Einleitung
Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben

Nachfolgend werden unter "Perinatalperiode" Krankheiten beschrieben, die gemäß ICD-10 dieser Kategorie zuzuordnen sind (P00-P96). Der ICD-10 dient der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten sowie verwandter Gesundheitsprobleme (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) und ist weltweit anerkannt.

Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben

Die Perinatalperiode bezeichnet den Zeitraum von der abgeschlossenen 22. Schwangerschaftswoche (SSW) bis zum vollendeten 7. Tag nach der Geburt (post partum). In der Literatur wird der Beginn dieser Periode unterschiedlich datiert. So wird auch die 24. oder 28. Schwangerschaftswoche in diesem Zusammenhang genannt.

Pathologische Zustände können in dieser Zeit ihren Ursprung haben, aber erst später zu Krankheit oder Tod führen. Neben Infektionen gehören Präeklampsie (Bluthochdruck in der Schwangerschaft) und eine Diabetes mellitus-Erkrankung der Mutter, die schon vor der Schwangerschaft bestand oder sich während der Schwangerschaft entwickelt hat (Gestationsdiabetes/Schwangerschaftsdiabetes) zu den Hauptursachen von Erkrankungen bei Neugeborenen. In der Perinatalperiode sind Morbidität (Krankheitshäufigkeit) und Mortalität (Sterblichkeit) im Leben eines Menschen am höchsten.

Die sich daraus ableitende Perinatalmedizin konzentriert sich auf die Versorgung der Schwangeren und des Kindes vor und kurz nach der Geburt. Sie umfasst vor allem die pränatale Diagnostik und Therapie, die Betreuung von Risikoschwangerschaften sowie die Erstversorgung der Neugeborenen. Durch minimalinvasive Techniken können verschiedene fetale Krankheitsbilder intrauterin behandelt werden. Ziel der Perinatalmedizin ist es, Todesfälle in der Schwangerschaft, während oder nach der Geburt zu vermeiden sowie die Zahl geburtsgeschädigter Kinder zu reduzieren.

"Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben" lassen sich nach ICD-10 in die nachfolgenden Gruppen einteilen:

  • Schädigung des Fetus und Neugeborenen durch mütterliche Faktoren und durch Komplikationen bei Schwangerschaft, Wehentätigkeit und Entbindung (ICD-10: P00-P04)
  • Störungen im Zusammenhang mit der Schwangerschaftsdauer und dem fetalen Wachstum (ICD-10: P05-P08)
  • Geburtstrauma (ICD-10: P10-P15)
  • Krankheiten des Atmungs- und Herz-Kreislaufsystems, die für die Perinatalperiode spezifisch sind (ICD-10: P20-P29)
  • Infektionen, die für die Perinatalperiode spezifisch sind (ICD-10: P35-P39)
  • Hämorrhagische und hämatologische Krankheiten beim Fetus und Neugeborenen (ICD-10: P50-P61)
  • Transitorische endokrine und Stoffwechselstörungen, die für den Fetus und das Neugeborene spezifisch sind (ICD-10: P70-P74)
  • Krankheiten des Verdauungssystems beim Fetus und Neugeborenen (ICD-10: P75-P78)
  • Krankheitszustände mit Beteiligung der Haut und der Temperaturregulation beim Fetus und Neugeborenen (ICD-10: P80-P83)
  • Sonstige Störungen, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben (ICD-10: P90-P96)

"Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben", können zu folgenden Problemen führen:

  • Komplikationen bei Frühgeburtlichkeit
  • Komplikationen unter der Geburt
  • Meningitis (Hirnhautentzündung)
  • Neonatale Sepsis (Neugeborenensepsis/Blutvergiftung des Neugeborenen)

Die wichtigsten Risikofaktoren für "Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben"

Verhaltensbedingte Ursachen

  • Ernährung
    • Hyperkalorische und ungesunde Ernährung (zu viele Kohlenhydrate (Mono- und Disaccharide/Einfach- und Zweifachzucker), fettreiche Ernährung, arm an komplexen Kohlenhydraten und Ballaststoffen)
    • Mikronährstoffmangel
  • Genussmittelkonsum
    • Alkoholkonsum
    • Tabakkonsum
  • Drogenkonsum
  • Bewegungsmangel
  • Psycho-soziale Situation
    • Chronischer Stress
  • Junge Erstgebärende (< 18 Jahre) oder Spätgebärende (mit steigendem Alter der Mutter (> 35. Lebensjahr) nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Chromosomenstörung beim Kind zu)
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Übergewicht

Krankheitsbedingte Ursachen

  • Mütterliche Vorerkrankungen:
    • Adipositas
    • Cytomegalie (HCMV; auch Humanes Herpes-Virus 5 (HHV 5))
    • Diabetes mellitus
    • Gerinnungsstörungen (Blutungs-/Thromboseneigung)
    • HIV
    • Hypertonie (Bluthochdruck)
    • Niereninsuffizienz (Nierenschwäche)
    • Schilddrüsenerkrankungen mit inadäquater Medikation
    • Zustand nach Gebärmutteroperationen
  • Probleme bei früheren Schwangerschaften:
    • Abort (Fehlgeburt)
    • Frühgeburt
    • Komplikationen bei früheren Geburten (z. B. Kaiserschnitt, Vakuum, Zange)
    • Rhesusunverträglichkeit
    • Vorzeitige Wehentätigkeit
  • Probleme, die durch den oder im Schwangerschaftsverlauf entstanden sind:
    • Blutungen
    • Cervixinsuffizienz (Gebärmutterhalsschwäche)
    • Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)
    • Mehrlingsschwangerschaft
    • Plazenta prävia (der Mutterkuchen liegt vor dem inneren Muttermund)
    • Quer- oder Steißlage des Kindes
    • Veränderungen der Fruchtwassermenge (zu viel oder zu wenig)
    • Verzögertes Wachstum des Kindes oder zu großes Kind in Bezug auf die Schwangerschaftswoche

Medikamente

  • Wirkstoffe können embryotoxisch sein, das heißt das Ungeborene schädigenEinnahme muss immer in Rücksprache mit dem Arzt erfolgen

Röntgenstrahlen

  • Strahlentherapie (Radiotherapie, Radiatio)

Bitte beachten Sie, dass die Aufzählung nur einen Auszug der möglichen Risikofaktoren darstellt. Weitere Ursachen finden Sie unter der jeweiligen Krankheit.

Die wichtigsten diagnostischen Maßnahmen für "Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben"

Pränataldiagnostik (Untersuchungen des ungeborenen Kindes im Mutterleib (pränatal = vor der Geburt))

  • Amniozentese (Fruchtwassergewinnung durch Punktion der Fruchthöhle)
  • Chorionzottenbiopsie (Gewebeentnahme aus dem fetalen (kindlichen) Anteil der Plazenta (Mutterkuchen))
  • DNA-Test (Bluttest auf Trisomie 21, 18, 13 u. a. aus dem Blut der Mutter)
  • Erst-Trimester-Screening (Messung der Nackentransparenz (NT)) – ermöglicht die Bestimmung des individuellen Erkrankungsrisikos für die fetalen Trisomien 21, 18 und 13 in Kombination mit biochemischen Serumparametern
  • Fetalblutentnahme – Ultraschall-gesteuerte Entnahme von kindlichem Blut aus der Nabelvene oder dem kindlichen Herzen
  • Fetale Echokardiographie – Ultraschalluntersuchung des fetalen (kindlichen) Herzens in der Schwangerschaft
  • Fetale Ultraschalldiagnostik (Missbildungsdiagnostik, Wachstumskontrolle)
  • Fetoskopie – endoskopische Betrachtung des ungeborenen Kindes; wird heute nur noch in Ausnahmefällen durchgeführt
  • Kordozentese (Punktion der Nabelschnur) – bevorzugt an der Plazentaansatzstelle
  • Plazentapunktion (Punktion des Mutterkuchens)

Welcher Arzt hilft Ihnen?

Bei Zuständen, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben, ist der Gynäkologe bzw. speziell in der Perinatalmedizin (Pränataldiagnostik) ausgebildete Ärzte, Neonatologen (befassen sich mit typischen Erkrankungen von Neugeborenen und der Behandlung von Frühchen) oder pädiatrische Infektiologen Ansprechpartner.

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