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Weitere Therapie
Vulvovaginale Atrophie/Genitales Menopausensyndrom

Allgemeine Maßnahmen

  • Allgemeine Maßnahmen sind in den einzelnen Kapiteln: Harninkontinenz, Zystitis (Blasenentzündung), Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr), Vaginitis-Kolpitis (Scheidenentzündung) detailliert dargestellt.

Konventionelle nicht-operative Therapieverfahren

  • Konventionelle nicht-operative Therapieverfahren gibt es für 
    • die Gesamtproblematik der Vulvovaginalen Atrophie, des Urogenitalen Menopausensyndrom (Vulva, Vagina, Blase, Harnröhre) 
      • als vaginale fraktionierte Lasertherapie (Vulvovaginale Lasertherapie)
        • es handelt sich um ein innovatives, minimalinvasives, nicht operatives und nicht hormonales Verfahren zur Behandlung der meist rezidivierend auftretenden, schwer therapierbaren vulvovaginalen Dysfunktionen, bes. die Sexualität und Erkrankungen im Intimbereich betreffend. Vorwiegend Frauen im Präklimakterium/Klimakterium oder sonstigen Östrogenmangelsituationen leiden darunter. Auch leichte Formen der Harninkontinenz (Blasenschwäche), der Drangsymptomatik, der Nykturie (nächtliches Wasserlassen), chronisch rezidivierender Zystitiden (wiederkehrende Blasenentzündungen) und Descensusbeschwerden (Senkungsbeschwerden) können sich bessern. Besonders hervorzuheben sind die exzellenten Ergebnisse bei der Therapie des Lichen sclerosus, die meist eine Cortisontherapie überflüssig machen.
          Beeindruckend ist die minimale Nebenwirkungsrate und das Fehlen von Komplikationen bei dieser Methode, sowie die Möglichkeit der Anwendung nach Chemo- oder Bestrahlungstherapie [1-4]. Allerdings fehlt derzeit noch eine Evaluierung durch kontrollierte Studien [5]. Einzelheiten s. Kapitel: Vulvovaginale Lasertherapie“,  "Lasertherapie bei Blasenproblemen der Frau“, "Lasertherapie bei Lichen sclerosus“.
  • als nicht hormonale lokale Therapiemaßnahmen in Form von Medizinprodukten:
    • Gleitmittel 
      Ihre Wirksamkeit ist kurz und nur auf den Geschlechtsverkehr beschränkt. Sie kommen zum Einsatz, wenn die Scheide für den "normalen Geschlechtsverkehr“ nicht feucht genug ist oder für spezielle Sexualpraktiken (z. B. Analverkehr/Analsex, Sexspielzeug). Je nach Bedürfnis (Kontrazeption; keine Einschränkung der Spermienmotilität (Beweglichkeit der Spermien); langer Geschlechtsverkehr; Einsatz im Wasser oder mit Wasser (Badewanne, Dusche) sollte die Wahl des Produktes getroffen werden.
      • Gleitmittel auf Wasserbasis: Sie enthalten meist Glycerin als Wasserspeicher
        • sind kondomfreundlich
        • lassen sich kombinieren mit Sextoys aus Latex oder Silikon
        • sind leicht abwaschbarer
        • eignen sich nicht für Sex in der Badewanne
        • könnten Candidainfektionen oder Blaseninfektionen bei Veranlagung fördern
      • Gleitmittel auf Ölbasis (meist Mineralöle z. B. Paraffinöl bzw. Vaseline oder pflanzliche Öle: Olivenöl, Palmöl: Sie sind geeignet
        • für langanhaltende Sex-Sitzungen, im Wasser (Swimmingpool, Badewanne, Dusche)
        • schwer zu entfernen (cave: Scheidenspülungen)
        • nicht geeignet für Kondome, Diaphragmen, Sexspielzeug (cave: giftige Weichmacher bzw. andere Toxine, die resorbiert werden können)
        • machen Flecken auf Wäsche und Kleidung
      • Gleitmittel auf Silikonbasis (Dimeticone ist der Name für Basis-Silikonöle. Sie werden häufig auch als Dimethylpolysiloxane oder Polydimethylsiloxane bezeichnet) sind
        • geeignet für lange Sex-Sitzungen
        • geeignet für Kondome
        • ungeeignet für Sexspielzeug auf Silikonbasis (cave: Resorption von giftigen Substanzen)
        • schwer zu entfernen
        • geeignet für Analverkehr/Analsex mit Kondom
      Am besten verträglich sind Gleitmittel auf Wasserbasis. Die Langzeitwirkung von Silikon sind bisher nur insuffizient bekannt (z. B. Silikon in Brustimplantaten). Gleitmittel enthalten nicht nur Wasser, Glycerin, Öle oder Silikon sondern meist auch Zusatzstoffe z. B. synthetische Duftstoffe, Konservierungsstoffe, Farbstoffe und vieles andere mehr. Zu den Konservierungsstoffen gehören Parabene z. B. Methylparaben, Propylparaben, Butylparaben, Ethylparaben. Parabene werden mit Erkrankungen des Brustgewebes (Mammakarzinom/Brustkrebs) in Verbindung gebracht. Parabene haben durch eine schwache östrogenartige Wirkung negative Wirkungen auf die Spermienzahl und die Spermienqualität. Natriumbenzoat, ein Konservierungsstoff in vielen Gleitmitteln, gilt als karzinogen (krebserregend), zelltoxisch und mutagen (Mutationen/Erbgutveränderungen auslösend). 
    • Selbstgemachte Gleitmittel
      • Kokosöl: enthält antimykotisch wirksame Caprylsäure. Es kann sehr gut als natürliches Gleitmittel verwendet werden. Es ist ölhaltig und für Kondome und Sexspielzeuge nicht geeignet. Es wirkt beruhigend und kühlend und wird von vielen Frauen nach der Dusche auf die Schamlippen und die inneren Schleimhäute aufgebracht.
      • Aloegel: es wirkt feuchtigkeitsbindend, wundheilend, regenerierend, juckreizstillend und leicht antimykotisch.
      • Kiwipflanze: ein wasserbasiertes Gleitmittel aus dem Saft der Kiwipflanze. Es enthält nur einen sehr geringen Anteil an Glycerin, sodass es nicht zu Mykosen (Pilzinfektionen) neigt. Es kann problemlos mit Kondomen, Diaphragmen, Sextoys verwendet werden. Es hinterlässt keine Flecken.
    • Feuchtigkeitscremes: 
    • Feuchtigkeitscremes sind wasserspeichernde und wasserabgebende Formulierungen (Hydrogele) mit oder ohne Zusätzen. Sie bewirken eine Befeuchtung der trockenen Vagina. mit einer Wirkdauer von bis zu 24 Stunden. Sie enthalten wasserbindende Substanzen wie Hyaluronsäure, Propylenglykol, Hydroxylethylcellulose mit oder ohne Zusatzstoffe. Im Vordergrund des Einsatzes stehen die Beschwerden infolge der Scheidentrockenheit und nicht wie bei den Gleitmitteln die Sexualität. Sie können natürlich aber auch, wie sehr häufig, im Präklimakterium und Klimakterium zum Verkehr verwendet werden. Ob Sie mit Kondom angewandt werden können ist von der Formulierung abhängig und muss anhand des Beipackzettels geklärt werden.
    • Emollentien (Weichmacher): Emollentien dienen als Pflegemittel (wie auch an der übrigen Haut) mit einem hohen Feuchtigkeitsgehalt und rückfettenden Lipiden (Wirkdauer etwa 24-48 Stunden). Es handelt sich um Wasser-in-Öl- oder Öl-in-Wasser-Emulsionen. Sie enthalten Lipide, Wasser und zum Teil auch wasserbindende Substanzen wie Harnstoff, Glyzerin oder Dexpanthenol u.a. Diese erhöhen die Wasserbindung und bilden eigene Lipidschichten, die den Wasserverlust reduzieren. Wie die Feuchtigkeitscremes stehen im Vordergrund des Einsatzes die Beschwerden infolge der Scheidentrockenheit und nicht, wie bei den Gleitmitteln, die Wünsche der Sexualität.
  • in speziellen Problembereichen der Blasenfunktion
    • Harninkontinenz (Blasenschwäche):
      • Belastungsinkontinenz: Vaginalkonen, Pessartherapie
      • Dranginkontinenz (unbeherrschbarer Harndrang, der dazu führt, dass unwillkürlich Harn verloren geht): Blasentraining, funktionelle Elektrostimulation (FES)
      • Überlaufinkontinenz (Form der Blasenentleerungsstörung): Blasentraining
    • Zystitis (Blasenentzündung):
      • postmenopausaler Patientinnen (12 Monate nach der letzten Regelblutung (Menopause)): Lokale-vaginale prophylaktische Östrogentherapie zur Prävention von rezidivierenden (wiederkehrende) Infektionen

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

  • Regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen sind angezeigt bei Zystitiden, Harninkontinenz

Ernährungsmedizin

  • Ernährungsmedizinische Aspekte sind in den einzelnen Kapiteln: Vaginitis-Kolpitis, Dyspareunie, Harninkontinenz, Zystitis detailliert dargestellt.

Physikalische Therapie (inkl. Physiotherapie)

  • Physikalische therapeutische Maßnahmen sind angezeigt bei Belastungsinkontinenz (s.d. Beckenbodengymnastik),

Psychotherapie

  • Psychotherapeutische Maßnahmen sind angezeigt bei Belastungsinkontinenz (mit psychosomatischen Veränderungen), Dyspareunie (mit psychischen Konflikten)
  • Detaillierte Informationen zur Psychosomatik (inkl. Stressmanagement) erhalten Sie von uns. 

Komplementäre Behandlungsmethoden

  • Komplementäre Behandlungsmaßnahmen sind angezeigt bei Belastungsinkontinenz, Dranginkontinenz (Biofeedback-Training, Elektrostimulation, beides in Kombination),

Organisationen und Selbsthilfegruppen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)
    Postfach 91 01 52, D-51071 Köln
    Telefon: 0221-89920, Fax: 0221-8992300 E-Mail: poststelle@bzga.de, Internet: www.bzga.de

Autoren: Prof. Dr. med. G. Grospietsch, Dr. med. W. G. Gehring

Literatur

  1. Salvatore S, Nappi RE, Parma M, Chionna R, Lagona F, Zerbinati N, Ferrero S, Origoni M, Candiani M, Leone Roberti Maggiore U: Sexual function after fractional microablative CO₂ Laser in women with vulvovaginalatrophy. Climacteric. 2015 Apr;18(2):219-25. doi: 10.3109/13697137.2014.975197.
  2. Pitsouni E, Grigoriadis T, Falagas ME, Salvatore S, Athanasiou S: Laser therapy for the genitourinary syndrome of menopause. A systematic review and meta-analysis. Maturitas. 2017 Sep;103:78-88. doi: 10.1016/j.maturitas.2017.06.029.
  3. Perino A, Cucinella G, Gugliotta G, Saitta S, Polito S, Adile B, Marci R, Calagna: Is vaginal fractional CO2 laser treatment effective in improving overactive bladdersymptoms in post-menopausal patients? Preliminary results. Eur Rev Med Pharmacol Sci. 2016 Jun;20(12):2491-7.
  4. Sousa MS, Peate M, Jarvis S, Hickey M, Friedlander M: A clinical guide to the management of genitourinary symptoms in breast cancersurvivors on endocrine therapy. Ther Adv Med Oncol. 2017 Apr;9(4):269-285. doi: 10.1177/1758834016687260.
  5. Rabley A, O'Shea T, Terry R, Byun S, Louis Moy M: Laser Therapy for Genitourinary Syndrome of Menopause. Curr Urol Rep. 2018 Aug 17;19(10):83. doi: 10.1007/s11934-018-0831-y.
     
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