Lymphangitis – Differentialdiagnosen

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Allergische Kontaktdermatitis (allergisches Kontaktekzem) – juckendes erythematöses Ekzem (Hautausschlag) nach Kontakt mit Allergenen; kann bei streifigem Kontaktmuster eine Lymphangitis (Lymphgefäßentzündung) imitieren
  • Bakterielle Cellulitis (bakterielle Entzündung von Haut und Unterhaut) – akute bakterielle Infektion von Dermis (Lederhaut) und Subkutis (Unterhaut) mit flächigem Erythem (Hautrötung), Überwärmung, Schmerz und Ödem (Schwellung); häufige klinische Abgrenzung, da Lymphangitis begleitend auftreten kann
  • Erysipel (Wundrose) – akute bakterielle Infektion der oberflächlichen Dermis und dermalen Lymphgefäße (Lymphbahnen) mit scharf begrenztem Erythem, Überwärmung, Schmerz, Fieber und regionaler Lymphadenitis (Lymphknotenentzündung)
  • Insektenstichreaktion/Arthropodenreaktion (Gliederfüßlerreaktion) – lokale toxische oder immunologische Reaktion mit Rötung, Schwellung und Juckreiz; kann streifige Rötungen verursachen, jedoch meist ohne bakterielle Systemzeichen
  • Lymphödem (Lymphstauung) – chronische Lymphabflussstörung (Störung des Lymphabflusses) mit Schwellung, Hautverdickung und erhöhter Infektneigung; bei akuter Rötung Abgrenzung gegenüber Lymphangitis und Cellulitis erforderlich
  • Nekrotisierende Fasziitis (lebensbedrohliche Weichteilentzündung) – fulminante tiefe Weichteilinfektion mit disproportional starken Schmerzen, rascher Progredienz (Fortschreiten), systemischer Toxizität (Vergiftungszeichen des ganzen Körpers), Bullae (Blasen), Hautnekrosen (abgestorbenen Hautarealen) oder Krepitation (Knistern im Gewebe); wichtigste Notfalldifferentialdiagnose
  • Pannikulitis (Entzündung des Unterhautfettgewebes)/Erythema nodosum (Knotenrose) – schmerzhafte entzündliche Subkutisknoten, meist an den Unterschenkeln; eher knotig-plaqueartig als lymphbahntypisch streifig
  • Phlegmone (diffuse eitrige Weichteilentzündung) – diffuse eitrige Weichteilinfektion mit Rötung, Überwärmung, Schmerz und Schwellung; Abgrenzung zur primär linearen Lymphangitis erforderlich
  • Stauungsdermatitis (Stauungsekzem) – chronisch-entzündliche Hautveränderung bei venöser Insuffizienz (Venenschwäche), meist an den Unterschenkeln mit Ödem, Schuppung, Hyperpigmentierung (verstärkter Hautverfärbung) und Juckreiz; typische Pseudocellulitis (scheinbare Cellulitis)

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Oberflächliche Thrombophlebitis (oberflächliche Venenentzündung mit Blutgerinnsel) – schmerzhafter, geröteter, strangförmig tastbarer Verlauf entlang einer oberflächlichen Vene; wichtigste vaskuläre Differentialdiagnose einer linearen Rötung
  • Thrombose der tiefen Venen (Blutgerinnsel in den tiefen Venen) – einseitige Schwellung, Schmerz, Überwärmung und Spannungsgefühl der Extremität (Gliedmaße); relevante Differentialdiagnose bei vermeintlicher infektiöser Weichteilreaktion
  • Vaskulitis der Hautgefäße (Entzündung der Hautblutgefäße) – palpable Purpura (tastbare Einblutungen), livide (bläulich-rötliche) oder retikuläre Hautveränderungen (netzartige Hautveränderungen); kann entzündliche Rötungen imitieren, folgt aber nicht dem Lymphbahnverlauf

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Atypische Mykobakteriose der Haut (Hautinfektion durch atypische Mykobakterien) – insbesondere Mycobacterium marinum nach Wasserexposition; klassische Ursache einer nodulären Lymphangitis (knotigen Lymphgefäßentzündung) mit subkutanen Knoten (Knoten unter der Haut) entlang der Lymphbahnen
  • Bartonellose (Infektion durch Bartonellen)/Katzenkratzkrankheit – papulöse Primärläsion (knötchenartige Erstveränderung) nach Katzenkontakt mit regionaler Lymphadenitis; gelegentlich lymphangitische Ausbreitung
  • Cutanea larva migrans (Hautmaulwurf) – serpiginöse (schlangenförmige), stark juckende, wandernde Hautläsion (Hautveränderung) nach Kontakt mit kontaminiertem Sand oder Erde; kann lineare Rötungen imitieren
  • Erythema migrans (Wanderröte) – frühe kutane Manifestation (Hauterscheinung) der Lyme-Borreliose (Borrelieninfektion) mit langsam expandierendem Erythem nach Zeckenstich; nicht lymphbahntypisch streifig und meist nicht eitrig
  • Erysipeloid (Schweinerotlauf beim Menschen) – Infektion durch Erysipelothrix rhusiopathiae, meist an Händen oder Fingern nach Kontakt mit Fisch, Fleisch oder Tieren; livid-rötliche, schmerzhafte, scharf begrenzte Läsion
  • Filariose (Fadenwurmerkrankung) – parasitäre Lymphgefäßerkrankung mit rezidivierender Lymphangitis, Lymphödem und Elephantiasis (massive Lymphschwellung) bei passender Reise- oder Herkunftsanamnese
  • Herpes zoster (Gürtelrose) – dermatomale Schmerzen (Schmerzen entlang eines Hautnervengebiets) und gruppierte Bläschen auf erythematösem Grund; im Frühstadium vor Bläschenbildung gelegentlich Abgrenzung gegenüber streifiger entzündlicher Rötung erforderlich
  • Leishmaniose der Haut (Hautleishmaniose) – papulonoduläre oder ulzerierende Hautläsion nach Aufenthalt in Endemiegebieten; kann selten sporotrichoid entlang lymphatischer Bahnen verlaufen
  • Nokardiose der Haut (Hautinfektion durch Nokardien) – nach inokulierendem Trauma (einbringender Verletzung) möglich; kann als noduläre Lymphangitis mit subkutanen Knoten und Abszessen (Eiteransammlungen) imponieren
  • Sporotrichose (Rosen-Gärtner-Krankheit) – klassische Ursache einer nodulären Lymphangitis nach Pflanzen-, Dorn-, Holz- oder Erdexposition; perlschnurartige subkutane Knoten entlang der Lymphbahnen
  • Tularämie (Hasenpest) – zoonotische Infektion (vom Tier auf den Menschen übertragbare Infektion) mit Ulkus (Geschwür) an der Eintrittsstelle und regionaler Lymphadenitis; relevant nach Kontakt mit Wildtieren, Zecken oder kontaminiertem Material

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Inflammatorisches Mammakarzinom (entzündlicher Brustkrebs) – rasch progrediente Rötung, Überwärmung, Ödem und Peau d’orange (Orangenhaut) der Brust; relevante Differentialdiagnose bei vermeintlicher Mastitis (Brustentzündung) oder lymphangitischer Rötung der Brustregion
  • Lymphangiosis carcinomatosa der Haut (Krebsbefall der Hautlymphbahnen) – tumorbedingte Infiltration (Einwachsen) dermaler Lymphgefäße mit erythematösen, indurierten (verhärteten) oder plaqueartigen Hautveränderungen; relevant bei persistierendem, atypischem oder therapieresistentem Befund

Medikamente

  • Extravasationsreaktion (Gewebeaustritt-Reaktion) nach intravenöser Medikamentengabe – lokale chemische Gewebereizung oder Nekrose (Gewebeuntergang) mit Rötung, Schmerz und Schwellung; kann eine infektiöse Lymphangitis imitieren
  • Infusions- oder Katheter-assoziierte Phlebitis (Venenentzündung) – schmerzhafte Rötung und Verhärtung entlang einer punktierten Vene; häufige iatrogene Abgrenzung zur Lymphangitis

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Chemisch-irritative Dermatitis (chemisch reizbedingte Hautentzündung) – toxische Hautreaktion nach Kontakt mit Säuren, Laugen, Lösungsmitteln oder Pflanzentoxinen; lineare Kontaktmuster können eine Lymphangitis vortäuschen
  • Phytophotodermatitis (Pflanzen-Licht-Hautentzündung) – streifige oder bizarre erythematöse Hautläsion nach Pflanzenkontakt und Ultraviolett-Exposition; kontaktmusterabhängig statt lymphbahntypisch