Struma (Kropf) – Differentialdiagnosen
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)
- Ductus-thyreoglossus-Zyste (Halszyste aus Resten des Schilddrüsengangs) – mediane zervikale Raumforderung (mittige Gewebevermehrung am Hals), die klinisch eine Schilddrüsenvergrößerung imitieren kann
- Genetische Defekte der Schilddrüsenhormonsynthese (angeborene Störungen der Bildung von Schilddrüsenhormonen) – Dyshormonogenese (gestörte Hormonbildung) mit kongenitaler (angeborener) oder früh manifester Struma; insbesondere Defekte von Thyreoperoxidase, Thyreoglobulin, Natrium-Jodid-Symporter, Pendrin oder Dejodinasen
- Laterale Halszyste (seitliche Halszyste) – meist branchiogene Zyste (Zyste aus Kiemenbogenresten); laterale zervikale Raumforderung (seitliche Gewebevermehrung am Hals) als Struma-Mimic
- Linguale Schilddrüse (Schilddrüsengewebe im Zungengrund) – ektopes Schilddrüsengewebe (Schilddrüsengewebe an falscher Stelle) mit möglicher kompensatorischer Vergrößerung
Atmungssystem (J00-J99)
- Laryngozele (luftgefüllte Aussackung des Kehlkopfs) – luftgefüllte Ausstülpung des Larynx (Kehlkopf), gegebenenfalls als zervikale Raumforderung tastbar
- Retrosternale/zervikomediastinale Raumforderung (Gewebevermehrung hinter dem Brustbein/am Hals und Mittelfellraum) bei Bronchialkarzinom (Lungenkrebs) – Struma-Mimic, insbesondere bei oberer Mediastinalbeteiligung (Beteiligung des Mittelfellraums) oder supraklavikulärer Lymphknotenmetastasierung (Tochtergeschwülste in Lymphknoten oberhalb des Schlüsselbeins)
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Struma mit euthyreoter Schilddrüsenfunktion
- Diffuse euthyreote Struma (gleichmäßige Schilddrüsenvergrößerung mit normaler Schilddrüsenfunktion) – häufig bei Jodmangel, familiärer Prädisposition (erblicher Veranlagung) oder goitrogenen Einflüssen (kropffördernden Einflüssen)
- Multinodöse euthyreote Struma (mehrknotige Schilddrüsenvergrößerung mit normaler Schilddrüsenfunktion) – häufige benigne (gutartige) Ursache einer Schilddrüsenvergrößerung mit mehreren Knoten
- Schilddrüsenadenom (gutartiger Schilddrüsentumor) – benigne fokale Schilddrüsenraumforderung (umschriebene Gewebevermehrung der Schilddrüse); funktionell autonom (selbstständig hormonproduzierend) oder nicht autonom möglich
- Schilddrüsenzyste (flüssigkeitsgefüllter Hohlraum der Schilddrüse) – zystische Schilddrüsenläsion (zystische Schilddrüsenveränderung), häufig degenerativ innerhalb eines Knotens
- Struma mit Hypothyreose
- Hashimoto-Thyreoiditis (autoimmune Schilddrüsenentzündung) – chronisch-autoimmune Thyreoiditis; initial häufig Struma, später auch atrophe Verlaufsform (schrumpfende Verlaufsform) möglich
- Jodmangelstruma mit Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) – bei schwerem oder lang anhaltendem Jodmangel möglich
- Spätstadium einer destruktiven Thyreoiditis (zerstörenden Schilddrüsenentzündung) – nach subakuter, stiller oder postpartaler Thyreoiditis möglich
- Struma mit Hyperthyreose beziehungsweise Thyreotoxikose
- Autonomes Schilddrüsenadenom – fokale Autonomie (umschriebene selbstständige Hormonproduktion) mit supprimiertem TSH und erhöhter beziehungsweise grenzwertig erhöhter Schilddrüsenhormonproduktion
- Funktionelle Schilddrüsenautonomie bei multinodöser Struma – häufige Ursache der Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) im höheren Lebensalter und in Jodmangelgebieten
- Jodinduzierte Hyperthyreose – insbesondere bei vorbestehender funktioneller Autonomie nach hoher Jodexposition (Jodbelastung)
- Morbus Basedow (autoimmune Schilddrüsenüberfunktion) – autoimmune Hyperthyreose mit diffuser Struma, TSH-Rezeptor-Antikörpern und gegebenenfalls endokriner Orbitopathie (hormonell mitbedingte Erkrankung der Augenhöhle)
- Thyreoiditis in der Initialphase – transient thyreotoxische Phase (vorübergehende Phase der Schilddrüsenhormonüberflutung) bei destruktiver Hormonfreisetzung, typischerweise ohne echte gesteigerte Hormonsynthese
- Struma mit nicht supprimiertem TSH trotz erhöhter Schilddrüsenhormone
- Schilddrüsenhormonresistenz (verminderte Wirkung von Schilddrüsenhormonen) – selten; typischerweise fT4/fT3 erhöht bei nicht supprimiertem TSH, häufig euthyreote Klinik (klinisch normale Schilddrüsenfunktion)
- TSH-produzierendes Hypophysenadenom (gutartiger Tumor der Hirnanhangsdrüse mit TSH-Produktion) – selten; zentrale Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion durch Steuerungsstörung im Gehirn) mit Struma durch inadäquat erhöhtes beziehungsweise nicht supprimiertes TSH
- Thyreoiditiden mit Struma beziehungsweise Struma-Mimic
- Akute bakterielle Thyreoiditis – schmerzhafte Schilddrüsenschwellung, Fieber und lokale Entzündungszeichen
- Postpartale Thyreoiditis – autoimmune Thyreoiditis nach Schwangerschaft mit thyreotoxischer und/oder hypothyreoter Phase
- Riedel-Thyreoiditis (fibrosierende Schilddrüsenentzündung) – sehr seltene fibrosierende Thyreoiditis mit harter Struma und möglicher Kompression (Druckwirkung)
- Stille Thyreoiditis – schmerzlose destruktive Thyreoiditis mit passagerer Thyreotoxikose (vorübergehender Schilddrüsenhormonüberflutung)
- Subakute Thyreoiditis de Quervain – schmerzhafte Thyreoiditis, häufig nach viralem Infekt (Virusinfektion), mit passagerer Thyreotoxikose möglich
- Weitere endokrine Ursachen
- Akromegalie (Vergrößerung von Körperendgliedern durch Wachstumshormonüberschuss) – erhöhtes Risiko für Schilddrüsenvolumenzunahme und Schilddrüsenknoten
- hCG-vermittelte Schilddrüsenstimulation (Anregung der Schilddrüse durch Schwangerschaftshormon) – insbesondere bei trophoblastärer Erkrankung (Erkrankung des Schwangerschaftsgewebes) oder Mehrlingsgravidität (Mehrlingsschwangerschaft); Struma selten, thyreotoxische Konstellation möglich
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Aortenbogenaneurysma (Aussackung des Aortenbogens) – zervikomediastinale Raumforderung beziehungsweise Kompressionssymptomatik (Beschwerden durch Druckwirkung) als Struma-Mimic
- Karotisaneurysma (Aussackung der Halsschlagader) – pulsierende laterale Halsraumforderung als Struma-Mimic
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Halslymphadenitis (entzündliche Lymphknotenschwellung am Hals) – infektiöse zervikale Lymphknotenschwellung als Struma-Mimic
- Tuberkulöse Lymphadenitis (Lymphknotenentzündung durch Tuberkulose) – chronische zervikale Lymphknotenschwellung als Struma-Mimic
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Zenker-Divertikel (Aussackung im Übergang von Rachen und Speiseröhre) – pharyngoösophageales Divertikel (Aussackung im Rachen-Speiseröhren-Bereich) mit zervikaler Raumforderung beziehungsweise Dysphagie (Schluckstörung) als Struma-Mimic
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Malignes Lymphom (Lymphdrüsenkrebs) – zervikale Lymphadenopathie (Lymphknotenvergrößerung am Hals) oder primäres Schilddrüsenlymphom; bei Hashimoto-Thyreoiditis erhöhtes Risiko für primäres Schilddrüsenlymphom
- Metastasen (Tochtergeschwülste) in der Schilddrüse – selten, insbesondere bei Nierenzellkarzinom (Nierenkrebs), Bronchialkarzinom oder Mammakarzinom (Brustkrebs)
- Parathyreoideaadenom/Parathyreoideakarzinom (gutartiger/bösartiger Nebenschilddrüsentumor) – para- oder intrathyreoidale Raumforderung (Raumforderung neben oder in der Schilddrüse) als Schilddrüsenknoten-Mimic
- Schilddrüsenkarzinom (Schilddrüsenkrebs) – insbesondere papilläres, follikuläres, medulläres oder anaplastisches Schilddrüsenkarzinom; abklärungsbedürftig bei suspekter Sonographie (auffälliger Ultraschalluntersuchung), Wachstum, harter Konsistenz, Fixierung, Heiserkeit oder suspekter Lymphadenopathie
- Teratom (Keimzelltumor) des Halses oder oberen Mediastinums (Mittelfellraum) – seltene zervikale beziehungsweise mediastinale Raumforderung als Struma-Mimic
- Thymom/Thymuskarzinom (Tumor des Thymus) – vordere mediastinale Raumforderung als retrosternale Struma-Differentialdiagnose
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)
- Gestationsbedingte Schilddrüsenvolumenzunahme (schwangerschaftsbedingte Schilddrüsenvergrößerung) – physiologische beziehungsweise jodmangelverstärkte Schilddrüsenvergrößerung in der Schwangerschaft
- Postpartale Thyreoiditis – autoimmune Thyreoiditis im ersten Jahr nach Geburt mit möglicher Struma und wechselnder Schilddrüsenfunktion
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Zervikale Lymphadenopathie unklarer Ursache – häufige klinische Struma-Mimic-Konstellation
- Zervikale Raumforderung unklarer Ursache – umfasst Schilddrüsenknoten, Lymphknoten, Speicheldrüsenprozesse, Zysten und vaskuläre Läsionen (Gefäßveränderungen)
Medikamente
- Amiodaron – jodhaltiges Antiarrhythmikum (Arzneimittel gegen Herzrhythmusstörungen); kann Hypothyreose, jodinduzierte Hyperthyreose oder destruktive Thyreoiditis auslösen
- Interferon-alpha – kann autoimmune Thyreoiditis und Schilddrüsenfunktionsstörungen induzieren
- Jodhaltige Kontrastmittel – können bei funktioneller Autonomie eine jodinduzierte Hyperthyreose auslösen
- Lithium – kann Struma und Hypothyreose induzieren
- Perchlorat – hemmt die Jodidaufnahme in die Schilddrüse; Struma/Hypothyreose bei relevanter Exposition möglich
- Thyreostatika (Medikamente gegen Schilddrüsenüberfunktion) – können bei Überdosierung beziehungsweise Untertherapie durch TSH-Stimulation eine Strumazunahme begünstigen
Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)
- Jodexzess (übermäßige Jodzufuhr) – insbesondere durch hochdosierte Jodpräparate, jodhaltige Desinfektionsmittel oder wiederholte jodhaltige Kontrastmittelexposition
- Kelp-/Meeresalgenpräparate – potenziell sehr hohe und variable Jodzufuhr mit Risiko für Jodexzess, Hyperthyreose oder Hypothyreose
- Thiocyanate/goitrogene Nahrungsbestandteile – können die Jodidaufnahme hemmen; klinisch relevant vor allem bei Jodmangel und hoher Exposition