Low-Fat-Diät
Low-Fat-Diäten sind Ernährungskonzepte, bei denen der Fettanteil der Gesamtenergiezufuhr gezielt reduziert wird (typischerweise < 30 % der Energie, teils deutlich darunter), während Kohlenhydrate und/oder Proteine (Eiweiß) anteilig ansteigen. Bekannte Beispiele sind die "Pfunds-Kur" und die "Low-Fat-30-Diät".
Einzuordnen ist dies primär als Diät zur Gewichtsreduktion bzw. präventive Ernährungsform. In der medizinischen Behandlung wird eine fettarme Ernährung häufig als Bestandteil empfohlener Lebensstilprogramme eingesetzt, etwa bei Adipositas [2, 4].
Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen
Fettreduktion als Diätprinzip wurde historisch v. a. aus zwei Beobachtungen abgeleitet:
- Fett ist energiedichter als Kohlenhydrate und Proteine (9 kcal/g vs. ~4 kcal/g).
- Eine hohe Zufuhr gesättigter Fettsäuren geht mit ungünstigen Lipidprofilen einher.
Moderne Low-Fat-Konzepte unterscheiden sich deutlich: von „moderater Fettreduktion“ (z. B. < 30 % Energie) bis zu sehr fettarmen Programmen (teils < 10-15 % Energie), häufig kombiniert mit Strukturvorgaben (Rezepte, Wochenpläne), Bewegung und Verhaltenskomponenten [2, 5].
Zielsetzung der Diät
Ziel ist eine praktikable, oft alltagstauglich gedachte Reduktion der Gesamtenergiezufuhr über die Senkung der energiedichten Fettzufuhr, verbunden mit Gewichtsreduktion bzw. Gewichtsstabilisierung.
Mögliche therapeutische Indikationen sind:
- Primäre Zielparameter
- Körpergewicht bzw. BMI (Body-Mass-Index/Körpermassenindex) und Taillenumfang
- Blutdruck
- LDL-Cholesterin/Non-HDL, Triglyceride
- HbA1c (Langzeitblutzuckerwert), Nüchternglucose bei Prädiabetes bzw. Diabetes [2, 4]
- Sekundäre Ziele
- Verbesserung von Belastbarkeit, Schlaf und Lebensqualität
- Risikoreduktion von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Grundprinzipien
Das zentrale Grundprinzip der Low-Fat-Diät ist die Begrenzung der Fettzufuhr auf einen definierten Anteil der täglichen Energieaufnahme. In den meisten Konzepten sollen weniger als 30 % der Gesamtenergie aus Fett stammen. In der praktischen Umsetzung wird häufig mit absoluten Zielwerten gearbeitet, etwa rund 60 g Fett pro Tag, während strengere Varianten lediglich etwa 30 g Fett erlauben. Der konkrete Zielwert ist dabei stets vom individuellen Energiebedarf abhängig.
Die Diät verzichtet bewusst auf absolute Lebensmittelverbote. Stattdessen erfolgt eine Priorisierung fettarmer Lebensmittel, während fettreiche Produkte mengenmäßig begrenzt werden. Dieses Vorgehen erhöht die Flexibilität der Ernährungsform und erleichtert ihre langfristige Integration in den Alltag.
Neben der reinen Fettmenge wird in modernen Low-Fat-Konzepten auch die Fettqualität berücksichtigt:
- Gesättigte Fettsäuren und Transfettsäuren sollen möglichst niedrig gehalten werden.
- Ungesättigte Fettsäuren können gezielt in moderaten Mengen eingeplant werden, beispielsweise in Form von Raps- oder Olivenöl, Nüssen oder Samen [5, 6].
Häufig sind Low-Fat-Diäten zudem strukturiert aufgebaut und arbeiten mit Wochenplänen, Portionslogiken und standardisierten Rezepten. Nicht selten werden diese Ernährungsprogramme durch Bewegungsempfehlungen sowie verhaltens- oder entspannungsorientierte Elemente ergänzt.
Angestrebte Wirkmechanismen
Der wichtigste Wirkmechanismus der Low-Fat-Diät beruht auf dem sogenannten Energiedichte-Effekt. Da Fett mit etwa 9 kcal pro Gramm eine deutlich höhere Energiedichte aufweist als Kohlenhydrate oder Proteine mit jeweils rund 4 kcal pro Gramm, kann durch eine Reduktion des Fettanteils bei gleicher Lebensmittelmenge die Gesamtenergiezufuhr deutlich gesenkt werden. Dies erleichtert das Erreichen einer negativen Energiebilanz und begünstigt eine Gewichtsreduktion.
Ferner kann eine fettreduzierte Ernährung, sofern sie gleichzeitig auf eine günstige Fettsäurezusammensetzung achtet, positive Effekte auf den Fettstoffwechsel haben. Insbesondere die Reduktion gesättigter Fettsäuren und deren Ersatz durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren oder stärke- und ballaststoffreiche Kohlenhydrate sind mit einer Senkung des LDL-Cholesterins assoziiert [2, 6].
In Populationen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko (Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen) zeigen strukturierte Low-Fat-Programme, die häufig mit weiteren Lebensstilkomponenten wie Bewegung und Verhaltensänderungen kombiniert werden, im Vergleich zu einfachen Ernährungsempfehlungen messbare gesundheitliche Vorteile [3].
Demgegenüber gelten einige Annahmen als überholt oder nicht ausreichend belegt. Die Vorstellung, Fett allein sei die Hauptursache von Übergewicht, greift zu kurz. Entscheidend für den langfristigen Erfolg sind vielmehr die Gesamtenergiebilanz, die individuelle Adhärenz (Umsetzbarkeit im Alltag) sowie die Qualität der verzehrten Lebensmittel. Eine klare, langfristige Überlegenheit von Low-Fat-Diäten gegenüber Low-Carb-Diäten konnte in kontrollierten Studien bislang nicht konsistent gezeigt werden [1, 2].
Zielgruppen und Ausschlusskriterien
Low-Fat-Diäten können in vielen Fällen als strukturierte, kalorienreduzierte Ernährungsoption eingesetzt werden – entscheidend ist die individuelle Passung und die Sicherung der Nährstoffqualität.
Geeignete Zielgruppen
- Erwachsene mit Übergewicht bzw. Adipositas, die mit fettarmen Grundnahrungsmitteln (Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte) gut zurechtkommen [5]
- Personen mit erhöhtem kardiometabolischem Risiko, wenn Low-Fat als Teil eines strukturierten Lebensstilprogramms umgesetzt wird [3]
Eingeschränkte Eignung
- Personen mit geringer Sättigung unter fettarmer Kost (erhöhtes Risiko für Snacking/Probleme in der Umsetzbarkeit)
- Menschen mit Essstörungen wie Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht) oder stark restriktivem Essverhalten [5]
Besondere Gruppen (ärztlich/ernährungsmedizinisch einordnen)
- Kinder und Jugendliche, Schwangere und Stillende, geriatrische und vulnerable Personengruppen (gesundheitlich besonders empfindliche Menschen): Risiko für unzureichende Energie- und Mikronährstoffzufuhr bei zu strenger Fettreduktion
- Personen mit Malabsorptionssyndromen oder cholestatischen Leber-/Gallenwegserkrankungen: Fett- und fettlösliche Vitaminaufnahme ohnehin beeinträchtigt
Abschließend gilt: Je strenger die Fettreduktion, desto wichtiger sind Individualisierung, Monitoring und ggf. professionelle Ernährungstherapie [5].
Durchführung und Ablauf der Diät
Die Durchführung der Low-Fat-Diät beginnt idealerweise mit einer sorgfältigen Vorbereitung. Dazu gehört zunächst die Klärung eines realistischen Kalorienrahmens, in der Regel in Form eines moderaten Kaloriendefizits, sowie die Definition eines individuellen Fettbudgets, entweder prozentual bezogen auf die Gesamtenergiezufuhr oder als absolute Menge in Gramm pro Tag. Ergänzend empfiehlt sich eine gezielte Einkaufsplanung mit dem Fokus auf fettarme Grundprodukte, um spontane, ungünstige Entscheidungen im Alltag zu vermeiden.
Zu den häufigen Fehlern zu Beginn zählt, dass „fettarm“ fälschlicherweise durch „zuckerreich“ oder stark verarbeitete Lebensmittel ersetzt wird. Ebenso problematisch ist eine unzureichende Zufuhr von Protein und Ballaststoffen, was zu einem raschen Abfall des Sättigungsgefühls führen kann. Auch sehr strenge Fettlimits ohne gleichzeitige Planung der Zufuhr essentieller Fettsäuren stellen einen typischen Stolperstein dar.
Eine Übergangsphase mit schrittweiser Reduktion stark fettreicher Lebensmittel wie Wurstwaren, fettreichem Käse oder frittierten Speisen hat sich bewährt. Diese Produkte werden idealerweise durch voluminöse, ballaststoffreiche Lebensmittel ersetzt, etwa durch Gemüse, Hülsenfrüchte oder Vollkornprodukte, wodurch das Sättigungsgefühl trotz geringerer Energiedichte erhalten bleibt.
In der praktischen Umsetzung orientiert sich die Mahlzeitenzusammensetzung häufig am Tellerprinzip, bei dem etwa die Hälfte des Tellers aus Gemüse oder Salat besteht, ein Viertel aus einer Proteinquelle und ein Viertel aus einer stärkehaltigen Beilage. Fettquellen werden gezielt und bewusst dosiert, beispielsweise durch Abmessen von Ölen statt freiem Hinzufügen. Gleichzeitig sollte bei jeder Mahlzeit auf eine ausreichende Proteinquelle geachtet werden, etwa in Form fettarmer Milchprodukte, Fisch, Hülsenfrüchte oder magerem Fleisch.
Ein regelmäßiges, idealerweise wöchentliches Monitoring unterstützt den Verlauf der Diät. Neben Körpergewicht und Taillenumfang können auch subjektive Faktoren wie Hunger- und Sättigungsempfinden sowie typische Esssituationen erfasst werden. Die Low-Fat-Diät kann kurzfristig als Reduktionsphase eingesetzt werden, langfristig ist jedoch eine moderat fettarme, qualitativ hochwertige Ernährungsweise sinnvoller und nachhaltiger [2, 5].
Bei relevanten Begleiterkrankungen wie koronarer Herzkrankheit (KHK; Erkrankung der Herzkranzgefäße), Diabetes mellitus oder chronischer Nierenerkrankung ist eine strukturierte und angeleitete Umsetzung vorzuziehen. In diesen Fällen empfiehlt sich eine Ernährungstherapie mit ärztlichem Monitoring und gegebenenfalls die Einbettung in ein multimodales Behandlungsprogramm [5].
Empfohlene Lebensmittel
Im Mittelpunkt stehen fettarme, nährstoffdichte Lebensmittel, die Volumen und Ballaststoffe liefern und so die Energiedichte der Ernährung senken.
- Gemüse (inkl. Tiefkühlgemüse), Salate, Pilze
- Obst (Portionenorientierung je nach Energieziel)
- Vollkornprodukte, Kartoffeln, Reis, Nudeln (mengenbewusst)
- Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Kichererbsen)
- Mageres Protein: fettarme Milchprodukte (z. B. Skyr, Quark natur), mageres Fleisch, Geflügel, Fisch, Tofu, Tempeh
- Fettquellen in kleiner, geplanter Menge: Raps-/Olivenöl, Nüsse/Samen, fetter Fisch (als Quelle für essentielle Fettsäuren)
Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel
Aus Sicht der Low-Fat-Logik sollen stark fettreiche und/oder energiedichte Produkte begrenzt werden, um das Fett- und Kalorienbudget einzuhalten.
- Frittierte Speisen, Fast Food, panierte Produkte
- Wurstwaren, fettreiches rotes Fleisch, fettreiche Käse-/Sahneprodukte
- Backwaren, Snacks mit hohem Fett- und Zuckeranteil
- Große Mengen Öl, Butter, Margarine, Mayonnaise, fettreiche Soßen
- Stark verarbeitete „fettarme“ Produkte mit hohem Zucker-/Stärkeanteil (Umsetzbarkeit- und Hungerprobleme)
Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag
- Einkauf und Vorrat:
- Gemüse (frisch, tiefgekühlt), Hülsenfrüchte (Dose, Glas), Vollkornbeilagen, magerer Joghurt, Quark, Eier, Tofu, Fisch
- Fertigprodukte eher als Ausnahme.
- „Unsichtbares Fett“ erkennen:
- Käse, Wurst, Nüsse, Dressings, Soßen, Gebäck, „gesunde“ Riegel – hier entscheidet meist die Portionsgröße
- Kochen ohne Fettfalle:
- Dünsten, dämpfen, grillen, backen, „garen in Folie“, im Wok mit wenig Öl und viel Gemüse
- Öl abmessen (Teelöffel, Esslöffel) statt frei dosieren
- Soßen über Joghurt, Quark, Tomatenbasis oder püriertes Gemüse binden statt Sahne, Butter
- Sättigung sichern:
- Pro Mahlzeit eine klare Proteinquelle + ballaststoffreiche Beilage (Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn) – reduziert Heißhunger und erleichtert das Kaloriendefizit [5]
- Unterwegs, Restaurant:
- Gegrillt oder gedünstet statt frittiert
- Soße separat, Salatdressing separat
- Käse, Croutons, Nüsse dosiert
- Monitoring ohne Perfektionismus:
- Einmal pro Woche Gewicht + Taillenumfang
- Zusätzlich Hunger/Sättigung und Esssituationen dokumentieren
Entscheidend ist die langfristige Umsetzbarkeit [2, 5].
Ernährungsphysiologische Bewertung
Eine moderat fettarme Ernährung kann ernährungsphysiologisch ausgewogen gestaltet werden, sofern insbesondere die Zufuhr von Proteinen und Ballaststoffen gezielt geplant wird. Proteine tragen zur Sättigung und zum Erhalt der fettfreien Körpermasse bei, während Ballaststoffe die Energiedichte der Ernährung senken und günstige metabolische Effekte entfalten. Bei sehr niedriger Fettzufuhr besteht jedoch das Risiko, dass essentielle Fettsäuren, insbesondere Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, nicht in ausreichender Menge aufgenommen werden [5].
Kritisch zu bewerten ist bei sehr strikt fettarmen Ernährungsformen zudem die Versorgung mit fettlöslichen Vitaminen. Die Vitamine A, D, E und K sind bei insgesamt niedriger Fettzufuhr und gleichzeitig geringer Lebensmittelqualität besonders gefährdet.
In der Praxis ist außerdem relevant, dass die Bioverfügbarkeit bestimmter sekundärer Pflanzenstoffe, etwa von Carotinoiden aus Gemüse, durch die gleichzeitige Aufnahme von Fett verbessert wird. Eine vollständig fettfreie Zubereitung von Gemüsegerichten ist daher nicht zwingend optimal und kann die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen [7].
Low-Fat-Ernährungsformen, die einen hohen Anteil an Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten enthalten, sind in der Regel ballaststoffreich und damit metabolisch günstig. Entscheidend für die langfristige ernährungsphysiologische Ausgewogenheit ist jedoch ein Perspektivwechsel von einem rein makronährstoffzentrierten „fettarm“-Ansatz hin zu einem lebensmittelbasierten Qualitätsfokus. Dieser umfasst eine überwiegend unverarbeitete, pflanzenbetonte Ernährung, eine ausreichende Proteinzufuhr sowie die bewusste Einplanung kleiner Mengen hochwertiger Fette [5, 6].
Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen
Bei sehr strenger Fettreduktion besteht ein relevantes Risiko für Nährstoffmängel. Besonders betroffen sind die essentiellen Fettsäuren sowie die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K. Zusätzlich kann bei nahezu fettfreier Ernährung die Aufnahme von Carotinoiden aus Gemüse vermindert sein, was langfristig ernährungsphysiologische Nachteile mit sich bringen kann [7].
Hinsichtlich des Stoffwechsels sind kurzfristig günstige Effekte auf das LDL-Cholesterin plausibel, insbesondere wenn gesättigte Fettsäuren reduziert und durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren oder ballaststoffreiche Kohlenhydrate ersetzt werden. Bei ungünstiger Umsetzung, etwa durch einen hohen Anteil raffinierter Stärke oder Zucker, können jedoch Triglyceridwerte ansteigen und das Sättigungsgefühl abnehmen, was die langfristige Umsetzbarkeit der Diät erschwert [2, 6].
Zu den häufigen Umstellungseffekten zählen gastrointestinale Beschwerden wie Blähungen oder Veränderungen der Stuhlkonsistenz, insbesondere wenn der Ballaststoffanteil der Ernährung rasch erhöht wird, etwa durch eine vermehrte Zufuhr von Hülsenfrüchten oder Vollkornprodukten.
Klinisch relevante Wechselwirkungen können bei gleichzeitiger medikamentöser Therapie auftreten. Bei glucosesenkender Behandlung, beispielsweise mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen, kann ein Kaloriendefizit das Risiko für Hypoglykämien (Unterzuckerungen) erhöhen, sodass eine Anpassung der Medikation und ein engmaschiges Monitoring erforderlich sind.
Auch unter antihypertensiver Therapie kann eine Gewichtsreduktion zu einer stärkeren Blutdrucksenkung führen, was eine regelmäßige Kontrolle notwendig macht. Bei oraler Antikoagulation ist zudem auf eine konstante Vitamin-K-Zufuhr zu achten, da eine deutliche Veränderung der Gemüseaufnahme die Gerinnungseinstellung beeinflussen kann.
Insgesamt ist die Low-Fat-Diät kurzfristig in der Regel gut verträglich. Langfristig steigt jedoch bei sehr strikt fettarmen Ernährungsformen ohne sorgfältige Planung das Risiko für Nährstoffunterversorgung, eine verminderte Lebensqualität und eine eingeschränkte langfristige Umsetzbarkeit [2, 5, 7].
Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
Bei folgenden Konstellationen ist vor sehr fettarmen Diätformen eine ärztliche Abklärung und ernährungstherapeutische Steuerung sinnvoll.
Absolute Kontraindikationen (v. a. für sehr strenge Low-Fat-Varianten)
- Schwere Malabsorptionssyndrome/Fettresorptionsstörungen (z. B. ausgeprägte Pankreasinsuffizienz (Bauchspeicheldrüsenschwäche), cholestatische Erkrankungen) mit bereits erhöhtem Mangelrisiko
- Aktive Essstörung mit restriktivem Muster, bei der starre Ziele das Erkrankungsbild verstärken
Relative Kontraindikationen (Monitoringbedarf)
- Schwangerschaft und Stillzeit, Wachstum (Kinder und Jugendliche)
- Hohes Alter, vulnerable Personen, Sarkopenierisiko: Protein-/Energiebedarf oft erhöht
- Multimorbidität (es liegen mehrere Krankheiten gleichzeitig vor): Hypoglykämie-/Hypotonie-Risiko (Risiko für Unterzuckerung und zu niedrigen Blutdruck) bei Gewichtsverlust) [5]
Vorteile
Low-Fat-Diäten können praktikabel sein, wenn sie lebensmittelbasiert umgesetzt werden.
- Häufige Senkung der Energiedichte → erleichtert Kaloriendefizit und Gewichtsreduktion [2]
- Potentiell günstiger Effekt auf LDL-Cholesterin bei Reduktion gesättigter Fettsäuren und sinnvoller Substitution [2, 6]
- In strukturierten Programmen bei kardiovaskulärem Risiko: moderate Evidenz für Nutzen bei harten Endpunkten gegenüber Minimalintervention [3]
Nachteile
Nachteile entstehen vor allem bei zu starker Fettreduktion und/oder schlechter Lebensmittelqualität.
- Risiko unzureichender Zufuhr essentieller Fettsäuren und fettlöslicher Vitamine bei sehr niedriger Fettzufuhr [7].
- Adhärenzprobleme durch geringere Sättigung, wenn Proteine und Ballaststoffe nicht geplant werden [5].
- Keine automatische Gewichtsabnahme: Ohne negatives Energiedefizit bleibt der Effekt begrenzt [2].
Wissenschaftliche Einordnung
Die wissenschaftliche Evidenz zur Wirksamkeit von Low-Fat-Diäten zeigt ein differenziertes Bild. In der DIETFITS-Studie verloren übergewichtige Erwachsene ohne Typ-2-Diabetes unter einer Low-Fat- und einer Low-Carb-Diät über einen Zeitraum von zwölf Monaten in vergleichbarem Ausmaß an Körpergewicht. Weder genetische Muster noch Unterschiede in der Insulinsekretion konnten den individuellen Erfolg der jeweiligen Ernährungsform konsistent erklären, was die Bedeutung anderer Einflussfaktoren unterstreicht [1].
Vergleichende Analysen verschiedener Makronährstoffmuster zeigen, dass viele hypokalorische Ernährungsansätze kurzfristig, insbesondere innerhalb der ersten etwa sechs Monate, zu einer moderaten Gewichtsabnahme und zu Verbesserungen kardiometabolischer Risikofaktoren führen können. Nach zwölf Monaten gleichen sich die Effekte jedoch häufig an, was darauf hinweist, dass weniger die Makronährstoffverteilung als vielmehr die langfristige Umsetzbarkeit und das dauerhafte Einhalten der Ernährungsform für den Erfolg entscheidend sind [2].
Hinsichtlich kardiovaskulärer Endpunkte zeigen strukturierte Ernährungsprogramme, die unter anderem auf Low-Fat-Prinzipien basieren und mit weiteren Lebensstilinterventionen kombiniert werden, bei Personen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko im Vergleich zu Minimalinterventionen moderate Vorteile. Diese betreffen unter anderem die Gesamtmortalität (Gesamtsterblichkeit) und die Rate nicht-tödlicher Myokardinfarkte (Herzinfarkte). Ein klarer Vorteil von Low-Fat-Programmen gegenüber anderen etablierten Ernährungsmustern, etwa der mediterranen Ernährung, lässt sich jedoch nicht eindeutig nachweisen [3].
Aktuelle Stellungnahmen europäischer Fachgesellschaften zur medizinischen Ernährungstherapie bei Adipositas betonen die Notwendigkeit einer individuellen Anpassung der Ernährungsform sowie die Bedeutung einer professionellen Begleitung. Verschiedene hypokalorische Ernährungsmuster, darunter auch Low-Fat-Diäten, werden dabei als grundsätzlich gleichwertig angesehen. Entscheidend ist weniger die konkrete Makronährstoffverteilung als vielmehr ein langfristig durchhaltbares Konzept mit hoher Lebensmittelqualität und ausreichender Nährstoffdichte [5].
Aus mechanistischer Sicht ist die Low-Fat-Diät plausibel, da die Reduktion der Energiedichte der Nahrung und eine günstige Fettqualität positive Effekte auf Körpergewicht und Lipidstoffwechsel haben können. Sie ist jedoch nicht als „einzig richtige“ oder universell überlegene Diätform zu verstehen, sondern als eine von mehreren evidenzbasierten Optionen innerhalb eines individualisierten Ernährungskonzepts [2, 6].
Fazit
Low-Fat-Diäten sind als moderat fettreduzierte, lebensmittelbasierte Ernährungsweise eine sinnvolle Option zur Gewichtsreduktion und Risikofaktormodifikation – vor allem, wenn Umsetzbarkeit im Alltag, Protein- und Ballaststoffversorgung und Fettqualität aktiv gesichert sind. Sehr strenge Low-Fat-Varianten erhöhen das Risiko für Nährstoffunterversorgung und sind eher als eng geführte Sonderform zu betrachten. Langfristig entscheidet weniger die Makronährstoffverteilung als die nachhaltige Umsetzung eines kalorienreduzierten, qualitativ hochwertigen Ernährungsmusters [2, 5].
Literatur
- Gardner CD, Trepanowski JF, Del Gobbo LC et al.: Effect of Low-Fat vs Low-Carbohydrate Diet on 12-Month Weight Loss in Overweight Adults and the Association With Genotype Pattern or Insulin Secretion: The DIETFITS Randomized Clinical Trial. JAMA. 2018;319(7):667-679. doi: 10.1001/jama.2018.0245.
- Ge L, Sadeghirad B, Ball GDC et al.: Comparison of dietary macronutrient patterns of 14 popular named dietary programmes for weight and cardiovascular risk factor reduction in adults: systematic review and network meta-analysis of randomised trials. BMJ. 2020 Apr 1:369:m696. doi: 10.1136/bmj.m696.
- Karam G, Agarwal A, Sadeghirad B et al.: Comparison of seven popular structured dietary programmes and risk of mortality and major cardiovascular events in patients at increased cardiovascular risk: systematic review and network meta-analysis. BMJ. 2023;380:e072003. doi: 10.1136/bmj-2022-072003.
- Breen C, Ryan F, Gibney E et al.: Obesity in Adults: A 2022 Adapted Clinical Practice Guideline for Ireland.Obes Facts. 2022;15(6):736-752. doi: 10.1159/000527131.
- Hassapidou M, Vlassopoulos A, Kalliostra M et al.: European Association for the Study of Obesity Position Statement on Medical Nutrition Therapy for the Management of Overweight and Obesity in Adults Developed in Collaboration with the European Federation of the Associations of Dietitians. Obes Facts. 2023;16(1):11-28. doi: 10.1159/000528083.
- Hooper L, Martin N, Jimoh OF et al.: Reduction in saturated fat intake for cardiovascular disease. Cochrane Database Syst Rev. 2020;8:CD011737. doi: 10.1002/14651858.CD011737.pub3.
- Yao Y, Tan P, Kim JE: Effects of dietary fats on the bioaccessibility and bioavailability of carotenoids: a systematic review and meta-analysis of in vitro studies and randomized controlled trials. Nutr Rev. 2022;80(4):741-761. doi: 10.1093/nutrit/nuab098.