Optische Kohärenztomographie (OCT)

Die optische Kohärenztomographie (OCT) gehört zu den bildgebenden Verfahren und wird in der Augenheilkunde zur Untersuchung der Retina (Netzhaut), des Glaskörpers und des N. opticus (Sehnerv) verwendet. Es handelt sich um eine nichtinvasive, kontaktlose Methode zur Erstellung optischer, zweidimensionaler Schnittbilder, die eine hohe räumliche Auflösung haben.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Makulaloch – scharf begrenzte Zerstörung der Netzhaut in der Fovea der Macula lutea (gelber Fleck – Ort des schärfsten Sehens)
  • Makulaödem – Schwellung der zentralen Netzhaut im Bereich der Macula lutea [Kassenleistung bei Makulaödem infolge einer diabetischen Retinopathie/Netzhauterkrankung]
  • Makuladegeneration (Gruppe von Augenerkrankungen, die die Makula lutea („der Punkt des schärfsten Sehens“) – auch „Gelber Fleck“ genannt – der Netzhaut betreffen) [Kassenleistung bei neovaskulärer altersbedingter Makuladegeneration (nAMD)]
  • Epiretinale Gliose – Membranbildung zwischen Retina (Netzhaut) und Glaskörper meist im Bereich der Macula lutea, die nach intraokularen (z. B. Operation am Auge) Eingriffen auftreten kann
  • Retinopathia centralis serosa – Erkrankung der Makula lutea mit subretinaler (unter der Retina) Flüssigkeitsansammlung und plötzlichem Sehschärfeverlust
  • Beurteilung postoperativer Befunde
  • Verlaufskontrolle von Krankheitsprozessen
  • Verlaufsbeobachtung bei einem Glaukom
  • Unklare Sehminderungen
  • Glaskörpertraktionen (Anhebung des Glaskörpers an die Netzhaut mit möglicher Schädigung)

Das Verfahren

Die optische Kohärenztomographie funktioniert mit demselben Prinzip wie ein Ultraschall, nur dass statt Schallwellen ein Lichtstrahlenbündel verwendet wird. Mit der sogenannten niedrigkohärenten Interferometrie (ein Interferometer misst die Interferenz – Überlagerung von Lichtwellen – um z. B. Entfernungen präzise zu erfassen) wird die Laufzeitverzögerung eines Laserstrahls im Vergleich mit einem Referenzstrahl gemessen und ausgewertet. Der Laserstrahl liegt im Infrarot-Bereich bei ca. 830 nm. Das reflektierte und rückgestreute Licht wird erfasst und daraus ein optisches, zweidimensionales Schnittbild errechnet.

Die optische Kohärenztomographie stellt folgende Strukturen der Retina und des Auges präzise dar:

  • Nervenfaserschicht
  • Fotorezeptorschicht
  • retinales Pigmentepithel
  • Choriocapillaris – Teil der Choroidea (Aderhaut), der der Retina direkt anliegt
  • Sklera (Lederhaut; nur sehr bedingt)
  • Kornea (Hornhaut) – Bestimmung der Hornhautdicke
  • Iris
  • Linse

Dieser Datensatz kann in Echtzeit in einer Falschfarbenskala oder in Graustufen abgebildet werden. Hoch reflektierende Strukturen wie die Nervenfaserschicht, Gefäße oder das retinale Pigmentepithel werden in hellen Farben (z. B. weiß oder rot) dargestellt. Strukturen mit intermediärer Reflektivität erscheinen grün, Elemente, die sehr wenig Licht reflektieren sind schwarz oder blau. Die optische Kohärenztomographie ist in der Lage, Parameter wie die Nervenfaserschichtdicke, die Netzhautdicke, das Volumen der vorderen Augenkammer und des Kammerwinkels zu bestimmen. Sie erlaubt eine präzise Erfassung pathologischer (krankheitsbedingter) Veränderungen. Vor allem in der Früherkennung und Verlaufskontrolle des Glaukoms (Grüner Star: erhöhter Augeninnendruck, der zur Schädigung des Sehnervs führt) verspricht das Verfahren eine Verbesserung.

Die optische Kohärenztomographie erlaubt eine hochpräzise Darstellung kleinster Strukturen der Netzhaut und ist somit ein wertvolles diagnostisches Verfahren in der Augenheilkunde.

Weitere Hinweise

  • Der GBA (Gemeinsamer Bundesausschuss) hat beschlossen, die OCT für Patienten mit diagnostizierter diabetischer Retinopathie (Netzhauterkrankung) und einem dadurch bedingten Makulaödem (Schwellung der zentralen Netzhaut im Bereich der Macula lutea) in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Kassen aufzunehmen; gleiches gilt für die neovaskuläre altersbedingte Makuladegeneration (nAMD).
  • Die OCT als Kassenleistung soll frühestens drei Wochen nach intravitrealer ("in den Glaskörper hinein") Medikamenteneingabe in das jeweilige Auge erbracht werden; höchstens einmal innerhalb von 26 Tagen und höchstens sechs Mal innerhalb von zwölf Monaten nach der letzten intravitrealen Medikamenteneingabe.

Literatur

  1. Augustin AJ: Augenheilkunde. Springer Verlag 2007
  2. Kanski JJ: Klinische Ohpthalmologie Lehrbuch und Atlas. Elsevier, Urban & Fischer Verlag: 2008 

     
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