Libidostörungen des Mannes – Differentialdiagnosen

Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)

  • Kallmann-Syndrom (angeborene Störung der Geschlechtshormonsteuerung) – kongenitaler hypogonadotroper Hypogonadismus (angeborener Testosteronmangel durch Steuerungsstörung) mit Anosmie (Geruchsverlust) oder Hyposmie (vermindertem Geruchssinn); kann bei Männern zu ausbleibender oder verminderter Pubertätsentwicklung, Testosteronmangel, Infertilität (Unfruchtbarkeit) und verminderter Libido (sexuellem Verlangen) führen
  • Klinefelter-Syndrom (angeborene Chromosomenstörung) – häufigste chromosomale Ursache eines primären testikulären Hypogonadismus (Testosteronmangel durch Hodenschädigung); typisch sind kleine Hoden, erhöhte Gonadotropine, erniedrigtes Testosteron, Infertilität und verminderte Libido

Atmungssystem (J00-J99)

  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (dauerhaft verengende Lungenerkrankung) – kann Libidostörungen indirekt durch Dyspnoe (Atemnot), reduzierte Belastbarkeit, Fatigue (Erschöpfung), Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut), depressive Begleitsymptomatik und Polypharmazie (Einnahme vieler Medikamente) mitbedingen
  • Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (nächtliche Atemaussetzer) – schlafbezogene Atmungsstörung mit Tagesmüdigkeit, reduzierter Schlafqualität und möglicher Assoziation mit erektiler Dysfunktion (Erektionsstörung), metabolischer Komorbidität (Stoffwechsel-Begleiterkrankung) und vermindertem sexuellen Interesse

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Adipositas (Fettleibigkeit) – insbesondere viszerale Adipositas (Bauchfett) mit Insulinresistenz (verminderter Insulinwirkung), chronischer Inflammation (Entzündung), erhöhter Aromatisierung von Androgenen (männlichen Geschlechtshormonen) und funktionellem Hypogonadismus
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) – kann Libidostörungen über vaskuläre (gefäßbedingte), neuropathische (nervenbedingte), endokrine (hormonelle) und psychische Mechanismen mitbedingen; häufig kombiniert mit erektiler Dysfunktion
  • Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit) – Eisenüberladung mit möglicher hypophysärer (die Hirnanhangsdrüse betreffender) oder testikulärer (den Hoden betreffender) Schädigung und sekundärem beziehungsweise primärem Hypogonadismus
  • Hyperlipidämien (erhöhte Blutfette) – keine direkte Ursache einer Libidostörung, aber relevante metabolische Risikokonstellation; klinisch vor allem über Atherosklerose (Arterienverkalkung), endotheliale Dysfunktion (Funktionsstörung der Gefäßinnenwand), kardiometabolische Komorbidität und häufige Begleitung einer erektilen Dysfunktion bedeutsam
  • Hyperprolaktinämie (erhöhtes Prolaktin) – hemmt die hypothalamisch-hypophysär-gonadale Achse (Steuerachse zwischen Zwischenhirn, Hirnanhangsdrüse und Keimdrüsen); typische Folge sind vermindertes Testosteron, Libidoverlust, erektile Dysfunktion und gegebenenfalls Infertilität
  • Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) – kann Libidostörungen, erektile Dysfunktion, Ejakulationsstörungen (Störungen des Samenergusses), innere Unruhe, Gewichtsverlust und Schlafstörungen mitbedingen
  • Hypogonadismus – zentrale organische Differentialdiagnose bei Libidoverlust des Mannes; zu unterscheiden sind primärer testikulärer Hypogonadismus und sekundärer hypothalamisch-hypophysärer Hypogonadismus (Testosteronmangel durch Steuerungsstörung im Zwischenhirn oder in der Hirnanhangsdrüse)
  • Hypophyseninsuffizienz (Unterfunktion der Hirnanhangsdrüse) – kann durch Gonadotropinmangel zu sekundärem Hypogonadismus mit Testosteronmangel und Libidoverlust führen
  • Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) – kann Fatigue, depressive Symptomatik, Gewichtszunahme, erektile Dysfunktion und vermindertes sexuelles Interesse verursachen
  • Metabolisches Syndrom (Stoffwechsel-Syndrom) – Cluster aus abdomineller Adipositas, Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung), Hypertonie (Bluthochdruck) und gestörter Glucosehomöostase (gestörter Zuckerstoffwechsel); häufig mit funktionellem Hypogonadismus, endothelialer Dysfunktion und sexueller Funktionsstörung assoziiert
  • Morbus Addison (Nebennierenrindenunterfunktion) – primäre Nebennierenrindeninsuffizienz (Unterfunktion der Nebennierenrinde) mit chronischer Fatigue, Gewichtsverlust, Hypotonie (niedrigem Blutdruck) und reduzierter Belastbarkeit; Libidoverlust vor allem im Kontext der systemischen Erkrankung
  • Morbus Basedow (autoimmune Schilddrüsenüberfunktion) – autoimmune Hyperthyreose; kann über thyreotoxische Stoffwechsellage (Überfunktion des Stoffwechsels durch Schilddrüsenhormone), Gewichtsverlust, Schlafstörung, innere Unruhe und sexuelle Funktionsstörung zu Libidostörungen beitragen
  • Morbus Cushing (Erkrankung mit Cortisolüberschuss) – endogener Hypercortisolismus (körpereigener Cortisolüberschuss) mit metabolischer, psychischer und gonadaler Dysregulation (Störung der Keimdrüsensteuerung); häufig mit Hypogonadismus, Depression (Niedergeschlagenheit), Adipositas und Libidoverlust assoziiert

Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen (Z00-Z99)

  • Berufliche Überlastung – chronische Stressbelastung mit Schlafmangel, Erschöpfung und verminderter sexueller Motivation
  • Partnerschaftskonflikte – häufige nichtorganische Ursache beziehungsweise Verstärker von vermindertem sexuellem Interesse; Abgrenzung von generalisiertem Libidoverlust wichtig
  • Sexuelle Aversion beziehungsweise sexuelle Vermeidung – klinisch relevante Differentialdiagnose bei vermeintlichem Libidoverlust, insbesondere bei Angst, Scham, traumatischer Vorerfahrung oder Beziehungskonflikten
  • Stress – psychosozialer Belastungsfaktor mit möglicher Beeinflussung von Schlaf, Stimmung, Cortisolregulation und partnerschaftlicher Sexualität

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Arterielle Hypertonie – keine isolierte direkte Ursache einer Libidostörung, aber relevante vaskuläre Risikokonstellation; klinisch bedeutsam über endotheliale Dysfunktion, kardiovaskuläre Komorbidität (Herz-Kreislauf-Begleiterkrankung), erektile Dysfunktion und mögliche Begleitmedikation
  • Atherosklerose – keine direkte Ursache des Libidoverlusts, aber Marker einer systemischen vaskulären Risikokonstellation; relevant vor allem bei gleichzeitig bestehender erektiler Dysfunktion und kardiometabolischem Risikoprofil
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche) – kann Libidoverlust durch reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit, Dyspnoe, Fatigue, depressive Begleitsymptomatik und Polypharmazie mitbedingen
  • Koronare Herzkrankheit (Durchblutungsstörung des Herzens) – kann sexuelles Interesse sekundär durch Belastungsangst, körperliche Einschränkung, Depression, erektile Dysfunktion und kardiovaskuläre Medikation reduzieren
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (Durchblutungsstörung der Beine) – keine direkte Ursache einer Libidostörung, aber Ausdruck einer generalisierten Atherosklerose; klinisch relevant vor allem über vaskuläre Komorbidität und erektile Dysfunktion

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • HIV-Infektion (Infektion mit dem menschlichen Immunschwächevirus) – kann Libidoverlust durch chronische systemische Erkrankung, Gewichtsverlust, Depression, Hypogonadismus, Begleitinfektionen oder antiretrovirale beziehungsweise psychotrope Begleitmedikation mitbedingen

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (K70-K77; K80-K87)

  • Chronische Lebererkrankung beziehungsweise Leberzirrhose (Leberschrumpfung) – kann über gestörten Sexualhormonstoffwechsel, Hypogonadismus, Fatigue, Sarkopenie (Muskelschwund), depressive Symptomatik und Alkoholfolgekrankheiten zu Libidoverlust führen

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Hypophysenadenom (gutartiger Tumor der Hirnanhangsdrüse) – kann durch Hypophyseninsuffizienz oder Hyperprolaktinämie zu sekundärem Hypogonadismus und Libidoverlust führen
  • Prolaktinom (Prolactin-bildender Tumor der Hirnanhangsdrüse) – prolactinsezernierendes Hypophysenadenom; klassische endokrine Differentialdiagnose bei Libidoverlust, erniedrigtem Testosteron, erektiler Dysfunktion, Galaktorrhö (Milchfluss) oder Infertilität
  • Testikulärer Tumor (Hodentumor) – kann durch testikuläre Schädigung, Orchiektomie (Hodenentfernung), Chemotherapie (medikamentöse Krebsbehandlung), psychische Belastung oder sekundären Hypogonadismus mit Libidoverlust assoziiert sein

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Alkoholbezogene Störung – chronischer Alkoholkonsum kann Libidoverlust über Hypogonadismus, Lebererkrankung, Polyneuropathie (Nervenschädigung), Depression, Partnerschaftskonflikte und erektile Dysfunktion mitbedingen
  • Angststörungen – können sexuelles Verlangen durch Leistungsangst, Vermeidungsverhalten, vegetative Übererregung, Schlafstörung und begleitende depressive Symptomatik vermindern
  • Anorexia nervosa (Magersucht) – kann bei Männern über Mangelernährung, Hypogonadismus, Körperbildstörung, depressive Symptomatik und reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit zu Libidoverlust führen
  • Depression – eine der wichtigsten psychischen Differentialdiagnosen bei Libidoverlust; relevant sind Anhedonie (Freudlosigkeit), Antriebsminderung, Schlafstörung, Selbstwertproblematik und antidepressiv bedingte sexuelle Nebenwirkungen
  • Multiple Sklerose (chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems) – kann sexuelle Funktionsstörungen durch zentrale neurologische Läsionen (Schädigungen des Nervensystems), Fatigue, Spastik (Muskelverkrampfung), Sensibilitätsstörungen (Gefühlsstörungen), Blasenstörungen und depressive Begleitsymptomatik verursachen
  • Parkinson-Krankheit (Schüttellähmung) – kann Libidoverlust durch dopaminerge Dysregulation (Störung des Dopaminstoffwechsels), Depression, Fatigue, motorische Einschränkungen und autonome Dysfunktion (Störung des unwillkürlichen Nervensystems) mitbedingen
  • Posttraumatische Belastungsstörung (Traumafolgestörung) – kann sexuelles Interesse durch Intrusionen (belastende Erinnerungen), Vermeidung, Hyperarousal (Übererregbarkeit), Scham, Angst und Beziehungskonflikte vermindern
  • Schizophrenie (schwere psychische Erkrankung) – kann über Negativsymptomatik (Minderung von Antrieb und Gefühlsausdruck), Depression, soziale Rückzugstendenz, Prolactinerhöhung unter Antipsychotika (Medikamenten gegen Psychosen) und sexuelle Funktionsstörung mit Libidoverlust einhergehen

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Chronische Fatigue – unspezifisches, aber klinisch relevantes Leitsymptom bei endokrinen, entzündlichen, malignen (bösartigen), psychischen, schlafmedizinischen und internistischen Ursachen von Libidoverlust
  • Chronischer Schmerz – kann Libidoverlust über Schlafstörung, Bewegungseinschränkung, depressive Begleitsymptomatik, Angst-Vermeidungsverhalten und Analgetika (Schmerzmittel), insbesondere Opioide (starke Schmerzmittel), mitbedingen
  • Gewichtsverlust – Hinweis auf systemische Erkrankung, Malignom (bösartige Erkrankung), chronische Infektion, Hyperthyreose, Depression oder Essstörung als mögliche Ursache einer Libidostörung

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Chronische Nierenkrankheit (dauerhafte Nierenerkrankung) – kann über urämische Stoffwechsellage (Stoffwechselbelastung bei Nierenschwäche), Hypogonadismus, Anämie (Blutarmut), Fatigue, Depression, Polypharmazie und erektile Dysfunktion zu Libidoverlust führen
  • Chronisches Beckenschmerzsyndrom des Mannes (dauerhafte Schmerzen im Beckenbereich) – kann sexuelles Interesse durch Schmerzen, vegetative Beschwerden, Miktionsbeschwerden (Beschwerden beim Wasserlassen), psychische Belastung und Vermeidungsverhalten vermindern
  • Erektile Dysfunktion – häufige Begleit- und Differentialdiagnose bei verminderter Libido; primär vaskuläre, neurogene (nervenbedingte), endokrine, psychische oder medikamentöse Ursachen abzuklären
  • Infertilität des Mannes – kann im Kontext von Hypogonadismus, testikulärer Schädigung, chronischer Erkrankung oder psychischer Belastung mit vermindertem sexuellem Interesse einhergehen
  • Primäre testikuläre Insuffizienz (Unterfunktion der Hoden) – testikulär bedingter Androgenmangel mit erhöhtem luteinisierendem Hormon und follikelstimulierendem Hormon; mögliche Folgen sind Libidoverlust, Infertilität und erektile Dysfunktion

Labordiagnosen – Laborparameter, die als unabhängige Risikofaktoren/Ursachen gelten

  • Hyperprolaktinämie – erhöhtes Prolaktin als eigenständiger laborchemischer Hinweis auf eine endokrine Ursache der Libidostörung; differentialdiagnostisch insbesondere medikamentös, hypophysär und hypothyreot bedingt abzuklären
  • Testosteronmangel – erniedrigtes Gesamt-Testosteron beziehungsweise freies Testosteron als zentrale laborchemische Ursache einer verminderten Libido beim Mann; Bestätigung durch wiederholte morgendliche Messung erforderlich

Operationen

  • Beidseitige Orchiektomie – führt ohne adäquate Androgensubstitution (Gabe männlicher Geschlechtshormone) regelhaft zu ausgeprägtem Testosteronmangel mit Libidoverlust
  • Radikale Prostatektomie (vollständige Entfernung der Prostata) – kann sexuelles Interesse sekundär durch erektile Dysfunktion, Inkontinenz (unwillkürlicher Urinverlust), verändertes Körperbild, onkologische Belastung (Belastung durch Krebserkrankung) und partnerschaftliche Faktoren vermindern
  • Retroperitoneale Lymphadenektomie (Entfernung von Lymphknoten im hinteren Bauchraum) – kann insbesondere über Ejakulationsstörungen, onkologische Belastung und sexuelle Funktionsstörung zu vermindertem sexuellem Interesse beitragen

Medikamente

  • 5-Alpha-Reduktase-Hemmer
    • Dutasterid – kann Libidoverlust, erektile Dysfunktion und Ejakulationsstörungen verursachen
    • Finasterid – kann Libidoverlust, erektile Dysfunktion und Ejakulationsstörungen verursachen; relevant bei Anwendung gegen benigne Prostatahyperplasie (gutartige Prostatavergrößerung) oder androgenetische Alopezie (erblich bedingter Haarausfall)
  • Androgendeprivationstherapie (Hormonentzugstherapie)
    • Antiandrogene (Gegenspieler männlicher Geschlechtshormone) – können durch Blockade androgenvermittelter Wirkungen Libidoverlust, erektile Dysfunktion, Fatigue und Hitzewallungen verursachen
    • Gonadotropin-Releasing-Hormon-Agonisten beziehungsweise Gonadotropin-Releasing-Hormon-Antagonisten – führen therapeutisch zu ausgeprägter Testosteronsuppression (Unterdrückung der Testosteronbildung) und sind eine häufige iatrogene Ursache (durch medizinische Behandlung verursachte Ursache) von Libidoverlust beim Mann
  • Antidepressiva (Medikamente gegen Depressionen)
    • Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer – insbesondere Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin und Sertralin; typische sexuelle Nebenwirkungen sind Libidoverlust, Orgasmusstörung, Ejakulationsverzögerung und erektile Dysfunktion
    • Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer – insbesondere Duloxetin und Venlafaxin; mögliche sexuelle Nebenwirkungen sind Libidoverlust, Orgasmusstörung und Ejakulationsstörung
    • Trizyklische Antidepressiva – können über anticholinerge (den Botenstoff Acetylcholin hemmende), antihistaminerge (den Botenstoff Histamin hemmende) und serotonerge (den Botenstoff Serotonin betreffende) Effekte sexuelle Funktionsstörungen mitbedingen
  • Antihypertensiva (Blutdrucksenker)
    • Betablocker – können Libidoverlust und erektile Dysfunktion begünstigen; klinisch besonders relevant bei älteren, nicht vasodilatierenden Betablockern (nicht gefäßerweiternden Betablockern) und zusätzlicher vaskulärer Komorbidität
    • Clonidin – kann zentralnervös (das zentrale Nervensystem betreffend) über sympatholytische Effekte (hemmende Wirkung auf das Stressnervensystem) sexuelle Funktionsstörungen mitbedingen
    • Methyldopa – kann Libidoverlust und erektile Dysfunktion verursachen
    • Reserpin – kann depressive Symptomatik und sexuelle Funktionsstörungen verursachen
    • Thiaziddiuretika (entwässernde Medikamente) – können erektile Dysfunktion und sexuelle Funktionsstörungen begünstigen
  • Antipsychotika
    • Prolactinerhöhende Antipsychotika – insbesondere Amisulprid, Haloperidol, Paliperidon und Risperidon; Libidoverlust häufig über Hyperprolaktinämie und sekundären Hypogonadismus
  • Anxiolytika und Sedativa (angstlösende und beruhigende Medikamente)
    • Benzodiazepine – können Libidoverlust über Sedierung (Beruhigung), Antriebsminderung, emotionale Dämpfung und depressive Begleitsymptomatik mitbedingen
  • Glucocorticoide (Cortisonpräparate)
    • Systemische Langzeittherapie – kann über hypothalamisch-hypophysär-gonadale Suppression (Unterdrückung der Hormonsteuerachse), Cushingoideffekte (Cortison-ähnliche Nebenwirkungen), Schlafstörung, Gewichtszunahme und psychische Effekte zu Libidoverlust beitragen
  • H2-Rezeptorantagonisten
    • Cimetidin – kann antiandrogene Effekte und sexuelle Funktionsstörungen verursachen
  • Lipidsenker
    • Fibrate – insbesondere Bezafibrat, Fenofibrat und Gemfibrozil; sexuelle Funktionsstörungen sind möglich, aber differentialdiagnostisch immer gegen vaskuläre und metabolische Grunderkrankungen abzugrenzen
  • Opioide
    • Langzeittherapie mit Opioiden – kann einen opioidinduzierten Androgenmangel (durch Opioide verursachten Mangel männlicher Geschlechtshormone) mit Libidoverlust, Fatigue, erektiler Dysfunktion und depressiver Symptomatik verursachen
  • Zytostatika und onkologische Systemtherapien
    • Alkylanzien, Platinverbindungen und weitere gonadotoxische Therapien (keimzellschädigende Behandlungen) – können testikuläre Schädigung, Infertilität, Hypogonadismus und sekundären Libidoverlust verursachen
    • Methotrexat – kann indirekt über Fatigue, Grunderkrankung, Entzündungslast oder Begleitmedikation mit sexueller Funktionsstörung assoziiert sein

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Anabole-androgene Steroide (muskelaufbauende Hormonpräparate) – können nach Absetzen durch Suppression der hypothalamisch-hypophysär-gonadalen Achse zu sekundärem Hypogonadismus mit Libidoverlust, Infertilität und depressiver Symptomatik führen
  • Cannabis – kann sexuelles Verlangen, Motivation und psychische Stabilität individuell beeinträchtigen; klinische Relevanz abhängig von Dosis, Konsummuster und Komorbidität
  • Nikotinkonsum – keine direkte Ursache einer Libidostörung, aber relevanter vaskulärer Risikofaktor; wirkt vor allem über endotheliale Dysfunktion, Atherosklerose und erektile Dysfunktion indirekt auf sexuelles Interesse

Weiteres

  • Abnehmendes sexuelles Interesse im Rahmen physiologischer Altersveränderungen – nur nach Ausschluss behandlungsbedürftiger endokriner, internistischer, psychischer, medikamentöser und partnerschaftlicher Ursachen als nichtkrankhafte Variante einzuordnen