Vulvovaginale Atrophie/Genitales Menopausensyndrom – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Möglichst vollständige und langfristige Beseitigung beziehungsweise Kontrolle der Beschwerden im Bereich des äußeren Genitales, der Vagina, der Urethra (Harnröhre) und der Blase
  • Wiederherstellung beziehungsweise Stabilisierung der estrogenabhängigen vulvovaginalen (Scheide und äußeres Genital betreffenden) und unteren urogenitalen (Harn- und Geschlechtsorgane betreffenden) Gewebefunktion
  • Reduktion von vaginaler Trockenheit, Brennen, Irritation, Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr), Dysurie (erschwerte beziehungsweise schmerzhafte Harnentleerung) und Drangbeschwerden sowie – bei entsprechender Indikation – rezidivierenden Harnwegsinfektionen (wiederkehrenden Infektionen der Harnwege)
  • Verbesserung von Lebensqualität und Sexualfunktion

Therapieempfehlungen

Die vulvovaginale Atrophie (Rückbildung und Ausdünnung des Gewebes von Scheide und äußerem Genital; VVA) ist Bestandteil des genitourinären Syndroms der Menopause (Beschwerden im Genital- und Harntrakt infolge der Wechseljahre; GSM). Da der zugrunde liegende Östrogenmangel persistiert, handelt es sich in der Regel um eine chronische Erkrankung. Nach Beendigung einer wirksamen Therapie können die Beschwerden erneut auftreten. Die Therapie sollte daher symptomorientiert und individuell erfolgen und bei fortbestehender Indikation langfristig durchgeführt sowie regelmäßig überprüft werden [1, LL1-3].

  • Bei symptomatischer VVA beziehungsweise GSM sollte eine lokale vaginale Estrogentherapie angeboten werden. Für die vaginale Estrogentherapie besteht die umfangreichste Evidenz. Die deutsche S3-Konsultationsfassung weist darauf hin, dass Estriol nach klinischer Einschätzung einen geringeren Einfluss auf die Endometriumproliferation (Wachstum der Gebärmutterschleimhaut) als Estradiol besitzt [1, LL1-3].
  • Nicht hormonelle vaginale Feuchtigkeitspräparate und Gleitmittel können insbesondere bei leichten Beschwerden, bei Kontraindikationen beziehungsweise Vorbehalten gegenüber Estrogenen oder auf Wunsch eingesetzt werden. Sie können mit einer vaginalen Estrogentherapie kombiniert werden [1, LL2].
  • Prasteron (Dehydroepiandrosteron; DHEA) kann bei mittelschwerer bis schwerer VVA eine Alternative darstellen. Die deutsche S3-Konsultationsfassung empfiehlt die intravaginale Anwendung insbesondere als Option für Patientinnen, die keine lokale Estriolgabe wünschen [1, LL1, LL2].
  • Ospemifen kann bei mittelschwerer bis schwerer VVA erwogen werden, wenn eine lokale Estrogenbehandlung nicht infrage kommt beziehungsweise eine lokale Behandlung nicht geeignet oder praktisch nicht durchführbar ist. Ospemifen ist in der Europäischen Union zugelassen; laut deutscher S3-Konsultationsfassung ist es in Deutschland derzeit nicht auf dem Markt verfügbar [1, LL1, LL2].
  • Eine systemische menopausale Hormontherapie (MHT) sollte nicht allein zur Behandlung einer VVA begonnen werden. Besteht unabhängig davon eine Indikation zur systemischen MHT, können sich auch genitourinäre Beschwerden bessern; bei persistierenden lokalen Beschwerden kann zusätzlich eine lokale Behandlung erforderlich sein [LL1, LL2].
  • Bei postmenopausalen Frauen (Frauen nach den Wechseljahren) mit Harninkontinenz (Blasenschwäche), insbesondere mit Symptomen der überaktiven Blase (Blase mit starkem, plötzlich auftretendem Harndrang), soll nach der deutschen S3-Konsultationsfassung eine längerfristige vaginale Estrioltherapie angeboten werden, soweit keine Kontraindikationen vorliegen [LL1].
  • Bei rezidivierender unkomplizierter Zystitis (wiederkehrender unkomplizierter Blasenentzündung) der Frau in der Postmenopause ohne relevante Begleiterkrankungen sollte eine vaginale Estrioltherapie vor Beginn einer antibiotischen Langzeitprophylaxe angeboten beziehungsweise erwogen werden [LL1, LL3].

Hauptindikation

  • Symptomatische VVA beziehungsweise GSM mit vaginaler Trockenheit, Brennen, Irritation, Wundgefühl und/oder Dyspareunie

Nebenindikationen

  • GSM mit Dysurie, Drangbeschwerden oder Symptomen einer überaktiven Blase
  • Rezidivierende unkomplizierte Harnwegsinfektionen bei peri- und postmenopausalen Frauen

Lokale vaginale Estrogentherapie

Die nachfolgenden Dosierungsschemata stellen Alternativen dar. Es ist jeweils ein vollständiges, präparatespezifisches Regime entsprechend der Fachinformation anzuwenden; unterschiedliche Initial- und Erhaltungsschemata dürfen nicht miteinander kombiniert oder unkritisch verlängert werden.

Wirkstoff Besonderheiten
Estriol 0,03 mg vaginal Ultraniedrig dosierte lokale Estrioltherapie
Estriol 0,5 mg vaginal Initialtherapie nicht über das präparatespezifisch vorgesehene Regime hinaus verlängern
Estradiol 10 µg als Vaginaltablette Geringe, jedoch messbare und präparatespezifische systemische Estradiolresorption; die durchschnittlichen Estradiolplasmakonzentrationen bleiben bei der niedrig dosierten Vaginaltablette im normalen postmenopausalen Bereich
Estradiol-Vaginalinsert 2 mg Sehr geringe systemische Resorption; präparatespezifisch beträgt die empfohlene maximale ununterbrochene Behandlungsdauer 2 Jahre
  • Wirkweise: Aktivierung von Estrogenrezeptoren des vulvovaginalen und unteren urogenitalen Gewebes mit Förderung der Epithelreifung (Ausreifung der obersten Zellschicht), Verbesserung von Durchblutung und Gewebeelastizität, Senkung des vaginalen pH-Werts und Förderung einer lactobazillendominierten Vaginalflora (durch Milchsäurebakterien geprägte natürliche Scheidenflora). Die lokale Estrogentherapie vermindert insbesondere Trockenheit, Irritation, Brennen und Dyspareunie und kann zusätzlich Beschwerden des unteren Harntrakts bessern [1, LL1-3].
  • Indikationen: Symptomatische VVA beziehungsweise GSM bei postmenopausalen Frauen, insbesondere bei mittelschweren bis schweren oder persistierenden Beschwerden. Weitere Einsatzbereiche bestehen bei GSM-assoziierter überaktiver Blase beziehungsweise Harninkontinenz und bei rezidivierenden unkomplizierten Harnwegsinfektionen [LL1, LL3].
  • Kontraindikationen: Präparatespezifisch gemäß aktueller Fachinformation. Hierzu zählen bei den aufgeführten vaginalen Estrogenpräparaten insbesondere bestehender, früherer oder vermuteter Brustkrebs, bekannte oder vermutete estrogenabhängige maligne Erkrankungen (bösartige Erkrankungen), nicht abgeklärte genitale Blutungen, unbehandelte Endometriumhyperplasie (übermäßige Verdickung der Gebärmutterschleimhaut) sowie weitere präparatespezifisch aufgeführte thromboembolische Erkrankungen (Erkrankungen durch Blutgerinnsel und Gefäßverschlüsse), thrombophile Erkrankungen (Erkrankungen mit erhöhter Neigung zu Blutgerinnseln) und hepatische Erkrankungen (Lebererkrankungen). Für Patientinnen nach behandeltem Mammakarzinom gelten die unten dargestellten besonderen, leitlinienbasierten Erwägungen.
  • Dosierung: Präparatespezifisch entsprechend der Tabelle und der jeweiligen Fachinformation. Nach einer Initialtherapie wird bei Präparaten mit Initial- und Erhaltungsschema auf die vorgesehene Erhaltungsdosis reduziert.
  • Hinweise:
    • Bei niedrig dosierter vaginaler Estrogentherapie, bei der die systemische Estrogenexposition im normalen postmenopausalen Bereich verbleibt, wird bei Frauen mit Uterus (Gebärmutter) in der Regel keine zusätzliche Gestagentherapie empfohlen. Die jeweilige Fachinformation ist zu beachten.
    • Die systemische Resorption unterscheidet sich nach Wirkstoff, Dosis und Applikationsform. Bei niedrig dosierten vaginalen Estradiolpräparaten können insbesondere zu Beginn vorübergehend geringe Anstiege der Estradiolplasmakonzentration auftreten; dauerhaft systemisch relevante Konzentrationen werden bei den niedrig dosierten Systemen normalerweise nicht erreicht [LL1, LL2].
    • Nutzen und Indikation einer längerfristigen oder wiederholten Behandlung sollten regelmäßig und mindestens entsprechend den präparatespezifischen Vorgaben überprüft werden.
    • Neu auftretende postmenopausale Blutungen oder Schmierblutungen erfordern eine diagnostische Abklärung.
    • Eine behandlungsbedürftige vaginale Infektion sollte vor Beginn einer lokalen Estrogentherapie spezifisch behandelt werden.
    • Nach Absetzen der Therapie können die Beschwerden erneut auftreten; bei fortbestehender Indikation kann die Behandlung erneut aufgenommen beziehungsweise als Erhaltungstherapie fortgesetzt werden [LL2].
  • Nebenwirkungen: Möglich sind insbesondere lokale Reizung, Brennen, Juckreiz, vaginaler Ausfluss, vaginale Beschwerden oder Blutungen sowie – abhängig von Wirkstoff und Exposition – systemische, estrogenassoziierte unerwünschte Wirkungen. Art und Häufigkeit unterscheiden sich präparatespezifisch.

Prasteron

Wirkstoff Besonderheiten
Prasteron (DHEA) 6,5 mg Intravaginale Therapie bei mittelschwerer bis schwerer VVA
  • Wirkweise: Prasteron ist ein Steroidvorläufer (Ausgangsstoff für Steroidhormone), der intrazellulär im Vaginalgewebe in Estrogene und Androgene umgewandelt wird und dadurch auf das estrogen- und androgenabhängige Vaginalepithel (oberste Zellschicht der Scheide) wirkt.
  • Indikationen: Mittelschwere bis schwere symptomatische VVA bei postmenopausalen Frauen; Therapieoption insbesondere, wenn eine lokale Estrioltherapie nicht gewünscht wird beziehungsweise vaginale Estrogene oder nicht hormonelle Feuchtigkeitspräparate und Gleitmittel nicht eingesetzt werden sollen oder unzureichend wirksam beziehungsweise nicht verträglich sind [1, LL1, LL2].
  • Kontraindikationen: Insbesondere bestehender, früherer oder vermuteter Brustkrebs, vermutete oder bekannte estrogenabhängige maligne Erkrankungen, nicht abgeklärte genitale Blutungen, unbehandelte Endometriumhyperplasie, bestehende oder frühere venöse Thromboembolien, thrombophile Erkrankungen, aktive oder kürzlich aufgetretene arterielle thromboembolische Erkrankungen, relevante Lebererkrankungen und Porphyrie (Störung des Hämstoffwechsels) gemäß Produktinformation.
  • Dosierung: 6,5 mg intravaginal einmal täglich abends vor dem Schlafengehen. Eine Dosissteigerung ist nicht vorgesehen.
  • Hinweise:
    • Das Nutzen-Risiko-Verhältnis sollte entsprechend der Produktinformation regelmäßig überprüft werden.
    • Vaginale Infektionen sollten vor Behandlungsbeginn adäquat behandelt werden.
    • Prasteron wurde bei Frauen mit bestehendem oder vorausgegangenem Mammakarzinom (Brustkrebs) nicht ausreichend untersucht und ist gemäß Produktinformation bei bestehendem, vermutetem oder vorausgegangenem Brustkrebs kontraindiziert.
    • Die gleichzeitige Anwendung von Prasteron mit einer systemischen menopausalen Hormontherapie, Androgenen oder vaginalen Estrogenen wurde nicht untersucht und wird nicht empfohlen.
    • Die fetthaltige Grundlage der Vaginalzäpfchen kann die Funktionsfähigkeit von Kondomen, Diaphragmen und Portiokappen aus Latex beeinträchtigen. Während der Anwendung sollten daher keine latexhaltigen Barrieremethoden verwendet werden.
  • Nebenwirkungen: Am häufigsten tritt vaginaler Ausfluss auf; weitere unerwünschte Wirkungen sind der aktuellen Produktinformation zu entnehmen.

Ospemifen

Wirkstoff Besonderheiten
Ospemifen 60 mg Oraler selektiver Estrogenrezeptormodulator; EU-Zulassung für mittelschwere bis schwere symptomatische VVA; laut deutscher S3-Konsultationsfassung derzeit in Deutschland nicht auf dem Markt verfügbar
  • Wirkweise: Selektiver Estrogenrezeptormodulator mit estrogenagonistischer Wirkung am Vaginalepithel.
  • Indikationen: Mittelschwere bis schwere symptomatische VVA bei postmenopausalen Frauen. Ospemifen kann insbesondere erwogen werden, wenn eine lokal applizierte Estrogenbehandlung nicht infrage kommt oder eine lokale Behandlung praktisch nicht durchführbar ist [1, LL1, LL2].
  • Kontraindikationen: Unter anderem bestehende oder frühere venöse thromboembolische Erkrankungen, nicht abgeklärte vaginale Blutungen, vermutete oder aktive hormonabhängige maligne Erkrankungen sowie Zeichen oder Symptome einer Endometriumhyperplasie gemäß Fachinformation. Ospemifen ist bei vermutetem Mammakarzinom sowie während einer aktiven Behandlung eines Mammakarzinoms einschließlich einer adjuvanten Therapie kontraindiziert.
  • Dosierung: 60 mg oral einmal täglich zusammen mit Nahrung und möglichst jeweils zur gleichen Tageszeit.
  • Hinweise:
    • Ospemifen wurde bei Frauen mit Mammakarzinom in der Vorgeschichte nicht ausreichend untersucht. Eine Anwendung zur Behandlung der VVA soll erst nach vollständigem Abschluss der Brustkrebsbehandlung einschließlich der adjuvanten Therapie erfolgen.
    • Die aktuelle Verfügbarkeit in Deutschland ist vor einer Verordnung zu prüfen.
    • Aufgrund der systemischen Wirkung sind insbesondere das individuelle thromboembolische und zerebrovaskuläre Risiko (Risiko für Gefäßerkrankungen des Gehirns) sowie endometriale Risiken (Risiken für die Gebärmutterschleimhaut) zu berücksichtigen.
    • Die gleichzeitige Anwendung mit Estrogenen oder anderen selektiven Estrogenrezeptormodulatoren wurde nicht ausreichend untersucht und wird nicht empfohlen. Dies betrifft insbesondere Tamoxifen, Toremifen, Bazedoxifen und Raloxifen.
  • Nebenwirkungen: Zu den häufigeren unerwünschten Wirkungen gehören unter anderem Hitzewallungen, vulvovaginale Candidiasis (Pilzinfektion von Scheide und äußerem Genital) beziehungsweise andere mykotische Infektionen, Kopfschmerzen, Muskelspasmen, vaginale beziehungsweise genitale Sekretion und leichte vaginale Blutungen.

Besondere Situation nach Mammakarzinom

  • Bei Frauen mit behandeltem Mammakarzinom und GSM sollen zunächst nicht hormonelle vaginale Feuchtigkeitspräparate und Gleitmittel eingesetzt werden [LL1, LL2].
  • Bei erheblich beeinträchtigenden und persistierenden Beschwerden sowie Versagen nicht hormoneller Maßnahmen kann nach der deutschen S3-Konsultationsfassung eine vaginale Estrioltherapie im Einzelfall erwogen werden. NICE erlaubt ebenfalls die Erwägung einer niedrig dosierten vaginalen Estrogentherapie bei persistierenden Beschwerden nach nicht hormoneller Therapie [LL1, LL2].
  • Die Entscheidung sollte unter Berücksichtigung des individuellen Rezidivrisikos (Risiko eines Wiederauftretens der Erkrankung), des Hormonrezeptorstatus, der laufenden beziehungsweise abgeschlossenen endokrinen Therapie sowie der Schwere der GSM-Beschwerden getroffen werden [LL1-3].
  • Bei laufender adjuvanter Therapie mit einem Aromataseinhibitor soll die Entscheidung über eine lokale Estrogentherapie gemeinsam mit dem behandelnden Brustkrebsspezialisten getroffen werden. Für diese Situation bestehen besondere Unsicherheiten hinsichtlich einer möglichen systemischen Estrogenexposition und ihrer klinischen Bedeutung [LL2, LL3].
  • Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Beobachtungsstudien aus dem Jahr 2025 fand bei Brustkrebsüberlebenden unter vaginaler Estrogentherapie weder eine signifikante Erhöhung des Brustkrebsrezidivrisikos noch der brustkrebsspezifischen oder der Gesamtmortalität (Gesamtsterblichkeit) [2]. Aufgrund des beobachtenden Studiendesigns und fehlender ausreichend großer randomisierter Langzeitstudien beweisen diese Daten jedoch keine vollständige onkologische Langzeitsicherheit (langfristige Sicherheit hinsichtlich einer Krebserkrankung), insbesondere nicht für alle Untergruppen einer laufenden endokrinen Therapie [2, LL2].
  • Beachte: Die aktuellen Fachinformationen der aufgeführten vaginalen Estriol- beziehungsweise Estradiolpräparate führen bestehenden oder früheren Brustkrebs beziehungsweise einen entsprechenden Verdacht weiterhin als Kontraindikation auf. Eine davon abweichende leitliniengestützte Anwendung nach behandeltem Mammakarzinom erfordert daher eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung, Aufklärung und Dokumentation unter Berücksichtigung der onkologischen Gesamtsituation.
  • Prasteron stellt bei bestehendem oder vorausgegangenem Mammakarzinom aufgrund der Kontraindikation in der europäischen Produktinformation keine regelhafte Alternative dar.
  • Ospemifen ist bei vermutetem Mammakarzinom und während einer aktiven einschließlich adjuvanten Brustkrebstherapie kontraindiziert. Bei zurückliegendem Mammakarzinom soll eine Anwendung erst nach vollständigem Abschluss der Brustkrebsbehandlung einschließlich der adjuvanten Therapie erwogen werden.

Weitere Hinweise

Die Therapiemaßnahmen sind detailliert in folgenden Kapiteln dargestellt:

  • Blase/Urethra:
    • Dysurie
    • Harninkontinenz
    • Zystitis
  • Vulva/Vagina:
    • Dyspareunie
    • Vaginitis/Kolpitis (Scheidenentzündung): Pharmakotherapie – atrophische Kolpitis (Scheidenentzündung durch Geweberückbildung)
  • Bei Scheidentrockenheit können vaginale Feuchtigkeitspräparate, Gleitmittel und Emollientien eingesetzt werden. Gleitmittel dienen vorwiegend der kurzfristigen Verminderung von Reibung, insbesondere bei sexueller Aktivität; Feuchtigkeitspräparate werden regelmäßig entsprechend der jeweiligen Produktinformation angewendet. Sie können Symptome lindern, beseitigen jedoch nicht den zugrunde liegenden Estrogenmangel [1, LL2].
  • Eine lokale vaginale Estrogentherapie kann bei fortbestehender Indikation längerfristig angewendet werden; nach Absetzen treten GSM-Symptome häufig erneut auf [LL2].
  • Eine vaginale CO₂‑ oder Er:YAG-Lasertherapie ist nach aktuellem Evidenzstand keine etablierte routinemäßige Therapie der VVA beziehungsweise des GSM. Die deutsche S3-Konsultationsfassung empfiehlt aufgrund widersprüchlicher Evidenz, eine vaginale Lasertherapie nicht routinemäßig anzubieten. NICE empfiehlt eine vaginale Lasertherapie bei GSM ausschließlich im Rahmen randomisierter kontrollierter Studien. Ein aktueller systematischer Review zeigte gegenüber Sham-Behandlung beziehungsweise vaginaler Estrogentherapie keinen konsistent nachweisbaren klinischen Zusatznutzen; mit zunehmender Studienqualität nahm der beobachtete Behandlungseffekt ab [3, LL1, LL2].
  • Therapie mit Medizinprodukten und Lasertherapie siehe auch: Weitere Therapie – konventionelle nicht operative Therapieverfahren.

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die weibliche Vitalität sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Mineralstoffe (Magnesium)
  • Spurenelemente (Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA); Omega-6-Fettsäure: Gamma-Linolensäure (GLA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Soja-Isoflavone (Daidzein, Genistein, Glycitein))
  • Weitere Vitalstoffe (Coenzym Q10 (CoQ10))

Bei Vorliegen einer Insomnie (Schlafstörung) infolge der vulvovaginalen Atrophie s. u. Insomnie/Medikamentöse Therapie/Supplemente.

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Autoren: Prof. Dr. med. G. Grospietsch, Dr. med. W. G. Gehring

Abkürzungen

  • CO₂ – Kohlendioxid
  • CoQ10 – Coenzym Q10
  • DHA – Docosahexaensäure
  • DHEA – Dehydroepiandrosteron
  • EPA – Eicosapentaensäure
  • Er:YAG – Erbium:Yttrium-Aluminium-Granat
  • GLA – Gamma-Linolensäure
  • GSM – genitourinäres Syndrom der Menopause
  • MHT – menopausale Hormontherapie
  • VVA – vulvovaginale Atrophie

Literatur

  1. Danan ER, Sowerby C, Ullman KE et al.: Hormonal Treatments and Vaginal Moisturizers for Genitourinary Syndrome of Menopause: A Systematic Review. Ann Intern Med 2024;177(10):1400-1414. doi: 10.7326/ANNALS-24-00610 [1]
  2. Beste ME, Kaunitz AM, McKinney JA, Sanchez-Ramos L: Vaginal estrogen use in breast cancer survivors: a systematic review and meta-analysis of recurrence and mortality risks. Am J Obstet Gynecol 2025;232(3):262-270.e1. doi: 10.1016/j.ajog.2024.10.054 [2]
  3. Zerzan NL, Greer N, Ullman KE et al.: Energy-based interventions for genitourinary syndrome of menopause: a systematic review of randomized controlled trials and prospective observational studies. Menopause 2025;32(2):176-183. doi: 10.1097/GME.0000000000002465 [3]

Leitlinien

  1. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe et al.: S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen. AWMF-Registernummer 015-062. Konsultationsfassung, Stand 09.06.2026, veröffentlicht am 10.06.2026, gültig bis 01.10.2026. Langfassung; Kurzfassung [LL1]
  2. National Institute for Health and Care Excellence: Menopause: identification and management. NICE guideline NG23. Published 12.11.2015; recommendations on genitourinary symptoms updated November 2024; guideline last updated 15.04.2026. Langfassung [LL2]
  3. Kaufman MR, Ackerman AL, Amin KA et al.: The AUA/SUFU/AUGS Guideline on Genitourinary Syndrome of Menopause. J Urol 2025;214(3):242-250. doi: 10.1097/JU.0000000000004589 [LL3]

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