Monoklonale Gammopathie – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
Bei einer monoklonalen Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) (monoklonale Eiweißveränderung unklarer Bedeutung) sind definitionsgemäß keine krankheitsspezifischen pathologischen (krankhaften) körperlichen Befunde zu erwarten. Die körperliche Untersuchung dient insbesondere der Erfassung einer paraproteinbedingten Organmanifestation (durch das veränderte Eiweiß verursachte Organbeteiligung) oder einer Progression (eines Fortschreitens der Erkrankung).
- Allgemeine körperliche Untersuchung
- Inspektion (Betrachtung) von Haut, Schleimhäuten und Zunge
- [Makroglossie (vergrößerte Zunge) und/oder periorbitale Purpura (Einblutungen um die Augen) bei AL-Amyloidose (Eiweißablagerungserkrankung)]
- Inspektion und Palpation (Abtasten) der Lymphknotenstationen (cervical, axillär, supraclavicular, inguinal)
- [Lymphadenopathie (krankhafte Lymphknotenvergrößerung) bei IgM-assoziierter lymphoplasmacytischer Progression (Fortschreiten zu einer Erkrankung lymphatischer und plasmazellulärer Zellen)]
- Inspektion und Palpation des Achsenskeletts (zentralen Skeletts), insbesondere Wirbelsäule, Rippen und Becken
- [umschriebener Knochenklopf- oder Druckschmerz bei osteolytischer Progression (Fortschreiten mit Knochenabbau) zum Multiplen Myelom (Knochenmarkkrebs)]
- Auskultation (Abhören) des Herzens und der Lunge sowie Untersuchung auf periphere Ödeme (Wassereinlagerungen an Armen oder Beinen)
- Untersuchung des Abdomens (Bauchraums) mit Palpation von Leber und Milz
- [Hepatosplenomegalie (Vergrößerung von Leber und Milz) bei IgM-assoziierter lymphoplasmacytischer Progression oder AL-Amyloidose]
- Neurologische Untersuchung (Untersuchung des Nervensystems) mit Prüfung von Motorik (Bewegungsfunktion), Sensibilität (Empfindungsvermögen), Muskeleigenreflexen (körpereigenen Muskelreflexen), Koordination (Bewegungsabstimmung) und Gangbild (Art des Gehens)
- [symmetrische, distal betonte demyelinisierende sensomotorische Polyneuropathie (beidseitige, vor allem an Händen und Füßen ausgeprägte Erkrankung mehrerer Nerven mit Schädigung ihrer Isolierschicht und Störungen von Gefühl und Bewegung) bei IgM-assoziierter monoklonaler Gammopathie neurologischer Signifikanz (monoklonale Eiweißveränderung mit Bedeutung für das Nervensystem)]
- Orthostatische Kreislaufprüfung (Kreislaufprüfung beim Lagewechsel) mit Blutdruck- und Pulsmessung bei klinischem Hinweis auf eine autonome Beteiligung (Störung des unwillkürlichen Nervensystems)
- [orthostatische Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen) bei autonomer Neuropathie (Schädigung des unwillkürlichen Nervensystems) im Rahmen einer AL-Amyloidose]
- Ophthalmoskopische Untersuchung (Untersuchung des Augenhintergrunds) bei IgM-Paraprotein und klinischem Verdacht auf ein Hyperviskositätssyndrom (Beschwerden durch krankhaft erhöhte Zähflüssigkeit des Blutes)
- [retinale Venenstauung (Blutstau in den Netzhautvenen), Netzhautblutungen und/oder Papillenödem (Schwellung des Sehnervenkopfes) bei IgM-assoziiertem Hyperviskositätssyndrom]
- Inspektion (Betrachtung) von Haut, Schleimhäuten und Zunge
Red Flags (Warnzeichen) bei monoklonaler Gammopathie
- Neu aufgetretene oder progrediente (fortschreitende) fokale (örtlich begrenzte) Knochen- bzw. Rückenschmerzen, insbesondere mit neurologischen Ausfällen (Störungen des Nervensystems) oder Frakturverdacht (Verdacht auf einen Knochenbruch)
- Rasch progrediente sensomotorische oder autonome Polyneuropathie
- Makroglossie, periorbitale Purpura, ausgeprägte orthostatische Kreislaufdysregulation (Störung der Kreislaufanpassung beim Aufstehen) oder neu aufgetretene Ödeme als klinische Hinweise auf eine AL-Amyloidose
- Neu aufgetretene Lymphadenopathie oder Hepatosplenomegalie, insbesondere bei IgM-Paraprotein
- Sehstörungen, Schleimhautblutungen oder neurologische Symptome (Beschwerden des Nervensystems) bei IgM-Paraprotein als mögliche Zeichen eines Hyperviskositätssyndroms
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.