Saftfasten

Saftfasten bezeichnet eine zeitlich begrenzte Fastenkur, bei der feste Nahrung weitgehend oder vollständig weggelassen wird und die Energiezufuhr überwiegend über Gemüse- und/oder Fruchtsäfte (teils ergänzt durch Brühen, Tee, Wasser) erfolgt. Je nach Variante liegt die Energiezufuhr häufig im Bereich einer sehr starken Kalorienreduktion, mit gleichzeitig geringer Protein- und Ballaststoffzufuhr.

Saftfasten ist in der Regel eine Kur bzw. komplementärmedizinisch/alternativ geprägte Fastenform. In medizinischen Settings wird es teils als „therapeutisches Fasten“ angeboten. Die Datenlage für Saftfasten als eigenständiges, standardisiertes Therapiekonzept ist jedoch begrenzt.

Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen

Historisch sind Fastenkuren in vielen Kulturen religiös, naturheilkundlich und/oder lebensreformerisch verankert. Moderne Saftfasten-Programme knüpfen häufig an naturheilkundliche Fastentraditionen (z. B. „Entlastung – Fasten – Aufbaukost“) an und verbinden diese mit dem Versprechen einer Reinigung/Entgiftung des Körpers.

Die medizinisch-wissenschaftliche Grundlage ist uneinheitlich: Während kalorienreduzierte Interventionen und bestimmte Fastenregime (z. B. intermittierendes Fasten) in Studien untersucht werden, existieren für Saftfasten als spezifische Intervention deutlich weniger hochwertige randomisierte Langzeitstudien. Viele zentrale Annahmen stammen aus plausiblen, aber nicht zwingend belegten Erklärungsmodellen (z. B. „Detox“, „Entsäuerung“, „Darmreinigung“).

Angestrebt werden eine Gewichtsreduktion sowie ein vermeintlicher „Stoffwechsel-Reset“ infolge der ausgeprägten Kalorienreduktion. Das häufig beschriebene subjektive „Leichtigkeitsgefühl“ erklärt sich überwiegend durch die reduzierte Mahlzeitenfrequenz und die geringere gastrointestinale (den Magen-Darm-Trakt betreffende) Belastung. Teilweise werden zudem antiinflammatorische (antientzündliche) Effekte durch den Fastenmetabolismus erwartet. Für dauerhaft klinisch relevante Endpunkte, wie etwa eine Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse (akut auftretende Komplikationen des Herz-Kreislauf-Systems, die mit einer erhöhten Morbidität (Krankheitslast) und Mortalität (Sterblichkeit) verbunden sind), existiert für das Saftfasten jedoch keine belastbare wissenschaftliche Evidenz.

Zielsetzung der Diät

Saftfasten wird häufig mit dem Ziel einer kurzfristigen Gewichtsabnahme, eines subjektiven „Neustarts“ oder einer Steigerung des Wohlbefindens durchgeführt. In entsprechenden Programmen wird es teilweise auch mit medizinischen Zielsetzungen wie Blutdrucksenkung, Entzündungsreduktion oder einer Optimierung des Stoffwechsels beworben. Diese Zielsetzungen sind jedoch nicht leitliniengerecht definiert und weder in eine klare Indikationsstellung noch in standardisierte Interventions- und Monitoringkonzepte eingebettet.

Der beobachtete rasche Gewichtsverlust beruht überwiegend auf dem Verlust von Wasser und Glykogen (Speicherform von Glucose) sowie auf einem deutlichen Kaloriendefizit. Häufig wird zudem ein subjektiv geringeres Völlegefühl beschrieben, verbunden mit einer bewussten Unterbrechung bisheriger Essgewohnheiten.

Langfristige Ziele wie eine dauerhafte Gewichtsreduktion oder eine nachhaltige Verbesserung kardiometabolischer Risikofaktoren sind ohne eine strukturierte Anschluss-Ernährung und begleitende Verhaltensstrategien erfahrungsgemäß schwer erreichbar. Für diese Zielsetzungen stehen besser untersuchte und evidenzbasierte Konzepte der Adipositastherapie zur Verfügung, etwa eine kontinuierliche Energiereduktion, strukturierte Ernährungsprogramme oder – in ausgewählten Fällen – sehr niedrigkalorische Programme unter medizinischer Kontrolle [3].

Grundprinzipien

Das Saftfasten basiert auf dem zeitlich begrenzten, weitgehenden oder vollständigen Verzicht auf feste Nahrung. Über mehrere Tage bis hin zu Wochen wird die Energiezufuhr fast ausschließlich über Gemüse- und/oder Fruchtsäfte gedeckt, ergänzt durch Wasser, ungesüßten Tee und häufig Gemüsebrühen zur Flüssigkeits- und Elektrolytversorgung.

Häufig ist das Saftfasten in Phasen gegliedert. Einer eigentlichen Fastenphase geht nicht selten eine sogenannte Entlastungsphase voraus, in der die Kost auf leicht verdauliche, pflanzenbetonte Lebensmittel reduziert wird. Nach Abschluss des Saftfastens folgt üblicherweise eine Aufbauphase, in der feste Nahrung schrittweise wieder eingeführt wird, um gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden) zu vermeiden und den Übergang in den Alltag zu erleichtern.

Die Mahlzeitenstruktur ist meist standardisiert und sieht mehrere Saftportionen pro Tag vor, typischerweise drei bis sechs. Die tatsächliche Kalorienzufuhr sowie die Nährstoffzusammensetzung variieren jedoch erheblich in Abhängigkeit vom jeweiligen Programm, dem Anteil von Fruchtsäften gegenüber Gemüsesäften und der Portionsgröße. In der Praxis resultiert daraus häufig eine sehr niedrige Gesamtenergiezufuhr.

Angestrebte Wirkmechanismen

Erwartete Effekte beruhen primär auf dem Energiedefizit: weniger Energiezufuhr führt zu Gewichtsabnahme. Je nach Ausgangslage können Blutdruck und bestimmte Stoffwechselmarker kurzfristig sinken. Studien zu Fastenregimen zeigen im Mittel eher kleine bis moderate Verbesserungen kardiometabolischer Risikofaktoren, häufig vergleichbar mit kontinuierlicher Kalorienreduktion [1, 2].

Pathophysiologisch plausibel sind ein reduzierter Insulinspiegel, eine verbesserte Insulinsensitivität bei Energiedefizit, eine Mobilisierung von Fettsäuren/Ketonkörpern bei sehr niedriger Energiezufuhr sowie eine Blutdrucksenkung durch Gewichtsabnahme und veränderte Natriumbilanz. In einer klinischen Studie zu Fasteninterventionen wurden u. a. Blutdruck- und Gewichtsveränderungen sowie mikrobielle Veränderungen diskutiert [4].

Hypothetisch bzw. unzureichend belegt sind „Entgiftung/Detox“ als spezifischer Saftfasten-Mechanismus und die Vorstellung, Säfte würden „Schlacken“ entfernen. Der Körper verfügt über etablierte Entgiftungs- und Ausscheidungssysteme (Leber, Niere, Darm, Lunge), die nicht nachweislich durch Saftfasten „gereinigt“ werden.

Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Selbst bei Gesunden sind eine sehr kurze Dauer des Saftfastens und ein sinnvoller Übergang in eine ausgewogene Ernährung entscheidend.

Geeignete Zielgruppen

  • Gesunde Erwachsene, die eine kurze, klar begrenzte Kur durchführen möchten und dabei keine „medizinischen Effekte“ erwarten

Eingeschränkte Eignung

  • Personen mit Adipositas und kardiometabolischen Risiken: Hier sind strukturierte, leitliniennahe Programme (ggf. sehr niedrigkalorisch, aber medizinisch überwacht) sinnvoller als Saftfasten [3].
  • Personen mit Neigung zu Essanfällen oder essbezogenen Kontrollproblemen (Risiko für „Heißhunger–Rückfall“-Dynamiken)

Es gilt: Je höher das individuelle Risiko (Stoffwechselerkrankung, Medikation, Organerkrankung), desto eher ist von Saftfasten abzuraten bzw. ärztliche Rücksprache erforderlich.

Durchführung und Ablauf der Diät

Die Durchführung des Saftfastens erfordert eine sorgfältige Vorbereitung, um unnötige Risiken und vorzeitige Abbrüche zu vermeiden. Dazu zählen eine gezielte Einkaufs- und Vorratsplanung (z. B. Auswahl geeigneter Gemüse- und Fruchtsäfte bzw. Anschaffung eines Entsafters), eine bewusste Terminwahl in einer möglichst stressarmen Phase sowie die realistische Erwartung, dass körperliche und kognitive Leistungsfähigkeit während der Fastenphase vorübergehend abnehmen können. Besonders in den ersten Tagen sind Müdigkeit, Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen häufig.

Zu den typischen Fehlern zu Beginn gehören eine zu hohe Aufnahme fruchtbetonter Säfte mit entsprechend hoher Zuckerlast, eine unzureichende Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr sowie das Fehlen eines klar definierten Endpunkts. Ebenso problematisch ist das Überschreiten empfohlener Zeiträume, da mit zunehmender Dauer das Risiko für Nährstoffmängel, Muskelabbau und Kreislaufprobleme steigt. Häufig wird zudem keine ausreichende Anschlussstrategie geplant, was das Risiko für Heißhunger, Überessen und rasche Gewichtszunahme nach Beendigung der Kur erhöht.

Eine kurze Übergangsphase mit leichter, ballaststoffarmer und gut verdaulicher Kost über ein bis zwei Tage kann helfen, gastrointestinale Beschwerden zu reduzieren und den Einstieg in die Fastenphase zu erleichtern. Ebenso wichtig ist die Phase nach dem Saftfasten: Die schrittweise Wiedereinführung fester Nahrung ist entscheidend, um Magen-Darm-Beschwerden zu vermeiden und eine unkontrollierte Kalorienzufuhr zu verhindern.

Mentale und organisatorische Aspekte spielen eine zentrale Rolle. Der vollständige Verzicht auf feste Nahrung ist im sozialen und beruflichen Alltag schwer umsetzbar und kann zu Frustration, Reizbarkeit und sozialem Rückzug führen. Eine bewusste Planung für Arbeitssituationen, Familienmahlzeiten und soziale Anlässe ist daher notwendig, um Abbrüche oder kompensatorisches Essverhalten zu vermeiden.

In der Praxis erfolgt der Ablauf häufig nach einem einfachen Schema: kurze Entlastungsphase, wenige Tage Saftfasten und anschließende strukturierte Aufbaukost.
In klinischen oder naturheilkundlichen Einrichtungen werden hierfür meist klar definierte Protokolle mit festgelegter Dauer, Flüssigkeitsmenge und ärztlicher Überwachung genutzt.
In Eigenregie durchgeführte Varianten unterscheiden sich hingegen erheblich in Dauer, Zusammensetzung und Durchführung.
Bei bestehenden medizinischen Risiken, insbesondere bei Diabetes mellitus unter medikamentöser Therapie oder bei antihypertensiver Medikation, ist ein selbstständig durchgeführtes Saftfasten problematisch und potentiell gefährlich.

Empfohlene Lebensmittel

Aus ernährungsmedizinischer Sicht ist eine stärkere Betonung von Gemüse- statt Fruchtsäften sinnvoll, um die Zuckerlast zu reduzieren.

  • Gemüsesäfte (z. B. Tomate, Sellerie, Gurke, Blattgemüse), ggf. verdünnt
  • Gemüsebrühe (zur Flüssigkeits- und Natriumzufuhr)
  • Wasser, ungesüßter Tee
  • Optional sehr kleine Mengen eiweißhaltiger Komponenten in „modifizierten“ Varianten (z. B. Skyr/Proteinpulver) – dann ist es allerdings streng genommen kein klassisches Saftfasten mehr

Wichtig: „Empfohlen“ im Sinne der Kur ist nicht gleich „optimal“ im Sinne einer ausgewogenen Ernährung.

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

Aus Sicht der Diät werden feste Lebensmittel und energiereiche Speisen gemieden, um den Fasteneffekt (Kaloriendefizit) zu erhalten.

  • feste Nahrung (je nach Variante vollständig)
  • Alkohol
  • Eingeschränkt erlaubte Lebensmittel:
    • Fruchtsäfte und Smoothies (hohe Zuckerzufuhr, geringe Sättigung, teils starker Glucoseanstieg)

Abschließend: Je „saftiger“ und fruchtlastiger, desto eher verschiebt sich die Kur in Richtung hoher freier Zucker bei niedriger Sättigung.

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

Die Umsetzung von Saftfasten erfordert eine sorgfältige Planung, da die Alltagstauglichkeit insgesamt gering ist. Bereits im Vorfeld sollten realistische Rahmenbedingungen geschaffen werden, um unnötige Belastungen und Abbrüche zu vermeiden.

  • Einkauf und Vorrat:
    • Bevorzugt sollten gemüsebetonte Säfte mit niedrigem Fruchtanteil gewählt werden, um die Zuckerzufuhr zu begrenzen.
    • Frisch gepresste Säfte erfordern eine entsprechende Küchenausstattung (Entsafter, Mixer) und regelmäßige Zubereitung.
      • Wenn keine frisch gepressten Säfte verwendet werden, ist bei industriell hergestellten Säften besondere Vorsicht geboten. Viele Produkte, vor allem Obstsäfte, enthalten hohe Mengen freier Zucker, insbesondere Fructose, und sind ballaststofffrei. Bevorzugt werden sollten ungesüßte Gemüsesäfte ohne Fruchtsaftkonzentrate oder Zuckerzusatz. Direktsäfte sind Fruchtsaftkonzentraten vorzuziehen, da letztere zusätzlich verarbeitet sind und häufig höhere Zuckerkonzentrationen aufweisen. Smoothies sind ernährungsphysiologisch zwar ballaststoffreicher, erfüllen jedoch streng genommen nicht mehr das Prinzip des Saftfastens und verändern dessen Stoffwechselwirkung deutlich.
      • Produkte mit Begriffen wie „Nektar“, „Saftgetränk“ oder „aus Fruchtsaftkonzentrat“ sind für ein Saftfasten besonders ungünstig. Auch vermeintlich „natürliche“ Bio-Säfte können eine hohe Zuckerlast aufweisen und sollten kritisch bewertet werden.
    • Portionen sollten für den Arbeits- und Tagesablauf vorgeplant werden, um spontane Fehlentscheidungen zu vermeiden.
    • Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (Wasser, ungesüßter Tee) ist essentiell, da das Durstgefühl unter Fastenbedingungen oft vermindert ist.
  • Zubereitung:
    • Hygienisches Arbeiten ist besonders wichtig, da frische Säfte leicht verderblich sind.
    • Die Kühlkette sollte konsequent eingehalten und Säfte möglichst zeitnah konsumiert werden.
    • Größere Vorratshaltung über mehrere Tage ist mikrobiologisch problematisch.
  • Alltagstauglichkeit:
  • Im beruflichen und sozialen Kontext ist Saftfasten stark einschränkend. Gemeinsame Mahlzeiten entfallen, Leistungsfähigkeit und Konzentration können deutlich reduziert sein, Reizbarkeit und Kopfschmerzen sind häufig.
  • Körperlich anstrengende Tätigkeiten oder intensiver Sport sind in dieser Phase nicht sinnvoll.

Besonders wichtig sind ein klar definierter Endpunkt sowie ein konkreter Plan für die Zeit danach. Ohne strukturierte Aufbaukost und Anschluss-Ernährung (z. B. mediterran/pflanzenbetont, eiweiß- und ballaststoffreich) ist das Risiko hoch, dass es unmittelbar zu Heißhunger, Überessen und Gewichtszunahme kommt.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Saftfasten führt zu einer ausgeprägten Verschiebung der Makronährstoffverteilung (Verteilung der Hauptnährstoffe Kohlenhydrate, Fette, Proteine (Eiweiß)). Die Energiezufuhr stammt überwiegend aus Kohlenhydraten, insbesondere aus Mono- und Disacchariden (Einfach- und Zweifachzuckern) wie Glucose (Traubenzucker) und Fructose (Fruchtzucker), vor allem bei fruchthaltigen Säften. Der Proteingehalt ist in der Regel sehr niedrig und liegt deutlich unter dem Bedarf zur Erhaltung der fettfreien Körpermasse. Dies begünstigt den Abbau von Muskelmasse, was sich negativ auf Grundumsatz, körperliche Leistungsfähigkeit und langfristige Gewichtsstabilität auswirkt. Fett ist je nach Saftauswahl ebenfalls stark reduziert, wodurch essentielle Fettsäuren unzureichend zugeführt werden.

Von besonderer Bedeutung ist die hohe Fructosezufuhr bei fruchtbetonten Saftvarianten. Fructose wird überwiegend in der Leber verstoffwechselt und fördert bei hoher Zufuhr die de-novo-Lipogenese (Umwandlung von Zucker in Fett) in der Leber. Dies kann – insbesondere bei wiederholtem Saftfasten, bestehender Insulinresistenz oder viszeraler Adipositas (Übergewicht durch Vermehrung von Bauchfett) – zur Entwicklung oder Verschlechterung einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD) beitragen. Der fehlende Ballaststoffanteil verstärkt diesen Effekt, da die physiologische Dämpfung des postprandialen Glucose- und Fructoseanstiegs (Anstieg des Blutzucker- (Glucose) und Fruchtzucker-Spiegels nach einer Mahlzeit) entfällt.

Zwar liefern Gemüse- und Fruchtsäfte einzelne Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, jedoch nicht in der Vielfalt, Menge und Balance einer vollwertigen Ernährung. Kritisch ist insbesondere das nahezu vollständige Fehlen von Ballaststoffen, die für Darmmotilität, Mikrobiota, Sättigungsregulation und Glucosestoffwechsel eine zentrale Rolle spielen. Zudem gehen beim Entsaften relevante Nährstofffraktionen verloren, die natürlicherweise an die feste Pflanzenmatrix gebunden sind.

Die Kalorienzufuhr ist stark reduziert und liegt häufig deutlich unter dem individuellen Grundumsatz. Kurzfristig führt dies zu Gewichtsverlust, der jedoch zu einem erheblichen Anteil auf Wasser- und Glykogenverluste (Glykogen = Speicherform der Glucose) zurückzuführen ist. Begleitend treten häufig Müdigkeit, Kältegefühl, Schwindel, verminderte Belastbarkeit und Konzentrationsstörungen auf.

Langfristige Ausgewogenheit ist nicht gegeben. Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist Saftfasten als dauerhafte Ernährungsform ungeeignet und selbst kurzfristig nur eingeschränkt sinnvoll. Die Kombination aus hoher freier Zuckerzufuhr, Proteinmangel und Ballaststofffreiheit stellt ein zentrales strukturelles Defizit dar und erklärt viele der beobachteten Nebenwirkungen und metabolischen Risiken.

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Bei längerer oder wiederholter Durchführung besteht ein relevantes Risiko für Nährstoffmängel, insbesondere durch unzureichende Proteinzufuhr, fehlende essentielle Fettsäuren und den vollständigen Mangel an Ballaststoffen.

Stoffwechselveränderungen sind häufig und klinisch relevant. Dazu zählen Hypoglykämien (Unterzuckerungen), insbesondere bei Personen mit Diabetes mellitus unter Insulin- oder Sulfonylharnstofftherapie, Hyperurikämie und Gichtanfälle durch vermehrten Abbau von Körpergewebe sowie ketogene Stoffwechsellagen. Durch die hohe Fructosebelastung fruchtbasierter Säfte kann es zudem zu einer vermehrten hepatischen Fettakkumulation (Ansammlung von Fett in der Leber) kommen, was insbesondere bei prädisponierten Personen das Risiko einer Fettlebererkrankung erhöht oder bestehende Leberverfettung verschlechtert.

Weitere Risiken umfassen relevante Blutdruckabfälle bei gleichzeitiger antihypertensiver Therapie sowie Elektrolytverschiebungen, insbesondere bei unzureichender Flüssigkeits- und Mineralstoffzufuhr.

Gastrointestinale Effekte umfassen Obstipation infolge des Ballaststoffmangels, Übelkeit, Refluxbeschwerden (z. B. Sodbrennen) und gelegentlich Bauchschmerzen.

Relevante Wechselwirkungen sind insbesondere zu beachten bei:

  • Antidiabetika und Insulin: erhöhtes Hypoglykämierisiko (Risiko für Unterzuckerung), Dosisanpassung und engmaschiges Monitoring erforderlich; Saftfasten in Eigenregie ist hier klar riskant [3]
  • Antihypertensiva und Diuretika: Risiko für Hypotonie (niedriger Blutdruck) und Elektrolytverschiebungen
  • Antikoagulanzien (Blutverdünner): Bei abrupten Ernährungsumstellungen und anschließender Aufbaukost potentiell veränderte Vitamin-K-Zufuhr

Kurzfristig treten häufig Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Reizbarkeit und Leistungseinbußen auf. In Studien zu längeren Fasteninterventionen (inklusive Wasserfasten) wurden zudem laborchemische Veränderungen und Nebenwirkungen beschrieben, auch wenn schwerwiegende Ereignisse in überwachten Settings selten sind [6, 7].

Langfristig sind insbesondere wiederholte Saftfasten-Kuren problematisch: Sie begünstigen eine ungünstige Körperzusammensetzung mit Verlust fettfreier Masse, fördern Jo-Jo-Effekte, können Essverhaltensstörungen verstärken und erhöhen bei raschem Gewichtsverlust das Risiko für Gallensteine. Adipositas und schnelle Gewichtsabnahme gelten hierbei als relevante Risikokonstellationen [5].

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Absolute Kontraindikationen

  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Essstörungen (aktuell oder in der Vorgeschichte), z. B. Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht)
  • Fortgeschrittene Organinsuffizienz (z. B. schwere Nieren-/Leberinsuffizienz (Nieren- und Leberschwäche))
  • Instabile kardiovaskuläre Erkrankungen

Relative Kontraindikationen (ggf. mit Monitoringbedarf)

  • Diabetes mellitus (insbesondere mit Insulin/Sulfonylharnstoffen)
  • Relevante Hypertonie (Bluthochdruck) unter Medikation, Diuretikatherapie (entwässernde Medikamente)
  • Gicht/Hyperurikämie (erhöhter Harnsäurespiegel im Blut), Cholelithiasis (Gallensteine)?
  • Höheres Alter mit Sarkopenierisiko (altersbedingter Verlust von Muskelmasse und -kraft)

Es gilt: Je mehr Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) und je mehr Medikation, desto eher überwiegen Risiken gegenüber einem fraglichen Nutzen.

Vorteile

Kurzfristig kann Saftfasten als „Reset-Ritual“ wirken, weil Essroutinen unterbrochen werden und ein klares Regelwerk existiert.

  • kurzfristige Gewichtsabnahme (primär durch Energiedefizit)
  • kurzfristig niedrigere Blutdruck- und Blutzuckerwerte möglich (nicht spezifisch für Saftfasten) [1, 2]
  • Subjektives Gefühl von Struktur/Neustart
  • Kurzfristige Nutzen:
    • kann als Startpunkt dienen, wenn danach eine ausgewogene Anschlussstrategie folgt

Abschließend: Vorteile sind überwiegend kurzfristig und beruhen nicht auf „Saft“-Spezifika, sondern auf Kalorienreduktion und Verhaltensänderung.

Nachteile

Die Einschränkungen sind erheblich, und die physiologische Logik ist als dauerhafte Strategie schwach.

  • Einschränkungen:
    • starke soziale/berufliche Einschränkung, geringe Alltagstauglichkeit
    • Hunger/Heißhunger, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme
  • Einseitigkeit:
    • Protein- und Ballaststoffarmut, potentieller Verlust fettfreier Masse
    • bei fruchtlastigen Varianten hohe Zuckerlast bei geringer Sättigung
  • Langfristige Umsetzbarkeit:
    • als wiederholte Crash-Kur Risiko für Jo-Jo-Dynamik und ungünstige Körperzusammensetzung

Wissenschaftliche Einordnung

Für Saftfasten als klar definierte, standardisierte Intervention fehlen robuste, unabhängige Langzeitdaten. Es existieren weder ausreichend randomisierte kontrollierte Studien noch belastbare Daten zu harten klinischen Endpunkten wie kardiovaskulären Ereignissen, Progression metabolischer Erkrankungen oder langfristiger Gewichtsstabilität.

In der Plausibilitätsbewertung sind kurzfristige Effekte des Saftfastens erklärbar und erwartbar, da sie primär auf dem ausgeprägten Kaloriendefizit beruhen. Spezifische, häufig beworbene Wirkversprechen wie „Detox“, „Entgiftung“ oder eine nachhaltige „Stoffwechselregeneration“ sind hingegen wissenschaftlich nicht überzeugend belegt. Aus fachlicher Sicht ist Saftfasten daher eher als kurzfristige Kur mit begrenztem Nutzen und relevanten Risiken einzuordnen.

Fazit

Saftfasten ist im Kern eine klassische Crash-Kur. Die kurzfristige Gewichtsabnahme entsteht nahezu ausschließlich durch eine starke Kalorienreduktion sowie Wasser- und Glykogenverluste, nicht durch besondere „Saft“-spezifische Mechanismen. Für eine nachhaltige Gewichtsreduktion und langfristige kardiometabolische Vorteile ist Saftfasten evidenzbasierten, ausgewogenen Ernährungsstrategien klar unterlegen.

Medizinisch problematisch sind insbesondere die sehr niedrige Proteinzufuhr, das nahezu vollständige Fehlen von Ballaststoffen, die hohe Zufuhr freier Zucker bei fruchtbetonten Varianten sowie potentielle Risiken wie Hypoglykämien (Unterzuckerungen) unter Antidiabetika, Blutdruckabfälle, Muskelabbau und ein erhöhtes Gallensteinrisiko bei rascher Gewichtsabnahme. Bei bestehenden Erkrankungen oder relevanter Medikation überwiegen die Nachteile häufig deutlich. In diesen Fällen ist Saftfasten aus medizinischer Sicht nicht zu empfehlen, da vermeidbare Risiken eingegangen werden, ohne dass ein spezifischer Zusatznutzen gegenüber leitliniennahen, sichereren Interventionen zu erwarten ist.

Saftfasten ist keine Standardintervention für Typ-2-Diabetes, Hypertonie (Bluthochdruck), Dyslipidämien (Fettstoffwechselstörungen) oder eine nicht-alkoholische Fettlebererkrankung. Je nach Erkrankung kann eine eng überwachte Gewichtsintervention sinnvoll sein, jedoch nicht in Form eines unkontrollierten Saftfastens [3].

Literatur

  1. Semnani-Azad Z, Khan TA, Chiavaroli L, Chen V, Bhatt HA, Chen A et al.: Intermittent fasting strategies and their effects on body weight and other cardiometabolic risk factors: systematic review and network meta-analysis of randomised clinical trials. BMJ. 2025 Jun 18:389:e082007. doi: 10.1136/bmj-2024-082007.
  2. Sun ML, Yao W, Wang X-Y, Gao S, Varady KA, Forslund SK et al.: Intermittent fasting and health outcomes: an umbrella review of systematic reviews and meta-analyses of randomised controlled trials. EClinicalMedicine. 2024 Mar 11:70:102519. doi: 10.1016/j.eclinm.2024.102519.
  3. American Diabetes Association Professional Practice Committee: 8. Obesity and Weight Management for the Prevention and Treatment of Type 2 Diabetes: Standards of Care in Diabetes-2025. Diabetes Care. 2025 Jan 1;48(1 Suppl 1):S167-S180. doi: 10.2337/dc25-S008.
  4. Forslund SK: Fasting intervention and its clinical effects on the human host and microbiome. J Intern Med. 2023 Feb;293(2):166-183. doi: 10.1111/joim.13574.
  5. Stokes CS, Lammert F: Excess Body Weight and Gallstone Disease. Visc Med. 2021 Aug;37(4):254-260. doi: 10.1159/000516418
  6. Ogłodek E, Pilis W. Is Water-Only Fasting Safe? Glob Adv Health Med. 2021. doi: https://doi.org/10.1177/21649561211031178 (SAGE Journals)
  7. Grundler F et al.: Long-term fasting: Multi-system adaptations in humans (GENESIS) study-A single-arm interventional trial. Front Nutr. 2022 Nov 17:9:951000. doi: 10.3389/fnut.2022.951000.