Geeignete Nahrungsmittel in der Schwangerschaft

Eine pflanzenbetonte, ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung unterstützt die bedarfsgerechte Versorgung der Schwangeren sowie Wachstum und Entwicklung des Fetus. Da der Bedarf an mehreren Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Protein und langkettigen Omega-3-Fettsäuren stärker zunimmt als der Energiebedarf, steht nicht eine wesentlich größere Lebensmittelmenge, sondern eine höhere Nährstoffdichte der Ernährung im Vordergrund. Die Empfehlung „für zwei essen“ ist daher nicht sachgerecht; zutreffender ist der Grundsatz, für zwei zu denken und besonders hochwertig auszuwählen [1, 2, LL1, LL2].

Grundprinzipien der Lebensmittelauswahl

  • Pflanzenbetonte Ernährung:
    • Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen sollen den größten Anteil der Ernährung bilden.
    • Eine abwechslungsreiche Auswahl verbessert die Versorgung mit Folat, Vitamin C, Kalium, Magnesium, Ballaststoffen und zahlreichen bioaktiven Wirkstoffen.
    • Saisonale und regionale Lebensmittel können aus ökologischer Sicht vorteilhaft sein. Eine generelle medizinische Notwendigkeit, ausschließlich Lebensmittel aus ökologischem Anbau zu verzehren, besteht nicht.
  • Tierische Lebensmittel mäßig und gezielt:
    • Milch und Milchprodukte, Eier, Fisch sowie geringe bis mäßige Mengen Fleisch können zur Versorgung mit Protein, Calcium, Jod, Eisen, Vitamin B12 und langkettigen Omega-3-Fettsäuren beitragen.
    • Fettarmes Fleisch ist gegenüber fettreichen oder stark verarbeiteten Fleisch- und Wurstwaren zu bevorzugen.
    • Milch, Milchprodukte und Käse müssen aus pasteurisierter oder ultrahocherhitzter Milch hergestellt sein; zusätzliche Einschränkungen zur Vermeidung einer Listeriose sind zu beachten.
  • Nährstoffdichte vor Energiedichte:
    • Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte sind Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Vollkornprodukte, Milchprodukte, Eier, Fisch, Nüsse und Samen.
    • Süßwaren, Gebäck, salzige Snacks, Fast Food und zuckerhaltige Getränke liefern häufig viel Energie, aber vergleichsweise wenige essenzielle Nährstoffe und sollen nur selten verzehrt werden.

Geeignete Lebensmittelgruppen

  • Gemüse und Obst:
    • Täglich sollen unterschiedliche Gemüse- und Obstarten verzehrt werden, wobei Gemüse mengenmäßig überwiegen sollte.
    • Geeignet sind frische, tiefgekühlte oder schonend gegarte Produkte ohne größere Zusätze von Zucker, Salz oder fettreichen Saucen.
    • Besonders folatreiche Lebensmittel sind grünes Blattgemüse, Spinat, Salate, Brokkoli, Hülsenfrüchte, Tomaten, Nüsse und Vollkornprodukte.
    • Vitamin-C-reiche Lebensmittel wie Paprika, Beeren, Zitrusfrüchte, Brokkoli oder Kohl verbessern bei gemeinsamer Aufnahme die Resorption von Nicht-Hämeisen aus pflanzlichen Lebensmitteln.
    • Roh verzehrtes Obst, Gemüse, Blattsalat und frische Kräuter müssen unmittelbar vor dem Verzehr gründlich unter fließendem Wasser gewaschen werden.
  • Vollkornprodukte, Kartoffeln und Hülsenfrüchte:
    • Vollkornbrot, Haferflocken, Naturreis, Vollkornnudeln, Kartoffeln, Bohnen, Linsen, Erbsen und Kichererbsen liefern komplexe Kohlenhydrate, Ballaststoffe, pflanzliches Protein, Folat, Eisen, Magnesium und Zink.
    • Der Richtwert für Erwachsene von mindestens 30 g Ballaststoffen pro Tag gilt auch als geeignete Orientierung in der Schwangerschaft.
    • Eine hohe Ballaststoffzufuhr soll mit einer ausreichenden Flüssigkeitsaufnahme kombiniert und bei bisher ballaststoffarmer Ernährung schrittweise gesteigert werden.
  • Milch und Milchprodukte:
    • Pasteurisierte Milch, Naturjoghurt, Kefir, Quark und pasteurisierte Käsearten sind geeignete Quellen für Protein, Calcium, Jod, Vitamin B2 und Vitamin B12.
    • Bei Käse sind pasteurisierte Hart- und Schnittkäse ohne Rinde zu bevorzugen.
    • Pflanzliche Milchalternativen liefern nur dann vergleichbare Mengen bestimmter Mikronährstoffe, wenn sie gezielt mit Calcium, Jod und ggf. Vitamin B12 angereichert sind. Nicht angereicherte Produkte sind insbesondere keine verlässliche Jod- oder Calciumquelle.
  • Fisch:
    • Empfohlen werden 1-2 Fischmahlzeiten pro Woche, darunter regelmäßig fettreicher Meeresfisch wie Lachs, Hering, Makrele oder Sardine [1, 4, LL1].
    • Fettreicher Meeresfisch liefert Docosahexaensäure (DHA), Eicosapentaensäure (EPA), Jod, Vitamin D und hochwertiges Protein.
    • Fettarme Fischarten wie Kabeljau oder Seelachs sind geeignete Protein- und Jodquellen, enthalten jedoch wesentlich weniger DHA als fettreiche Meeresfische.
    • Fisch muss vollständig durchgegart werden. Roher, gebeizter, kalt geräucherter oder nicht ausreichend erhitzter Fisch ist wegen des Infektionsrisikos nicht geeignet.
  • Fleisch und Eier:
    • Fettarmes, vollständig durchgegartes Fleisch kann zur Versorgung mit Protein, Eisen, Zink und Vitamin B12 beitragen.
    • Rotes Fleisch soll nicht täglich und verarbeitetes Fleisch bzw. Wurst nur sparsam verzehrt werden.
    • Eier sind geeignete Quellen für Protein, Cholin, Jod und mehrere Vitamine, müssen jedoch so erhitzt werden, dass Eigelb und Eiweiß vollständig fest sind.
  • Nüsse und Samen:
    • Eine kleine Handvoll ungesalzene Nüsse pro Tag ist eine geeignete Ergänzung der Ernährung.
    • Walnüsse, Leinsamen, Chiasamen und Rapsöl liefern α-Linolensäure. Die körpereigene Umwandlung von α-Linolensäure in DHA ist jedoch gering, sodass diese Lebensmittel fettreichen Meeresfisch oder ein DHA-Supplement nicht zuverlässig ersetzen.
    • Geschrotete Leinsamen können in üblichen Lebensmittelmengen verzehrt werden; hochkonzentrierte Samen-, Pflanzen- oder Kräuterpräparate sollen nicht ohne fachliche Prüfung eingesetzt werden.
  • Geeignete Fettquellen:
    • Rapsöl ist aufgrund seines günstigen Fettsäuremusters besonders geeignet.
    • Auch Olivenöl, Walnussöl, Nüsse, Samen und Avocado können verwendet werden.
    • Fette mit einem hohen Anteil gesättigter Fettsäuren, insbesondere größere Mengen Butter, Schmalz, Kokosfett und fettreiche Fleischwaren, sollen nur sparsam eingesetzt werden.

Flüssigkeitszufuhr

Als Orientierung gilt auch in der Schwangerschaft eine tägliche Trinkmenge von etwa 1,5 l. Bei Hitze, körperlicher Aktivität, Fieber, Erbrechen oder anderen erhöhten Flüssigkeitsverlusten ist eine entsprechend größere Zufuhr erforderlich. Eine pauschale Empfehlung von 40 ml/kg Körpergewicht ist für gesunde Schwangere nicht leitliniengerecht [1, LL1, LL2].

  • Bevorzugte Getränke:
    • Leitungswasser, Mineralwasser und ungesüßte Getränke.
    • Calciumreiches Mineralwasser kann bei geringer Aufnahme von Milch und Milchprodukten zur Calciumversorgung beitragen.
    • Ungesüßte Kräuter- und Früchtetees sollen abwechslungsweise und nicht dauerhaft in großen Mengen als einzelne Teesorte konsumiert werden.
  • Nur gelegentlich geeignete Getränke:
    • Fruchtsäfte und Smoothies sind aufgrund ihres Zuckergehalts keine gleichwertige Alternative zu Obst und kein regulärer Durstlöscher.
    • Saftschorlen sollen nur gelegentlich und stark verdünnt getrunken werden.
    • Light- und Zero-Getränke bieten keinen ernährungsphysiologischen Vorteil gegenüber Wasser. Aufgrund begrenzter und inkonsistenter Daten zu Schwangerschaftsoutcomes sollen sie nicht als Standardgetränk dienen.
  • Nicht geeignete Getränke:
    • Alkoholhaltige Getränke.
    • Energydrinks und Energy-Shots.
    • Chininhaltige Getränke wie Tonic Water und Bitter Lemon.

Für die Schwangerschaft besonders relevante Mikronährstoffe

  • Folat und Folsäure:
    • Folatreiche Lebensmittel sind grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Tomaten, Nüsse, Eier und bestimmte Kohlsorten.
    • Die Lebensmittelauswahl ersetzt die perikonzeptionelle Supplementierung nicht.
    • Frauen mit Kinderwunsch sollen zusätzlich täglich 400 µg Folsäure bzw. eine äquivalente Menge anderer zugelassener Folate einnehmen. Die Supplementierung soll spätestens 4 Wochen vor der Konzeption beginnen und bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche fortgeführt werden [1, 3, LL1].
    • Bei Beginn weniger als 4 Wochen vor der Konzeption oder erst nach Eintritt der Schwangerschaft werden bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche täglich 800 µg Folsäure bzw. eine äquivalente Folatmenge empfohlen [1, LL1].
    • Bei erhöhtem Risiko für Neuralrohrdefekte ist die Dosierung individuell ärztlich festzulegen.
  • Jod:
    • Geeignete Jodquellen sind Seefisch, Milch und Milchprodukte, Eier, jodiertes Speisesalz sowie mit Jodsalz hergestellte Lebensmittel.
    • Zusätzlich zur ausgewogenen Ernährung werden während der gesamten Schwangerschaft täglich 100-150 µg Jod als Supplement empfohlen [1, LL1, LL2].
    • Bei Schilddrüsenerkrankungen soll die Supplementierung vorab mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
    • Algen und Seetangprodukte sind wegen stark schwankender, teilweise extrem hoher Jodgehalte und möglicher Kontaminanten keine geeignete Jodquelle.
  • DHA:
    • Die empfohlene Zufuhr beträgt durchschnittlich 200 mg DHA pro Tag.
    • Diese Menge kann durch 1-2 Portionen fettreichen Meeresfisch pro Woche oder alternativ durch ein geeignetes DHA-Supplement erreicht werden [1, 4, LL1].
    • Bei vegetarischer oder veganer Ernährung sowie bei Fischverzicht ist ein DHA-Supplement sinnvoll. Algenöl stellt eine geeignete fischfreie DHA-Quelle dar.
  • Eisen:
    • Geeignete Eisenquellen sind Fleisch, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Haferflocken, grünes Blattgemüse, Nüsse und Samen.
    • Die Kombination pflanzlicher Eisenquellen mit Vitamin-C-reichen Lebensmitteln verbessert die Eisenresorption.
    • Kaffee, schwarzer Tee und grüner Tee sollen nicht unmittelbar zu eisenreichen Mahlzeiten oder zur Einnahme eines Eisenpräparats konsumiert werden, da Polyphenole die Eisenresorption vermindern können.
    • Eine Eisensupplementierung soll nur nach laborchemisch diagnostiziertem Eisenmangel und mit individuell festgelegter Dosierung erfolgen [1, LL1].
  • Vitamin B12:
    • Vitamin B12 ist in relevanten Mengen vor allem in tierischen Lebensmitteln sowie in gezielt angereicherten Lebensmitteln enthalten.
    • Bei veganer Ernährung ist eine zuverlässige Vitamin-B12-Supplementierung obligat.
    • Bei vegetarischer Ernährung, Resorptionsstörungen, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, nach bariatrischen Eingriffen oder unter bestimmten Dauermedikationen kann eine labordiagnostische Kontrolle erforderlich sein.
  • Calcium:
    • Geeignete Quellen sind Milch und Milchprodukte, calciumreiches Mineralwasser, mit Calcium angereicherte pflanzliche Milchalternativen, calciumreicher Tofu sowie bestimmte grüne Gemüsearten.
    • Eine Supplementierung ist bei bedarfsdeckender Ernährung nicht generell erforderlich, kann bei unzureichender Zufuhr oder erhöhtem Risiko jedoch gezielt indiziert sein.
  • Vitamin D:
    • Nur wenige Lebensmittel, vor allem fettreicher Fisch, Eigelb und bestimmte Speisepilze, enthalten relevante Vitamin-D-Mengen.
    • Eine generelle hochdosierte Vitamin-D-Supplementierung aller Schwangeren ist nicht hinreichend belegt.
    • Bei geringer oder fehlender kutaner Vitamin-D-Synthese, z. B. durch weitgehende Hautbedeckung, seltenen Aufenthalt im Freien oder dunkle Hautpigmentierung, werden täglich 20 µg bzw. 800 IE Vitamin D empfohlen [1, LL1, LL2].
    • Bei nachgewiesenem Vitamin-D-Mangel ist eine gezielte, ärztlich kontrollierte Supplementierung sinnvoll.

Lebensmittelinfektionen vermeiden

Schwangere haben ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Folgen einer Listeriose, Toxoplasmose und anderer lebensmittelbedingter Infektionen. Die Erreger können die Plazenta und den Fetus erreichen und Fehlgeburt, Totgeburt, Frühgeburt oder eine schwere neonatale Erkrankung verursachen [1, 5, LL1, LL3].

  • Rohe tierische Lebensmittel meiden:
    • Rohes oder nicht vollständig durchgegartes Fleisch, Tatar, Mett, Carpaccio und blutige Fleischgerichte.
    • Rohwurst und rohe Pökelfleischerzeugnisse wie Mettwurst, Teewurst, Salami oder roher Schinken.
    • Roher Fisch, Sushi mit rohem Fisch, rohe Meeresfrüchte, Austern, gebeizter Fisch und kalt geräucherte Fischprodukte.
    • Rohe Eier sowie Speisen mit rohem Ei, sofern keine pasteurisierten Eiprodukte verwendet wurden.
    • Rohmilch und daraus hergestellte Produkte.
  • Käse sorgfältig auswählen:
    • Rohmilchkäse ist zu meiden, sofern er nicht unmittelbar vor dem Verzehr vollständig erhitzt wird.
    • Weichkäse und halbfester Käse mit Oberflächenschmiere sowie Blauschimmelkäse, z. B. Limburger, Romadur oder Gorgonzola, sind wegen des erhöhten Listerienrisikos nicht geeignet.
    • Bei geeignetem Hart- und Schnittkäse soll die Rinde entfernt werden.
  • Pflanzliche Risikolebensmittel beachten:
    • Rohe Sprossen und Keimlinge sollen nur nach ausreichender Erhitzung verzehrt werden.
    • Tiefkühlbeeren sollen vor dem Verzehr vollständig und ausreichend erhitzt werden.
    • Ungewaschenes, insbesondere bodennah wachsendes Obst und Gemüse kann mit Toxoplasmen oder anderen Erregern kontaminiert sein.
  • Verzehrfertige gekühlte Lebensmittel begrenzen:
    • Vorgeschnittene Salate, abgepackte Feinkostsalate, belegte Brötchen, Sandwiches, geschnittenes Obst und andere gekühlte verzehrfertige Produkte sollen möglichst frisch hergestellt und unmittelbar verzehrt werden.
    • Offene Feinkostprodukte und länger gelagerte verzehrfertige Speisen sind wegen möglicher Listerienvermehrung ungünstig.
    • Speisereste sollen rasch gekühlt, im Kühlschrank aufbewahrt und innerhalb kurzer Zeit vollständig durcherhitzt verzehrt werden.
  • Ausreichend erhitzen:
    • Fleisch, Fisch, Eier und aufgewärmte Speisen sollen im Inneren für mindestens 2 Minuten eine Temperatur von mindestens 70 °C erreichen.
    • Tiefkühlen tötet Listerien nicht zuverlässig ab.
  • Kreuzkontamination vermeiden:
    • Rohe und verzehrfertige Lebensmittel getrennt lagern und zubereiten.
    • Für rohes Fleisch, Fisch und Gemüse getrennte oder gründlich gereinigte Schneidebretter und Küchenutensilien verwenden.
    • Hände, Arbeitsflächen und Geräte nach Kontakt mit rohen Lebensmitteln sorgfältig reinigen.

Kontaminanten und Vitamin-A-Überversorgung

  • Fischarten mit erhöhtem Methylquecksilbergehalt:
    • Hai, Schwertfisch, Thunfisch, Heilbutt, Aal und weitere größere oder langlebige Raubfische sollen in der Schwangerschaft gemieden werden.
    • Die Empfehlung zum Fischverzehr soll dadurch nicht generell aufgehoben werden; geeignete, quecksilberärmere Fischarten liefern wichtige Nährstoffe.
  • Leber und Retinol:
    • Auf den Verzehr von Leber aller Tierarten soll während der Schwangerschaft verzichtet werden, da Leber sehr hohe Retinolkonzentrationen enthalten kann.
    • Leberhaltige Produkte wie Leberwurst oder Leberpastete sollen nur sehr zurückhaltend verzehrt werden.
    • Vitamin-A-haltige Supplemente mit Retinol oder Retinylestern sollen nur nach ärztlicher Indikationsstellung eingesetzt werden. β-Carotin aus Gemüse stellt bei üblicher Zufuhr kein vergleichbares teratogenes Risiko dar.
  • Wild und Innereien:
    • Von Wildfleisch, das mit bleihaltiger Munition erlegt wurde, wird für Schwangere abgeraten.
    • Wildschweininnereien sollen wegen möglicher Belastungen mit per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen, Dioxinen und polychlorierten Biphenylen nicht verzehrt werden.

Genussmittel und stark verarbeitete Lebensmittel

  • Alkohol:
    • Während der gesamten Schwangerschaft gilt vollständige Abstinenz. Eine sichere Alkoholmenge oder ein sicherer Schwangerschaftszeitpunkt für Alkoholkonsum ist nicht belegt.
  • Koffein:
    • Die Gesamtzufuhr aus Kaffee, schwarzem und grünem Tee, Cola, Kakao, Schokolade, Guarana und anderen Quellen soll 200 mg Koffein pro Tag nicht überschreiten [1, 7, LL1].
    • Dies entspricht näherungsweise 2 Tassen Filterkaffee zu je 200 ml; der tatsächliche Koffeingehalt kann je nach Sorte und Zubereitung erheblich variieren.
    • Energydrinks und Energy-Shots sollen vollständig gemieden werden.
  • Zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke:
    • Für Schwangere ist kein gesonderter evidenzbasierter Grenzwert von exakt 40 g Zucker pro Tag etabliert.
    • Süßigkeiten, Gebäck, Desserts, gesüßte Frühstücksprodukte und zuckerhaltige Getränke sollen insgesamt sparsam konsumiert werden.
    • Wasser und ungesüßte Getränke sind als Durstlöscher zu bevorzugen.
  • Süßstoffe und Zusatzstoffe:
    • Eine pauschale Meidung aller zugelassenen Süß-, Farb- oder Konservierungsstoffe ist nicht evidenzbasiert.
    • Die in den Rohdaten behauptete generelle toxische oder karzinogene Wirkung zugelassener Zusatzstoffe bei üblicher Exposition ist nicht belegt.
    • Stark verarbeitete und süßstoffgesüßte Lebensmittel sollen dennoch nicht den Schwerpunkt der Ernährung bilden, da sie häufig eine geringe Nährstoffdichte aufweisen und die Daten zu langfristigen Schwangerschaftsoutcomes begrenzt sind.
  • Lakritz:
    • Der regelmäßige Verzehr größerer Mengen soll vermieden werden, da Glycyrrhizinsäure Natriumretention, Kaliumverluste und Blutdruckanstiege begünstigen kann.

Vegetarische und vegane Ernährung

  • Ovo-lakto-vegetarische Ernährung:
    • Eine sorgfältig zusammengestellte vegetarische Ernährung mit Milchprodukten und Eiern kann den Bedarf an den meisten Nährstoffen decken.
    • Besonders zu beachten sind Eisen, Vitamin B12, Jod, Zink und DHA.
    • Zusätzlich zu Folsäure und Jod wird bei fehlendem Fischverzehr eine DHA-Supplementierung empfohlen.
    • Eine qualifizierte Ernährungsberatung ist sinnvoll.
  • Vegane Ernährung:
    • Eine bedarfsdeckende vegane Ernährung in der Schwangerschaft erfordert fundierte Ernährungskenntnisse, eine gezielte Lebensmittelauswahl, qualifizierte Ernährungsberatung, ärztliche Verlaufskontrollen und eine zuverlässige Supplementierung [1, LL1].
    • Vitamin B12 muss obligat supplementiert werden.
    • Zusätzlich sind Folsäure, Jod und DHA zu supplementieren; je nach Ernährungsanamnese und Laborbefunden können insbesondere Eisen, Vitamin D, Calcium, Zink, Selen, Vitamin B2 und weitere Nährstoffe ergänzungsbedürftig sein.
    • Angereicherte pflanzliche Lebensmittel können die gezielte Supplementierung unterstützen, aber nicht in jedem Fall ersetzen.

Mahlzeitenstruktur

Für gesunde Schwangere besteht keine wissenschaftlich begründete Verpflichtung, täglich genau 5-6 Mahlzeiten einzunehmen. Die Mahlzeitenfrequenz soll an Hunger, Verträglichkeit, Tagesablauf, Energiebedarf und mögliche Schwangerschaftsbeschwerden angepasst werden.

  • Regelmäßige Mahlzeiten:
    • Drei ausgewogene Hauptmahlzeiten können durch 1-2 nährstoffreiche Zwischenmahlzeiten ergänzt werden.
    • Geeignete Zwischenmahlzeiten sind Naturjoghurt, Obst, Gemüse, Vollkornbrot, Nüsse oder kleine Portionen Hülsenfrüchte.
  • Übelkeit oder Reflux:
    • Kleinere, über den Tag verteilte Mahlzeiten können individuell besser verträglich sein.
    • Sehr große, fettreiche oder spätabendliche Mahlzeiten können Refluxbeschwerden verstärken.
  • Gestationsdiabetes:
    • Bei Gestationsdiabetes ist die Kohlenhydratmenge und -verteilung individuell anhand der Glucosewerte und der ernährungsmedizinischen Beratung festzulegen.

Allergieprävention

Das vorbeugende Meiden potenziell allergener Lebensmittel während der Schwangerschaft schützt das Kind nicht vor allergischen Erkrankungen und kann die Nährstoffversorgung unnötig einschränken [1, 6, LL4].

  • Keine präventive Eliminationsdiät:
    • Milchprodukte, Eier, Fisch, Nüsse und andere potenziell allergene Lebensmittel sollen nicht allein zur Allergieprävention gemieden werden.
    • Lebensmittel, gegen die bei der Schwangeren selbst eine gesicherte Allergie besteht, müssen weiterhin gemieden werden.

Energiebedarf und Gewichtsentwicklung

Für die meisten Schwangeren ist eine generelle Steigerung der Energiezufuhr nicht erforderlich. Die rechnerischen DGE-Zuschläge von etwa 250 kcal pro Tag im 2. Trimester und 500 kcal pro Tag im 3. Trimester beziehen sich auf vor der Schwangerschaft normalgewichtige Frauen mit unverändert hoher körperlicher Aktivität und sind nicht pauschal auf alle Schwangeren übertragbar [1, LL1, LL2].

  • Normalgewicht vor der Schwangerschaft:
    • Eine Gewichtszunahme von etwa 10-16 kg ist mit günstigen mütterlichen und kindlichen Outcomes assoziiert.
  • Übergewicht vor der Schwangerschaft:
    • Eine geringere Gewichtszunahme als bei normalgewichtigen Frauen ist anzustreben.
  • Adipositas vor der Schwangerschaft:
    • Die angemessene Gewichtsentwicklung ist individuell festzulegen und kann unterhalb der früher häufig verwendeten Spanne von 5-9 kg liegen.
    • Eine eigenständige Reduktionsdiät oder ein gezieltes Fasten während der Schwangerschaft ist nicht angezeigt.
  • Untergewicht vor der Schwangerschaft:
    • Eine ausreichende Energie- und Nährstoffzufuhr sowie eine angemessene Gewichtszunahme sind besonders wichtig; ein universeller Mindestwert lässt sich aus der aktuellen Evidenz nicht sicher ableiten.

Zusammenfassung

Geeignete Nahrungsmittel in der Schwangerschaft sind vor allem Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, pasteurisierte Milchprodukte, vollständig erhitzte Eier und Fleischprodukte sowie 1-2 wöchentliche Portionen geeigneter Fischarten. Pflanzliche Öle, insbesondere Rapsöl, sollen gegenüber tierischen Fetten bevorzugt werden. Wasser und ungesüßte Getränke sind die wichtigsten Flüssigkeitsquellen.

Folsäure und Jod sollen entsprechend den aktuellen Empfehlungen supplementiert werden. Eine tägliche DHA-Zufuhr von 200 mg ist durch fettreichen Meeresfisch oder ein geeignetes Supplement sicherzustellen. Weitere Supplementierungen, insbesondere Eisen, Vitamin D, Vitamin B12, Calcium oder Zink, sind bei entsprechender Ernährungsweise, Risikokonstellation oder nachgewiesenem Mangel gezielt und nutzenorientiert einzusetzen.

Zur Infektionsprävention sind rohe tierische Lebensmittel, Rohmilchprodukte, bestimmte Weich- und Schimmelkäse, rohe Eier, rohe Sprossen, nicht erhitzte Tiefkühlbeeren sowie hygienisch riskante verzehrfertige Produkte zu meiden. Alkohol, Energydrinks und chininhaltige Getränke sind nicht geeignet; die tägliche Koffeinzufuhr soll 200 mg nicht überschreiten.

Literatur

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Leitlinien

  1. Netzwerk Gesund ins Leben: Ernährung, Bewegung und weitere Gesundheitsaspekte vor und während der Schwangerschaft. Aktualisierte, konsentierte Handlungsempfehlungen. Stand 6. Juli 2026. Website
  2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 3. Auflage, 1. Ausgabe. Bonn; 2025. Erratum, Stand Mai 2026. Website
  3. Bundesinstitut für Risikobewertung: Schwangere – Risiken erkennen, gesund ernährt ins Leben starten. Website
  4. S3-Leitlinie Allergieprävention. (AWMF-Registernummer 061-016) November 2022 Langfassung