Amenorrhoe – Medikamentöse Therapie

Therapieziel

Normalisierung des Zyklusintervalls

Therapieempfehlungen

Behandlung je nach ursächlicher Störung und in Abhängigkeit:

  • von der Prävention von Hormonmangelsymptomen oder Hormonmangelerkrankungen
  • vom Kinderwunsch
  • vom Kontrazeptionswunsch (Wunsch der Empfängnisverhütung)
  • von kosmetischen Wünschen (Akne, Hirsutismus/übermäßiger Haarwuchs mit männlichem Verteilungsmuster)
  • Siehe auch unter "Weitere Therapie".

Ggf. bei folgenden klinischen Bildern: 

  • Hyperandrogenämie (Überschuss männlicher Geschlechtshormone): PCO-Syndrom (polyzystisches Ovar-Syndrom: Symptomenkomplex, der durch eine hormonelle Funktionsstörung der Ovarien (Eierstöcke) gekennzeichnet ist), Late Onset AGS (Adrenogenitales Syndrom; angeborene Störung der Hormonbildung der Nebennierenrinde), Disorder of Sex Development (früher: Intersex) (der Therapiebeginn erfolgt in der frühen Jugend) 
  • Hyperprolaktinämie (Erhöhung des Prolaktinspiegels im Blut): Idiopathisch, Psychopharmaka, Prolaktinom (gutartiger Tumor (Adenom) des Hypophysenvorderlappens, der Prolaktin produziert)
  • Hypergonadotrope Ovarialinsuffizienz (primäre Ovarialinsuffizienz/Eierstockschwäche, als Folge sind der FSH- und LH-Spiegel erhöht): Autoimmunerkrankungen, Chemotherapie, Gonadendysgenesie  (Fehlentwicklung der Eierstöcke), Radiatio (Strahlentherapie)
  • Normo-/hypogonadotrope Ovarialinsuffizienz: Post-Pill-Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung nach Einnahme der Anti-Baby-Pille), Stress, Sport, Essstörungen, schwere Allgemeinerkrankungen, massive Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) oder Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion; Therapie s.d.), Hypophysenverletzungen, Kallmann-Syndrom (genetische Funktionsstörung des Hypothalamus)

Medikamentöse Maßnahmen:

  •  Kontrazeptionswunsch; Behandlung mit Östrogen-Gestagen-Kombinationen bei:
    • Hyperandrogenämie, Hyperprolaktinämie, Normo-/hypogonadotrope Ovarialinsuffizienz
    • zur Prävention von Hormonmangelsymptomen oder Hormonmangelerkrankungen
      • Monopräparate, wenn der Uterus (Gebärmutter) fehlt
      • Präparate, bei erhaltenem Uterus: Östrogene + Gestagene monophasich oder sequenziell
  • Hyperandrogenämie und kosmetische Wünsche; Behandlung mit: Östrogen-Gestagen-Präparate (mit einem antiandrogenen Gestagen: Chlormadinonacetat*; Cyproteronacetat; Dienogest; Drospirenon)
  • Hyperprolaktinämie und Kinderwunsch; Behandlung mit: Prolaktinhemmer (Dopaminagonisten)
  • Insulinresistenz (verminderte Wirksamkeit des körpereigenen Insulins an den Zielorganen Skelettmuskulatur, Fettgewebe und Leber); Behandlung mit: Metformin (Biguanide)
  • Late-Onset AGS; Behandlung mit: Glucocorticoide

*Beachte: Chlormadinonacetat oder Nomegestrolacetat, sind bei Patientinnen mit einem bestehenden Meningeom (Hirntumor, der von den Hirnhäuten (Meningen) ausgeht) oder einem Meningeom in der Vorgeschichte kontraindiziert. Des Weiteren sind Arzneimittel, die Chlormadinonacetat (5-10 mg/Tablette) oder Nomegestrolacetat (3,75-5 mg/Tablette) enthalten nur dann angezeigt, wenn andere Maßnahmen als ungeeignet angesehen werden. Bei Therapie muss gewährleistet sein, dass die Patientin auf Meningeome überwacht werden [4].

Weitere Hinweise

  • Siehe Einsatz von Metformin vor und während der Schwangerschaft bei Frauen mit PCOS und Kinderwunsch unter Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) [1]. 
  • Beachte: Metformineinnahme im 1.Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) führt nur bei vorbestehendem Diabetes zu erhöhten Risiken für einen ungünstigen Ausgang der Schwangerschaft [2]:
    • bei Einschluss aller Indikationen – im Vergleich ohne Metforminexposition: erhöhte Rate der kongenitalen Fehlbildungen (5,1 % versus 2,1 %) sowie der Aborte und Fehlgeburten (20,8 % versus 10,8 %)
    • bei bekanntem Diabetes mellitus – im Vergleich zu allen Nichtexponierten: erhöhte Rate der kongenitalen Fehlbildungen (7,8 % versus 1,7 % (n. s.)) sowie der Aborte und Fehlgeburten (24,0 % versus 16,8 % (n. s.))
  • Leicht erhöhtes Risiko (10 %) für Epilepsie im Kindesalter: Das Risiko für eine idiopathische generalisierte Epilepsie war um 41 % und das für eine fokale Epilepsie um 26 % gesteigert, wenn die Mütter mit Clomifen behandelt worden waren [3].

Literatur

  1. Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF): Einsatz von Metformin vor und während der Schwangerschaft bei Frauen mit PCOS und Kinderwunsch. DGGG-Stellungnahmensekretariat Juli 2015
  2. Panchaud A, Rousson V, Vial T et al. Pregnancy outcomes in women on metformin for diabetes or other indications among those seeking teratology information services. Br J Clin Pharmacol 2018;84:568-78. https://doi.org/10.1111/bcp.13481
  3. Kettner LO et al.: Fertility treatment with clomiphene citrate and childhood epilepsy: a nationwide cohort study. Human Reproduction 2021; https://doi.org/10.1093/humrep/deab110
  4. Rote-Hand-Brief zu Chormadinon- und Nomegestrol-haltigen Arzneimitteln: Maßnahmen zur Minimierung des Meningeomrisikos AkdÄ Drug Safety Mail | 2022-45