Heilfasten nach Buchinger

Das Buchinger-Heilfasten ist ein ärztlich geprägtes Fastenkonzept mit stark reduzierter Energiezufuhr von typischerweise 150-300 kcal pro Tag, bei dem über mehrere Tage bis Wochen vollständig auf feste Nahrung verzichtet wird und die Energiezufuhr ausschließlich über Flüssigkeiten wie Wasser, Tee, Gemüsebrühe und in begrenztem Umfang Säfte erfolgt.

Es handelt sich um ein komplementärmedizinisch-naturheilkundlich begründetes Kur- und Fastenverfahren, das nicht als leitliniengestützte therapeutische Diät anerkannt ist und in der Regel im Rahmen strukturierter Kurprogramme durchgeführt wird [1].

Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen

Der Mediziner Otto Buchinger berichtete 1919 über eine subjektiv empfundene Besserung seiner rheumatischen Beschwerden nach einer mehrwöchigen Fastenkur und gründete 1920 eine auf das Fasten spezialisierte Kurklinik. Die theoretischen Grundlagen des Buchinger-Heilfastens entstammen überwiegend der klassischen Naturheilkunde und beinhalten Konzepte wie „Entschlackung“, „Entgiftung“ und die Aktivierung körpereigener Selbstheilungskräfte. Diese Begriffe besitzen keine klar definierte physiologische Entsprechung.

Aus heutiger Sicht lassen sich beobachtete Effekte primär durch Kalorienrestriktion, Glykogenabbau (Glykogen = Speicherform der Glucose in Leber und Muskulatur), Ketogenese (Stoffwechselprozess, bei dem der Körper aus Fett sogenannte Ketonkörper bildet, um Energie bereitzustellen, wenn kaum Kohlenhydrate verfügbar sind) sowie Veränderungen der Insulin- und Blutdruckregulation erklären.

Systematische Übersichtsarbeiten zeigen, dass metabolische Effekte des Fastens nicht spezifisch für das Buchinger-Konzept sind, sondern weitgehend dem Energiedefizit und begleitenden Lebensstilfaktoren zuzuschreiben sind [1-3].

Zielsetzung der Diät

Das Buchinger-Heilfasten verfolgt das Ziel, durch zeitlich begrenzten vollständigen Nahrungsverzicht eine metabolische Entlastung zu erreichen und dadurch kurzfristig Körpergewicht, Blutdruck, Blutfettwerte und Glucoseparameter zu verbessern. Ferner wird es als präventives Verfahren zur allgemeinen Gesundheitsförderung und zur Linderung chronischer Beschwerden beworben.

Die Zielsetzung ist überwiegend kurzfristig ausgerichtet. Nachhaltige Effekte werden nur dann erwartet, wenn nach dem Fasten eine dauerhafte Ernährungs- und Lebensstilumstellung erfolgt, die jedoch nicht integraler Bestandteil des Konzepts ist [1, 2].

Grundprinzipien

Das Buchinger-Heilfasten folgt einem klar strukturierten, mehrphasigen Ablauf, der den Organismus schrittweise auf den Nahrungsverzicht vorbereiten, die Fastenphase stabilisieren und anschließend eine kontrollierte Rückkehr zur normalen Nahrungsaufnahme ermöglichen soll. Den Beginn bilden ein bis zwei sogenannte Entlastungstage, an denen die Energiezufuhr bereits reduziert und leicht verdauliche Kost wie Reis, Kartoffeln, Obst oder Gemüse verzehrt wird, um den Stoffwechsel auf die bevorstehende Fastenphase einzustellen.

Die eigentliche Fastenphase erstreckt sich je nach Programm über mehrere Tage bis zu mehreren Wochen und ist durch den vollständigen Verzicht auf feste Nahrung gekennzeichnet. Die Energiezufuhr erfolgt ausschließlich über Flüssigkeiten wie Wasser, Kräutertee, Gemüsebrühe sowie – programmabhängig – geringe Mengen verdünnter Gemüse- oder Obstsäfte, wodurch die tägliche Energieaufnahme in der Regel auf etwa 150-300 kcal begrenzt ist. Ziel ist die Aufrechterhaltung der Flüssigkeitsversorgung bei gleichzeitiger Induktion eines ausgeprägten Energiedefizits und einer ketogenen Stoffwechsellage [1, 4].

Ein weiteres zentrales Element ist die bewusste Gestaltung des Tagesablaufs mit Phasen der Ruhe, der Entspannung und der moderaten körperlichen Aktivität, beispielsweise in Form von Spaziergängen oder leichten gymnastischen Übungen. Intensive körperliche Belastungen sollen vermieden werden, um Kreislaufbelastungen und unerwünschte Nebenwirkungen zu reduzieren. Häufig wird der Fastenbeginn durch Maßnahmen zur Darmentleerung begleitet, die aus naturheilkundlicher Sicht als unterstützend angesehen werden, für die jedoch keine eigenständige medizinische Wirksamkeit belegt ist.

Das Fasten wird durch ein sogenanntes Fastenbrechen beendet, bei dem zunächst kleine Mengen leicht verdaulicher Nahrung, klassischerweise ein Apfel oder Rohkost, aufgenommen werden. Daran schließen sich mehrtägige Aufbautage an, in denen die Energie- und Nährstoffzufuhr schrittweise gesteigert und zu einer vollwertigen Mischkost übergeleitet wird. Diese Phase gilt als essentiell für die Verträglichkeit und die weitere Gewichtsentwicklung, ist jedoch im Buchinger-Konzept weniger standardisiert als die Fastenphase selbst [1, 4].

Angestrebte Wirkmechanismen

Die angestrebten Effekte des Buchinger-Heilfastens beruhen primär auf einem ausgeprägten Energiedefizit infolge des vollständigen Verzichts auf feste Nahrung. Dadurch kommt es kurzfristig zu einer Reduktion des Körpergewichts, wobei der anfängliche Gewichtsverlust zu einem wesentlichen Anteil durch den Abbau von Glykogenspeichern und den damit verbundenen Wasserverlust erklärbar ist. Mit zunehmender Fastendauer wird vermehrt Körperfett mobilisiert, gleichzeitig jedoch auch körpereigenes Protein abgebaut, insbesondere aus der Skelettmuskulatur [1, 4, 5].

Die drastische Einschränkung der Kohlenhydratzufuhr führt zu einem metabolischen Übergang in eine ketogene Stoffwechsellage mit vermehrter Nutzung von Fettsäuren und Ketonkörpern. Diese physiologische Anpassung geht häufig mit einer verminderten Appetitwahrnehmung sowie kurzfristigen Veränderungen hormoneller Regelkreise einher, insbesondere einer verbesserten Insulinsensitivität. Vergleichbare Effekte werden jedoch auch bei anderen Formen der Kalorienrestriktion beobachtet und sind nicht spezifisch für das Buchinger-Heilfasten [1-3].

Zusätzlich können kurzfristige Veränderungen kardiometabolischer Parameter wie Blutdruck und Blutfettwerte auftreten. Diese sind überwiegend auf Gewichtsverlust, reduzierte Energie- und Natriumzufuhr sowie begleitende Faktoren des Kursettings zurückzuführen. Mögliche Effekte auf Entzündungsmarker werden diskutiert, sind jedoch heterogen belegt und bislang nicht mit einem gesicherten klinischen Nutzen verbunden. Die im naturheilkundlichen Kontext postulierten Konzepte der „Entschlackung“ oder „Entgiftung“ sind wissenschaftlich nicht belegt [1-3, 5].

Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Das Buchinger-Heilfasten richtet sich an Erwachsene, die im Rahmen eines zeitlich begrenzten Kur- oder Fastenprogramms eine kurzfristige metabolische Entlastung anstreben.

Geeignete Zielgruppen

  • Stoffwechselstabile Erwachsene ohne relevante Vorerkrankungen
  • Personen mit Übergewicht oder Adipositas, die eine kurzfristige Gewichtsreduktion im Rahmen eines ärztlich überwachten Programms anstreben
  • Erwachsene mit erhöhter kardiometabolischer Risikokonstellation (z. B. Hypertonie (Bluthochdruck) oder ungünstige Blutfettwerte), bei denen eine kurzfristige Verbesserung einzelner Parameter erwartet wird
  • Personen mit Diabetes mellitus Typ 2, ausschließlich unter enger ärztlicher Kontrolle und mit Anpassung der Medikation
  • Erwachsene mit chronischen, nicht akut entzündlichen Beschwerden (z. B. rheumatische Symptome), bei denen eine subjektive Symptomlinderung im Rahmen eines Kursettings erhofft wird

Eingeschränkte Eignung

  • Ältere Menschen mit erhöhtem Risiko für Muskelabbau (Sarkopenierisiko)
  • Personen mit hoher körperlicher oder beruflicher Belastung
  • Personen mit chronischen Erkrankungen und komplexer medikamentöser Therapie

Nicht geeignet

  • Kinder und Jugendliche
  • Schwangere und Stillende
  • Personen mit Essstörungen (z. B. Bulimia nervosa/Ess-Brech-Sucht), schweren Organerkrankungen oder ausgeprägter Mangelernährung

Bei vulnerablen Personengruppen überwiegen die potentiellen Risiken in der Regel den möglichen Nutzen, sodass von einer Durchführung abzuraten ist.

Durchführung und Ablauf der Diät

Das Buchinger-Heilfasten wird in der Praxis überwiegend stationär oder kurklinisch durchgeführt, insbesondere bei längerer Fastendauer oder bei Vorliegen von Vorerkrankungen. In diesem Setting erfolgen ärztliche Eingangsuntersuchungen, regelmäßige Verlaufskontrollen sowie bei Bedarf Anpassungen bestehender Medikation, etwa bei Hypertonie (Bluthochdruck) oder Diabetes mellitus Typ 2. Ambulante oder teilstationäre Programme sind möglich, richten sich jedoch in der Regel an metabolisch stabile Personen ohne relevante Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) und sind zeitlich kürzer angelegt. Eine vollständig selbstständig durchgeführte Fastenkur ohne medizinische Überwachung ist insbesondere bei mehrtägiger oder mehrwöchiger Durchführung nicht zu empfehlen [4, 5].

Die Durchführung folgt einem strukturierten, mehrphasigen Ablauf. Zu Beginn werden ein bis zwei Entlastungstage mit reduzierter Energiezufuhr und leicht verdaulicher Kost durchgeführt, um den Stoffwechsel auf die Fastenphase vorzubereiten. Der Fastenbeginn wird häufig durch Maßnahmen zur Darmentleerung begleitet, die aus naturheilkundlicher Tradition stammen, deren eigenständige medizinische Wirksamkeit jedoch nicht belegt ist.

Während der anschließenden Fastenphase wird vollständig auf feste Nahrung verzichtet. Die tägliche Flüssigkeitszufuhr beträgt etwa drei Liter und umfasst Wasser, Kräutertees, Gemüsebrühe sowie in begrenztem Umfang verdünnte Säfte. Die tägliche Energieaufnahme liegt in der Regel zwischen 150 und 300 kcal. Begleitend werden moderate körperliche Aktivität, Ruhephasen und Entspannungsmaßnahmen empfohlen, während körperliche Höchstbelastungen und Genussmittel vermieden werden.

Das Fasten endet mit dem sogenannten Fastenbrechen und wird durch mehrere Aufbautage ergänzt, in denen die Energie- und Nährstoffzufuhr schrittweise gesteigert und die Rückkehr zu einer vollwertigen Ernährung vorbereitet wird. Während der gesamten Durchführung sind – insbesondere bei Risikopersonen – engmaschige ärztliche Kontrollen erforderlich, um Kreislaufreaktionen, Elektrolytverschiebungen, Hypoglykämien (Unterzuckerungen) oder andere Komplikationen frühzeitig zu erkennen [4, 5].

Empfohlene Lebensmittel

Während der Fastenphase

  • Wasser
  • Mineralwasser
  • Ungesüßte Kräuter- und Früchtetees
  • Gemüsebrühe
  • Verdünnte Gemüse- und Obstsäfte (programmabhängig)

Während der Aufbautage

  • Leicht verdauliche pflanzliche Lebensmittel
  • Gedünstetes Gemüse
  • Obst in kleinen Mengen
  • Schrittweise Einführung einer eiweißarmen Mischkost

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

Während der Fastenphase

  • Feste Lebensmittel jeglicher Art
  • Alkohol
  • Genussmittel (z. B. Süßigkeiten, Snacks)
  • Stark koffeinhaltige Getränke

Während der Aufbauphase

  • Stark verarbeitete Lebensmittel
  • Sehr fettreiche Speisen
  • Zuckerreiche Lebensmittel

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

Vor Beginn des Fastens sollte ausreichend Zeit für die Vorbereitung eingeplant werden. Dazu gehören die Reduktion beruflicher und privater Verpflichtungen, insbesondere bei körperlich oder geistig fordernden Tätigkeiten, sowie eine frühzeitige Planung von Ruhezeiten. Bei bestehender Medikation sollte vorab ärztlich geklärt werden, ob und in welchem Umfang Dosisanpassungen notwendig sind.

Während der Fastenphase empfiehlt es sich, die Flüssigkeitszufuhr gleichmäßig über den Tag zu verteilen und regelmäßig zu trinken. Langsames Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen kann helfen, Kreislaufbeschwerden zu vermeiden. Körperliche Aktivität sollte moderat gehalten werden, etwa in Form von Spaziergängen oder leichten Bewegungsübungen, während intensive sportliche Belastungen vermieden werden.

Ein geregelter Tagesrhythmus mit festen Zeiten für Ruhe, Bewegung und Flüssigkeitsaufnahme erleichtert die Durchführung. Entspannungsübungen, Atemtechniken oder Meditation können genutzt werden, um innere Unruhe zu reduzieren. Auf Alkohol, Nikotin und andere Genussmittel sollte vollständig verzichtet werden.

Während des Fastens sollten körperliche Signale aufmerksam beobachtet werden. Bei anhaltendem Schwindel, ausgeprägter Schwäche, Herzklopfen oder ungewöhnlichen Beschwerden ist eine ärztliche Rücksprache sinnvoll.

Die Aufbautage sollten bewusst geplant werden. Die Energiezufuhr sollte schrittweise gesteigert werden, beginnend mit kleinen Portionen leicht verdaulicher Lebensmittel. Stark fettreiche, sehr süße oder stark verarbeitete Speisen sollten zunächst vermieden werden. Eine strukturierte Planung der Ernährung nach Abschluss der Aufbautage erleichtert den Übergang in den Alltag und unterstützt eine stabile Gewichtsentwicklung [1, 4].

Ernährungsphysiologische Bewertung

Das Buchinger-Heilfasten ist ernährungsphysiologisch als ausgeprägte Mangelsituation zu bewerten. Durch den vollständigen Verzicht auf feste Nahrung werden Makronährstoffe (Hauptnährstoffe: Kohlenhydrate, Fette, Proteine (Eiweiß)) nicht bedarfsdeckend zugeführt. Die Proteinzufuhr ist deutlich unzureichend, wodurch insbesondere bei längerer Fastendauer ein Abbau von Muskelmasse begünstigt wird. Dies betrifft vor allem ältere Menschen oder Personen mit bereits reduzierter Muskelreserve.

Auch die Zufuhr essentieller Fettsäuren ist stark eingeschränkt, ebenso die Aufnahme fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K). Weiterhin werden wichtige Mikronährstoffe wie Calcium, Eisen, Zink, Jod und Vitamin B12 nicht in ausreichender Menge aufgenommen.

Ballaststoffe fehlen nahezu vollständig, was sich negativ auf die Darmfunktion und das Mikrobiom (Darmflora) auswirken kann.

Insgesamt handelt es sich beim Buchinger-Heilfasten nicht um eine ausgewogene Ernährungsform, sondern um eine zeitlich begrenzte Phase mit potentiell relevanten ernährungsphysiologischen und metabolischen Konsequenzen, die nur unter klarer zeitlicher Begrenzung und medizinischer Kontrolle vertretbar ist [4, 5].

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Während des Buchinger-Heilfastens treten häufig Nebenwirkungen auf, die überwiegend auf die stark reduzierte Energiezufuhr und die metabolische Umstellung zurückzuführen sind. Dazu zählen Hypotonie (niedriger Blutdruck), Schwindel, Müdigkeit, verminderte Konzentrationsfähigkeit, Kälteempfinden sowie gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden). Diese Symptome sind in der Regel reversibel, können jedoch den Alltag erheblich beeinträchtigen.

Klinisch relevante Risiken ergeben sich insbesondere bei längerer Durchführung oder bei bestehenden Vorerkrankungen. Der Abbau von Muskelmasse stellt ein zentrales Problem dar, insbesondere bei älteren Menschen. Elektrolytverschiebungen und Dehydratation (Austrocknung) können Kreislaufstörungen begünstigen. Durch die ketogene Stoffwechsellage kann es zu einer verminderten Harnsäureausscheidung kommen, was eine Hyperurikämie (erhöhter Harnsäurespiegel im Blut) begünstigt und bei entsprechender Disposition Gichtanfälle oder Harnsteinbildung auslösen kann.

Bei Personen mit Diabetes mellitus besteht ein erhöhtes Risiko für Hypoglykämien (Unterzuckerungen), insbesondere unter Insulin oder Sulfonylharnstoffen. Ebenso können unter antihypertensiver Therapie relevante Blutdruckabfälle auftreten, die das Risiko für Synkopen (plötzlicher, kurzzeitiger Bewusstseinsverlust durch vorübergehende Minderdurchblutung des Gehirns) und Stürze erhöhen. In diesen Konstellationen sind engmaschige ärztliche Kontrollen unerlässlich.

Insgesamt zeigt die aktuelle Evidenz, dass das Buchinger-Heilfasten zwar unter medizinischer Überwachung kurzfristig durchführbar ist, jedoch mit relevanten Risiken verbunden bleibt und keine risikofreie Intervention darstellt [4-6].

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Absolute Kontraindikationen

  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Kinder und Jugendliche
  • Essstörungen
  • Schwere Organerkrankungen
  • Ausgeprägte Mangelernährung

Relative Kontraindikationen

  • Diabetes mellitus (insbesondere unter Insulintherapie)
  • Hyperurikämie (erhöhter Harnsäurespiegel im Blut) oder Gicht
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
  • Nieren- oder Lebererkrankungen
  • Komplexe Polypharmazie

Vorteile

  • Rascher initialer Gewichtsverlust durch starkes Energiedefizit
  • Klar strukturierter Ablauf im Rahmen eines Kurkonzepts
  • Subjektiv empfundene mentale Entlastung und erhöhte Achtsamkeit gegenüber dem Essverhalten

Nachteile

  • Keine bedarfsdeckende Versorgung mit essentiellen Nährstoffen
  • Erhöhtes Risiko für Muskelabbau
  • Kreislaufprobleme, Müdigkeit und Leistungsabfall möglich
  • Erhöhtes Risiko für Hyperurikämie und Gichtanfälle
  • Fehlende Nachhaltigkeit mit hohem Jo-Jo-Risiko

Wissenschaftliche Einordnung

Aktuelle Metaanalysen zeigen, dass Fastenformen kurzfristig zu Gewichtsverlust und moderaten Verbesserungen einzelner metabolischer Parameter führen können, jedoch gegenüber einer kontinuierlichen Kalorienreduktion nicht überlegen sind. Für mehrwöchiges Heilfasten besteht keine belastbare Evidenz für einen langfristigen gesundheitlichen Nutzen. Fachgesellschaften empfehlen für Prävention und Therapie chronischer Erkrankungen evidenzbasierte Ernährungs- und Lebensstilinterventionen, nicht jedoch Heilfasten als Standardmaßnahme [1-3].

Fazit

Das Buchinger-Heilfasten ist kein evidenzbasiertes Therapiekonzept. Die postulierten heilenden Effekte sind wissenschaftlich nicht ausreichend belegt, während die Risiken insbesondere bei längerer Durchführung relevant sind. Für eine nachhaltige Gewichtsreduktion oder Krankheitsprävention ist das Verfahren ungeeignet und kann allenfalls als kurzfristiger, medizinisch überwachter Impuls verstanden werden. Ohne anschließende strukturierte Ernährungsumstellung überwiegen die Nachteile deutlich.

Literatur

  1. Sun M-L, Yao W, Wang X-Y et al.: Intermittent fasting and health outcomes: an umbrella review of systematic reviews and meta-analyses of randomised controlled trials. eClinicalMedicine. 2024;70:102519. doi: 10.1016/j.eclinm.2024.102519.
  2. Chang Y, Du T, Zhuang X, Ma G. Time-restricted eating improves health because of energy deficit and circadian rhythm: a systematic review and meta-analysis. iScience. 2024;27(2):109000. doi: 10.1016/j.isci.2024.109000.
  3. Elortegui Pascual P, Rolands MR, Eldridge AL, et al.: A meta-analysis comparing alternate-day fasting, the 5:2 diet, and time-restricted eating for weight loss. Obesity. 2023;31(Suppl 1):9-21. doi: 10.1002/oby.23568.
  4. Ezpeleta M, Cienfuegos S, Lin S et al.: Efficacy and safety of prolonged water fasting: a narrative review of human trials. Nutr Rev. 2023;82(5):664-675. doi: 10.1093/nutrit/nuad081.
  5. Grundler F, Mesnage R, Ruppert PMM, Wilhelmi de Toledo F et al.: Long-term fasting-induced ketosis: metabolic regulation and safety. Nutrients. 2024;16(12):1849. doi: 10.3390/nu16121849.
  6. Koppold DA, Kandil FI, Müller A et al.: Effects of Prolonged Medical Fasting during an Inpatient, Multimodal, Nature-Based Treatment on Pain, Physical Function, and Psychometric Parameters in Patients with Fibromyalgia: An Observational Study. Nutrients. 2024;16(7):1059. doi: 10.3390/nu16071059.