Ornish-Diät

Die Ornish-Diät ist ein überwiegend pflanzenbasiertes, extrem fettarmes Ernährungs- und Lebensstilkonzept, das ursprünglich zur Prävention und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickelt wurde. Der Fettanteil der Ernährung liegt in der Regel unter 10 % der täglichen Energiezufuhr.

Die Ernährung ist nicht isoliert zu betrachten, sondern Teil eines umfassenden Lebensstilprogramms, das zusätzlich regelmäßige körperliche Aktivität, strukturiertes Stressmanagement und soziale Unterstützung einschließt. Ziel ist nicht primär eine kurzfristige Gewichtsreduktion, sondern eine nachhaltige Verbesserung kardiovaskulärer Risikoparameter.

Einzuordnen ist die Ornish-Diät als therapeutisch orientiertes, lebensstilmedizinisches Konzept mit präventiver und sekundärpräventiver Zielsetzung.

Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen

Die Ornish-Diät wurde in den 1970er- und 1980er-Jahren von dem US-amerikanischen Kardiologen Dean Ornish entwickelt. Ausgangspunkt war die Hypothese, dass koronare Herzkrankheit (KHK; Erkrankung der Herzkranzgefäße) nicht nur verlangsamt, sondern durch intensive Lebensstilinterventionen teilweise rückgängig gemacht werden kann. Erste Hinweise hierfür ergaben sich aus frühen Interventionsstudien, die bereits Anfang der 1990er Jahre publiziert wurden [1].

Die wissenschaftliche Grundlage des Konzepts beruht auf der Annahme, dass eine drastische Reduktion der Fettzufuhr, insbesondere gesättigter Fettsäuren und Cholesterin, zu einer relevanten Senkung des LDL-Cholesterins führt. Ergänzend wird angenommen, dass Stressreduktion, Bewegung und soziale Unterstützung neuroendokrine, inflammatorische (entzündliche) und autonome Regulationsmechanismen günstig beeinflussen.

Zielsetzung der Diät

Ziel der Ornish-Diät ist die Verbesserung von Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bei entsprechender Indikation die Stabilisierung oder teilweise Rückbildung der koronaren Herzkrankheit.

Bei medizinischer Anwendung stehen als primäre Zielparameter LDL-Cholesterin, Gesamtcholesterin, Blutdruck, Körpergewicht sowie die körperliche Belastbarkeit im Vordergrund. Sekundäre Ziele umfassen die Reduktion von Angina-pectoris-Symptomen, eine Verbesserung der Lebensqualität und in Einzelfällen eine Reduktion der medikamentösen Therapie.
Kurzfristig soll eine rasche Verbesserung der Blutfettwerte erreicht werden, langfristig eine dauerhafte Lebensstiländerung.

Die Diät folgt damit einer leitliniennahen Logik aus Indikationsstellung, Intervention, Verlaufskontrolle und Risikoabwägung.

Grundprinzipien

Die Ornish-Diät basiert auf folgenden Grundprinzipien:

  • Fettzufuhr unter 10 % der täglichen Gesamtenergie
  • Weitgehender Verzicht auf tierische Lebensmittel
  • Bevorzugung pflanzlicher, möglichst unverarbeiteter Lebensmittel
  • Reduktion stark verarbeiteter Produkte
  • Kombination mit Bewegung, Stressmanagement und sozialer Unterstützung

Angestrebte Wirkmechanismen

Angestrebt wird primär eine deutliche Verbesserung des Fettstoffwechsels mit Senkung des LDL-Cholesterins. Durch den hohen Ballaststoffgehalt und die geringe Energiedichte der Ernährung kann zusätzlich eine Gewichtsreduktion eintreten. Stressreduktion und Bewegung sollen über neuroendokrine und autonome Mechanismen Blutdruck, Entzündungsparameter und Gefäßfunktion günstig beeinflussen.

Die Wirkmechanismen sind pathophysiologisch plausibel, insbesondere im Hinblick auf Lipidsenkung (Reduktion erhöhter Blutfettwerte) und Blutdruckreduktion. Die postulierte Regression atherosklerotischer Plaques (Ablagerungen in den Blutgefäßen gemeint, die sich im Laufe der Zeit an den Gefäßwänden bilden) ist biologisch möglich, wurde jedoch bislang nur in kleinen, hochintensiven Interventionsstudien gezeigt [1, 2]. Neuere systematische Vergleiche strukturierter Diätprogramme zeigen zwar günstige Effekte auf Risikoparameter, weisen jedoch auf eine insgesamt niedrige Evidenzqualität und fehlende Überlegenheit gegenüber moderateren Ernährungskonzepten hin [3].

Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Geeignete Zielgruppen

  • Erwachsene mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko (Herz- und Gefäßrisiko)
  • Personen mit koronarer Herzkrankheit (KHK) im Rahmen strukturierter Programme
  • Menschen mit Hypercholesterinämie (erhöhten Cholesterinwerten im Blut) unter ärztlicher Kontrolle

Eingeschränkte Eignung

  • Ältere Menschen mit erhöhtem Risiko für Mangelernährung
  • Personen mit hohem Energie- oder Fettbedarf

Bei medizinischer Anwendung ist eine individuelle Bewertung erforderlich, insbesondere bei relevanten Komorbiditäten (Begleiterkrankungen). Eine ärztliche Abklärung vor Beginn ist sinnvoll.

Durchführung und Ablauf der Diät

Die Durchführung der Ornish-Diät erfordert eine sorgfältige Vorbereitung und ein hohes Maß an Planung. Zu Beginn steht die konsequente Umstellung der Vorratshaltung auf pflanzliche, sehr fettarme Lebensmittel. Dies umfasst nicht nur den Austausch tierischer Produkte, sondern auch die Reduktion versteckter Fette in verarbeiteten Lebensmitteln.

Eine strukturierte Mahlzeitenplanung ist essentiell, um eine ausreichende Energie- und Nährstoffzufuhr sicherzustellen und Fehlentscheidungen im Alltag zu vermeiden. Insbesondere zu Beginn unterschätzen viele Anwender den Energiebedarf, was zu Müdigkeit, Leistungsabfall oder ungewolltem Gewichtsverlust führen kann.

Häufige Anfangsfehler sind eine zu abrupte Ernährungsumstellung ohne Anpassungsphase sowie eine stark erhöhte Ballaststoffzufuhr, die gastrointestinale Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl oder Durchfälle verursachen kann. Auch eine zu starke Fokussierung auf Fettvermeidung ohne gleichzeitige Beachtung der Proteinzufuhr ist ein typisches Problem. Aus diesen Gründen ist eine Übergangsphase mit schrittweiser Reduktion der Fettzufuhr und paralleler Anpassung der Lebensmittelauswahl sinnvoll. Diese Phase erleichtert die physiologische Anpassung des Verdauungssystems und verbessert die langfristige Akzeptanz.

Ein zentrales Element der Ornish-Diät ist die bewusste Einbindung mentaler und psychosozialer Aspekte. Motivation, Stressbewältigung und soziale Unterstützung sind nicht als Ergänzung, sondern als integrale Bestandteile des Konzepts zu verstehen. Regelmäßige Entspannungsübungen, achtsamkeitsbasierte Verfahren oder moderates Yoga sollen Stressreaktionen reduzieren, die ihrerseits kardiovaskuläre Risikofaktoren negativ beeinflussen können. Die soziale Einbindung, etwa durch Gruppentreffen oder strukturierte Programme, dient der Stabilisierung der Umsetzbarkeit im Alltag und hat sich in Studien als entscheidender Erfolgsfaktor erwiesen.

Empfohlene Lebensmittel

  • Gemüse und Obst in großer Vielfalt
  • Vollkornprodukte
  • Hülsenfrüchte
  • Fettarme pflanzliche Proteinquellen
  • Kräuter, Gewürze, ungesüßte Getränke

Ziel ist eine hohe Nährstoffdichte bei minimaler Fettzufuhr.

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

  • Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte
  • Vollfette Milchprodukte und Eier
  • Öle, Butter und fettreiche Zubereitungen
  • Stark verarbeitete Lebensmittel

Diese Restriktionen sind zentraler Bestandteil des Konzepts, schränken jedoch die Alltagstauglichkeit deutlich ein.

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

Eine erfolgreiche Umsetzung der Ornish-Diät beginnt mit einer klaren Einkaufsstrategie. Es ist sinnvoll, den Einkauf konsequent auf wenige Grundnahrungsmittel auszurichten und diese regelmäßig vorrätig zu halten. Dazu zählen Hülsenfrüchte in Dosen oder getrocknet, Vollkornreis, Haferflocken, Kartoffeln, tiefgekühltes Gemüse und frisches Obst. Eine gut gefüllte Basisvorratshaltung reduziert spontane Fehlentscheidungen und erleichtert die Zubereitung fettarmer Mahlzeiten im Alltag.

Im Kochalltag bewährt sich ein Baukastenprinzip. Eine typische Mahlzeit kann aus einer Sättigungsbeilage wie Vollkornreis oder Kartoffeln, einer Proteinquelle aus Hülsenfrüchten sowie einer großen Portion Gemüse bestehen. Gewürze, Kräuter, Essig, Senf oder Tomatenprodukte ersetzen Fett als Geschmacksträger. Die bewusste Planung weniger Standardgerichte für die Woche senkt den Aufwand und erhöht die langfristige Umsetzbarkeit.

Für berufliche und soziale Situationen ist Vorbereitung entscheidend. Selbst mitgebrachte Mahlzeiten oder vorbereitete Snacks wie Obst, fettarmer Hummus mit Gemüsesticks oder Haferflocken erleichtern die Einhaltung der Diät außerhalb des eigenen Haushalts. In Restaurants ist es hilfreich, gezielt nach fettarmen, pflanzlichen Optionen zu fragen oder Beilagen zu kombinieren.

Die Integration von Bewegung sollte niedrigschwellig erfolgen. Regelmäßige, moderat intensive Aktivitäten wie zügiges Gehen oder Radfahren sind ausreichend und lassen sich besser in den Alltag integrieren als ambitionierte Trainingspläne. Feste Zeitfenster im Tagesablauf erhöhen die Verlässlichkeit.

Stressmanagement sollte bewusst eingeplant und nicht dem Zufall überlassen werden. Kurze tägliche Entspannungsroutinen, Atemübungen oder einfache Achtsamkeitsübungen sind praktikabler als seltene, lange Einheiten. Auch kleine Pausen im Alltag können zur Stressreduktion beitragen.

Soziale Unterstützung ist ein zentraler Erfolgsfaktor. Der Austausch mit anderen, die ähnliche Ziele verfolgen, steigert die Motivation und erleichtert die langfristige Umsetzung. Dies kann in Form von Gruppenprogrammen, festen Bezugspersonen oder digitalen Angeboten erfolgen. Studien zeigen, dass positive Effekte des Ornish-Konzepts vor allem dann auftreten, wenn Ernährung, Bewegung und Stressmanagement gemeinsam umgesetzt werden, während eine isolierte Ernährungsumstellung deutlich weniger wirksam ist [2, 3].

Ernährungsphysiologische Bewertung

Die Ornish-Diät ist gekennzeichnet durch einen sehr hohen Anteil an Kohlenhydraten und Ballaststoffen bei gleichzeitig extrem niedriger Fettzufuhr. Diese Makronährstoffverteilung (Verteilung der Hauptnährstoffe Kohlenhydrate, Fette, Proteine (Eiweiß)) führt zu einer geringen Energiedichte der Ernährung, was kurzfristig eine Gewichtsreduktion begünstigen kann. Gleichzeitig besteht jedoch das Risiko, dass die Gesamtenergiezufuhr unbeabsichtigt zu niedrig ausfällt. Dies betrifft insbesondere körperlich aktive Personen, ältere Menschen sowie Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Energiebedarf, bei denen eine unzureichende Energiezufuhr zu Müdigkeit, Leistungsabfall oder ungewolltem Gewichtsverlust führen kann.

Besonders kritisch ist die sehr geringe Zufuhr essentieller Fettsäuren. Durch den nahezu vollständigen Verzicht auf Fette und Öle ist die Aufnahme von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren stark eingeschränkt. Ohne eine gezielte Auswahl geeigneter pflanzlicher Quellen oder eine Supplementierung besteht langfristig ein relevantes Risiko für Defizite, die sich unter anderem auf Entzündungsprozesse, Gefäßfunktion und Zellmembranstabilität auswirken können. Dieser Aspekt ist ernährungsphysiologisch bedeutsam, da essentielle Fettsäuren nicht vom Körper selbst gebildet werden können und unabhängig von der Gesamtfettzufuhr notwendig sind.

Die Proteinversorgung ist bei konsequenter Einbindung von Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und fettarmen pflanzlichen Proteinquellen grundsätzlich möglich. Dennoch erfordert sie Aufmerksamkeit, insbesondere bei älteren Menschen, bei chronisch Kranken oder bei Personen mit erhöhtem Proteinbedarf. Eine zu geringe Proteinzufuhr kann langfristig den Erhalt von Muskelmasse beeinträchtigen und funktionelle Einschränkungen begünstigen. Auch die Bioverfügbarkeit pflanzlicher Proteine sollte berücksichtigt werden, da sie im Vergleich zu tierischen Proteinquellen teilweise geringer ist.

Hinsichtlich der Mikronährstoffversorgung bietet die Ornish-Diät durch den hohen Anteil an Obst, Gemüse und Vollkornprodukten eine gute Versorgung mit Ballaststoffen, Kalium, Folsäure und antioxidativ wirksamen sekundären Pflanzenstoffen. Gleichzeitig können jedoch kritische Mikronährstoffe wie Vitamin B12, Vitamin D, Jod, Eisen und Calcium bei unzureichender Planung nicht in ausreichender Menge aufgenommen werden. Eine langfristig ausgewogene Versorgung ist daher nur bei sorgfältiger Lebensmittelauswahl, gegebenenfalls angereicherten Lebensmitteln oder Supplementierung gewährleistet.

Insgesamt ist die ernährungsphysiologische Ausgewogenheit der Ornish-Diät stark abhängig von der individuellen Umsetzung. Pflanzlich betonte Ernährungsformen können kardiovaskulär günstig sein, dieser Effekt ist jedoch nicht an eine extrem niedrige Fettzufuhr gebunden. Studien zeigen vergleichbare oder teilweise bessere Effekte auch bei moderater Fettzufuhr, etwa im Rahmen mediterraner oder flexitarischer Ernährungskonzepte [4].

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Zu den möglichen medizinischen Risiken der Ornish-Diät zählen in erster Linie Mängel an essentiellen Fettsäuren sowie potentielle Defizite einzelner Mikronährstoffe (Vitalstoffe) bei langfristiger Umsetzung ohne fachliche Begleitung. Der sehr hohe Ballaststoffanteil kann insbesondere in der Anfangsphase zu gastrointestinalen Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl oder Diarrhoe (Durchfall) führen. Bei empfindlichen Personen oder bei bestehenden gastrointestinalen Erkrankungen kann dies die Adhärenz zusätzlich beeinträchtigen.

Ein weiterer potentieller Aspekt ist der Einfluss auf das Lipidprofil. Während eine deutliche Senkung des LDL-Cholesterins häufig beobachtet wird, kann es gleichzeitig zu ungünstigen Veränderungen des HDL-Cholesterins kommen. Die klinische Relevanz dieses Effekts ist nicht abschließend geklärt, sollte jedoch insbesondere bei Hochrisikopatienten berücksichtigt werden.

Die hohe Restriktion der Ernährungsform stellt zudem eine psychische und organisatorische Belastung dar. Dies kann zu Überforderung, verminderter langfristiger Umsetzbarkeit oder kompensatorischem Essverhalten führen. In der Praxis zeigt sich, dass ein erheblicher Teil der positiven Effekte nur unter intensiver Betreuung und in strukturierten Programmen erreicht wird.

Die Evidenz für eine Reduktion harter klinischer Endpunkte wie Myokardinfarkt (Herzinfarkt) oder Gesamtmortalität (Gesamtsterberate) ist insgesamt begrenzt. Neuere Netzwerk-Metaanalysen zeigen keine klare Überlegenheit der Ornish-Diät gegenüber weniger restriktiven, ausgewogeneren Ernährungsformen wie der mediterranen Ernährung [3]. Der potentielle Nutzen scheint stark von der Intensität der Intervention, der professionellen Begleitung und der langfristigen Adhärenz abhängig zu sein.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Absolute Kontraindikationen

  • Mangelernährung
  • Essstörungen (z. B. Bulimia nervosa/Ess-Brech-Sucht)

Relative Kontraindikationen (ärztliche Rücksprache erforderlich)

  • Untergewicht
  • Erhöhter Energiebedarf
  • Eingeschränkte Compliance

In diesen Fällen ist eine ärztliche Rücksprache erforderlich.

Vorteile

  • Deutliche Senkung des LDL-Cholesterins
  • Förderung einer pflanzenbetonten Ernährung
  • Integration von Stressmanagement und Bewegung

Kurzfristig können relevante Verbesserungen kardiovaskulärer Risikofaktoren erreicht werden [2].

Nachteile

  • Sehr hohe Restriktion und geringe Alltagstauglichkeit
  • Potentielle Nährstoffdefizite ohne sorgfältige Planung
  • Fehlende Überlegenheit gegenüber moderateren Ernährungsformen

Langfristig ist die Umsetzbarkeit im Alltag häufig eingeschränkt [3].

Wissenschaftliche Einordnung

Die wissenschaftliche Evidenz zur Ornish-Diät stützt sich im Wesentlichen auf wenige, überwiegend kleine Interventionsstudien mit hoher Intensität und enger Betreuung. Die bekanntesten Arbeiten stammen aus den frühen 1990er- und späten 1990er-Jahren und untersuchten nicht die Ernährungsform isoliert, sondern ein komplexes Lebensstilprogramm, das Ernährung, Bewegung, Stressmanagement und soziale Unterstützung kombinierte [1, 2]. Die in diesen Studien beschriebenen Effekte, einschließlich einer partiellen Regression koronarer Atherosklerose (Arteriosklerose/Arterienverkalkung), sind daher nicht eindeutig der Ernährung allein zuzuordnen.

Methodisch sind diese Studien durch kleine Fallzahlen, selektierte Patientenkollektive, hohe Interventionsintensität und eingeschränkte Übertragbarkeit auf den Versorgungsalltag limitiert. Die postulierte Rückbildung atherosklerotischer Veränderungen ist biologisch plausibel, stellt jedoch eher eine Ausnahme unter hochkontrollierten Bedingungen dar als einen realistischen Erwartungswert für die breite Anwendung.

Neuere systematische Reviews und Netzwerk-Metaanalysen, die verschiedene strukturierte Diätprogramme vergleichen, bestätigen zwar günstige Effekte der Ornish-Diät auf surrogate Risikoparameter wie LDL-Cholesterin, Körpergewicht und Blutdruck, zeigen jedoch keine klare Überlegenheit gegenüber weniger restriktiven herzgesunden Ernährungsformen wie der mediterranen oder DASH-Ernährung [3]. Insbesondere wird deutlich, dass vergleichbare Effekte auch bei moderater Fettzufuhr erreicht werden können, sofern die Qualität der Fette, der hohe Anteil pflanzlicher Lebensmittel und eine insgesamt ausgewogene Ernährung gewährleistet sind.

Fachgesellschaften und Leitlinien ordnen die Ornish-Diät als mögliche intensive Lebensstilintervention für ausgewählte Patientengruppen ein. Empfohlen werden in der Regel pragmatischere, besser alltagstaugliche Ernährungskonzepte mit höherer langfristiger Adhärenz und robusterer Evidenzbasis.

Fazit

Die Ornish-Diät ist ein konsequent fettarmes, pflanzenbasiertes Lebensstilkonzept mit einer nachvollziehbaren pathophysiologischen Begründung und nachweisbaren Effekten auf kardiovaskuläre Risikoparameter wie LDL-Cholesterin und Blutdruck. Unter hochintensiven, strukturierten Bedingungen kann sie bei ausgewählten Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko positive Effekte zeigen, einschließlich einer möglichen partiellen Rückbildung atherosklerotischer Veränderungen.

Die extreme Restriktion der Fettzufuhr erschwert die langfristige Umsetzung erheblich und ist mit ernährungsphysiologischen Risiken verbunden, insbesondere bei unzureichender fachlicher Begleitung.

Als zeitlich begrenzte, intensiv betreute Intervention kann die Ornish-Diät bei motivierten Hochrisikopatienten sinnvoll sein. Als dauerhafte Ernährungsform oder allgemeine Empfehlung ist sie aus ernährungsmedizinischer Sicht nicht zu bevorzugen.

Literatur

  1. Ornish D, Brown SE, Scherwitz LW et al.: Can lifestyle changes reverse coronary heart disease? The Lifestyle Heart Trial? Lancet. 1990 Jul 21;336(8708):129-33. doi: 10.1016/0140-6736(90)91656-u.
  2. Ornish D, Scherwitz LW, Billings JH et al.: Intensive lifestyle changes for reversal of coronary heart disease. JAMA. 1998 Dec 16;280(23):2001-7. doi: 10.1001/jama.280.23.2001.
  3. Karam G, Agarwal A, Sadeghirad B et al.: Comparison of seven popular structured dietary programmes and risk of mortality and major cardiovascular events in patients at increased cardiovascular risk: systematic review and network meta-analysis. BMJ. 2023 Mar 29:380:e072003. doi: 10.1136/bmj-2022-072003.
  4. Kim H, Caulfield LE, Garcia-Larsen V, Steffen LM, Coresh J, Rebholz CM: Plant-Based Diets Are Associated With a Lower Risk of Incident Cardiovascular Disease, Cardiovascular Disease Mortality, and All-Cause Mortality in a General Population of Middle-Aged Adults. J Am Heart Assoc. 2019 Aug 20;8(16):e012865. doi: 10.1161/JAHA.119.012865