Fructoseunverträglichkeit (Fructoseintoleranz) – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
- Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Körpergewicht; bei Kindern zusätzlich Körpergröße und Beurteilung des Wachstumsverlaufs; bei akuter Symptomatik zusätzlich Blutdruck und Puls; des Weiteren:
- Beurteilung des Allgemein- und Ernährungszustandes sowie des Hydratationszustandes (Flüssigkeitshaushaltes)
- Inspektion von Haut, Schleimhäuten und Skleren (Augenweiß)
- Bei hereditärer Fructoseintoleranz (erblich bedingter Fruchtzuckerunverträglichkeit) [Ikterus (Gelbsucht); periphere Ödeme (Wassereinlagerungen an Armen oder Beinen); bei akuter fructoseinduzierter Hypoglykämie (Unterzuckerung) Schwitzen, Tremor (Zittern) und Lethargie (Teilnahmslosigkeit)]
- Untersuchung des Abdomens (Bauches)
- Inspektion [fructoseexpositionsabhängige abdominale Distension (Aufblähung des Bauches) beziehungsweise ausgeprägter Meteorismus (Blähbauch)]
- Auskultation (Abhören) der Darmgeräusche
- Perkussion (Abklopfen) des Abdomens
- Palpation (Abtasten) des Abdomens – Prüfung auf Druckschmerz und Abwehrspannung (unwillkürliche Anspannung der Bauchdecke) sowie Beurteilung von Leber und Milz
- Bei hereditärer Fructoseintoleranz [Hepatomegalie (Lebervergrößerung); bei fortgeschrittener Leberbeteiligung gegebenenfalls Aszites (Bauchwassersucht)]
- Bei Kindern Beurteilung des somatischen Gedeihens (körperlichen Wachstums) [Gedeih- beziehungsweise Wachstumsstörung bei unbehandelter hereditärer Fructoseintoleranz]
- Bei Verdacht auf eine akute metabolische Dekompensation (Stoffwechselentgleisung) bei hereditärer Fructoseintoleranz orientierende neurologische Untersuchung einschließlich Vigilanz (Wachheitsgrad) [Lethargie beziehungsweise Bewusstseinsstörung; in schweren Fällen Krampfanfälle]
- Gesundheitscheck
Bei der intestinalen Fructoseintoleranz (durch den Darm bedingte Fruchtzuckerunverträglichkeit) infolge einer Fructosemalabsorption (gestörte Fruchtzuckeraufnahme im Darm) ist die körperliche Untersuchung außerhalb einer symptomatischen Phase häufig unauffällig; ein spezifischer körperlicher Untersuchungsbefund, der die Diagnose bestätigt, existiert nicht. Ausgeprägte systemische Befunde (den gesamten Körper betreffende Befunde), insbesondere Hepatomegalie, Ikterus, Gedeihstörung oder Zeichen einer Hypoglykämie, sprechen nicht für eine unkomplizierte intestinale Fructosemalabsorption und müssen insbesondere an eine hereditäre Fructoseintoleranz denken lassen.
Red Flags (Warnzeichen) bei Fructoseintoleranz
- Säugling oder Kleinkind mit rezidivierendem Erbrechen, Lethargie oder Kreislaufbeeinträchtigung nach Einführung fructose-, saccharose- oder sorbithaltiger Nahrung
- Zeichen einer Hypoglykämie nach Fructoseexposition, insbesondere Schwitzen, Tremor, ausgeprägte Somnolenz (starke Schläfrigkeit), Krampfanfälle (Anfälle mit unwillkürlichen Muskelzuckungen) oder Bewusstseinsstörung (Beeinträchtigung des Bewusstseins)
- Hepatomegalie, Ikterus, Aszites, Ödeme oder Blutungszeichen als Hinweis auf eine relevante Leberbeteiligung bei hereditärer Fructoseintoleranz
- Ausgeprägte Dehydratation (Austrocknung) oder Schockzeichen (Zeichen eines Kreislaufversagens) bei wiederholtem Erbrechen beziehungsweise Diarrhoe (Durchfall)
- Gedeih- oder Wachstumsstörung bei Kindern, insbesondere in Verbindung mit fructoseabhängigen Beschwerden
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.