Dinner Cancelling

Dinner Cancelling bezeichnet den Verzicht auf eine kalorienhaltige Abendmahlzeit. Dadurch verlängert sich die Nahrungskarenz (Essenspause) zwischen der letzten Mahlzeit am Nachmittag und der ersten Mahlzeit des Folgetages. Der Begriff ist wissenschaftlich nicht einheitlich definiert und bezeichnet keine standardisierte medizinische Diät.

Wissenschaftlich lässt sich Dinner Cancelling am ehesten dem Time-Restricted Eating (TRE) zuordnen. Bei TRE wird die tägliche Nahrungsaufnahme auf ein festgelegtes Zeitfenster begrenzt. Endet dieses Zeitfenster bereits am Nachmittag oder frühen Abend, wird von early Time-Restricted Eating (eTRE) gesprochen. eTRE ist jedoch nicht mit Dinner Cancelling gleichzusetzen, da innerhalb eines frühen Essensfensters weiterhin eine kleine frühe Abendmahlzeit möglich sein kann.

Die verfügbare Evidenz bezieht sich fast ausschließlich auf TRE und eTRE, nicht auf den isolierten Verzicht auf das Abendessen. Aussagen über Dinner Cancelling beruhen deshalb überwiegend auf einer indirekten Übertragung der Ergebnisse entsprechender TRE-Studien [1-10].

Definition und Abgrenzung

In der Praxis werden unter Dinner Cancelling unterschiedliche Ernährungsmuster zusammengefasst:

  • vollständiger Verzicht auf eine kalorienhaltige Abendmahlzeit
  • Beendigung der Nahrungsaufnahme am späten Nachmittag oder frühen Abend
  • Verlängerung der nächtlichen Nahrungskarenz auf etwa 12-16 Stunden
  • Beschränkung der täglichen Nahrungsaufnahme auf ein frühes Zeitfenster von häufig 8-10 Stunden
  • Verzicht auf spätabendliche Snacks, alkoholische Getränke und andere kalorienhaltige Getränke

Eine bestimmte Uhrzeit, beispielsweise 17 oder 18 Uhr, ist nicht als evidenzbasierter Grenzwert etabliert. Ebenso existiert kein allgemeingültiges optimales Essensfenster. In klinischen Studien wurden überwiegend Zeitfenster zwischen 6 und 10 Stunden untersucht [3-10].

Chronobiologische Grundlagen

Der menschliche Glucose-, Lipid- und Energiestoffwechsel (Verarbeitung von Zucker, Fetten und Energie im Körper) unterliegt circadianen Rhythmen (tageszeitlich gesteuerten biologischen Abläufen). Insulinsensitivität (Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin), Glucosetoleranz (Fähigkeit des Körpers, Zucker zu verarbeiten) und nahrungsinduzierte Thermogenese (Wärmebildung durch die Verarbeitung von Nahrung) sind bei vielen Menschen während der ersten Tageshälfte günstiger als am späten Abend oder in der Nacht. Eine frühere zeitliche Verteilung der Energieaufnahme ist daher physiologisch plausibel [3, 4].

Die aktuelle Netzwerk-Metaanalyse von Chen et al. zeigte für frühes TRE gegenüber spätem TRE günstigere Ergebnisse bei einzelnen anthropometrischen (Körpermaße betreffenden) und metabolischen (den Stoffwechsel betreffenden) Parametern. Hierzu gehörten Körpergewicht, Nüchternglucose und Nüchterninsulin. Die Zusammenhänge zwischen der Länge des Essensfensters und den metabolischen Ergebnissen waren dagegen inkonsistent [3].

Aus der chronobiologischen Plausibilität lässt sich keine von der Energieaufnahme unabhängige therapeutische Wirkung ableiten. In einer kontrollierten Studie mit beabsichtigter isokalorischer Ernährung (Ernährung mit gleicher Kalorienmenge) verschob TRE zwar circadiane Marker, verbesserte aber weder die Insulinsensitivität noch andere wesentliche kardiometabolische Parameter (Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel betreffende Messgrößen) [9].

Körpergewicht und Energieaufnahme

Intermittierendes Fasten und TRE können gegenüber einer Ernährung ohne strukturierte Energiebegrenzung eine moderate Gewichtsabnahme bewirken. Gegenüber einer kontinuierlichen Energiebegrenzung besteht jedoch im Allgemeinen keine klinisch relevante Überlegenheit [1, 2, 5].

Die Cochrane-Analyse von 2026 schloss 22 randomisierte Studien mit insgesamt 1.995 Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas (starkem Übergewicht) ein. Intermittierendes Fasten führte gegenüber konventioneller Ernährungsberatung wahrscheinlich zu keinem oder nur einem geringen zusätzlichen Gewichtsverlust. Die Evidenzsicherheit war für zahlreiche Endpunkte niedrig oder sehr niedrig; belastbare Langzeitdaten fehlen [1].

Eine Netzwerk-Metaanalyse von 99 randomisierten Studien mit 6.582 Teilnehmern bestätigte, dass intermittierende Fastenstrategien und kontinuierliche Energiebegrenzung das Körpergewicht gegenüber einer Ernährung ohne gezielte Energiebegrenzung reduzieren können. Die Unterschiede zwischen intermittierendem Fasten und kontinuierlicher Energiebegrenzung waren überwiegend gering [2].

Eine weitere Metaanalyse von 29 randomisierten Studien mit 2.485 Teilnehmern ergab für TRE gegenüber Kontrollinterventionen eine zusätzliche Gewichtsreduktion von durchschnittlich 1,37 kg. Eine frühere Energieverteilung war mit einer zusätzlichen Gewichtsreduktion von durchschnittlich 1,75 kg verbunden. Die Autoren bewerteten die Effektgrößen aufgrund der Heterogenität, des Verzerrungsrisikos und der begrenzten Studiendauer als klein und von unsicherer klinischer Bedeutung [4].

Der Gewichtsverlust durch Dinner Cancelling beruht daher überwiegend auf einer Reduktion der täglichen Energieaufnahme. Hierzu tragen insbesondere der Wegfall einer Mahlzeit, die Vermeidung abendlicher Snacks und eine geringere Alkoholzufuhr bei. Wird die eingesparte Energie innerhalb des verbleibenden Essensfensters vollständig kompensiert, ist kein relevanter Gewichtsverlust zu erwarten [5, 9].

Ergebnisse randomisierter Studien

In einer zwölfmonatigen randomisierten Studie mit 139 Erwachsenen mit Adipositas wurde ein Essensfenster von 8 bis 16 Uhr in Kombination mit einer Energiebegrenzung mit einer alleinigen kontinuierlichen Energiebegrenzung verglichen. Nach zwölf Monaten bestanden keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich Gewichtsabnahme, Körperfett, Taillenumfang oder kardiometabolischer Risikoparameter [5].

In einer 14-wöchigen Studie führte eTRE mit einem Essensfenster von 7 bis 15 Uhr zusammen mit einer Energiebegrenzung zu einer um durchschnittlich 2,3 kg stärkeren Gewichtsabnahme als eine vergleichbare Ernährungsberatung bei einem Essensfenster von mindestens zwölf Stunden. Für die Körperfettmasse und die meisten kardiometabolischen Parameter ergaben sich in der primären Analyse keine signifikanten Unterschiede [6].

Eine randomisierte Studie mit frühem, spätem und selbst gewähltem achtstündigem Essensfenster zeigte bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas eine moderate Gewichtsreduktion unter TRE. Die Interventionen waren mit einer mediterran ausgerichteten Ernährungsberatung kombiniert. Für die Veränderung des viszeralen Fettgewebes (Fettgewebes um die inneren Organe) ließ sich keine eindeutige Überlegenheit eines bestimmten Essensfensters nachweisen [7].

Die TREAT-Studie untersuchte ein spätes Essensfenster von 12 bis 20 Uhr. Die Gewichtsabnahme unterschied sich nicht signifikant von der Kontrollgruppe. In einer Untergruppe wurde zudem eine Abnahme der appendikulären Magermasse (fettfreien Masse der Arme und Beine) beobachtet [10].

Glucosestoffwechsel und metabolisches Syndrom

TRE kann bei Patienten mit Insulinresistenz (verminderter Wirkung von Insulin), Prädiabetes (Vorstufe der Zuckerkrankheit) oder metabolischem Syndrom (gemeinsamem Auftreten mehrerer Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Risikofaktoren) einzelne metabolische Parameter moderat verbessern. Die Effektgrößen sind jedoch überwiegend gering und nicht konsistent über alle Studien hinweg [2, 3, 8].

In der TIMET-Studie erhielten Patienten mit metabolischem Syndrom zusätzlich zur Standardbehandlung ein personalisiertes Essensfenster von 8-10 Stunden. Nach drei Monaten war der HbA1c-Wert gegenüber der Kontrollgruppe um etwa 0,10 Prozentpunkte stärker gesunken. Zusätzlich wurden geringe Reduktionen von Körpergewicht, Body-Mass-Index und abdominaler Fettmasse (Fettmasse im Bauchbereich) beobachtet [8].

Die klinische Bedeutung dieser Veränderungen ist begrenzt. TRE ersetzt daher weder eine strukturierte Ernährungs- und Bewegungstherapie noch eine indizierte medikamentöse Behandlung [LL1, LL2].

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) stellt keine generelle Kontraindikation (Gegenanzeige) dar. Bei einer Behandlung mit Insulin, Sulfonylharnstoffen oder Gliniden besteht jedoch ein erhöhtes Hypoglykämierisiko (Risiko einer Unterzuckerung). Vor Beginn einer Fastenintervention müssen deshalb Mahlzeitenzeiten, Medikation, Hypoglykämierisiko und die erforderliche Glucosekontrolle individuell abgestimmt werden [LL2].

Blutdruck und Lipidstoffwechsel

Gegenüber einer Ernährung ohne zeitliche Begrenzung kann TRE geringe Verbesserungen des systolischen Blutdrucks (oberen Blutdruckwerts), der Triglyceride sowie einzelner Parameter des Glucosestoffwechsels bewirken. Die Ergebnisse sind heterogen und treten häufig parallel zu einer verminderten Energieaufnahme und Gewichtsabnahme auf [2-4].

Bei vergleichbarer Energiebegrenzung zeigt sich keine konsistente Überlegenheit gegenüber konventionellen energiereduzierten Ernährungskonzepten. Dinner Cancelling ist daher nicht als eigenständige antihypertensive (blutdrucksenkende) oder lipidsenkende Therapie (Behandlung zur Senkung der Blutfette) einzustufen.

Körperzusammensetzung und Muskelmasse

Ein verkürztes Essensfenster reduziert die Anzahl der verfügbaren Mahlzeiten und kann dadurch die bedarfsgerechte Proteinaufnahme und Proteinverteilung erschweren. Dies ist besonders bei älteren Patienten, Sarkopenie (alters- oder krankheitsbedingtem Muskelabbau), hoher körperlicher Aktivität oder ausgeprägter Energiebegrenzung relevant.

Zur Begrenzung eines Verlusts fettfreier Masse sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • ausreichende tägliche Energie- und Proteinzufuhr
  • angemessene Proteinportionen innerhalb der verbleibenden Mahlzeiten
  • regelmäßiges progressives Krafttraining
  • Vermeidung unnötig kurzer Essensfenster
  • Verlaufskontrolle von Muskelkraft, körperlicher Funktion und gegebenenfalls Körperzusammensetzung

Ein Essensfenster von 8-10 Stunden wird häufig in klinischen Studien verwendet und ist für viele Patienten praktikabel. Es stellt jedoch keinen evidenzgesicherten universellen Optimalwert dar [3, 7, 8, 10].

Ernährungsqualität und Mikronährstoffversorgung

Dinner Cancelling macht keine Vorgaben zur Lebensmittelauswahl. Eine zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme verbessert daher nicht automatisch die Ernährungsqualität. Auch bei verkürztem Essensfenster müssen die bedarfsgerechte Energie-, Protein-, Ballaststoff- und Mikronährstoffzufuhr (Zufuhr von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen) gewährleistet werden.

Eine geeignete Lebensmittelauswahl umfasst insbesondere Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Vollkornprodukte, Nüsse, Samen, hochwertige Proteinquellen und überwiegend ungesättigte Fette. Stark verarbeitete Lebensmittel, zuckerreiche Snacks und alkoholische Getränke sollten begrenzt werden.

Bei eingeschränkter Lebensmittelauswahl, vermindertem Energiebedarf oder erhöhtem Bedarf sollte die Mikronährstoffversorgung gezielt überprüft werden. Eine indikationsgerechte Supplementierung (gezielte Ergänzung von Nährstoffen) kann bei nachgewiesener Unterversorgung oder erhöhtem Bedarf sinnvoll sein.

Schlaf

Das Vorverlegen einer großen oder sehr späten Abendmahlzeit kann bei einzelnen Patienten subjektiv günstig sein, beispielsweise bei Völlegefühl, gastroösophagealem Reflux (Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre) oder regelmäßigem nächtlichem Snacking.

Die aktuelle systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zeigt jedoch keine konsistente klinisch relevante Verbesserung von Schlafdauer, Schlafeffizienz oder subjektiver Schlafqualität durch TRE [11]. Dinner Cancelling ist daher keine spezifische schlafmedizinische Behandlung.

Hunger, eine zu geringe Energieaufnahme oder ein nicht zum individuellen Tagesrhythmus passendes Essensfenster können den Schlaf bei einzelnen Patienten auch beeinträchtigen.

Anti-Aging und Longevity

Für Dinner Cancelling liegen keine randomisierten Humanstudien vor, die eine Verlängerung der Lebensspanne, eine Reduktion der Gesamtmortalität (Gesamtsterblichkeit) oder eine Verzögerung validierter biologischer Alterungsmarker nachweisen.

Insbesondere ist beim Menschen nicht belegt, dass der Verzicht auf das Abendessen:

  • die Melatoninsekretion (Ausschüttung des Schlafhormons) therapeutisch relevant steigert
  • die Somatropinsekretion (Ausschüttung des Wachstumshormons) dauerhaft erhöht
  • eine klinisch relevante Aktivierung der Autophagie (zellulären Selbstreinigung) bewirkt
  • die mitochondriale Regeneration (Erholung der Kraftwerke der Zellen) verbessert
  • oxidativen Stress (Zellbelastung durch reaktive Sauerstoffverbindungen) langfristig vermindert
  • die Krebsentstehung verhindert
  • die biologische Alterung verlangsamt

Tierexperimentelle und zellbiologische Befunde können nicht unmittelbar auf Dinner Cancelling beim Menschen übertragen werden. Eine Einordnung als Anti-Aging- oder Longevity-Therapie ist daher wissenschaftlich nicht gerechtfertigt.

Leitliniengerechte Einordnung

Die deutsche S3-Leitlinie zur Prävention und Therapie der Adipositas nennt intermittierendes Fasten als eine mögliche Ernährungsstrategie zur Erreichung einer moderaten Energiebegrenzung [LL1].

Die Leitlinie ordnet TRE als Sonderform des intermittierenden Fastens ein. Beschrieben wird eine moderate Gewichtsabnahme, die in etwa der Gewichtsabnahme unter kontinuierlicher Energiebegrenzung entspricht. Die Leitlinie weist zugleich auf die überwiegend kleinen Studien, kurzen Beobachtungszeiträume und fehlenden belastbaren Langzeitdaten hin [LL1].

Für die Vermeidung einer ungesunden Gewichtszunahme können nach dem Leitlinienstatement Ernährungsweisen mit unterschiedlicher zeitlicher Verteilung der Nahrungsaufnahme empfohlen werden. Eine bevorzugte Empfehlung für Dinner Cancelling oder ein bestimmtes Essensfenster besteht nicht [LL1].

Mögliche Einsatzgebiete

Dinner Cancelling oder ein frühes TRE kann als optionale Ernährungsstrategie erwogen werden bei:

  • Übergewicht oder Adipositas
  • sehr langem täglichen Essensfenster
  • regelmäßigem abendlichem Snacking
  • häufigem Konsum alkoholischer oder kalorienhaltiger Getränke am Abend
  • umfangreichen späten Abendmahlzeiten
  • metabolischem Syndrom oder Prädiabetes unter medizinischer Verlaufskontrolle
  • Patienten, denen zeitliche Regeln leichter fallen als eine kontinuierliche Kalorienkontrolle

Die Anwendung sollte präferenzabhängig erfolgen. Ein Ernährungsmuster, das dauerhaft eingehalten werden kann, ist einem theoretisch günstigen, im Alltag jedoch nicht umsetzbaren Zeitfenster vorzuziehen.

Keine regelhafte Anwendung oder besondere medizinische Betreuung

Dinner Cancelling sollte nicht regelhaft oder nur unter medizinischer beziehungsweise ernährungsmedizinischer Betreuung durchgeführt werden bei:

  • aktiver Essstörung oder relevanter Essstörungsanamnese (Vorgeschichte einer Essstörung)
  • Untergewicht, Mangelernährung (unzureichende Versorgung mit Energie oder Nährstoffen) oder ungewolltem Gewichtsverlust
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Kindern und Jugendlichen
  • Gebrechlichkeit oder Sarkopenie
  • akuten Erkrankungen oder postoperativer Rekonvaleszenz (Erholungsphase nach einer Operation)
  • erhöhtem Energie- oder Proteinbedarf
  • Medikamenten, deren Einnahme zwingend an Mahlzeiten gebunden ist
  • Diabetes mellitus mit Insulin oder insulinsekretagoger Medikation ohne vorherige Therapieanpassung
  • Schichtarbeit oder stark wechselndem Schlaf-Wach-Rhythmus
  • intensivem Training am Abend, wenn die notwendige Regenerations- und Proteinzufuhr nicht sichergestellt werden kann

Diese Situationen stellen keine einheitlich definierten absoluten Kontraindikationen dar. Die Entscheidung richtet sich nach individuellem Risiko, Therapieziel, Begleiterkrankungen und medizinischer Überwachungsmöglichkeit.

Praktische Durchführung

Eine praktikable Umsetzung muss nicht mit dem vollständigen Weglassen des Abendessens beginnen. Häufig ist eine schrittweise Verkürzung des Essensfensters besser verträglich.

  1. Erfassung des bisherigen Essensfensters, der Mahlzeitenzeiten, des Snackverhaltens, des Alkoholkonsums und des Schlaf-Wach-Rhythmus.
  2. Zunächst Verzicht auf spätabendliche Snacks und kalorienhaltige Getränke.
  3. Schrittweise Vorverlagerung der letzten Mahlzeit.
  4. Festlegung eines alltagstauglichen Essensfensters ohne starre universelle Uhrzeit.
  5. Vermeidung kompensatorisch übergroßer Mahlzeiten vor Beginn der Nahrungskarenz.
  6. Sicherung der Ernährungsqualität sowie der Energie-, Protein-, Ballaststoff- und Mikronährstoffzufuhr.
  7. Während der Nahrungskarenz Aufnahme von Wasser und ungesüßten, energiefreien Getränken.
  8. Kombination mit regelmäßiger Alltagsbewegung, Ausdaueraktivität und Krafttraining.
  9. Flexible Einbindung familiärer, beruflicher und sozialer Mahlzeiten.

Ein Abstand von mehreren Stunden zwischen der letzten größeren Mahlzeit und dem Schlafbeginn wurde in verschiedenen Studienprotokollen verwendet. Daraus lässt sich jedoch kein allgemein verbindlicher Mindestabstand ableiten.

Monitoring

Ein spezifisches obligates Laborprogramm für Dinner Cancelling existiert nicht. Die Verlaufskontrolle richtet sich nach Indikation, Begleiterkrankungen, Medikation und Ausmaß der Energiebegrenzung.

Bei Anwendung zur Gewichtsreduktion sollten nach etwa 8-12 Wochen insbesondere beurteilt werden:

  • Körpergewicht und Taillenumfang
  • Energie-, Protein-, Ballaststoff- und Mikronährstoffzufuhr
  • Muskelkraft und körperliche Leistungsfähigkeit
  • Hunger, Schwindel, Kopfschmerzen, Obstipation (Verstopfung) und Reizbarkeit
  • Schlafqualität
  • kompensatorische Nahrungsaufnahme oder zunehmendes rigides Essverhalten
  • Blutdruck bei Hypertonie (Bluthochdruck) oder antihypertensiver Therapie
  • Glucoseverlauf bei Diabetes mellitus
  • indikationsbezogene Laborparameter wie HbA1c, Nüchternglucose und Lipidstatus

Die Intervention sollte angepasst oder beendet werden bei rezidivierenden Hypoglykämien (wiederholt auftretenden Unterzuckerungen), anhaltendem Schwindel, Schlafverschlechterung, Essanfällen, ungewolltem Gewichtsverlust, Verlust körperlicher Leistungsfähigkeit oder unzureichender Energie- und Nährstoffzufuhr.

Vorteile

  • einfaches und leicht verständliches Grundprinzip
  • mögliche Reduktion abendlicher Snacks und alkoholischer Getränke
  • potentielle Verminderung der täglichen Energieaufnahme
  • moderate Gewichtsabnahme bei geeigneten Patienten
  • keine speziellen Lebensmittel oder kommerziellen Produkte erforderlich
  • für einzelne Patienten leichter umsetzbar als kontinuierliche Kalorienzählung

Limitationen und Risiken

  • keine gesicherte Überlegenheit gegenüber kontinuierlicher Energiebegrenzung
  • fehlende belastbare Langzeitdaten
  • keine automatische Verbesserung der Ernährungsqualität
  • mögliche soziale und berufliche Einschränkungen
  • Risiko kompensatorischer Nahrungsaufnahme
  • mögliche unzureichende Energie-, Protein- oder Mikronährstoffzufuhr
  • möglicher Verlust fettfreier Masse bei inadäquater Umsetzung
  • Hypoglykämierisiko bei entsprechender antidiabetischer Therapie (Behandlung der Zuckerkrankheit)
  • mögliche Verstärkung rigider oder gestörter Essmuster
  • keine belegte Anti-Aging- oder lebensverlängernde Wirkung

Fazit

Dinner Cancelling ist eine pragmatische Variante des frühen Time-Restricted Eating, jedoch keine eigenständig standardisierte medizinische Diät. Bei Erwachsenen mit Übergewicht, sehr langem täglichen Essensfenster oder ausgeprägtem abendlichem Snacking kann das Verfahren die Energieaufnahme begrenzen und eine moderate Gewichtsabnahme unterstützen.

Gegenüber einer kontinuierlichen Energiebegrenzung besteht im Allgemeinen keine klinisch relevante Überlegenheit. Eine frühere Energieaufnahme kann gegenüber einer späten Nahrungsaufnahme einzelne metabolische Parameter geringfügig günstiger beeinflussen. Die optimale Dauer und Lage des Essensfensters sind jedoch nicht abschließend geklärt.

Dinner Cancelling sollte deshalb als optionale und präferenzabhängige Strategie eingesetzt werden. Entscheidend bleiben Ernährungsqualität, eine angemessene Energiezufuhr, die bedarfsgerechte Protein- und Mikronährstoffversorgung, körperliche Aktivität, Krafttraining und langfristige Umsetzbarkeit.

Eine Wirkung auf Melatonin, Somatropin, Autophagie, Tumorprävention (Vorbeugung von Krebserkrankungen), biologische Alterung oder Lebensspanne ist beim Menschen nicht nachgewiesen. Dinner Cancelling ist daher nicht als Anti-Aging- oder Longevity-Therapie zu bezeichnen.

Literatur

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Leitlinien

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