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Ösophagusfunktionsszintigraphie

Bei der Ösophagusfunktionsszintigraphie (Synonyme: Ösophagus-Funktions-Szintigraphie (ÖFS); Ösophagus-Funktionsszintigraphie (ÖFS); oesophageale Funktionsszintigraphie; Speiseröhrenszintigraphie) handelt es sich um ein diagnostisches Verfahren der Nuklearmedizin, welches als nicht-invasive Untersuchungsmethode zur Darstellung einer pathologischen Störung des Nahrungstransportes durch den Ösophagus eingesetzt wird. Von entscheidender Bedeutung ist das Verfahren auf Grund der möglichen Beurteilung der einzelnen Passagestellen.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Dysphagie (Schluckstörung) – der Einsatz der Ösophagusfunktionsszintigraphie bei einer vorliegenden Dysphagie ist sinnvoll, da eine Schluckstörung bereits durch eine geringfügige Veränderung der am Schluckakt beteiligten Strukturen zu einer massiven Beeinträchtigung der Schluckfunktion führen kann. Mit Hilfe der szinitigraphischen Darstellungsmethode lässt sich präzise die Lokalisation der Störung aufzeigen. Außerdem lässt sich durch die Ösophagusfunktionsszintigraphie eine quantitative Beurteilung der Schluckfunktion erreichen.
  • Kollagenosen – bei einer Kollagenose handelt es sich um eine Erkrankung des Bindegewebes, die als Folge einer Autoimmunreaktion (Immunreaktion, die gegen den Körper gerichtet) auftritt. Zu den Kollagenose gehören der systemische Lupus erythematodes (SLE), die Polymyositis (PM) bzw. Dermatomyositis (DM), das Sjögren-Syndrom (Sj), die Sklerodermie (SSc) und das Sharp-Syndrom ("mixed connective tissue disease", MCTD). Kollagenosen können sich auch im Schluck- und Verdauungstrakt manifestieren, sodass die Ösophagusfunktionsszintigraphie zur Erkennung einer Miterkrankung der Speiseröhre eingesetzt werden kann.
  • Erkrankungen des neuromuskulären Systems – die neuromuskuläre Funktion ist entscheidend für die Steuerung und somit für den Ablauf des Schluckaktes. Bei einer Beeinträchtigung einer Nervenstruktur ist somit eine Beeinträchtigung des Schluckaktes möglich. Eine Quantifizierung der Symptomatik und die Lokalisation der veränderten Struktur lassen sich mit Hilfe der Ösophagusfunktionsszintigraphie erreichen.
  • Verlaufskontrolle von Therapiemaßnahmen – zur Überprüfung eines Therapieerfolges lässt sich die Ösophagusfunktionsszintigraphie einsetzen.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Relative Kontraindikationen

  • Laktationsphase (Stillphase) – das Stillen muss für 48 Stunden unterbrochen werden, um eine Gefährdung des Kindes zu verhindern.
  • Wiederholungsuntersuchung – innerhalb von drei Monaten sollte auf Grund der Strahlenbelastung keine Wiederholung einer Szintigraphie durchgeführt werden.

Absolute Kontraindikationen

  • Gravidität (Schwangerschaft)

Vor der Untersuchung

  • Nahrungsverzicht – der Patient sollte vor der Untersuchung drei Stunden keine Nahrung zu sich genommen haben. Das Einnehmen von Flüssigkeit ist jedoch in der Regel vor der Untersuchung möglich. Sollte ein Verdacht auf eine Achalasie (Funktionsstörung der glatten Muskulatur in Hohlorganen, sodass eine Bewegungsstörung der Speiseröhre vorliegen kann) bestehen, so muss der Patient zwölf Stunden vor der Untersuchung nüchtern bleiben.
  • Platzierung der radioaktiven Marker – auf Höhe des Ringknorpels wird zur Kennzeichnung des Oberrandes des Ösophagus eine radioaktive Markersubstanz platziert. Anschließend wird die radioaktive Strahlung mit einer Gammakamera detektiert (mithilfe von Detektoren feststellen), sodass die Markersubstanz wieder entfernt werden kann.
  • Aufnahme der radioaktiven Nahrung –  zur Beurteilung der Ösophagusfunktion nimmt der Patient mit Radiopharmaka versetzte Nahrung auf. Als radioaktive Substanzen werden beispielsweise 99mTc-Schwefelkolloid oder 99mTc-Zinnkolloid eingesetzt. Für die Sensitivität (Prozentsatz erkrankter Patienten, bei denen die Krankheit durch die Anwendung des Verfahrens erkannt wird, d. h. ein positive Befund auftritt) der Ösophagusfunktionsszintigraphie ist von entscheidender Bedeutung, dass die Konsistenz und die aufgenommene Nahrungsmenge reproduzierbar sind.

Das Verfahren

Das Grundprinzip der szintigraphischen Ösophagusuntersuchung beruht auf der Determinierung der radioaktiv-markierten Nahrung in der Speiseröhre. Somit wird zur Auswertung der Untersuchung eine Darstellung des zeitlichen Verlaufs der radioaktiven Verteilung in der Speiseröhre genutzt. Durch das Zusammenfügen der Messwerte aus den einzelnen Schluckaktpassagen lässt sich eine Gesamtauswertung erstellen.

Zur Beurteilung einer vorliegenden Störung werden die Messwerte mit physiologischen Daten verglichen. Innerhalb von zwölf Sekunden nach dem Schlucken der Nahrung sollten 85 % der Nahrung und 91 % der aufgenommenen Flüssigkeit im Magen angekommen sein. Sollten bei der Szintigraphie physiologische Messwerte determiniert werden, so lässt sich eine Ösophagusmotilitätsstörung (Beweglichkeitsstörung) mit großer Wahrscheinlichkeit ausschließen. Als Folge der deutlichen Unterschiede zwischen den jeweiligen Patienten bei den einzelnen Schluckaktionen sind für reproduzierbare Ergebnisse der Ösophagusfunktionsszintigraphie pro Patient bis zu zehn einzelne Schluckvorgänge zu bewerten.

Nach der Untersuchung

  • Nach der Szintigraphie sind keine speziellen Maßnahmen notwendig. Das Verfahren wird im Normalfall ambulant durchgeführt.

Mögliche Komplikationen

  • Bei der intravenösen Applikation des Radiopharmakons kann es zu lokalen Gefäß- und Nervenläsionen (Verletzungen) kommen.
  • Die Strahlenbelastung durch das verwendete Radionuklid ist eher als gering einzustufen. Trotzdem ist das theoretische Risiko eines strahleninduzierten Spätmalignoms (Leukämie oder Karzinom) erhöht, sodass eine Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen sollte.
  • Allergie – allergische Reaktionen auf die aufgenommene Nahrung sind möglich. Auf Grund dessen sollte bei der Anamnese eine Nahrungsmittelallergie ausgeschlossen werden.

Literatur

  1. Linke R: Funktionsuntersuchungen des oberen Gastrointestinaltraktes. Der Nuklearmediziner. 2009. 32:28-38
  2. Katschinski M, Schröttle W, Wuttge-Hannig A, Hannig C, Stacher G, Tatsch K: Ösophagusfunktionsszintigraphie. Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität e.V.
  3. Eising E, Holtmann G, Reiners C: Bedeutung der parametrisierten Ösophagusszintigraphie in Mehrfachschlucktechnik im Vergleich zur Ösophagusmanometrie. Der Radiologe. 1996. 36:508-514
  4. Hannig C: Handbuch Diagnostische Radiologie. Springer Verlag 2007

     
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