Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Körperliche Untersuchung
Gangstörungen

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
    • Inspektion (Betrachtung)
      • Haut (Normal: intakt; Schürfungen/Wunden, Rötungen, Hämatome (Blutergüsse), Narben) und Schleimhäute
      • Gangbild (flüssig, hinkend) bzw. Untersuchung von Gang und Balance: 
        • Romberg-Stehversuch (Synonyme: Romberg-Test; Romberg-Versuch) − Der Romberg-Stehversuch dient als klinischer Test der Untersuchung einer Ataxie (vestibulär, spinal (Rückenmark) oder zerebellär (Kleinhirn)) und kann helfen, zwischen einer spinalen ("rückenmarkbedingt") und einer zerebellären ("kleinhirnbedingten) Ataxie (Störungen der Bewegungskoordination) zu differenzieren.
          Zur Durchführung wird der Patient gebeten, sich mit dicht nebeneinander stehenden Füßen und vorgestreckten Armen hinzustellen und die Augenlider zu schließen.
          Ein positiver Befund (= positives Romberg-Zeichen) bezeichnet eine Verschlechterung der Koordination durch den Schluss der Augenlider. Als Zeichen der Verschlechterung ist ein zunehmendes Schwanken zu erwarten, welches für eine spinale Ataxie spräche.
          Bei einem negativen Befund liegt eine unveränderte Koordination nach Augenschluss vor.
          • Kann der Patient auch mit geöffneten Augen ein Schwanken nur unvollständig oder gar nicht kontrollieren, spricht dies für eine zerebelläre Ataxie.
          • Eine Fallneigung in eine Richtung nach Augenschluss spräche für eine Schädigung des jeweiligen Vestibularorgans (Gleichgewichtsorgan).
      • Körper- bzw. Gelenkhaltung (aufrecht, gebeugt, Schonhaltung)
      • Fehlhaltungen (Deformitäten, Kontrakturen, Verkürzungen)
      • Muskelatrophien (Seitenvergleich!, ggf. Umfangmessungen)
      • Gelenk (Schürfungen/Wunden, Schwellung (Tumor), Rötung (Rubor), Überwärmung (Calor); Verletzungshinweise wie Hämatombildung, arthrotische Gelenksverklumpung, Beinachsenbeurteilung)
    • Palpation (Abtasten) der Wirbelkörper, Sehnen, Ligamente; Muskulatur (Tonus, Druckschmerz, Kontrakturen der paraverebralen Muskulatur); Weichteilschwellungen; Druckschmerzhaftigkeit (Lokalisation!); eingeschränkte Beweglichkeit (Bewegungseinschränkungen der Wirbelsäule); "Klopfzeichen" (Testung der Schmerzhaftigkeit der Dornfortsätze, Querfortsätze sowie der Kostotransversalgelenke (Wirbel-Rippen-Gelenke) und der Rückenmuskulatur); Illiosakralgelenken (Kreuzbein-Darmbein-Gelenk) (Druck- und Klopfschmerzen?; Kompressionschmerzen, von vorne, von der Seite oder von saggital); Hyper- oder Hypomobilität?
    • Ggf. Palpation von prominenten Knochenpunkte, Sehnen, Ligamente; Muskulatur; Gelenk (Gelenkerguss?); Weichteilschwellungen; Druckschmerzhaftigkeit (Lokalisation!)
    • Ggf. Messung der Gelenkbeweglichkeit und des Bewegungsumfangs des Gelenkes
      (gemäß der Neutral-Null-Methode: Die Bewegungsfreiheit wird als maximale Auslenkung des Gelenkes aus der Neutralstellung in Winkelgraden angegeben, wobei die Neutralstellung mit 0° bezeichnet wird. Ausgangslage ist die „Neutrale Position“: Der Mensch steht aufrecht, dabei sind die Arme nach unten hängend entspannt, die Daumen nach vorn gerichtet und die Füße stehen parallel. Die anliegenden Winkel werden als Null-Stellung definiert. Standard ist, dass zuerst der Wert vom Körper weg angegeben wird.)
      Durch Vergleichsmessungen mit dem kontralateralen Gelenk (Seitenvergleich) können bereits geringe Seitendifferenzen aufgedeckt werden.
    • Ggf. spezielle Funktionsprüfungen in Abhängigkeit vom betroffenen Gelenk
    • Auskultation (Abhören) des Herzens 
    • Palpation des Abdomens (Bauch) etc.
  • Augenärztliche Untersuchung inklusive Visusüberprüfung [Visusminderung]
  • Neurologische Untersuchung inklusive Austestung der Reflexe, Gang-/Standproben, Überprüfung der Extremitäten-/Okulomotorik [siehe unter Differentialdiagnosen: Nervensystem]
  • Psychiatrische Untersuchung [wg. Differentialdiagnosen: Angst/Phobie, Demenz, Depression]

Häufige Gangstörungen und deren Ätiologie

Ätiologie Art der Gangstörung
Parkinsonsyndrom vornüber gebeugter Gang (Vorwärtsneigung des Kopfes und Propulsion/Retropulsion (Tendenz nach Vorne/Hinten zu fallen)), kleine Schritte, verlangsamt; verminderte Armbewegungen
Zerebellärer Gang unsicher, breitbeinig schwankend
Ataxischer Gang (Störungen der Kleinhirnfunktion oder Alkoholintoxikation) beim Stehen und Stillstand; hin und her taumelnder Körper (Titubation). Tollpatschigkeit wg. mangelndem Gleichgewicht
Spastischer Gang (bilaterale, periventrikuläre Läsion, wie z. B. bei der infantile Zerebralparese) bilaterale Schwäche, Füße werden beim Gehen kreisförmig nach vorne geschoben
Hemiparetischer Gang gebeugter Arm; steif wirkendes Bein, mit Schwingen um das Standbein
Insuffizienz der Hüftabduktoren (z. B. wg. Muskeldystrophie Duchennee oder anderer Muskeldystrophien) Hüfthinken (Duchenne-Hinken, Trendelenburg-Gang)
Peronaeusparese (Lähmung des N. peronaesus) Steppergang (= Schwäche der Fußheber d. h. der Extensoren der Unterschenkelmuskulatur)
Psychogene Gangstörung (dissoziative Störungen) „bizarres“ Gangbild, im Schweregrad wechselnd; Fluktuationen durch Ablenkung

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.

     
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