz [3, 5, 6].

Prognosefaktoren

  • Günstige Prognose – stabile, seit der Menarche (ersten Regelblutung) bestehende kurze Menstruationsdauer, regelmäßiger Zyklus, normale Blutungsstärke, fehlende Dysmenorrhoe (Regelschmerzen), kein unerfüllter Kinderwunsch und unauffälliger gynäkologisch-endokrinologischer Befund.
  • Ungünstigere prognostische Konstellation – neu aufgetretene oder progrediente (fortschreitende) Brachymenorrhoe, Blutungsdauer < 2 Tage, gleichzeitige Hypomenorrhoe (zu schwache Regelblutung), Oligomenorrhoe oder Amenorrhoe, unerfüllter Kinderwunsch, wiederholte Frühschwangerschaftsverluste, Zustand nach Kürettage (Ausschabung) oder intrauteriner Operation, Verdacht auf intrauterine Synechien, Hinweise auf Hypoöstrogenismus, Untergewicht, Essstörung, intensive sportliche Belastung, Hyperprolaktinämie (erhöhter Prolaktinspiegel), Schilddrüsenfunktionsstörung oder prämature Ovarialinsuffizienz.
  • Titelabgrenzung – Brachymenorrhoe betrifft ausschließlich die verkürzte Blutungsdauer. Polymenorrhoe (zu häufige Regelblutung) betrifft die Zyklusfrequenz, Hypomenorrhoe die Blutungsmenge, Hypermenorrhoe (zu starke Regelblutung) die verstärkte Blutung und Menorrhagie (zu lange Regelblutung) die verlängerte Blutungsdauer; diese Entitäten (Krankheitseinheiten) dürfen nicht als Folgeerkrankungen der Brachymenorrhoe vermischt werden [1, 2].
  • Evidenzgrenze – für die isolierte Brachymenorrhoe existieren keine belastbaren Daten zu eigenständigen Folgeerkrankungen. Medizinisch relevant ist die Brachymenorrhoe vor allem als möglicher Hinweis auf eine zugrunde liegende endokrine, endometriale, intrauterine oder iatrogene Ursache.

Literatur

  1. Jain V, Munro MG, Critchley HOD: Contemporary evaluation of women and girls with abnormal uterine bleeding: FIGO Systems 1 and 2. Int J Gynaecol Obstet. 2023;162 Suppl 2:29-42. doi: 10.1002/ijgo.14946.
  2. Habiba M, Benagiano G: The Duration of Menstrual Blood Loss: Historical to Current Understanding. Reproductive Medicine. 2023;4(3):145-165. doi: 10.3390/reprodmed4030015.
  3. Indirli R, Lanzi V, Mantovani G et al.: Bone health in functional hypothalamic amenorrhea: What the endocrinologist needs to know. Front Endocrinol. 2022;13:946695. doi: 10.3389/fendo.2022.946695.
  4. Wise LA, Mikkelsen EM, Rothman KJ et al.: A prospective cohort study of menstrual characteristics and time to pregnancy. Am J Epidemiol. 2011;174(6):701-709. doi: 10.1093/aje/kwr130.

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen (AWMF-Register-Nr. 015-062) Version 2.3, Januar 2020 Langfassung
  2. Endocrine Society Clinical Practice Guideline: Functional Hypothalamic Amenorrhea. J Clin Endocrinol Metab. 2017;102(5):1413-1439. doi: 10.1210/jc.2017-00131. Guideline Resources.
  3. ESHRE/ASRM/IMS Evidence-based Guideline: Premature Ovarian Insufficiency. Hum Reprod Open. 2024;2024(4):hoae065. doi: 10.1093/hropen/hoae065. Guideline Resources.