Medizingerätediagnostik
Schädel-Hirn-Trauma

Obligate Medizingerätediagnostik

  • Computertomographie des Schädels (Schädel-CT, craniale CT bzw. cCT) – zur Beurteilung einer akuten Schädel-Hirnverletzung, bei hohem (mittlerem) Risiko für intrakranielle Verletzungen (Gehirnverletzung):
    • GCS (Glasgow Coma Scala) < 13, (GCS: 13-15); Kinder: < 14
    • Bewusstseinsverlust > 5 min; (< 5 min)
    • (Verhaltensauffälligkeit, anhaltendes Erbrechen/Kopfschmerz)
    • zunehmende Bewusstseinsstörung
    • (fokal) neurologisches Defizit
    • Verdacht auf Impressions- (Eindrückung-)/Schädelbasisfraktur; (lineare Schädelfraktur)
    • (Kopfverletzung)
    • (schwerer Unfallmechanismus: Kollision als Fußgänger oder Fahrradfahrer mit Kraftfahrzeug; Sturzhöhe 5 Treppenstufen bzw. 1 m)
    • (Alter < 1 Jahr)
    Beachte: Intrakranielle Blutungen können unter Antikoagulantien verzögert auftreten; Patienten mit DOAK-Therapie und stumpfem Schädel-Hirn-Trauma sollten zwölf Stunden nach dem Unfall erneut ein Schädel-CT erhalten. [2]
  • Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels (Synonyme: craniale MRT; cMRT) – bei kindlichen Schädel-Hirn-Trauma (SHT)
    Hinweis: Schädelfrakturen kommen bei Kindern unter zwei Jahren, die ein SHT erleiden, mit einer Häufigkeit zwischen 6 % und 30 % vor.
  • Sonographie der Kalotte (knöchernder Schädel) und der intrakraniellen Strukturen (transfontanellare oder transkraniale Sonographie) – bei kindlichen Schädel-Hirn-Trauma (SHT); wird initial zur Beurteilung von Säuglingen genutzt, die bis zum Untersuchungszeitpunkt keine klinischen Symptome bieten

Canadian Computed Tomography Head Rule (CCHR)

Canadische CT-Regel zur Triage von Patienten mit minimalem Kopftrauma:

Risiko  Kriterien
Hohes Risiko 
für eine neurochirurgische Intervention
  1. Wert auf der Glasgow Coma Scale < 15 nach zwei Stunden
  2. Verdacht auf offene oder Impressionsfraktur des Schädels
  3. Anzeichen für eine Schädelbasisfraktur
  4. Zwei- oder mehrmaliges Erbrechen
  5. Alter ≥ 65 Jahre
Mittleres Risiko, 
in der CT auf eine Hirnverletzung 
  1.  Amnesie von 30 Minuten oder mehr vor dem Ereignis
  2. Gefährlicher Verletzungsmechanismus (z. B. Zusammenstoß mit einem Kfz, Sturz aus einer Höhe ≥ 90 cm oder über mehr als fünf Treppenstufen

Die Wertigkeit des CCHR ist nur für geringfügige Schädeltraumata gesichert. Dieses sind definitionsgemäß solche stumpfen Kopftraumata, die mit einem Wert auf der Glasgow Coma Scale von 13-15, einem (kurzen) Verlust des Bewusstseins, einer Amnesie oder mit Desorientiertheit einhergehen.

Laut einer Münsteraner Studie bei Patienten mit leichtem SHT wurde die Indikation zur cCT entsprechend der CCHR ermittelt und mit den cCT-Resultaten verglichen. Ergebnis: Mit einer Sensitivität von 98,9 % und einer Spezifität von 46,6 % wurden alle Patienten mit neurochirurgischem Eingriff durch Anwendung der wichtigsten Kriterien der CCHR erkannt. Außerdem wurde jeder Patient mit schwerer Hirnverletzung durch die erweiterten Kriterien mit einer Sensitivität von 99,6 % und einer Spezifität von 34,1 % nachgewiesen. Dies hätte zu einer Verringerung der Rate von cCT-Untersuchungen um 45,1 % für die Hauptgruppe und 22,1 % für die erweiterten Kriterien geführt. Kein Patient mit schwerer Hirnverletzung wäre durch die Anwendung der Kriterien übersehen worden [3].

Fakultative Medizingerätediagnostik ‒ in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese, der körperlichen Untersuchung, Labordiagnostik und der obligaten Medizingerätediagnostik ‒ zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • Computertomographie (CT) der Halswirbelsäule (CT-HWS) – bei Verdacht auf begleitende Verletzung der HWS
  • Abdomensonographie (Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane) – bei Verdacht auf begleitende Verletzungen des Abdomens
  • Computertomographie (CT) des Abdomens (Abdomen-CT) – bei Verdacht auf begleitende Verletzungen von Abdomen
  • Computertomographie des Thorax/Brustkorb (Thorax-CT) – bei Verdacht auf begleitende Verletzungen von Abdomen
  • Individuelle Röntgenaufnahmen – je nach Verletzungsmuster
  • Hirndruckmessung
  • Enzephalogramm (EEG; Aufzeichnung der elektrischen Aktivität des Gehirns) – bei Krampfanfällen

Weitere Hinweise

  • Bei einem kindlichen Schädel-Hirn-Trauma (SHT) betrug die Vorhersage eines Schädelfrakturrisikos (Knochenbruchrisikos der Schädels) 30,7 % bei Kombination der Kriterien "Alter unter zwei Monaten" und "parietales oder okzipitales Hämatom" (Bluterguss im Bereich des Scheitelbeins und Hinterhaupts). Die Sensitivität (Prozentsatz erkrankter Patienten, bei denen die Krankheit durch die Anwendung des Tests erkannt wird, d. h. ein positives Testresultat auftritt) der beiden Kriterien erreichte 89 % und die Spezifität (Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich Gesunde, die nicht an der betreffenden Erkrankung leiden, durch die Untersuchung auch als gesund erkannt werden) 87 % [1].

Literatur

  1. Gravel J et al.: Derivation and validation of a clinical decision rule to identify young children with skull fracture following isolated head trauma. CMAJ 2015, online 8. September; doi: 10.1503/cmaj.150540
  2. Smith AT et al.: Delayed Intracranial Hemorrhage after Head Trauma in Patients on Directacting Oral Anticoagulants. Am J Emerg Med 2016, online 15. August; doi: 10.1016/j.ajem.2016.08.024
  3. Schlegel PM et al.: Is the Canadian CT head rule for minor head injury applicable for patients in Germany? [Artikel in Deutsch] Rofo. 2005 Jun;177(6):872-6
     
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