Volumetrics-Diät

Die Volumetrics-Diät ist ein energiedichtebasiertes Ernährungskonzept, bei dem gezielt Lebensmittel mit niedriger Energiedichte bevorzugt werden. Darunter versteht man Lebensmittel, die bei einem relativ geringen Kaloriengehalt ein großes Volumen aufweisen. Typischerweise handelt es sich dabei um wasser- und ballaststoffreiche Nahrungsmittel wie Gemüse, Obst, Suppen oder ballaststoffreiche Getreideprodukte. Ziel ist es, durch ein hohes Nahrungsvolumen ein ausgeprägtes Sättigungsgefühl zu erreichen, während die Gesamtenergiezufuhr reduziert bleibt. Der Ansatz unterscheidet sich damit von klassischen restriktiven Diäten, bei denen Portionsgrößen stark begrenzt werden, und setzt stattdessen auf eine qualitative Veränderung der Lebensmittelauswahl.

Einzuordnen ist die Volumetrics-Diät primär als präventive Ernährungsform und als Lifestyle-orientiertes Konzept zur Gewichtsregulation. Sie verfolgt keinen krankheitsspezifischen Therapieansatz, lässt sich jedoch gut in bestehende ernährungsmedizinische Konzepte integrieren. Insbesondere im Rahmen einer leitlinienorientierten Adipositastherapie kann sie als praktische Strategie innerhalb einer hypokalorischen Mischkost eingesetzt werden, da sie zentrale Leitlinienprinzipien wie Energiereduktion, Förderung ballaststoffreicher Lebensmittel und langfristige Umsetzbarkeit unterstützt [4, 5].

Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen

Historisch wurde das Konzept in der Ernährungswissenschaft vor allem durch experimentelle und klinische Arbeiten zur Energiedichte von Lebensmitteln, zur Portionsgröße sowie zu Mechanismen der Hunger- und Sättigungsregulation geprägt. Studien zeigten wiederholt, dass Menschen im Alltag dazu neigen, relativ konstante Nahrungsmengen, genauer gesagt ‑volumina, zu konsumieren, unabhängig vom Energiegehalt der Lebensmittel. Die wissenschaftliche Grundlage der Volumetrics-Diät ist daher ein verhaltens- und lebensmittelbezogener Ansatz: Wird die durchschnittliche Energiedichte der Ernährung gesenkt, kann die Energieaufnahme reduziert werden, ohne dass das subjektive Sättigungsgefühl oder die wahrgenommene Mahlzeitengröße deutlich abnimmt.

Zielsetzung der Diät

Ziel der Diät ist eine Gewichtsreduktion oder – nach erreichter Gewichtsabnahme – eine Gewichtsstabilisierung durch eine nachhaltige Reduktion der täglichen Energieaufnahme bei möglichst guter Sättigung und hoher Alltagstauglichkeit. Im Gegensatz zu kurzfristigen Diäten steht nicht eine rasche Gewichtsabnahme im Vordergrund, sondern eine langfristig tragfähige Ernährungsumstellung.

Bei medizinischer Anwendung, insbesondere bei Übergewicht und Adipositas, orientiert sich die Zielsetzung an etablierten klinischen Zielparametern. Zu den primären Zielgrößen zählen Körpergewicht und BMI (Body-Mass-Index/Körpermassen-Index) sowie der Taillenumfang als Stellvertreterwert für viszerale Adipositas bzw. Bauchfett. Ergänzend sind je nach individueller Ausgangslage auch Blutdruck, Nüchternglucose, HbA1c als Maß für die langfristige Blutzuckereinstellung sowie das Lipidprofil relevant.

Die Anwendung folgt dabei der leitlinienlogischen Abfolge: Indikation (Übergewicht/Adipositas) → Intervention (energiedichtereduzierte Ernährung in Kombination mit strukturierten Verhaltensstrategien) → Monitoring (Gewichtsentwicklung, Taillenumfang, gegebenenfalls Laborparameter und Medikation) → Risikomanagement (Screening auf Essstörungen, Sicherstellung der Nährstoffqualität, Anpassung gewichtsabhängiger Medikamente) [4, 5].

Grundprinzipien

Kern der Volumetrics-Diät ist die systematische Verschiebung der Lebensmittelauswahl hin zu einer insgesamt niedrigeren Energiedichte. Praktisch bedeutet dies einen hohen Anteil an Gemüse, Obst, Suppen und Salaten, ergänzt durch Hülsenfrüchte, fettärmere Proteinquellen und moderate Mengen an Vollkornprodukten. Energiedichte Lebensmittel wie Fette, Süßwaren oder stark verarbeitete Snacks werden nicht grundsätzlich ausgeschlossen, jedoch bewusst portioniert und in ihrer Häufigkeit begrenzt.

Häufig wird mit sogenannten „Sättigungsbausteinen“ gearbeitet, bei denen Volumen, Protein und Ballaststoffe kombiniert werden, um das Sättigungsgefühl zu optimieren.

Starre Verbote oder rigide Phasenmodelle sind nicht vorgesehen. Kalorienzählen kann unterstützend eingesetzt werden, ist jedoch nicht zwingend erforderlich.

In der praktischen Umsetzung resultiert meist eine hypokalorische Mischkost mit hoher Nährstoffdichte und hohem Lebensmittelvolumen, die gut mit gängigen Ernährungsempfehlungen vereinbar ist [7].

Angestrebte Wirkmechanismen

Die erwarteten Effekte sind eine niedrigere Energieaufnahme bei vergleichbarer Essmenge/Portionsvolumen sowie eine verbesserte Sättigung und dadurch erleichterte Umsetzbarkeit im Alltag. Pathophysiologisch plausibel ist dies über folgende Wirkungsmechanismen:

  • höhere Volumen- und Dehnungsreize im Magen,
  • höhere Ballaststoffanteile mit verzögerter Magenentleerung,
  • veränderter postprandialer Sättigung (Sättigungsgefühl nach dem Essen),
  • geringere „kcal pro Bissen“ bei gleichbleibendem Essverhalten und
  • indirekte Portionskontrolle energiedichter Lebensmittel.

Metaanalysen zeigen, dass das Senken der Energiedichte in experimentellen Designs die tägliche Energieaufnahme deutlich reduziert und Kompensation (späteres „Nachessen“) eher gering ausfällt. Effekte auf das Körpergewicht sind in den vorhandenen Studien tendentiell günstig [1, 2, 7]. Ergänzend gilt: Größere Portionsgrößen erhöhen kurzfristig die Energieaufnahme. Volumetrics nutzt diesen Mechanismus „in die andere Richtung“, indem große Portionen bevorzugt werden, aber mit niedriger Energiedichte [3].

Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Geeignet sind vor allem Personen, die mit „mehr essen dürfen“ (Volumen) besser zurechtkommen als mit starren Restriktionen und die eine lebensmittelbasierte Struktur bevorzugen [4, 5].

Geeignete Zielgruppen

  • Erwachsene mit Übergewicht/Adipositas, v. a. bei hoher Snack- und Energiedichte im bisherigen Essmuster [4, 5]
  • Personen mit kardiometabolischen Risikofaktoren (Faktoren, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselerkrankungen erhöhen), bei denen eine energiereduzierte, ballaststoffreiche Mischkost sinnvoll ist [4, 5]
  • Personen, die ohne Kalorienzählen eine praktikable Portionslogik benötigen [7]
  • Ältere Menschen grundsätzlich möglich, aber mit Fokus auf ausreichende Protein- und Energiequalität (Sarkopenierisiko (Risiko für einen alters- oder krankheitsbedingten Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft) beachten) [4]

Eingeschränkte Eignung

  • Personen, die große Rohkostmengen schlecht tolerieren (z. B. relevante funktionelle Magen-Darm-Beschwerden) – dann Anpassung der Lebensmitteltextur/Verteilung erforderlich [7]

Durchführung und Ablauf der Diät

Sinnvoll ist eine Vorbereitung über Einkaufs- und Rezeptplanung mit „niedriger Energiedichte als Standard“ (Gemüsebasis, Suppen, Hülsenfrüchte, fettärmere Milchprodukte/Alternativen, mageres Protein, Vollkorn).

Typische Startfehler sind:

  • zu drastische Fettkürzungen ohne Geschmack/Genussstrategie (führt zu Abbruch),
  • zu schnelle Ballaststoffsteigerung (Blähungen) und
  • zu wenig Protein (Hunger).

Eine Übergangsphase über 1-2 Wochen mit schrittweiser Erhöhung von Gemüse/Hülsenfrüchten und gleichzeitiger Portionierung energiedichter Lebensmittel ist oft praktikabel.

Eine schrittweise Umsetzung kann so aussehen:

  1. Pro Hauptmahlzeit eine große Gemüse-/Suppenkomponente
  2. Proteinquelle fest einplanen
  3. Energiedichte Komponenten bewusst messen (Öl, Nüsse, Käse)
  4. Snacks auf „volumenreich“ umstellen (Obst, Joghurt/Skyr, Rohkost nach Verträglichkeit)
  5. Wöchentliches Monitoring (Gewicht/taillenbezogen) und Anpassung

Dauer: als Abnehmphase meist mehrere Wochen bis Monate. Langfristig ist eine Überführung in eine ausgewogene, weniger energiedichte Alltagskost entscheidend.

Empfohlene Lebensmittel

Die Auswahl zielt auf viel Volumen, Ballaststoffe und Nährstoffdichte bei moderater Energiedichte [7].

  • Gemüse (auch TK), Pilze, Tomatenprodukte, Gemüse-Suppen/Eintöpfe
  • Obst (ganzes Obst bevorzugt gegenüber Saft) 
  • Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Kichererbsen), ggf. als Suppen/Chili/Salat 
  • Vollkornprodukte in angemessenen Portionen (Hafer, Vollkornbrot, Naturreis)
  • Fettärmere Proteinquellen (mageres Fleisch, Fisch, Eier in moderaten Mengen, fettarme Milchprodukte; pflanzlich: Tofu/Tempeh, Hülsenfrüchte)
  • Wasser/ungesüßte Getränke; kalorienarme Soßen auf Gemüse-/Joghurtbasis

Damit wird die Energiezufuhr häufig gesenkt, ohne dass die Mahlzeiten „klein“ wirken [1, 2, 7].

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

Aus Sicht des Konzepts sind dies Lebensmittel, die bei wenig Volumen sehr viele kcal liefern und leicht zur „unbemerkten“ Energieaufnahme beitragen [7].

  • Stark energiedichte Snacks und Süßwaren (Chips, Gebäck, Schokolade) 
  • Frittierte/ultra-verarbeitete Produkte und Fast-Food (oft hohe Energiedichte, geringe Sättigungswirkung)
  • Zuckerhaltige Getränke, Säfte, Milchmixgetränke mit Zucker/Fett 
  • Große Mengen hochfetter Komponenten (Öle, Nüsse, Käse, Sahne) ohne Portionierung 
  • Alkohol (zusätzliche Energie, Appetit-/Enthemmungseffekte) 

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

Für die praktische Umsetzung der Volumetrics-Diät ist eine klare Einkaufs- und Mahlzeitenlogik entscheidend. Bewährt hat sich der Grundsatz „Volumen zuerst“: Der Einkauf beginnt mit Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten, die mengenmäßig den größten Anteil der Ernährung ausmachen. Energiedichte Lebensmittel wie Öle, Käse, Nüsse oder Süßwaren werden nicht ausgeschlossen, aber gezielt geplant und portionsweise eingekauft, um eine unbewusste Mehrzufuhr zu vermeiden.

In der Küche eignen sich insbesondere Zubereitungsformen, die das Volumen erhöhen, ohne den Energiegehalt stark zu steigern. Dazu zählen Suppen, Eintöpfe, Pfannen- und Ofengerichte mit hohem Gemüseanteil. Soßen werden vorzugsweise auf Tomaten-, Gemüse- oder Joghurtbasis zubereitet, während sahne- oder fettreiche Varianten die Ausnahme bleiben. Durch diese Zubereitungsweise lassen sich große Portionsgrößen realisieren, die subjektiv sättigend sind, aber vergleichsweise wenig Energie liefern.

Die Alltagstauglichkeit steigt deutlich, wenn Mahlzeiten nach einem einfachen Baukastenprinzip zusammengestellt werden: eine große Salat- oder Gemüsekomponente, eine klar definierte Proteinportion, ein moderater Anteil an stärkehaltigen Kohlenhydraten sowie eine bewusst dosierte Fettquelle. Dieses Schema erleichtert sowohl das Kochen zu Hause als auch die Auswahl geeigneter Speisen außer Haus.

Im sozialen Kontext ist es hilfreich, energiedichte „Genusskomponenten“ bewusst einzuplanen, etwa bei Einladungen, Restaurantbesuchen oder besonderen Anlässen. Werden solche Lebensmittel gezielt und ohne Schuldgefühl integriert, sinkt das Risiko für unkontrolliertes „Nebenbei-Essen“. Die Flexibilität des Konzepts unterstützt damit die langfristige Umsetzbarkeit im Alltag [7].

Ernährungsphysiologische Bewertung

Die Volumetrics-Diät führt in der Praxis häufig zu einer ballaststoffreichen, mikronährstoffdichten Ernährung mit hohem Anteil an Gemüse, Obst und pflanzlichen Lebensmitteln. Diese Zusammensetzung ist ernährungsphysiologisch günstig und entspricht weitgehend den Empfehlungen nationaler und internationaler Fachgesellschaften. Insbesondere die erhöhte Ballaststoffzufuhr kann sich positiv auf Sättigung, Darmfunktion und metabolische Risikofaktoren auswirken.

Kritische Aspekte ergeben sich vor allem bei einseitiger oder zu strikt umgesetzter Energiereduktion. Wird der Fokus ausschließlich auf Volumen gelegt, kann die Proteinzufuhr zu niedrig ausfallen, was insbesondere bei älteren Menschen oder in sehr kalorienarmen Phasen problematisch ist. Eine unzureichende Proteinaufnahme kann den Muskelerhalt beeinträchtigen und langfristig die Stoffwechselgesundheit negativ beeinflussen.

Auch eine zu starke Reduktion von Fett kann ungünstig sein, wenn essentielle Fettsäuren aus Angst vor hoher Energiedichte gemieden werden. Dies betrifft insbesondere mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die für zahlreiche physiologische Funktionen relevant sind. Ferner kann eine rasche Steigerung der Ballaststoffzufuhr zu Beschwerden im Magen-Darm-Trakt führen, wenn keine schrittweise Anpassung erfolgt.

Insgesamt ist eine langfristig ausgewogene Nährstoffzufuhr jedoch gut erreichbar, wenn Protein- und Fettqualität aktiv mitgeplant werden, etwa durch den regelmäßigen Einbau von Fisch, hochwertigen Pflanzenölen wie Raps- oder Olivenöl in kleinen Mengen sowie portionierten Nüssen oder Samen [4, 7].

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Die Volumetrics-Diät gilt insgesamt als risikoarm, da keine vollständigen Lebensmittelgruppen ausgeschlossen werden und die Lebensmittelauswahl grundsätzlich leitliniennah ist. Medizinische Risiken entstehen in der Regel nicht durch das Konzept selbst, sondern durch eine unangemessene Umsetzung.

Zu den häufigsten kurzfristigen Problemen zählen gastrointestinale Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl oder abdominelle Schmerzen infolge einer zu schnellen Steigerung der Ballaststoffzufuhr. Ebenfalls relevant sind Müdigkeit, Leistungseinbußen oder Muskelabbau, wenn die Energie- oder Proteinzufuhr dauerhaft zu niedrig ist. Bei vulnerablen Personen kann eine sehr rigide Anwendung zudem psychisch belastend wirken.

Bei Personen mit Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes kann eine relevante Reduktion der Energie- und Kohlenhydratzufuhr zu einer Verbesserung der Blutzuckerwerte führen. In diesem Zusammenhang kann eine Anpassung antidiabetischer Medikamente, insbesondere insulin- oder sulfonylharnstoffbasierter Therapien, erforderlich sein, um Hypoglykämien (Unterzuckerungen) zu vermeiden. Dies stellt kein spezifisches Risiko der Volumetrics-Diät dar, sondern betrifft Gewichtsreduktion und Ernährungsumstellungen generell. Leitlinien betonen daher die Bedeutung eines strukturierten Monitorings und einer ärztlichen Begleitung bei entsprechenden Patientengruppen [4, 5].

Bezüglich der Essstörungssymptomatik zeigen aktuelle Daten zu Gewichtsinterventionen insgesamt keine Verschlechterung, sondern im Mittel sogar eine Verbesserung sogenannter disordered-eating-Scores. Dennoch bleibt eine individuelle Risikoprüfung wichtig, insbesondere bei Vorliegen von Binge-Eating-Tendenzen oder stark restriktiven Essmustern, da diese Personengruppen sensibel auf diätetische Regeln reagieren können [6].

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Eine ärztliche Rücksprache ist besonders sinnvoll, wenn relevante Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) oder ein erhöhtes Risiko für Mangelernährung/Fehlsteuerung vorliegen [4, 6].

Absolute Kontraindikationen

  • Keine

Relative Kontraindikationen (ggf. mit Monitoringbedarf)

  • Aktive Essstörung oder ausgeprägte restriktive Essmuster, bei denen „Diätregeln“ die Symptomatik triggern können [6]
  • Hohes Risiko für Mangelernährung oder Sarkopenie (z. B. gebrechliche ältere Menschen) ohne gesicherte Protein-/Energieplanung [4]
  • Ausgeprägte gastrointestinale Unverträglichkeit gegenüber hohen Ballaststoffmengen ohne Anpassungsstrategie [7]
  • Antidiabetische Therapie mit Hypoglykämierisiko (Risiko für Unterzuckerung bei Diabetikern) bei geplanter deutlicher Energie-/Kohlenhydratreduktion (erfordert enges Monitoring) [4]

Vorteile

  • Gute Sättigung durch hohes Lebensmittelvolumen bei geringerer Energieaufnahme [1, 2, 7]
  • In der Regel hohe Nährstoffdichte durch mehr Gemüse/Obst/Hülsenfrüchte [7]
  • Flexible Integration in Alltagskost, ohne starre Verbote [4, 7]
  • Praktische, leicht vermittelbare Logik (Energiedichte/Portionsgestaltung) in Beratung und Therapie [7]

Nachteile

  • Gefahr einer zu fettarmen, geschmacklich unbefriedigenden Kost bei falscher Umsetzung (Adhärenzproblem) [7]
  • Gastrointestinale Beschwerden bei zu schneller Ballaststoffsteigerung [7]
  • Risiko einer zu niedrigen Proteinzufuhr, wenn „Volumen“ über „Proteinqualität“ gestellt wird (v. a. bei Älteren) [4]
  • Kein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen hypokalorischen, lebensmittelbasierten Strategien; der Erfolg hängt v. a. von Gesamtkalorienbilanz, Adhärenz und Langfriststruktur ab [4, 5]

Wissenschaftliche Einordnung

Die wissenschaftliche Evidenz zum Prinzip der Energiedichte gilt insgesamt als gut und vergleichsweise konsistent. Mehrere Metaanalysen randomisierter kontrollierter Studien zeigen, dass eine gezielte Absenkung der Energiedichte der Ernährung zu einer signifikanten Reduktion der täglichen Energieaufnahme führt. Dieser Effekt tritt in der Regel ohne vollständige kompensatorische Mehrzufuhr zu späteren Mahlzeiten auf, was darauf hindeutet, dass das Sättigungserleben maßgeblich durch Volumen und nicht allein durch den Kaloriengehalt bestimmt wird [1, 2].

Dabei ist hervorzuheben, dass sich die Evidenz primär auf das zugrunde liegende ernährungsphysiologische Prinzip und nicht auf ein einzelnes markengebundenes Diätprogramm bezieht. Langfristige randomisierte Studien, die explizit die „Volumetrics-Diät“ als geschlossenes Konzept untersuchen, sind begrenzt. Für die klinische Bewertung ist dies jedoch von nachgeordneter Bedeutung, da die Wirksamkeit im Wesentlichen durch die Reduktion der Energiedichte erklärbar ist [4, 5, 7].

In Interventionsstudien zeigt sich, dass energiedichtereduzierte Ernährungsformen kurzfristig und mittelfristig zu einer moderaten, aber klinisch relevanten Gewichtsabnahme führen können. Der langfristige Erfolg hängt dabei weniger vom spezifischen Diätlabel als vielmehr von der Adhärenz, der Qualität der Lebensmittelauswahl und der Einbettung in ein strukturiertes Behandlungs- oder Beratungskonzept ab. Diese Einschätzung deckt sich mit der Leitlinienlogik moderner Adipositastherapie, die nachhaltige Verhaltensänderungen höher gewichtet als kurzfristige Gewichtsverluste.

Fachgesellschaften und nationale wie internationale Leitlinien zur Prävention und Therapie der Adipositas empfehlen grundsätzlich eine hypokalorische, individuell angepasste Ernährungstherapie in Kombination mit verhaltensbezogenen Maßnahmen und langfristiger Unterstützung. Innerhalb dieses Rahmens wird die Reduktion der Energiedichte als eine praktikable und patientenverständlich vermittelbare Maßnahme angesehen, die insbesondere die Sättigung fördern und die Alltagstauglichkeit einer Energiereduktion verbessern kann [4, 5].

Fazit

Volumetrics ist ein plausibles und evidenzgestütztes Prinzip, das über die Reduktion der Energiedichte häufig eine niedrigere Energieaufnahme bei guter Sättigung ermöglicht. Kurzfristig kann es die Gewichtsreduktion erleichtern. Langfristig ist es dann sinnvoll, wenn Protein- und Fettqualität mitgeplant werden und die Umsetzung realistisch bleibt.

Als alleinige „Diät“ ohne Übergang in eine dauerhaft tragfähige Alltagsstruktur ist sie – wie andere Abnehmstrategien – häufig nicht nachhaltig. Im Vergleich zu stark restriktiven Diäten ist Volumetrics meist alltagstauglicher und risikoärmer [1, 2, 4, 5, 7].

Zusammenfassend lässt sich die Volumetrics-Diät als eine konkretisierte Umsetzung eines gut belegten ernährungsphysiologischen Prinzips. Ihre Stärke liegt in der praxisnahen Übersetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Energiedichte in ein alltagstaugliches Ernährungskonzept [1, 2, 4, 5, 7].

Literatur

  1. Robinson E, Khuttan M, McFarland-Lesser I, Patel Z, Jones A: Calorie reformulation: a systematic review and meta-analysis examining the effect of manipulating food energy density on daily energy intake. Int J Behav Nutr Phys Act. 2022 Apr 22;19(1):48. doi: 10.1186/s12966-022-01287-z.
  2. Klos B, Crepaz L, Weiland A et al.: Impact of energy density on energy intake in children and adults: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Eur J Nutr. 2023 Apr;62(3):1059-1076. doi: 10.1007/s00394-022-03054-z.
  3. Higgins KA, Hudson JL, Hayes AMR et al.: Systematic Review and Meta-Analysis on the Effect of Portion Size and Ingestive Frequency on Energy Intake and Body Weight among Adults in Randomized Controlled Feeding Trials. Adv Nutr. 2022 Feb 1;13(1):248-268. doi: 10.1093/advances/nmab112.
  4. Gajewska D, Lange E, Kęszycka P et al.: Recommendations on dietary treatment of obesity in adults: 2024 position of the Polish Society of Dietetics. J Health Inequal. 2024;10(1):22-47. doi: 10.5114/jhi.2024.141201.
  5. de Zwaan M, Hauner H, Holzapfel C, Engeli S: Interdisziplinäre S3-Leitlinie zur „Prävention und Therapie der Adipositas“ der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) – Überblick über die Empfehlungen zu den Themen „Stigmatisierung“, „Diagnostik“ und „Therapie“. Adipositas - Ursachen, Folgeerkrankungen, Therapie 2025; 19(02): 84-109. doi: 10.1055/a-2552-3990.
  6. Tsompanaki E, Koutoukidis DA, Wren G et al.: The impact of weight loss interventions on disordered eating symptoms in people with overweight and obesity: a systematic review & meta-analysis. eClinicalMedicine. 2025;80:103049. doi: 10.1016/j.eclinm.2024.103049.
  7. Mack I: Energiedichte von Lebensmitteln als Ernährungsstrategie bei Übergewicht und Adipositas. Adipositas – Ursachen, Folgeerkrankungen, Therapie. 2022. doi: 10.1055/a-1912-0498.