Ursachen
Hämochromatose

Pathogenese (Krankheitsentstehung)

Bei der Hämochromatose kommt es zu einer abnormen Ablagerung von Eisen im Körper.
Diese ist entweder durch einen genetischen Defekt
(autosomal-rezessiv vererbt (es werden heute 4(5) Typen unterschieden, wobei der Typ 1 (Mutation im HFE-Gen) in Europa am häufigsten vorkommt) bedingt oder entsteht durch eine andere Grunderkrankung.

Der normale Eisengehalt des Körpers beträgt 3-4 g.
Die täglichen Verluste (1-1,5 mg/Tag) werden in der Regel durch die Eisenaufnahme über die Darmmukosa ausgeglichen.
Bei der Hämochromatose wird jedoch deutlich mehr Eisen resorbiert, welches auch durch die gesteigerte Ausscheidung nicht ausgeglichen werden kann.
Aus diesem Grund kommt es zu einer fortschreitenden Eisenablagerung, vor allem in der Leber, im Pankreas (Bauchspeicheldrüse) und im Herzen.

Ätiologie (Ursachen)

Biographische Ursachen

  • Genetische Belastung
    • Genetisches Risiko abhängig von Genpolymorphismen:
      • Gene/SNPs (Einzelnukleotid-Polymorphismus; engl.: single nucleotide polymorphism):
        • Gene: HFE
        • SNP: rs1800562 im Gen HFE
          • Allel-Konstellation: AG (Träger der Hämochromatose)
          • Allel-Konstellation: AA (verursacht Hämochromatose)
        • SNP: rs1799945 im Gen HFE
    • Genetische Erkrankungen
      • Acoeruloplasminämie – genetische Erkrankung mit sowohl autosomal-rezessivem als auch autosomal-dominantem Erbgang; Fehlen des Proteins Coeruloplasmin; im Krankheitsverlauf kommt es durch Ausfall der Oxidation von Fe2+ zu Fe3+ zu einer erhöhten Anreicherung von toxischem zweiwertigem Eisen im Körper, insb. im Gehirn, der Leber und dem Pankreas (Bauchspeicheldrüse), aber auch in anderen Organen und Gewebe; häufig klinische Trias: retinale Degeneration (Degeneration der Netzhaut; ca. 93 %), Diabetes mellitus (ca. 89 %) und neurologische Symptome (ca. 73 %) wie Ataxie, unwillkürliche Bewegungen und Demenz; häufig liegt auch eine Anämie (Blutarmut; ca. 80 %) vor.
      • Hereditäre Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit) – genetische Erkrankung mit autosomal-rezessivem Erbgang mit vermehrter Ablagerung von Eisen als Folge einer erhöhten Eisenkonzentration im Blut mit Gewebeschädigung 
      • Kongenitale Atransferrinämie (Synonym: Hypotransferrinämie) – genetische Erkrankung mit autosomal-rezessivem Erbgang, die zum Transferrin (TF)-Mangel führt; Symptome sind mikrozytäre, hypochrome Anämie (Blutarmut; mit Blässe, Mattigkeit und retardiertem Wachstum) und Eisenüberladung, die unbehandelt zum Tode führen kann.
      • Thalassämie – autosomal-rezessiv vererbbare Synthesestörung der Alpha- bzw. Beta-Ketten des Proteinanteils (Globin) im Hämoglobin (Hämoglobinopathie)/Thalassaemia major (homozygote Form der Thalassämie; sog. Cooley-Anämie)

Krankheitsbedingte Ursachen

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Chronische hämolytische Anämie ‒ Formen der Blutarmut, die mit einer Zerstörung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) einhergeht
  • Sideroblastische Anämie ‒ sideroblastische Anämie, die auch sideroachrestische Anämie genannt wird, ist eine spezielle Form der aplastischen Anämie (Form der Anämie (Blutarmut), die durch eine Panzytopenie (Verminderung aller Zellreihen im Blut; Stammzellerkrankung) und eine gleichzeitig vorliegende Hypoplasie (Funktionseinschränkung) des Knochenmarks gekennzeichnet ist)

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Porphyria cutanea tarda ‒ angeborene oder erworbene Stoffwechselstörung (Enzymopathie)

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)

  • Hepatitis B (Leberentzündung)
  • Hepatitis C (Leberentzündung)
  • Leberzirrhose ‒ Lebererkrankung, die zu einem schrittweisen bindegewebigen Umbau der Leber mit Funktionseinschränkung führt
  • Nicht-alkoholische Steatohepatitis

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Myelodysplastisches Syndrom (MDS) – erworbene klonale Erkrankungen des Knochenmarks, die mit einer Störung der Hämatopoese (Blutbildung) einhergeht; definiert durch [1]:
    • dysplastische Zellen im Knochenmark oder Ringsideroblasten oder eine Vermehrung von Myeloblasten bis 19 %
    • Zytopenien (Verminderung der Anzahl der Zellen im Blut) im peripheren Blutbild
    • Ausschluss von reaktiven Ursachen dieser Zytopenien
    Ein Viertel der MDS-Patienten entwickelt eine akute myeloische Leukämie (AML).

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Alkoholmissbrauch

Weitere Ursachen

  • Eisenüberladung bei Personen aus dem südlichen Afrika
  • Ernährungsbedingte Eisenüberladung
  • Neonatale Eisenüberladung ‒ Eisenüberladung des Neugeborenen
  • Parenterale Eisenüberladung ‒ Eisenüberladung durch künstliche Ernährung über die Vene
  • Transfusionsbedingte Eisenüberladung ‒ Eisenüberladung, die durch die Übertragung von Blutkonserven bedingt ist
     
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