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Ursachen
Burning-Mouth-Syndrom

Pathogenese (Krankheitsentstehung)

Beim primären Burning-Mouth-Syndrom (BMS) können keine Veränderungen der Zunge oder der Mundschleimhaut festgestellt werden, da diese Bezeichnung sich ausschließlich auf die idiopathische Form bezieht.

Zungenbrennen zählt dabei zu den idiopathischen chronischen Schmerzerkrankungen.

 

Vor der Diagnosestellung eines primären BMS muss ein sekundäres BMS ausgeschlossen werden.

Die Pathogenese des BMS ist bislang noch unklar und wahrscheinlich multifaktoriell [1].

Aktuell wird diskutiert, dass das BMS eine neuropathische Erkrankung – eine sogenannte „small fiber neuropathy“ – sein könnte.

Ätiologie (Ursachen)

Die Ätiologie ist vielfältig, häufig ist jedoch keine Ursache erkennbar.

Sekundäres Burning-Mouth-Syndrom

Biographische Ursachen

  • Anatomische Variante: Lingua plicata (Faltenzunge) geht häufig mit Brennen einher; entwickelt sich meistens im Kindesalter; wird häufig auch bei Patienten mit Trisomie 21 (Down-Syndrom) gefunden.
  • Geschlecht
    • Frauen (insb. postmenopausal > 55 Jahre) sind deutlich häufiger als Männer betroffen (3,5-13 : 1)
      Wobei vor allem postmenopausale (nach den Wechseljahren) Frauen betroffen sind: Östrogenmangel → gehäuftes Auftreten von Zungenbrennen im Klimakterium und postmenopausal

Verhaltensbedingte Ursachen 

  • Ernährung
    • verminderte Nahrungsaufnahme und geringe Zufuhr von Vitaminen (z. B. wegen Anorexia nervosa) → Mundwinkelentzündungen (Synonyme: Mundwinkelrhagade, Cheilitis angularis, Angulus infectiosus oris, Perlèche) und Zungenschleimhautentzündung (Glossitis)
    • Verbrennungen durch Speisen, Getränke
  • Genussmittelkonsum
    • Alkohol – hier: Alkoholabusus (Alkoholabhängigkeit), insbesondere mit Nikotinabusus
    • Tabak (Rauchen) ‒ hier: chronischer Nikotinabusus, der zu unspezifischen Rötungen und Irritationen der Mundschleimhaut führt
  • Zungenhabits, nicht näher bezeichnet

Krankheitsbedingte Ursachen

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Eisenmangelanämie ‒ Blutarmut, die durch einen Eisenmangel bedingt ist
  • Immundefizienz/Abwehrschwäche  Candidose (Synonyme: Candidasis, Candidosis)
  • Perniziöse Anämie  Anämie (Blutarmut), die durch einen Mangel an Vitamin B12 oder seltener durch einen Folsäuremangel bedingt ist
  • Plummer-Vinson-Syndrom (Synonyme: Sideropenische Dysphagie, Paterson-Brown-Kelly-Syndrom) ‒ Kombination mehrerer Symptome, die durch eine Schleimhautatrophie im oberen Gastrointestinaltrakt (Mundhöhle bis Magen) bedingt ist; die Erkrankung führt aufgrund der Schleimhautatrophie im Mund zu Schluckbeschwerden und Zungenbrennen, des Weiteren treten auf: Schleimhautdefekte, Mundwinkelrhagaden (Einrisse im Mundwinkel), brüchige Nägel und Haare und Dysphagie (Schluckbeschwerden) durch größere Schleimhautdefekte; die Erkrankung ist ein Risikofaktor für die Entwicklung eines Ösophaguskarzinoms (Speiseröhrenkrebs)

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Diabetes mellitus (→ Candidose)
  • Eisenmangel
  • Folsäuremangel
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie Zimt-Unverträglichkeit
  • Vitamin B6-Mangel
  • Vitamin B12-Mangel
  • Zink-Mangel

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Osler-Weber-Rendu-Krankheit (Synonyme: Morbus Osler; Osler-Syndrom; Morbus Osler-Weber-Rendu; Morbus Osler-Rendu-Weber; Hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie, HHT) – autosomal-dominant vererbte Erkrankung, bei der es zu Teleangiektasien (krankhafte Erweiterung von Blutgefäßen) kommt. Diese können überall auftreten, finden sich jedoch besonders in Nase (Leitsymptom: Epistaxis (Nasenbluten)), Mund, Gesicht und den Schleimhäuten des Magen-Darm-Traktes. Da die Teleangiektasien sehr verletzlich sind, kann es leicht zu Einrissen und somit zur Blutung kommen.

Haut und Unterhaut (L00-L99) 

  • Lichen ruber planus (Knötchenflechte) – Beschreibung von kleinen flachen, leicht schuppenden Knötchen hier: Lichen ruber mucosae oris; brennende Zungenschmerzen können bereits vor dem Auftreten sichtbarer Veränderungen auftreten 

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Candidose – Infektionskrankheiten durch Pilze (Sprosspilze) der Gattung Candida (hier: Mundschleimhautentzündung inkl. Zunge)
  • Helicobacter pylori Infektion
  • HIV-Infektion – Mundbrennen wird als Hinweis auf eine HIV-Infektion im Frühstadium beschrieben

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (Synonyme: GERD, Gastro-oesophageal reflux disease; Gastroesophageal Reflux Disease (GERD); Gastroösophageale Refluxkrankheit (Refluxkrankheit); Gastroösophagealer Reflux; Reflux-Ösophagitis; Refluxkrankheit; Refluxösophagitis; peptische Ösophagitis) – entzündliche Erkrankung der Speiseröhre (Ösophagitis), die durch den krankhaften Rückfluss (Reflux) von saurem Magensaft und anderen Mageninhalten hervorgerufen wird
  • Gingivostomatitis ulcerosa/geschwürige Entzündung des Zahnfleisches und der Mundschleimhaut (Formen: Plaut-Vincent wg. bakterieller Mischinfektion; Agranulozytose /Fehlen oder starke Abnahme der Granulozyten im Blut wg. Unverträglichkeitsreaktionen)
  • Laryngopharyngealer Reflux (LRP) – "stiller Reflux", bei dem die Kardinalsymptome des gastroösophagalen Refluxes, wie Sodbrennen und Regurgitation (Zurückströmen von Speisebrei aus der Speiseröhre in den Mund), fehlen.
  • Lingua geographica (Landkartenzunge): harmlose Veränderung der Zungenoberfläche; Konstitutionsanomalie; die Zunge bekommt ihr typisches Aussehen durch Abstoßung des Epithels der fadenförmigen Papillen der Zungenoberfläche (Papillae filiformes); es zeigen sich weißliche und rötliche Bezirke, die einer Landkarte ähneln; Spektrum der Beschwerden reicht von symptomlos bis zu einem brennenden Gefühl oder brennenden Schmerzen. 
  • Stomatitis-Formen Mundschleimhautentzündung:
    • Stomatitis aphthosa (Mundfäule wg. HSV-1)Stomatitis catarrhalis; Formen: Hunter-Glossitis wg. perniziöser Anämie; Masernstomatitis wg. Masernvirus; Scharlach-Glossitis wg. ß-hämolysierender Streptokokken der Gruppe A)
    • Stomatitis granulomatosa (Sonderform: Melkersson-Rosenthal-Syndrom wg. Arteriitis (granulomatöse Entzündung))
    • Stomatitis herpetica (Herpes labialis ww. HSV-1)
    • Stomatitis mycotica (Soorstomatitis wg. Candida albicans)
    • Stomatitis necroticans (Formen: Agranulozytose wg. Unverträglichkeitsreaktionen; Noma (Wasserkrebs) wg. Bakterien, Malnutrition); Zytostatikatherapie wg. z. B. Cisplatin)
  • Xerostomie (Mundtrockenheit)
  • Zungenfissur (Schleimhauteinriss in der Zunge), meist schmerzlos

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99) 

  • Sjögren-Syndrom – Autoimmunerkrankung aus der Gruppe der Kollagenosen, die zu einer chronisch-entzündlichen Erkrankung bzw. Zerstörung der exokrinen Drüsen führt, wobei die Speichel- und Tränendrüsen am häufigsten betroffen sind

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Angst
  • Anorexia nervosa (Magersucht)
  • Bulimia nervosa (BN; Ess-Brech-Sucht)
  • Depression

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Allergien, nicht näher bezeichnet: z. B. 
    • Nahrungsmittelallergien oder
    • Allergien gegen Nahrungsmittelbestandteile: z. B. Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe (z. B. Benzoesäure), Lebensmittelfarben, Stabilisatoren (z. B. Ascorbinsäure) 
  • Schleimhauttraumen (Schleimhautverletzungen) durch schlecht sitzende Zahnprothesen oder kariöse Zähne 
  • Verletzungen der Zunge (z. B. Verbrennungen durch Speisen, Getränke)

Medikamente

  • s. u. "Mundtrockenheit durch Medikamente"

Literatur

  1. Brufau-Redondo C et al.: Burning-Mouth Syndrom. Actas Dermosifiliogr. 2008;99:431-40 doi: 10.1016/S1578-2190(08)70287-7
     
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