Depression – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpergewicht und Körpergröße; des Weiteren:
    • Beurteilung des Allgemein- und Ernährungszustands [Gewichtsabnahme oder Gewichtszunahme]
    • Inspektion von Körperpflege und Kleidung sowie Beobachtung von Blickkontakt, Mimik, Gestik, Sprechverhalten und Psychomotorik (Zusammenspiel von seelischem Erleben und Bewegung) [vernachlässigte Körperpflege und Kleidung; verminderter Blickkontakt; reduzierte Mimik und Gestik; leise, monotone oder verlangsamte Sprache; psychomotorische Hemmung (Verlangsamung von Denken, Sprechen und Bewegung) oder Agitiertheit (starke innere und körperliche Unruhe)]
    • Symptomorientierte internistische Untersuchung bei klinischen Hinweisen auf eine somatische Erkrankung (körperliche Erkrankung) oder Komorbidität (Begleiterkrankung)
  • Neurologische Untersuchung (Untersuchung des Nervensystems) – orientierende Prüfung von Bewusstseinslage, Hirnnerven (Nerven des Gehirns), Motorik (Bewegungsfunktion), Sensibilität (Empfindungsvermögen), Koordination (Zusammenspiel der Bewegungen), Reflexen (unwillkürlichen Reaktionen) und Gangbild; insbesondere bei erstmaliger Depression (depressiver Erkrankung) im höheren Lebensalter, akutem oder atypischem Beginn, kognitiven Einschränkungen (Beeinträchtigungen des Denkens und Erinnerns) oder neurologischen Symptomen
  • Psychiatrische Untersuchung (Untersuchung des seelischen Zustands)
    • Systematische Erhebung des psychopathologischen Befunds (Beschreibung psychischer Auffälligkeiten) mit Beurteilung von Bewusstsein, Orientierung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, formalem und inhaltlichem Denken, Wahrnehmung, Ich-Erleben (Wahrnehmung der eigenen Person), Stimmung, Affekt (Gefühlsausdruck), Antrieb und Psychomotorik [gedrückte Stimmung; verminderte affektive Schwingungsfähigkeit (verminderte emotionale Reaktionsfähigkeit); Interessen- und Freudverlust; Antriebsminderung; erhöhte Ermüdbarkeit; Konzentrationsstörungen; Grübeln; Gefühle von Wertlosigkeit oder Schuld; Hoffnungslosigkeit; psychomotorische Hemmung oder Agitiertheit; bei schwerer Depression gegebenenfalls depressiver Wahn (wirklichkeitsferne, krankheitsbedingte Überzeugungen) oder Halluzinationen (Sinneswahrnehmungen ohne äußeren Reiz)]
    • Beurteilung der Selbstfürsorge sowie der sozialen, familiären und beruflichen Funktionsfähigkeit [sozialer Rückzug; Vernachlässigung alltäglicher Aufgaben und der Selbstversorgung]
    • Direkte Exploration von Todeswünschen, Suizidgedanken (Gedanken an Selbsttötung), Suizidabsichten (Absichten zur Selbsttötung), konkreten Suizidplänen (Plänen zur Selbsttötung), vorbereitenden Handlungen, Verfügbarkeit von Suizidmitteln (Mitteln zur Selbsttötung), früheren Suizidversuchen (Selbsttötungsversuchen), Impulskontrolle (Fähigkeit zur Steuerung spontaner Handlungen) und protektiven Faktoren (schützenden Faktoren); Suizidalität (Gefährdung durch Selbsttötung) bei jedem Patientengespräch erneut klinisch einschätzen
    • Prüfung auf psychotische Symptome (Störungen des Realitätsbezugs), stuporöse Zustände (Zustände weitgehender Bewegungs- und Reaktionslosigkeit), ausgeprägte Agitiertheit sowie Hinweise auf eine gegenwärtige manische (krankhaft gehobene, gereizte und überaktive) oder hypomanische Symptomatik (leichtgradig gehobene, gereizte und überaktive Stimmungslage)
    • Kognitive Kurzprüfung bei subjektiven oder objektiven kognitiven Einschränkungen, erstmaliger depressiver Symptomatik im höheren Lebensalter oder Verdacht auf eine organische affektive Störung (durch eine körperliche Erkrankung verursachte Stimmungsstörung)

Red Flags (Warnzeichen) bei Depression

  • Akute Suizidgefahr (unmittelbare Gefahr einer Selbsttötung) mit konkreter Absicht, Suizidplan, vorbereitenden Handlungen oder unmittelbar verfügbaren Suizidmitteln
  • Schwere Selbstvernachlässigung, Verweigerung der Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme bzw. fehlende Fähigkeit zur eigenständigen Versorgung
  • Psychotische Symptome, depressiver Stupor (depressionsbedingte Bewegungs- und Reaktionslosigkeit), katatone Symptome (auffällige Störungen von Bewegung und Reaktion) oder ausgeprägte psychomotorische Agitiertheit
  • Fremdgefährdung; in der Peripartalzeit (Zeit kurz vor und nach der Geburt) insbesondere Gedanken oder Impulse, dem Kind Schaden zuzufügen
  • Neu aufgetretene schwere depressive Symptomatik in Verbindung mit neurologischer Fokalsymptomatik (örtlich begrenzten Ausfällen des Nervensystems), ausgeprägten kognitiven Einschränkungen, Fieber, erheblicher Gewichtsveränderung oder einer schweren akuten beziehungsweise chronischen somatischen Erkrankung

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.