Time-Restricted-Eating
Time-Restricted Eating (TRE; zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme) beschreibt ein Ernährungsprinzip, bei dem die gesamte tägliche Energiezufuhr innerhalb eines fest definierten Zeitfensters erfolgt, typischerweise über 6-10 Stunden, während in den übrigen 14-18 Stunden gefastet wird. Das Essensfenster bleibt dabei täglich konstant.
Time-Restricted Eating ist eine klar definierte Unterform des Intervallfastens. Intervallfasten beschreibt Ernährungsmuster, bei denen geplante Fastenphasen das zentrale steuernde Element darstellen. Typisch ist, dass ganze Tage oder längere Zeiträume bewusst als Fastenphasen vorgesehen sind, wie etwa bei der 5:2-Methode oder dem alternierenden Fasten. In diesen Konzepten stellt das Fasten selbst die primäre Intervention dar.
Beim Time-Restricted Eating wird ebenfalls täglich gefastet, jedoch nicht, weil das Fasten das Ziel ist, sondern als Folge der zeitlichen Begrenzung der Nahrungsaufnahme. Der Fokus liegt auf dem täglichen Timing der Mahlzeiten, der Konstanz des Essensfensters und der Anpassung an zirkadiane Stoffwechselrhythmen. Der konzeptionelle Unterschied lässt sich wie folgt verdeutlichen:
- Intervallfasten: „Ich plane Fastenzeiten, und daraus ergibt sich, wann ich essen darf.“
- Time-Restricted Eating: „Ich plane Essenszeiten, und daraus ergibt sich, wann ich faste.“
Die Einordnung erfolgt primär als präventive Ernährungsform, zunehmend aber auch als therapeutisch relevante Ernährungsstrategie bei metabolischen Erkrankungen [1-3].
Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen
Die wissenschaftliche Grundlage von Time-Restricted Eating liegt in der Chronobiologie. Zahlreiche Stoffwechselprozesse unterliegen einer ausgeprägten zirkadianen Regulation, darunter Insulinsekretion, Glucosetoleranz, Fettstoffwechsel, Blutdruck und mitochondriale Aktivität (beschreibt, wie leistungsfähig die Mitochondrien, Kraftwerke der Zellen, arbeiten). Eine zeitlich unstrukturierte Nahrungsaufnahme, insbesondere spätes Essen am Abend oder in der Nacht, ist mit ungünstigen metabolischen Effekten assoziiert. TRE entstand als Übertragung dieser Erkenntnisse in ein alltagstaugliches Ernährungskonzept. In der aktuellen Forschung wird TRE bewusst getrennt von anderen Formen des Intervallfastens untersucht, da hier nicht die extreme Kalorienrestriktion im Vordergrund steht, sondern das tägliche Timing der Nahrungsaufnahme [2, 4].
Zielsetzung der Diät
Ziel von Time-Restricted Eating ist primär die Verbesserung kardiometabolischer Risikofaktoren (Messwerte und gesundheitliche Merkmale, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselerkrankungen erhöhen). Dazu zählen insbesondere die Reduktion von Körpergewicht und Fettmasse, Verbesserung der Insulinsensitivität sowie die Senkung von Nüchternglucose, HbA1c (Langzeitblutzuckerwert), Triglyceriden und Blutdruck.
Sekundäre Ziele umfassen eine Stabilisierung des zirkadianen Rhythmus, die Reduktion von spätem Snacking sowie potentielle positive Effekte auf Schlafqualität und Tagesmüdigkeit. Häufig steht das Gewichtsmanagement im Vordergrund, während in der medizinischen Anwendung die Verbesserung klar definierter Zielparameter im Rahmen eines strukturierten Monitorings angestrebt wird [1, 3, 5].
Grundprinzipien
Zentrales Prinzip von Time-Restricted Eating ist ein täglich gleichbleibendes Essensfenster, das in der Regel zwischen 6 und 10 Stunden liegt. Innerhalb dieses Zeitraums wird die gesamte tägliche Energiezufuhr aufgenommen, während außerhalb konsequent gefastet wird. Häufig angewendete Varianten sind 16:8, 14:10 oder 12:12, wobei das Zahlenverhältnis die Dauer von Fasten- und Essensphase beschreibt. Entscheidend ist nicht die exakte Länge des Fensters, sondern dessen tägliche Konstanz, da diese für die Anpassung zirkadianer Stoffwechselprozesse relevant ist.
Außerhalb des Essensfensters werden keine Kalorien aufgenommen. Erlaubt sind kalorienfreie Getränke wie Wasser, Mineralwasser, ungesüßter Tee oder schwarzer Kaffee. Zucker, Milch, Fruchtsäfte oder Alkohol gelten als Unterbrechung der Fastenphase.
Im Gegensatz zu vielen klassischen Diäten bestehen bei TRE keine verbindlichen Vorgaben zur Makronährstoffverteilung (Verteilung der Hauptnährstoffe Kohlenhydrate, Fette, Proteine (Eiweiß)) oder zur absoluten Kalorienmenge. Dennoch zeigen zahlreiche Interventionsstudien, dass es unter TRE häufig zu einer spontanen Reduktion der täglichen Energiezufuhr kommt, unter anderem durch den Wegfall von Zwischenmahlzeiten und spätem Essen.
Ein wesentliches Abgrenzungsmerkmal zu anderen Formen des Intervallfastens ist das Fehlen von wöchentlichen Fastentagen oder mehrtägigen Fastenperioden. TRE setzt ausschließlich auf das tägliche Timing der Nahrungsaufnahme und nicht auf zyklische Phasen extremer Kalorienrestriktion. Dadurch ist das Konzept physiologisch moderater und im Alltag für viele Menschen besser umsetzbar [1, 2].
Angestrebte Wirkmechanismen
Die angenommenen Wirkmechanismen von Time-Restricted Eating beruhen auf mehreren, teilweise miteinander verknüpften Effekten. Eine zentrale Rolle spielt die Verlängerung der nächtlichen Fastenphase, die den Wechsel zwischen Glucose- und Fettverwertung begünstigt und die sogenannte metabolische Flexibilität fördern kann. Darunter versteht man die Fähigkeit des Stoffwechsels, effizient zwischen verschiedenen Energiequellen zu wechseln.
Ferner wird eine günstigere Synchronisation zwischen Nahrungsaufnahme und innerer Uhr angenommen. Insulinsensitivität, Glucosetoleranz und lipidmetabolische Prozesse sind in den Vormittags- und frühen Nachmittagsstunden physiologisch höher ausgeprägt als am Abend. Durch den Verzicht auf spätes Essen kann TRE ungünstige metabolische Reaktionen reduzieren, die mit erhöhter Insulinresistenz und gestörter Glucoseverwertung assoziiert sind.
Zusätzlich werden Effekte auf den Lipidstoffwechsel, den Blutdruck sowie auf niedriggradige Entzündungsprozesse diskutiert. Studien zeigen hierbei jedoch heterogene Ergebnisse. Ein wichtiger Aspekt bei der Interpretation der Daten ist, dass ein relevanter Teil der beobachteten Verbesserungen nicht ausschließlich auf das Timing der Nahrungsaufnahme zurückzuführen ist, sondern indirekt über eine reduzierte Gesamtenergiezufuhr vermittelt sein dürfte. Damit ist TRE metabolisch plausibel, aber nicht unabhängig von klassischen Wirkmechanismen der Kalorienrestriktion zu bewerten [3-5].
Zielgruppen und Ausschlusskriterien
Geeignete Zielgruppen
- Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas
- Personen mit Prädiabetes oder metabolischem Syndrom (klinische Bezeichnung für die Symptomkombination Adipositas (Übergewicht), Hypertonie (Bluthochdruck), erhöhte Nüchternglucose (Nüchternblutzucker) und Nüchterninsulin-Serumspiegel (Insulinresistenz) und Fettstoffwechselstörung) ohne komplexe Komorbiditäten (Begleiterkrankungen)
- Erwachsene mit regelmäßigem Tagesrhythmus und stabiler Energiezufuhr
Eingeschränkte Eignung
- Ältere Menschen mit erhöhtem Risiko für Muskelmasseverlust
- Personen mit sehr hohem Energiebedarf, z. B. Leistungssport
- Personen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten, insbesondere Schichtarbeit
Indikationsbezogene Eignung bei medizinischer Anwendung
- Adipositas: als strukturierende Maßnahme möglich
- Typ-2-Diabetes: nur unter ärztlichem Monitoring, insbesondere bei medikamentöser Therapie
Time-Restricted Eating erfordert bei vulnerablen Gruppen (Personengruppen mit erhöhter gesundheitlicher Anfälligkeit) stets eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung [3, 6].
Durchführung und Ablauf der Diät
Zu Beginn wird ein individuelles Essensfenster festgelegt, das sich an Alltag, Beruf und Schlaf-Wach-Rhythmus orientiert. Aus chronobiologischer Sicht ist ein tagsüber liegendes und möglichst früh endendes Essensfenster günstig, da Insulinsensitivität und Glucosetoleranz in den Morgen- und frühen Nachmittagsstunden höher sind als am Abend. In der Praxis bewähren sich häufig Zeitfenster wie 9:00 bis 17:00 oder 10:00 bis 18:00, wobei die konkrete Uhrzeit weniger entscheidend ist als die tägliche Konstanz.
Ein häufiger Einstiegsfehler besteht darin, das Abendessen sehr spät anzusetzen oder das Essensfenster täglich zu variieren. Stark wechselnde Zeiten schwächen die Anpassung zirkadianer Stoffwechselprozesse und reduzieren potentielle Effekte. Ebenfalls ungünstig ist eine zu abrupte Umstellung von einer langen Essensdauer auf ein sehr kurzes Zeitfenster, da dies die Abbruchrate erhöht und typische Anfangsbeschwerden begünstigt.
Eine Übergangsphase über 1-2 Wochen ist daher sinnvoll. Dabei kann das Essensfenster schrittweise verkürzt werden, beispielsweise von zunächst 12 Stunden auf 10 und später auf 8 Stunden. Diese Vorgehensweise reduziert Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel oder Konzentrationsprobleme, die insbesondere in der Anfangsphase auftreten können, und verbessert die langfristige Umsetzbarkeit im Alltag.
Während der Fastenphase sind ausschließlich kalorienfreie Getränke erlaubt. Innerhalb des Essensfensters sollte auf eine regelmäßige Mahlzeitenstruktur geachtet werden. Extrem große oder sehr energiereiche Mahlzeiten als Kompensation der Fastenphase sind nicht empfehlenswert, da sie zu gastrointestinalen Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden) führen und potentielle metabolische Vorteile abschwächen können.
Time-Restricted Eating kann grundsätzlich selbstständig und ambulant durchgeführt werden. Bei Personen mit Übergewicht ohne relevante Begleiterkrankungen ist in der Regel keine engmaschige medizinische Überwachung erforderlich. Bei metabolischen Erkrankungen, insbesondere bei Typ-2-Diabetes, Hypertonie (Bluthochdruck) oder Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung), ist jedoch eine ärztliche Kontrolle sinnvoll. Dazu gehören regelmäßige Messungen von Körpergewicht, Blutdruck sowie gegebenenfalls Nüchternglucose oder HbA1c (Langzeitblutzuckerwert). Bei Einnahme blutzuckersenkender Medikamente ist insbesondere in der Einstiegsphase auf Symptome einer Hypoglykämie (Unterzuckerung) zu achten.
Time-Restricted Eating kann zeitlich begrenzt als strukturierende Maßnahme eingesetzt oder langfristig als dauerhafte Ernährungsroutine etabliert werden. Für eine langfristige Anwendung ist entscheidend, dass das gewählte Essensfenster alltagstauglich bleibt und nicht zu sozialer Isolation, chronischem Energiedefizit oder ungewolltem Gewichtsverlust führt.
Empfohlene Lebensmittel
- Gemüse und Salate in hoher Vielfalt
- Obst in moderaten Mengen
- Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte
- Hochwertige Proteinquellen, bevorzugt pflanzlich, ergänzend Fisch oder mageres Fleisch
- Ungesättigte Fettsäuren aus Nüssen, Samen und Pflanzenölen
Eine hohe Nährstoffdichte ist entscheidend, da das begrenzte Essensfenster keine Defizite in der Lebensmittelauswahl kompensiert [1, 5].
Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel
- Stark verarbeitete Lebensmittel
- Zuckerreiche Snacks und Süßgetränke
- Alkohol
- Kalorienhaltige Getränke außerhalb des Essensfensters
- Späte, große Mahlzeiten am Abend
Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag
- Feste tägliche Start- und Endzeiten für das Essensfenster festlegen und diese auch an Wochenenden beibehalten, da wechselnde Zeitfenster die Anpassung der inneren Uhr stören und den wahrgenommenen Nutzen von Time-Restricted Eating deutlich reduzieren können [2, 4].
- Das Essensfenster bewusst an den eigenen Schlaf-Wach-Rhythmus koppeln. Ein sehr frühes Essensfenster ist physiologisch günstig, aber nur dann sinnvoll, wenn es mit dem individuellen Chronotyp vereinbar ist. Ein dauerhaft nicht einhaltbares Zeitfenster führt häufig zu Abbruch oder kompensatorischem Essen [3, 5].
- Kalorienfreie Getränke während der Fastenphase gezielt einsetzen, insbesondere Wasser, Mineralwasser und ungesüßte Tees. Leicht salzhaltiges Mineralwasser kann bei Kopfschmerzen oder Schwindel in der Einstiegsphase hilfreich sein. Schwarzer Kaffee ist in moderaten Mengen erlaubt, sollte jedoch bei Neigung zu Magenbeschwerden oder Schlafstörungen eingeschränkt werden [1, 3].
- Die erste Mahlzeit nicht zu klein und proteinarm gestalten. Eine ausgewogene Zusammensetzung mit Protein, Ballaststoffen und Fett verbessert die Sättigung und reduziert das Risiko von Heißhungerattacken im weiteren Tagesverlauf. Ein reiner Kohlenhydratstart kann das Durchhalten des Essensfensters erschweren [1, 5].
- Innerhalb des Essensfensters eine klare Mahlzeitenstruktur einhalten und extremes „Nachholen“ vermeiden. Sehr große Einzelmahlzeiten führen häufig zu postprandialer Müdigkeit, gastrointestinalen Beschwerden und mindern die Alltagstauglichkeit von TRE. Zwei bis drei geplante Mahlzeiten sind in der Praxis meist günstiger als ein einzelnes großes Zeitfenster-Essen [3].
- Soziale und berufliche Termine frühzeitig mit dem Essensfenster abstimmen. In sozialen Situationen ist es oft sinnvoller, das Essensfenster gelegentlich moderat zu verschieben, als TRE vollständig zu unterbrechen. Eine hohe, aber nicht rigide Konsistenz fördert die langfristige Umsetzbarkeit [2, 4].
- Zu Beginn eine schrittweise Verkürzung des Essensfensters einplanen, beispielsweise über mehrere Wochen. Ein langsamer Übergang reduziert typische Anfangsbeschwerden wie Müdigkeit, Reizbarkeit oder Konzentrationsstörungen und erhöht die langfristige Adhärenz deutlich [3].
- Körperliche Aktivität sinnvoll einplanen. Moderate Bewegung während der Fastenphase wird von vielen gut toleriert, intensive Trainingseinheiten sollten insbesondere zu Beginn eher in das Essensfenster gelegt werden, um Leistungsabfall und Schwindel zu vermeiden [5].
- Bei bestehender Stoffwechselerkrankung oder Einnahme blutzuckersenkender Medikamente besonders auf Warnzeichen wie Zittern, Schweißausbrüche oder ausgeprägte Schwäche achten. In diesen Fällen sollte das Essensfenster angepasst oder ärztlich überprüft werden [3].
- Ein früh endendes Essensfenster ist aus chronobiologischer Sicht metabolisch günstiger, da Insulinsensitivität und Glucosetoleranz im Tagesverlauf abnehmen. Für eine nachhaltige Umsetzung ist jedoch entscheidend, dass das gewählte Zeitfenster realistisch in den Alltag integrierbar bleibt und langfristig eingehalten werden kann [3, 5].
Ernährungsphysiologische Bewertung
Time-Restricted Eating kann zu einer moderaten Reduktion von Körpergewicht, BMI (Body-Mass-Index/Körpermassen-Index) und Fettmasse führen. Diese Effekte sind im Mittel vergleichbar mit denen klassischer hypokalorischer Ernährungsstrategien, ohne dass sich eine konsistente Überlegenheit von TRE gegenüber einer kontinuierlichen Kalorienrestriktion nachweisen lässt [1, 3, 5].
Ernährungsphysiologisch relevant ist, dass TRE selbst keine spezifische Makronährstoffverteilung (Verteilung der Hauptnährstoffe Kohlenhydrate, Fette, Proteine (Eiweiß)) vorgibt. Die Energie- und Nährstoffzufuhr hängt vollständig von der Lebensmittelauswahl innerhalb des Essensfensters ab. Eine ausgewogene Versorgung mit Proteinen, essentiellen Fettsäuren, Ballaststoffen sowie Mikronährstoffen (Vitalstoffen) ist daher nicht automatisch gewährleistet, sondern erfordert eine bewusste Gestaltung der Mahlzeiten. Bei adäquater Lebensmittelauswahl ist die Nährstoffversorgung jedoch nicht per se durch TRE gefährdet.
Auf zellulärer Ebene werden im Zusammenhang mit TRE häufig Prozesse wie Autophagie, mitochondriale Anpassung und metabolische Flexibilität diskutiert. Autophagie beschreibt einen zellulären Recyclingprozess, bei dem beschädigte Zellbestandteile abgebaut und wiederverwertet werden. Tierexperimentelle Daten und Humanstudien mit längeren Fastenphasen deuten darauf hin, dass Fasten Autophagie stimulieren kann. Für Time-Restricted Eating mit üblichen Fastenfenstern von 14-18 Stunden ist jedoch davon auszugehen, dass moderate Effekte auftreten. Eine klinisch relevante, ausgeprägte Autophagie wie bei mehrtägigem Fasten ist unter TRE nicht belegt [3-5].
Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen
Kurzfristig können insbesondere in der Einstiegsphase Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Reizbarkeit und Konzentrationsstörungen auftreten. Diese Symptome sind häufig Ausdruck der Umstellung des Energie- und Glucosestoffwechsels und klingen bei schrittweiser Einführung meist innerhalb weniger Tage bis Wochen ab.
Bei Personen mit Diabetes mellitus, insbesondere unter Insulin- oder Sulfonylharnstofftherapie, besteht ein relevantes Risiko für Hypoglykämien (Unterzuckerungen). In diesen Fällen ist eine engmaschige Blutzuckerkontrolle erforderlich, gegebenenfalls mit Anpassung der Medikation. Auch bei antihypertensiver Therapie können Blutdruckabfälle auftreten, die überwacht werden sollten.
Langfristige Sicherheitsdaten über mehrere Jahre liegen bislang nur begrenzt vor. Insbesondere für ältere Menschen, Personen mit niedrigem BMI oder bestehender Sarkopenie (altersbedingter Verlust von Muskelmasse, Muskelkraft) besteht das Risiko eines ungewollten Gewichts- und Muskelmasseverlusts, wenn Energie- und Proteinzufuhr nicht ausreichend sichergestellt werden. Ein erhöhtes Risiko für Mikronährstoffmängel ergibt sich vor allem bei sehr kurzen Essensfenstern, monotoner Lebensmittelauswahl oder insgesamt niedriger Energiezufuhr.
Aus medizinischer Sicht ist Time-Restricted Eating daher nicht als risikofreies Universalprinzip zu betrachten, sondern erfordert – insbesondere bei vulnerablen Gruppen – eine individuelle Anpassung und regelmäßige Reevaluation von Nutzen und potentiellen Nebenwirkungen [3, 6].
Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
Absolute Kontraindikationen
- Aktive Essstörungen (z. B. Bulimia nervosa/Ess-Brech-Sucht)
- Schwangerschaft und Stillzeit ohne ärztliche Rücksprache
- Manifeste Mangelernährung
Relative Kontraindikationen mit Monitoringbedarf
- Diabetes mellitus unter Insulin- oder Sulfonylharnstofftherapie
- Fortgeschrittene Nieren- oder Lebererkrankungen
- Ältere Patienten mit Gewichts- oder Muskelverlust
In diesen Fällen ist Time-Restricted Eating nur nach individueller ärztlicher Abwägung vertretbar.
Vorteile
- Klare Strukturierung der Mahlzeiten
- Kein Kalorienzählen erforderlich
- Moderate Verbesserungen kardiometabolischer Parameter möglich
- Gute Alltagstauglichkeit für viele Erwachsene
Nachteile
- Keine konsistente Überlegenheit gegenüber klassischer Kalorienrestriktion
- Soziale Einschränkungen durch feste Essenszeiten
- Begrenzte Evidenz zu Langzeitsicherheit und harten klinischen Endpunkten
Wissenschaftliche Einordnung
Die aktuelle Evidenzlage zeigt, dass Time-Restricted Eating eine wissenschaftlich plausible und grundsätzlich valide Ernährungsstrategie zur Verbesserung kardiometabolischer Risikofaktoren darstellt. Moderate Effekte auf Körpergewicht, Nüchternglucose, Insulinsensitivität, Triglyceride und Blutdruck sind im Vergleich zu unstrukturiertem Essverhalten gut belegt [1-5].
Ein erheblicher Teil der beobachteten Effekte scheint über eine indirekte Reduktion der Energiezufuhr vermittelt zu sein, etwa durch den Wegfall von Zwischenmahlzeiten und spätem Essen. Damit unterscheidet sich TRE weniger durch einzigartige metabolische Wirkmechanismen als durch die Art der Strukturierung der Nahrungsaufnahme [1, 3, 5].
Fachgesellschaften und leitliniennahe Empfehlungen zur Adipositas- und Diabetesprävention erkennen Time-Restricted Eating als mögliche Option innerhalb einer individualisierten Ernährungstherapie an. Es wird jedoch nicht als Standardtherapie empfohlen, da Langzeitdaten zu harten klinischen Endpunkten wie kardiovaskulären Ereignissen, Mortalität (Sterblichkeit) oder nachhaltiger Stoffwechselverbesserung fehlen [2, 4, 6].
Fazit
Time-Restricted Eating ist eine Unterform des Intervallfastens mit eigenständigem, chronobiologischen Ansatz. Die wissenschaftliche Evidenz spricht für moderate, konsistente Vorteile gegenüber unstrukturiertem Essverhalten, insbesondere im Hinblick auf Gewichtskontrolle und ausgewählte kardiometabolische Risikofaktoren.
TRE kann für ausgewählte Personen eine praktikable und alltagstaugliche Strategie sein, insbesondere wenn klare Strukturen hilfreich sind und späte Nahrungsaufnahme reduziert werden soll. Für vulnerable Gruppen sowie für eine langfristige Anwendung ist eine zurückhaltende, individualisierte Bewertung erforderlich.
Literatur
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- Liu HY, Eso AA, Cook N et al.: Meal Timing and Anthropometric and Metabolic Outcomes: A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Netw Open. 2024 Nov 4;7(11):e2442163. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2024.42163.
- Črešnovar T, Habe B, Pražnikar ZJ, Petelin A: Effectiveness of Time-Restricted Eating with Caloric Restriction vs. Caloric Restriction for Weight Loss and Health: Meta-Analysis. Nutrients. 2023 Nov 24;15(23):4911. doi: 10.3390/nu15234911.
- Chen W, Liu X, Bao L, Yang P, Zhou H: Health effects of the time-restricted eating in adults with obesity: A systematic review and meta-analysis. Front Nutr. 2023 Feb 16:10:1079250. doi: 10.3389/fnut.2023.1079250.
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