Tierhaarallergie – Differentialdiagnosen

Atmungssystem (J00-J99)

  • Allergische Rhinitis (allergischer Schnupfen) durch andere Inhalationsallergene (eingeatmete Allergieauslöser) – insbesondere Hausstaubmilben, Pollen, Schimmelpilzsporen oder berufliche Allergene; bei gleichzeitiger Exposition können die Beschwerden fälschlich dem Tierkontakt zugeschrieben werden
  • Asthma bronchiale (Asthma) anderer Genese – allergisches Asthma durch andere Inhalationsallergene oder nichtallergisches Asthma; bei Husten, Giemen und Dyspnoe (Atemnot) ohne reproduzierbaren Zusammenhang mit Tierexposition abzugrenzen
  • Exogen-allergische Alveolitis (allergisch bedingte Entzündung der Lungenbläschen), insbesondere Vogelhalterlunge (Vogelzüchterlunge) – nicht IgE-vermittelte immunologisch bedingte interstitielle Lungenerkrankung (Erkrankung des Lungenzwischengewebes) durch inhalierte Vogelantigene; komplexe humorale und zellvermittelte Immunreaktion mit Typ-III- und Typ-IV-Anteilen; bei akuter Verlaufsform typischerweise Husten, Dyspnoe und häufig Fieber mehrere Stunden nach intensiver Exposition
  • Induzierbare laryngeale Obstruktion (vorübergehende Kehlkopfverengung) – vorübergehende funktionelle Verengung des Kehlkopfes mit anfallsartiger Dyspnoe, häufig inspiratorischem Stridor (pfeifendes Atemgeräusch beim Einatmen) und raschem Beginn bzw. Abklingen; insbesondere von vermeintlich tierallergeninduziertem Asthma abzugrenzen
  • Infektiöse Rhinitis/Rhinopharyngitis (infektiöser Schnupfen bzw. Entzündung von Nase und Rachen) – insbesondere virale Infektion der oberen Atemwege mit Rhinorrhoe (laufender Nase), nasaler Obstruktion (verstopfter Nase) und Niesreiz; eher kontinuierlicher Verlauf und häufig zusätzliche Infektzeichen
  • Nichtallergische Rhinitis (nichtallergischer Schnupfen) – z. B. irritative oder vasomotorische Rhinitis; rhinitische Beschwerden ohne nachweisbare klinisch relevante IgE-vermittelte Sensibilisierung (allergische Empfindlichkeit)
  • Rhinosinusitis (Entzündung von Nase und Nasennebenhöhlen), akut oder chronisch – nasale Obstruktion und Sekretion, häufig zusätzlich Gesichtsschmerz bzw. Druckgefühl oder Riechstörung; fehlender reproduzierbarer Zusammenhang mit Tierkontakt

Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)

  • Allergische Konjunktivitis (allergische Bindehautentzündung) durch andere Inhalationsallergene – insbesondere Pollen, Hausstaubmilben oder Schimmelpilzsporen; klinisch von einer durch Tierallergene ausgelösten Konjunktivitis nicht sicher unterscheidbar
  • Blepharitis (Lidrandentzündung) – entzündliche Lidranderkrankung mit Brennen, Fremdkörpergefühl, Rötung und gegebenenfalls Juckreiz
  • Infektiöse Konjunktivitis (infektiöse Bindehautentzündung) – virale oder bakterielle Bindehautentzündung; insbesondere bei ausgeprägter konjunktivaler Rötung, Sekretion und fehlender eindeutiger Expositionsabhängigkeit abzugrenzen
  • Keratokonjunktivitis sicca (trockenes Auge) – Benetzungsstörung der Augenoberfläche mit Brennen, Fremdkörpergefühl, Rötung und gegebenenfalls reflektorischem Tränenfluss
  • Toxisch-irritative Konjunktivitis (reizbedingte Bindehautentzündung) – Reizung der Bindehaut durch Rauch, Aerosole, Reinigungsmittel, Staub oder andere Umweltreize ohne spezifischen IgE-vermittelten Mechanismus

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Allergische Kontaktdermatitis (allergisches Kontaktekzem) – ekzematöse Hautreaktion auf Kontaktallergene; bei Beschwerden nach Tierkontakt insbesondere zusätzlich verwendete Pflege-, Reinigungs- oder Desinfektionsmittel berücksichtigen
  • Irritative Kontaktdermatitis (reizbedingtes Kontaktekzem) – nicht immunologisch vermittelte Hautreizung nach Kontakt mit Speichel, Reinigungsmitteln oder anderen irritierenden Substanzen
  • Papulöse Urtikaria (juckender Hautausschlag mit Knötchen) durch Arthropodenstiche – stark juckende papulöse Hautreaktionen insbesondere durch Flöhe oder Milben aus dem Umfeld von Haustieren; keine Tierhaarallergie
  • Urtikaria (Nesselsucht) anderer Genese – spontane, infektiöse, physikalische, medikamentöse oder anderweitig ausgelöste Urtikaria ohne reproduzierbaren Zusammenhang mit Tierallergenexposition

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Dermatophytose (Hautpilzerkrankung), zoonotisch erworben – insbesondere durch von Katzen oder Hunden übertragene Dermatophyten (Hautpilze); erythematös-schuppende und häufig randbetonte Hautveränderungen können nach Tierkontakt zunächst als allergische Hautreaktion fehlinterpretiert werden

Medikamente

  • ACE-Hemmer – können einen persistierenden trockenen Husten verursachen und insbesondere bei zeitlich zufälligem Tierkontakt bronchiale Allergiesymptome vortäuschen
  • Rhinitis medicamentosa (medikamentenbedingter Schnupfen) – persistierende nasale Obstruktion nach längerfristiger Anwendung abschwellender α-Sympathomimetika

Umweltbelastungen – Intoxikationen 

  • Irritative inhalative Expositionen (reizende eingeatmete Umwelteinflüsse) – z. B. Tabakrauch, Duftstoffe, Reinigungs- und Desinfektionsmittel, Ammoniak oder erhöhte Staubbelastung in Tierhaltungsbereichen; können rhinitische, konjunktivale und bronchiale Beschwerden ohne allergischen Mechanismus auslösen
  • Toxisches Syndrom durch organische Stäube (akute Beschwerden durch starke organische Staubbelastung) – akute nichtallergische inflammatorische Reaktion nach intensiver Exposition gegenüber organischen Stäuben, insbesondere in Tierhaltungs- oder Stallbereichen; mit Fieber, Husten, Dyspnoe und grippeähnlicher Symptomatik insbesondere von einer akuten exogen-allergischen Alveolitis abzugrenzen