Dämmerungssehschärfen-Prüfung (Nyktometrie)

Die Nyktometrie (Synonyme: Mesoptometrie, Dämmerungssehschärfenprüfung) gehört zu den diagnostischen Verfahren der Ophthalmologie (Augenheilkunde) und dient der Testung des mesopischen Sehens bzw. der Dämmerungssehschärfe, die durch die Stäbchen vermittelt wird (Stäbchen sind Sinnenzellen auf der Netzhaut, die für das Sehen in der Dämmerung verantwortlich sind und feinste Helligkeitsstufen erfassen; Zapfen hingegen sind für das Farbensehen am Tag zuständig).

Der Begriff Dämmerungssehschärfe ist hierbei irreführend, da kein Visus (Sehschärfe) im eigentlichen Sinne gemeint ist, sondern das komplexe Zusammenspiel zwischen Sehschärfe und Kontrastempfindlichkeit im mesopischen Sehbereich (Dämmerungssehen). Die in der Nyktometrie ermittelte, wahrnehmbare mesopische Kontrastschwelle wird als Dämmerungssehschärfe bezeichnet. Die Fähigkeit der Hell-Dunkel-Adaptation wird mit der Adaptometrie bestimmt und ist von der Nyktometrie zu unterscheiden

Das Dämmerungssehen liegt zwischen dem sogenannten photopischen Sehen (Sehen bei Tag, das durch die Zapfen vermittelt wird) und dem skotopischen Sehbereich (Sehen bei Nacht, das durch die Stäbchen vermittelt wird). Im Gegensatz zur Sehkraft am Tag, verschlechtert sich der Visus und die Schwelle zur Wahrnehmung von Kontrasten steigt erheblich. Vor allem im Straßenverkehr verursacht dies erhebliche Schwierigkeiten. Die Testung der Dämmerungssehschärfe zur Bestimmung der Nachtfahrtauglichkeit bei Führerscheinbewerbern ist seit 1999 nicht mehr Pflicht, allerdings empfiehlt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft weiterhin die Durchführung.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • der Führerscheintauglichkeitsuntersuchung zur Prüfung der Nachtfahrtauglichkeit
  • der arbeitsmedizinischen Tauglichkeitsuntersuchung zur Prüfung der Dämmerungssehschärfe und der Blendempfindlichkeit
  • zusätzlichem Verdacht auf Nachtmyopie
  • der Quantifizierung von Sehstörungen bei geringer Helligkeit bei:
    • Medientrübung – z. B. Katarakt (Grauer Star), der durch eine Trübung der Augenlinse gekennzeichnet ist
    • retinalen Erkrankungen – z. B. Retinopathia pigmentosa, die durch einen degenerativen Prozess der Netzhaut mit fortschreitender Nyktalopie (Nachtblindheit) einhergeht
    • pharmakologischen (medikamentenbedingte) Nebenwirkungen
    • neuronalen Funktionsstörungen – z. B. bei Schädigung des N. opticus (großer Sehnerv)

Das Verfahren

Bei der nyktometrischen Untersuchung befindet sich der Patient sitzend vor dem Nyktometer, das sich in einem mäßig erhellten Raum befindet. Falls der Proband zuvor grellem Licht ausgesetzt war, ist eine Adaptionszeit von ca. 10 Minuten einzuhalten, um das Ergebnis nicht zu verfälschen. Weitere Lichtquellen im Untersuchungsraum können durch eine Einblickmuschel am Gerät ausgeschaltet werden.

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft empfiehlt unterschiedliche Geräte zur Durchführung der Nyktometrie:

  • Kontrastometer (Fa. BKG Medizin Technik)
  • Mesoptometer II (Fa. Oculus)
  • Nyktometer (Fa. Rodenstock)

Der Patient sieht nun durch das Gerät Sehzeichen (z. B. Landoltringe – Ringe, die zu einer Seite geöffnet sind und sonst der Visusprüfung dienen), die in ihrer Größe konstant sind und deren Kontrast vom Prüfer variiert werden kann. Zunächst wird ein hoher Kontrast angeboten, der laufend verringert wird bis die mesopische Kontrastschwelle erreicht ist. Bei jeder Kontraststufe müssen drei von fünf angebotenen Sehzeichen richtig erkannt werden.

Zusätzlich erlaubt die Nyktometrie die Testung der Blendempfindlichkeit, bzw. der Kontrastwahrnehmung in der Dämmerung bei Blendung. Die komplette Untersuchung der Kontraststufen wird sowohl mit als auch ohne Blendung durchgeführt. Dabei erfolgt die Blendung durch das Gerät analog zum Straßenverkehr von links, sodass Rückschlüsse auf die Nachtfahrtauglichkeit möglich sind. Andere Blendungsrichtungen sind ebenfalls möglich.

Außerdem leiden einige Autofahrer an einer sogenannten Nachtmyopie, die im Rahmen der Nyktometrie diagnostiziert werden kann: Dabei handelt es sich um eine Kurzsichtigkeit bei Dunkelheit, die durch eine fehlerhafte Akkommodation entsteht. Während der Nyktometrie wird diese Möglichkeit ebenfalls in Betracht gezogen und durch Vorschaltgläser korrigiert, sodass sich die Sehschärfe augenblicklich verbessert.

Die Nyktometrie ist ein nützliches und anerkanntes Verfahren, das mit großer Genauigkeit Störungen der Dämmerungssehschärfe aufdecken kann und somit den Weg für eine eventuell weiterführende Diagnostik zur Bestimmung einer zugrunde liegenden Erkrankung ebnet. Weiterhin ist die Wichtigkeit und Aussagekräftigkeit im Bezug auf die Nachtfahrtauglichkeit hervorzuheben, obwohl die nyktometrische Untersuchung vor dem Erwerb des Führerscheins nicht mehr Pflicht ist.

Literatur

  1. Augustin AJ: Augenheilkunde. Springer Verlag 2007
  2. Leitlinien der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft. DOG
  3. Grehn F: Augenheilkunde. Springer Verlag 2008

     
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