Altersabhängige Makuladegeneration – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine altersabhängige Makuladegeneration (AMD) (altersbedingte Erkrankung der Netzhautmitte) mitbedingt sein können:
Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)
- Fortschreiten zur späten AMD – Übergang einer frühen bzw. intermediären AMD in eine geographische Atrophie (flächenhafter Gewebeschwund der Netzhautmitte) und/oder eine neovaskuläre AMD (feuchte Makuladegeneration mit krankhaften Gefäßneubildungen); das Progressionsrisiko steigt insbesondere mit zunehmender Drusenlast (Ausmaß der Ablagerungen unter der Netzhaut), Pigmentveränderungen und fortgeschrittener AMD am Partnerauge [1, 2, LL1, LL2].
- Geographische Atrophie (GA; complete retinal pigment epithelium and outer retinal atrophy, cRORA) – progredienter Verlust von retinalem Pigmentepithel (Pigmentschicht der Netzhaut), Photorezeptoren (Lichtsinneszellen) und Choriokapillaris (feinem Gefäßnetz unter der Netzhaut) mit parazentralen bzw. zentralen Skotomen (Gesichtsfeldausfällen) und irreversibler Einschränkung des zentralen Sehvermögens [1, LL1, LL2]. Auch bei neovaskulärer AMD kann sich eine makuläre Atrophie (Gewebeschwund der Netzhautmitte) entwickeln; in einer Metaanalyse lag die gepoolte 24-Monats-Inzidenz unter Anti-VEGF-Therapie (Behandlung gegen krankhafte Gefäßneubildungen) bei 29 %, allerdings bei hoher Heterogenität und niedriger Evidenzsicherheit [3].
- Neovaskuläre AMD (nAMD; feuchte AMD) – Entwicklung einer makulären Neovaskularisation (krankhaften Gefäßneubildung in der Netzhautmitte) aus einer nicht-neovaskulären AMD mit intraretinaler bzw. subretinaler Flüssigkeit, Exsudation (Austritt von Flüssigkeit aus Blutgefäßen) und/oder Blutung; unbehandelt droht ein rascher und häufig irreversibler Verlust des zentralen Sehvermögens [1, LL1, LL2].
- Subretinale bzw. submakuläre Blutung (Blutung unter der Netzhaut bzw. unter der Netzhautmitte) – vor allem bei neovaskulärer AMD; größere Blutungen können akut zu ausgeprägtem Visusverlust (Verlust der Sehschärfe) und dauerhafter Schädigung von Photorezeptoren und retinalem Pigmentepithel führen [6, LL1, LL3].
- Abhebung bzw. Riss des retinalen Pigmentepithels (Ablösung bzw. Einriss der Pigmentschicht der Netzhaut) – insbesondere bei vaskularisierter Pigmentepithelabhebung im Rahmen einer neovaskulären AMD; ein Riss kann mit abruptem Visusverlust und nachfolgender Atrophie (Gewebeschwund) bzw. Fibrose (Vernarbung) einhergehen [LL1, LL2, LL3].
- Subretinale Fibrose bzw. disziforme Narbe (Vernarbung unter der Netzhaut bzw. scheibenförmige Narbe) – narbiger Endzustand einer neovaskulären AMD mit struktureller Destruktion der Makula (Zerstörung der Netzhautmitte) und meist dauerhaft deutlich reduziertem zentralen Sehvermögen [7, LL1, LL2].
- Reaktivierung bzw. Rezidiv (Wiederauftreten) einer neovaskulären AMD – erneute Exsudation, Blutung oder Flüssigkeitsansammlung nach vorausgegangener Inaktivierung; auch nach längeren stabilen Intervallen sind langfristige Verlaufskontrollen erforderlich [LL2, LL3].
- Schwere zentrale Sehbehinderung bis zur Blindheit im gesetzlichen Sinn – Folge fortgeschrittener geographischer Atrophie, persistierender bzw. rezidivierender neovaskulärer Aktivität, submakulärer Blutung oder fibrotischer Vernarbung [1, 6, 7, LL1, LL2].
Prognosefaktoren
Für die Progression zu einer späten AMD:
- Zunehmendes Lebensalter – konsistent mit einem höheren Progressionsrisiko assoziiert [1, 2, LL1, LL2].
- Rauchen – wichtigster etablierter modifizierbarer Risikofaktor für Entwicklung und Progression der AMD [1, 2, 5, LL1, LL2].
- Ausgeprägter Fundusphänotyp (auffälliges Erscheinungsbild des Augenhintergrunds) – insbesondere große Drusen (Ablagerungen unter der Netzhaut), Pigmentabnormalitäten (Veränderungen der Netzhautpigmentierung), retikuläre Pseudodrusen/subretinale drusenoide Ablagerungen (netzförmige Ablagerungen unter der Netzhaut) sowie zunehmende atrophische Vorstufen sind mit einem erhöhten Risiko für eine späte AMD verbunden [2, LL1, LL2].
- Fortgeschrittene AMD am Partnerauge – einer der stärksten klinischen Prädiktoren für die Entwicklung einer späten AMD am zweiten Auge [2, LL1, LL2].
- Genetische Prädisposition (erbliche Veranlagung) – insbesondere Varianten im Bereich CFH und ARMS2/HTRA1 erhöhen das Risiko für Entwicklung und Progression; eine routinemäßige genetische Testung ist für die klinische Prognoseabschätzung derzeit nicht erforderlich [1, 2, LL1, LL2].
- Erhöhter Body-Mass-Index bzw. Adipositas (Fettleibigkeit) – in einzelnen Kohorten mit früherem Auftreten bzw. ungünstigerem Verlauf assoziiert; die Evidenz ist weniger konsistent als für Rauchen [2, 5, LL1].
Für den funktionellen Verlauf der neovaskulären AMD unter Anti-VEGF-Therapie:
- Ausgangssehschärfe – eine bessere Ausgangssehschärfe ist im Mittel mit einer besseren späteren Sehschärfe verbunden; bei niedriger Ausgangssehschärfe besteht zwar ein größeres mögliches relatives Gewinnpotenzial, der absolute Endvisus bleibt jedoch häufig geringer [LL2, LL3].
- OCT-Biomarker – intraretinale Flüssigkeit, insbesondere foveal, und subretinales hyperreflektives Material sind mit ungünstigerem Visus assoziiert; eine intakte äußere Grenzmembran und Ellipsoidzone sind mit günstigerem Visus verbunden [4].
- Makuläre Atrophie und subretinale Fibrose – wesentliche morphologische Determinanten eines ungünstigen langfristigen funktionellen Verlaufs [3, 7].
- Persistierende bzw. rezidivierende Krankheitsaktivität und Therapieunterbrechungen – erhöhen das Risiko für irreversible strukturelle Schäden und Visusverlust; eine kontinuierliche, aktivitätsgesteuerte Langzeitbehandlung und Verlaufskontrolle sind prognostisch relevant [LL2, LL3].
Literatur
- Fleckenstein M, Schmitz-Valckenberg S, Chakravarthy U: Age-Related Macular Degeneration: A Review. JAMA 2024;331(2):147-157. doi:10.1001/jama.2023.26074.
- Heesterbeek TJ, Lorés-Motta L, Hoyng CB et al.: Risk factors for progression of age-related macular degeneration. Ophthalmic Physiol Opt 2020;40(2):140-170. doi:10.1111/opo.12675.
- Berni A, Coletto A, Li J et al.: Macular Atrophy in Neovascular Age-related Macular Degeneration: A Systematic Review and Meta-analysis. Ophthalmol Retina 2025;9(7):625-644. doi:10.1016/j.oret.2025.01.011.
- Nanji K, Grad J, Hatamnejad A et al.: Baseline OCT Biomarkers Predicting Visual Outcomes in Neovascular Age-Related Macular Degeneration: A Meta-Analysis. Ophthalmology 2025;132(11):1241-1252. doi:10.1016/j.ophtha.2025.06.018.
- Heloterä H, Siintamo L, Kivinen N et al.: Analysis of prognostic and predictive factors in neovascular age-related macular degeneration Kuopio cohort. Acta Ophthalmol 2024;102(6):703-713. doi:10.1111/aos.16681.
- Confalonieri F, Ferraro V, Barone G et al.: Outcomes in the Treatment of Subretinal Macular Hemorrhage Secondary to Age-Related Macular Degeneration: A Systematic Review. J Clin Med 2024;13(2):367. doi:10.3390/jcm13020367.
- Cheong KX, Cheung CMG, Teo KYC: Review of Fibrosis in Neovascular Age-Related Macular Degeneration. Am J Ophthalmol 2023;246:192-222. doi:10.1016/j.ajo.2022.09.008.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA), Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG): Leitlinie Nr. 21 Altersabhängige Makuladegeneration AMD. Stand 11. Dezember 2023. Leitlinie. [LL1]
- Vemulakonda GA, Bailey ST, Kim SJ et al.: Age-Related Macular Degeneration Preferred Practice Pattern®. Ophthalmology 2025;132(4):P1-P74. doi:10.1016/j.ophtha.2024.12.018. [LL2]
- Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG), Retinologische Gesellschaft (RG), Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA): Anti-VEGF-Therapie bei der neovaskulären altersabhängigen Makuladegeneration. Stellungnahme, Stand 15. Oktober 2022. Die Ophthalmologie 2023;120:169-177. doi:10.1007/s00347-022-01773-6. [LL3]