Fehlgeburt (Abort) – Einleitung

Als Abort – umgangssprachlich Fehlgeburt genannt – (Synonyme: Abortus; ICD-10-GM O06.-: nicht näher bezeichneter Abort; ICD-10-GM O03.-: Spontanabort) wird die vorzeitige Beendigung der Gravidität mit einem Geburtsgewicht des Embryos beziehungsweise Feten von unter 500 g bezeichnet.

Formen des Abortes

Nach der Ursache 

  • Spontanabort – aus natürlicher Ursache
  • Artifizieller Abort – durch medikamentöse, chemische oder sonstige Maßnahmen

Nach dem Zeitpunkt 

  • Frühabort – bis zur 12. Schwangerschaftswoche (SSW) (Auftreten bei 10-15 % aller klinischer Schwangerschaften; ca. 80 % aller Fehlgeburten eignen sich innerhalb des ersten Trimesters (Zeitraum von 3 Monaten) als Frühabort)
  • Spätabort – 13. bis 24. Schwangerschaftswoche (SSW)
  • Ab der 24. Schwangerschaftswoche wird von einer Tot- oder Frühgeburt gesprochen

Nach Verlaufsformen

  • Abortus imminens (drohender Abort)
  • Abortus incipiens (beginnender Abort)
  • Abortus incompletus (unvollständiger Abort; unvollständiger Abgang der Schwangerschaft)
  • Abortus completus (vollständiger Abort)
  • Missed Abortion (verhaltener Abort, abgestorbener Fetus, verhaltene Fehlgeburt; Windei (Abortivei oder leere Fruchthöhle); engl. „missed miscarriage“) – Form der Fehlgeburt, bei der die Fruchtanlage abgestorben ist, aber nicht spontan aus dem Uterus (Gebärmutter) ausgestoßen wird
  • Abortus febrilis (fieberhafter) bzw. septischer Abort
  • Abortus habitualis (habitueller Abort; rezidivierende Spontanaborte, RSA; wiederkehrende Spontanaborte, WSA); ≥ 3. spontane Aborte (zunächst unklarer Genese) vor der 20. Schwangerschaftswoche (SSW) [1]

Nach wiederholten Fehlgeburten (ESHRE Definition)

  • Primäre rezidivierende Fehlgeburten – keine Schwangerschaft nach 24 Wochen oder Geburt, alle bisherigen Schwangerschaften endeten in Fehlgeburten
  • Sekundäre rezidivierende Fehlgeburten – zuvor eine oder mehrere Schwangerschaften, die zur Geburt oder einer Schwangerschaft nach 24 Wochen führten

Epidemiologie

Häufigkeitsgipfel: Die Gefahr eines Abortes ist zu Beginn der Gravidität am größten und reduziert sich mit dem weiteren Schwangerschaftsverlauf. Ungefähr 80 % der Aborte finden in den ersten 12 SSW statt.

Häufigkeit nach Schwangerschaftswoche

  • Bis zur 5. SSW häufigste Aborte, oft unbemerkt.
  • In der 6.-8. SSW sinkt das Risiko auf ca. 18 %.
  • Ab der 17. SSW nur noch 2-3 % Risiko.

Alter der Schwangeren

  • Schwangere im Alter von 20-24 Jahren haben ein Abortrisiko von 9 %.
  • Über 45 Jahre steigt das Risiko auf 75 %.

Prävalenz (Krankheitshäufigkeit)

  • Genaue Zahlen nicht bekannt, schätzungsweise bei 40-70 % der Frauen im Alter von 20-29 Jahren endet eine fertilisierte Oocyte spontan.
  • Circa 12 % der Schwangerschaften enden mit einer frühen Fehlgeburt (bis 12 + 0 SSW).
  • Ungefähr 30 % der Frauen haben in ihrem Leben einen Abort.
  • Ungefähr 1-3 % der Paare erleben einen wiederkehrenden Spontanabort (WSA; "recurrent pregnancy loss").

Verlauf und Prognose

Verlauf

Der Verlust einer Schwangerschaft ist ein tragisches Erlebnis, sowohl für die Frau als auch für die Partnerschaft. Die emotionale Belastung und der psychische Stress können erheblich sein. Daher ist es wichtig, nicht nur die medizinische, sondern auch die psychologische Betreuung sicherzustellen. Die Suche nach der Ursache des Abortes ist entscheidend, um das Risiko von Komplikationen bei einer späteren Schwangerschaft zu verringern und um der Frau bzw. dem Paar die Angst vor einer erneuten Fehlgeburt zu nehmen.

Die Vorgehensweise nach einem Abort kann unterschiedlich sein. Bei einem exspektativen (abwartenden) Vorgehen wird darauf vertraut, dass der Körper die Fehlgeburt selbstständig beendet. Die Chancen für einen erfolgreichen Abschluss eines Abortes liegen je nach Art der Fehlgeburt zwischen 66-91 %. Bei einem frustranen Verlauf, also wenn der Körper die Fehlgeburt nicht vollständig selbst regulieren kann, wird medikamentös mit Misoprostol oder durch eine operative Abortcurettage (Ausschabung) nachgeholfen. Dies ist in etwa 5 bis 20 % der Fälle erforderlich.

Es gibt verschiedene Formen von Aborten, die sich in ihrem Verlauf unterscheiden:

  • Abortus imminens (drohender Abort): Hier besteht noch Hoffnung, die Schwangerschaft zu erhalten. Bettruhe und Schonung sind oft die ersten Maßnahmen.
  • Abortus incipiens (beginnender Abort): Die Fehlgeburt hat bereits begonnen und lässt sich meist nicht mehr aufhalten.
  • Abortus incompletus (unvollständiger Abort): Teile des Embryos oder Plazentagewebes verbleiben im Uterus, was zu starken Blutungen und Infektionen führen kann. Eine medizinische Intervention ist oft notwendig.
  • Abortus completus (vollständiger Abort): Der gesamte Embryo und das Plazentagewebe werden ausgestoßen. Hier sind oft keine weiteren medizinischen Maßnahmen erforderlich.
  • Missed Abortion (verhaltener Abort): Der Embryo ist abgestorben, wird aber nicht spontan ausgestoßen. Dies erfordert oft eine medikamentöse oder chirurgische Behandlung.
  • Abortus febrilis bzw. septischer Abort: Eine Fehlgeburt mit Infektion, die dringend medizinische Behandlung erfordert.
  • Abortus habitualis (habitueller Abort): Wiederholte Fehlgeburten, die eine genaue Abklärung und spezifische Behandlung erfordern.

Prognose

Die Prognose nach einem Abort hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Ursache des Abortes, dem Alter der Frau und der Anzahl der vorausgegangenen Aborte. Ein einmaliger Abort hat oft keine negativen Auswirkungen auf zukünftige Schwangerschaften. Das Risiko für Aborte bei Frauen ist zwischen 30 und 35 Jahren am niedrigsten.

Wiederholte Aborte (Abortus habitualis) erhöhen jedoch das Risiko für weitere Fehlgeburten. Besonders bei Frauen, die bereits mehrere Fehlgeburten erlitten haben, ist eine gründliche Diagnostik notwendig, um mögliche Ursachen zu identifizieren und zu behandeln.

Ein frühzeitiger Beginn von therapeutischen Maßnahmen sowie die Reduktion von Risikofaktoren können den Verlauf positiv beeinflussen. Dazu gehören:

  • Medizinische Behandlung: Behandlung von Grunderkrankungen wie Schilddrüsenfunktionsstörungen oder Gerinnungsstörungen.
  • Lebensstiländerungen: Reduktion von Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum und übermäßigem Koffeinkonsum.
  • Ernährungsberatung: Sicherstellung einer ausgewogenen Ernährung und gegebenenfalls die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wie Folsäure.
  • Psychologische Unterstützung: Unterstützung bei der Bewältigung des Verlustes und Stressmanagement.

Langfristig betrachtet, ist es wichtig, dass Frauen und Paare nach einer Fehlgeburt emotional und medizinisch gut betreut werden, um die besten Voraussetzungen für eine zukünftige, erfolgreiche Schwangerschaft zu schaffen. Die Lebenserwartung und die allgemeine Gesundheit werden durch eine sorgfältige Betreuung und Behandlung positiv beeinflusst.

 

Komorbiditäten

Autoimmunologische Erkrankungen, die mit einem erhöhten Abortrisiko einhergehen, sind Hashimoto-Thyreoiditis (Autoimmunerkrankung, die zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse führt) und Antiphospholipidsyndrom.

Literatur

  1. WHO: Recommended definitions, terminology and format for statistical tables related to the perinatal period and use of a new certificate for cause of perinatal deaths. Modifications recommended by FIGO as amended October 14, 1976. Acta Obstet Gynecol Scand 1977;56(3):247-53.

Leitlinien

  1. ESHRE Early Pregnancy Guideline Development Group.Recurrent Pregnancy Loss 2017. Version 2, November 2017; https://​www.​eshre.​eu/​Guidelines-and-Legal/​Guidelines/​Recurrent-pregnancy-loss
  2. S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie von Frauen mit wiederholten Spontanaborten. (AWMF-Registernummer: 015-050), Mai 2022 Langfassung