Modifiziertes Fasten

Das modifizierte Fasten ist eine zeitlich begrenzte Form des Fastens, bei der auf feste Nahrung verzichtet wird, während definierte Mengen an Proteinen sowie ausgewählte Makro- und Mikronährstoffe (Hauptnährstoffe und Vitalstoffe) zugeführt werden. Die tägliche Energiezufuhr liegt typischerweise zwischen 200-500 kcal.

Einzuordnen ist das modifizierte Fasten als komplementärmedizinisches bzw. lifestyleorientiertes Ernährungskonzept. Es handelt sich nicht um eine leitliniengestützte therapeutische Diät und nicht um eine krankheitsspezifische Ernährungstherapie.

Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen

Das modifizierte Fasten entwickelte sich aus klassischen Heilfastenkonzepten mit dem Ziel, deren bekannte Nachteile – insbesondere den ausgeprägten Muskelabbau sowie Nährstoffdefizite – zu reduzieren. Im Unterschied zum vollständigen Fasten wird dem Körper eine geringe Menge an Proteinen sowie ausgewählten Makro- und Mikronährstoffen zugeführt, um katabole Effekte abzumildern.

Wissenschaftlich stützt sich das Konzept auf Erkenntnisse zum Hungerstoffwechsel, zur Ketonkörperbildung und zur Stickstoffbilanz. Nach Entleerung der Glykogenspeicher (Glykogen = Speicherform der Glukose in Leber und Muskulatur) kommt es zu einer verstärkten Lipolyse (Fettabbau) mit Ketonkörperbildung, während körpereigenes Protein zur Energie- und Glucosebereitstellung herangezogen wird. Die zentrale Annahme des modifizierten Fastens ist, dass eine begrenzte Proteinzufuhr den Verlust an Muskelmasse reduzieren kann, ohne den Fastenzustand vollständig aufzuheben. Diese Annahme ist physiologisch plausibel, wird jedoch nur begrenzt durch klinische Studien gestützt [1, 2].

Zielsetzung der Diät

Primäres Ziel des modifizierten Fastens ist eine kurzfristige Gewichtsreduktion infolge einer ausgeprägten Kalorienrestriktion. Der angestrebte Gewichtsverlust erfolgt dabei überwiegend rasch und ist primär auf eine Reduktion der Energiezufuhr sowie begleitende Veränderungen des Wasser- und Glykogenhaushalts zurückzuführen.

Ferner werden häufig subjektive Effekte wie eine empfundene „metabolische Entlastung“, mentale Klarheit oder ein bewusster Bruch mit bisherigen Ernährungsgewohnheiten angestrebt. Die Anwendung erfolgt überwiegend im Lifestyle-Kontext und weniger im Rahmen strukturierter medizinischer Therapieprogramme.

Medizinische Zielparameter wie HbA1c (Langzeitblutzuckerwert), Nüchternglucose, LDL-Cholesterin oder Blutdruck stehen nicht im Vordergrund und werden in der Praxis meist nicht systematisch erfasst oder überwacht. Entsprechend fehlen klar definierte therapeutische Zielgrößen sowie eine leitlinienbasierte Indikationsstellung. Kurzfristige Ziele beschränken sich auf Gewichtsverlust und subjektives Wohlbefinden, langfristige gesundheitliche oder therapeutische Ziele sind nicht festgelegt.

Grundprinzipien

Das modifizierte Fasten beruht auf dem zeitlich begrenzten vollständigen Verzicht auf feste Nahrung bei gleichzeitiger kontrollierter Zufuhr von Flüssigkeit, Proteinpräparaten sowie ausgewählten Makro- und Mikronährstoffen. Ziel ist es, einen Fastenzustand mit stark reduzierter exogener Energiezufuhr aufrechtzuerhalten und gleichzeitig ausgeprägte katabole Effekte zumindest teilweise zu begrenzen. Die tägliche Energiezufuhr bleibt dabei deutlich unterhalb des Grundumsatzes.

Die klassische Mahlzeitenstruktur entfällt weitgehend und wird durch mehrere Trinkmahlzeiten ersetzt, die primär funktionellen Charakter haben und nicht der ausgewogenen Ernährung dienen. Neben proteinbasierten Getränken werden häufig verdünnte Frucht- oder Gemüsesäfte sowie klare Brühen eingesetzt. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist zentrales Prinzip, um Kreislaufbelastungen und Elektrolytverschiebungen zu vermeiden.

In der praktischen Umsetzung wird das modifizierte Fasten häufig durch vorgeschaltete Entlastungstage sowie nachgeschaltete Aufbautage ergänzt. Diese dienen dazu, den Übergang in den Hungerstoffwechsel und die anschließende Rückkehr zur normalen Nahrungsaufnahme schrittweise zu gestalten und akute Beschwerden zu reduzieren.

Die Gesamtdauer ist in der Regel klar begrenzt und variiert je nach Konzept zwischen wenigen Tagen und maximal mehreren Wochen.

Angestrebte Wirkmechanismen

Das modifizierte Fasten zielt auf eine rasche Gewichtsabnahme durch eine ausgeprägte Reduktion der täglichen Energiezufuhr ab. In der initialen Phase kommt es zur Entleerung der Glykogenspeicher, was mit einem schnellen Verlust an Körpergewicht einhergeht. Anschließend stellt sich der Stoffwechsel zunehmend auf eine verstärkte Nutzung von Fettreserven um, wobei durch die gesteigerte Lipolyse (Mobilisierung von Depotfett aus den Adipozyten des Fettgewebes) vermehrt Ketonkörper gebildet werden, die insbesondere dem Gehirn als alternativer Energieträger dienen.

Parallel zur Fettmobilisation wird körpereigenes Protein zur Energiegewinnung herangezogen, was zu einem Abbau von Muskelmasse führt. Die beim modifizierten Fasten vorgesehene Proteinzufuhr soll diesen Prozess abschwächen, indem sie den Bedarf an endogenem Protein reduziert und die negative Stickstoffbilanz verbessert. Klinische Studien zeigen jedoch, dass der protektive Effekt begrenzt ist und ein relevanter Verlust an fettfreier Masse trotz Proteinzufuhr nicht vollständig verhindert werden kann.

Zusätzlich werden neuroendokrine und metabolische Anpassungen beobachtet, darunter Veränderungen der Insulinsekretion und eine gesteigerte Insulinsensitivität während der Fastenphase. Diese Effekte sind überwiegend kurzfristig und bilden sich nach Wiederaufnahme einer normalen Ernährung rasch zurück. Häufig postulierte Mechanismen wie eine umfassende „Entgiftung“, eine nachhaltige Regeneration des Stoffwechsels oder ein langfristiger Reset hormoneller Regelkreise sind wissenschaftlich nicht belegt und finden in aktuellen Übersichtsarbeiten keine Unterstützung [3].

Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Geeignete Zielgruppen

  • Gesunde Erwachsene
  • Personen mit kurzfristigem Wunsch nach Gewichtsreduktion
  • Personen ohne relevante Stoffwechsel- oder Organerkrankungen

Eingeschränkte Eignung

  • Ältere Menschen
  • Personen mit hoher körperlicher oder beruflicher Belastung
  • Personen mit leichtem Übergewicht ohne medizinische Indikation

Nicht geeignete Gruppen

  • Kinder und Jugendliche
  • Schwangere und Stillende
  • Personen mit Essstörungen (z. B. Bulimia nervosa/Ess-Brech-Sucht)
  • Multimorbide oder gebrechliche Personen

Das modifizierte Fasten ist insgesamt nur für eine eng begrenzte Zielgruppe sinnvoll.

Durchführung und Ablauf der Diät

Eine sorgfältige Vorbereitung ist für das modifizierte Fasten essentiell. Dazu gehören eine realistische Einschätzung der Belastbarkeit sowie die Planung von Alltag und Ernährung. Häufige Fehler sind ein abruptes Einsteigen ohne Entlastungstage, eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr und überzogene Erwartungen an den Gewichtsverlust.

Die Diät beginnt in der Regel mit ein bis drei Entlastungstagen, gefolgt von einer mehrtägigen bis maximal dreiwöchigen Fastenphase. Während dieser Zeit werden täglich etwa 2-3 Liter Flüssigkeit sowie Protein- und Mikronährstoffpräparate aufgenommen. Die Energiezufuhr bleibt deutlich unterhalb des Grundumsatzes. Moderate Bewegung ist sinnvoll, intensive körperliche Belastungen sollten vermieden werden.

Nach dem Fastenbrechen schließen sich mehrere Aufbautage an, in denen die Nahrungsaufnahme schrittweise gesteigert wird, um die Verdauung nicht zu überlasten. Das modifizierte Fasten wird meist ambulant und selbstständig durchgeführt. Aus medizinischer Sicht ist insbesondere bei längerer Dauer oder bestehenden Vorerkrankungen eine ärztliche Begleitung empfehlenswert.

Empfohlene Lebensmittel

  • Wasser
  • Ungesüßte Kräuter- und Früchtetees
  • Verdünnte Frucht- und Gemüsesäfte (begrenzt)
  • Klare Gemüsebrühen
  • Proteinpräparate
  • Vitamin- und Mineralstoffpräparate

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

  • Alle festen Lebensmittel
  • Zuckerhaltige Getränke
  • Alkohol
  • Kaffee und koffeinhaltige Getränke
  • Fettreiche oder energiereiche Flüssignahrung
  • Genussmittel wie Nikotin

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

Die Durchführung des modifizierten Fastens sollte nach Möglichkeit in Phasen geringer beruflicher, sozialer und körperlicher Belastung erfolgen. Feste Tagesabläufe mit klar definierten Trinkzeiten erleichtern die Umsetzung und helfen, Unsicherheit oder unkontrolliertes Verhalten zu vermeiden.

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr über den gesamten Tag verteilt ist zentral, um Kreislaufproblemen, Kopfschmerzen und Müdigkeit vorzubeugen.

Hilfreich ist es, erlaubte Getränke und Präparate im Voraus bereitzustellen, um spontane Abweichungen vom Konzept zu vermeiden.

Soziale Esssituationen, Einladungen oder Restaurantbesuche sollten nach Möglichkeit reduziert oder bewusst geplant werden. Offene Kommunikation mit dem sozialen Umfeld kann den Umgang mit solchen Situationen erleichtern.

Moderate Bewegung wie Spaziergänge kann unterstützend wirken, intensive sportliche Aktivitäten sollten hingegen vermieden werden.

Für die Aufbautage empfiehlt sich eine frühzeitige Einkaufs- und Menüplanung, um impulsives oder übermäßiges Essen nach der Fastenphase zu verhindern.

Körperliche Warnsignale wie Schwindel, ausgeprägte Schwäche, Konzentrationsstörungen oder anhaltendes Unwohlsein sollten ernst genommen werden und Anlass sein, die Fastenphase zu unterbrechen oder ärztlichen Rat einzuholen.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Die Energiezufuhr beim modifizierten Fasten liegt deutlich unterhalb des Grundumsatzes und ist nicht bedarfsdeckend. Der kalorische Mangel führt zwangsläufig zu einer negativen Energiebilanz und damit zu einem raschen Gewichtsverlust, der jedoch nur teilweise auf den Abbau von Fettmasse zurückzuführen ist. Ein erheblicher Anteil entfällt auf Wasserverluste, den Abbau von Glykogenspeichern sowie auf fettfreie Masse.

Trotz der vorgesehenen Proteinzufuhr wird der empfohlene Tagesbedarf häufig nicht erreicht, insbesondere bei längerer Durchführung oder unzureichender Dosierung der Proteinpräparate. Der Proteinmangel begünstigt einen Abbau von Muskelmasse, was sich negativ auf Kraft, Leistungsfähigkeit und den Grundumsatz auswirken kann. Dieser Effekt ist insbesondere bei älteren Personen oder bei bereits bestehender Sarkopenie (altersbedingter Muskelabbau) relevant.

Die Zufuhr essentieller Fettsäuren ist stark eingeschränkt oder fehlt nahezu vollständig. Damit ist auch die Versorgung mit fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K) ohne gezielte Supplementierung nicht gewährleistet.

Ballaststoffe werden praktisch nicht aufgenommen, was zu Veränderungen der Darmmotilität, der Darmflora und zu gastrointestinalen Beschwerden führen kann.

Auch die Mikronährstoffversorgung ist ohne Supplemente nicht bedarfsdeckend. Kritisch sind insbesondere Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium, Calcium sowie Spurenelemente und wasserlösliche Vitamine. Selbst bei Supplementierung bleibt die physiologische Nährstoffaufnahme über Lebensmittel aus, sodass keine ernährungsphysiologisch ausgewogene Versorgung erreicht wird.

Insgesamt handelt es sich um eine stark einseitige, kurzfristig angelegte Ernährungsform, die keine nachhaltige Anpassung des Ernährungsverhaltens vermittelt und für eine langfristige Anwendung ungeeignet ist [4, 5].

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Das modifizierte Fasten ist mit einer Reihe potentieller Risiken verbunden, die sowohl kurzfristig als auch bei längerer Durchführung klinisch relevant werden können. Zu den häufigen kurzfristigen Nebenwirkungen zählen Hypotonie (niedriger Blutdruck), Schwindel, Müdigkeit, verminderte Konzentrationsfähigkeit sowie Kopfschmerzen und gastrointestinale Beschwerden. Diese Symptome sind Ausdruck der niedrigen Energiezufuhr, der veränderten Stoffwechsellage und möglicher Flüssigkeits- oder Elektrolytverschiebungen.

Elektrolytstörungen können insbesondere bei unzureichender Flüssigkeits- oder Mineralstoffzufuhr auftreten und sich in Muskelschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Kreislaufproblemen äußern.

Trotz Proteinzufuhr kommt es zu einem relevanten Abbau von Muskelmasse, der mit Leistungseinbußen und langfristig mit einem erhöhten Risiko für funktionelle Einschränkungen assoziiert ist.

Die verstärkte Ketonkörperbildung im Rahmen der Fettmobilisation kann die renale Ausscheidung von Harnsäure hemmen. In der Folge kann es zu einem Anstieg der Harnsäurespiegel kommen, wodurch das Risiko für Gichtanfälle oder die Bildung von Harnsteinen erhöht wird. Bei entsprechender Prädisposition können diese Effekte klinisch relevant werden.

Bei Personen mit Vorerkrankungen, insbesondere mit Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz (Herzschwäche), Leber- oder Nierenerkrankungen sowie bei psychischen Erkrankungen, besteht ein erhöhtes Risiko für ernsthafte Komplikationen. In diesen Fällen kann das modifizierte Fasten zu einer Verschlechterung der Grunderkrankung führen und sollte nur nach strenger Indikationsstellung und unter ärztlicher Kontrolle erfolgen [2].

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Absolute Kontraindikationen

  • Kinder und Jugendliche
  • Schwangere und Stillende
  • Essstörungen
  • Schwere Organerkrankungen

Relative Kontraindikationen

  • Diabetes mellitus
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
  • Leber- und Nierenerkrankungen
  • Maligne (bösartige) Erkrankungen
  • Psychische Erkrankungen

Eine ärztliche Rücksprache ist in diesen Fällen zwingend erforderlich.

Vorteile

  • Rascher, kurzfristiger Gewichtsverlust
  • Einfache Struktur
  • Geringerer Proteinabbau im Vergleich zum totalen Fasten

Nachteile

  • Nicht bedarfsdeckende Nährstoffzufuhr
  • Verlust von Muskelmasse
  • Keine nachhaltige Verhaltensänderung
  • Hohes Risiko für Gewichtszunahme nach Beendigung
  • Fehlende Langzeitevidenz

Wissenschaftliche Einordnung

Die Studienlage ist überwiegend kurzzeitig und heterogen. Leitlinien zur Adipositastherapie oder Prävention chronischer Erkrankungen empfehlen modifiziertes Fasten nicht. Fachgesellschaften betonen stattdessen nachhaltige, ausgewogene Ernährungsformen. Die Plausibilität einzelner Mechanismen ist gegeben. Ein langfristiger gesundheitlicher Nutzen jedoch nicht belegt [3-5].

Fazit

Das modifizierte Fasten ist eine kurzfristige, stark restriktive Maßnahme mit begrenztem Nutzen und relevanten Risiken. Der beobachtete Gewichtsverlust beruht überwiegend auf Wasser- und Muskelmasse. Für eine nachhaltige Gewichtsreduktion oder gesundheitliche Prävention ist das Konzept ungeeignet. Medizinisch sinnvoller sind langfristige, leitliniengestützte Ernährungsstrategien. Wenn modifiziertes Fasten überhaupt eingesetzt wird, sollte dies zeitlich begrenzt und unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Literatur

  1. Anton SD et al.: Flipping the metabolic switch: understanding and applying the health benefits of fasting. Obesity. 2018;26(2):254-268. doi: 10.1002/oby.22065.
  2. de Cabo R, Mattson MP: Effects of intermittent fasting on health, aging, and disease. N Engl J Med. 2019;381:2541-2551.doi: 10.1056/NEJMra1905136.
  3. Patterson RE, Sears DD: Metabolic effects of intermittent fasting. Annu Rev Nutr. 2017;37:371-393. doi: 10.1146/annurev-nutr-071816-064634.
  4. Welton S et al.: Intermittent fasting and weight loss: Systematic review. Can Fam Physician. 2020 Feb;66(2):117-125.
  5. Lowe DA et al.: Effects of time-restricted eating on weight loss and Other Metabolic Parameters in Women and Men With Overweight and Obesity: The TREAT Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med. 2020 Nov 1;180(11):1491-1499. doi: 10.1001/jamainternmed.2020.4153.