Angststörungen – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
- Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpertemperatur, Atemfrequenz, Körpergewicht und Körpergröße; bei Dyspnoe (Atemnot) bzw. Hyperventilation (zu schneller und vertiefter Atmung) zusätzlich Sauerstoffsättigung; des Weiteren:
- Inspektion
- Allgemeinzustand und Psychomotorik (Zusammenspiel von seelischen Vorgängen und Bewegung) [Unruhe, gesteigerte motorische Aktivität, Tremor (Zittern)]
- Haut und Schleimhäute [Blässe, Flush, vermehrtes Schwitzen]
- Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems
- Palpation des Pulses [Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), Arrhythmie (unregelmäßiger Herzrhythmus)]
- Auskultation des Herzens [Herzrhythmusstörung, pathologische (krankhafte) Herzgeräusche]
- Untersuchung der Lunge
- Beurteilung von Atemfrequenz und Atemmuster [Tachypnoe (beschleunigte Atmung), Hyperventilation, Dyspnoe]
- Auskultation der Lunge [Stridor (pfeifendes Atemgeräusch), Giemen (pfeifendes Atemgeräusch), Rasselgeräusche (krankhafte Atemgeräusche)]
- Untersuchung der Schilddrüse [Struma (Schilddrüsenvergrößerung), Schilddrüsenknoten] – insbesondere bei klinischem Verdacht auf eine Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion)
- Neurologische Untersuchung – insbesondere bei Schwindel, Synkopen (kurzzeitigen Bewusstlosigkeiten), Bewusstseinsstörungen oder fokal-neurologischen (umschriebenen, das Nervensystem betreffenden) Beschwerden
- Orientierende Untersuchung von Hirnnerven, Motorik, Sensibilität (Empfindungsfähigkeit), Koordination und Reflexstatus [Tremor, Nystagmus (Augenzittern), fokal-neurologisches Defizit (umschriebener Ausfall einer Funktion des Nervensystems)]
- Palpation des Abdomens – insbesondere bei begleitenden gastrointestinalen (Magen und Darm betreffenden) Beschwerden [Druckschmerz, Abwehrspannung (unwillkürliche Anspannung der Bauchdecke), tastbare Resistenz (tastbare Verhärtung oder Raumforderung)]
- Inspektion
- Psychiatrische Untersuchung
- Beurteilung von Bewusstseinslage, Orientierung, Aufmerksamkeit und Kontaktverhalten
- Beurteilung von Stimmung, Affekt (Gefühlsausdruck), Antrieb und Psychomotorik [ängstlich-angespannter Affekt, psychomotorische Unruhe]
- Beurteilung von formalem und inhaltlichem Denken, Wahrnehmung und Ich-Erleben
- Erfassung komorbider (gleichzeitig bestehender) psychischer Störungen, insbesondere depressiver Störungen und weiterer Angststörungen
- Erfassung von Suizidgedanken bzw. Suizidalität (Selbsttötungsgefährdung)
- Erfassung eines schädlichen Gebrauchs bzw. einer Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten oder anderen psychotropen (auf die Psyche wirkenden) Substanzen
Außerhalb einer akuten Angst- bzw. Panikattacke ist der körperliche Untersuchungsbefund bei primären Angststörungen häufig unauffällig. Pathologische oder für eine Angststörung atypische (untypische) Befunde erfordern eine gezielte somatische (körperliche) Differentialdiagnostik (Abklärung anderer möglicher Erkrankungen), insbesondere hinsichtlich kardiovaskulärer (Herz und Kreislauf betreffender), pulmonaler (die Lunge betreffender), neurologischer (das Nervensystem betreffender) und endokriner (das Hormonsystem betreffender) Erkrankungen.
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.