Schichtarbeit und Ernährung

Unter Schichtarbeit – Wechselschicht und Nachtschicht – versteht man, dass die Arbeit zu wechselnden Tageszeiten verrichtet wird.

Schichtarbeit beeinflusst sowohl den Schlafrhythmus als auch die Nahrungsaufnahme. Sie wirkt sich durch die unterschiedlichen Tagesrhythmen auf die Leistungsfähigkeit aus und führt häufig zu Stress. Dieser kann zu Burnout-Syndrom, Störungen im Magen-Darm-Trakt (z. B. Magengeschwür), Fettstoffwechselstörungen (Hyperlipoproteinämie) und Diabetes mellitus sowie zu einer Erhöhung der kardiovaskulären Risiken
(z. B. Bluthochdruck) führen. Des Weiteren konnten in zahlreichen Studien ein erhöhte Risiko für Tumorerkrankungen (Mammakarzinom/Brustkrebs, Prostatakarzinom/Prostatakrebs) nachgewiesen werden. Die Mehrzahl der Schichtarbeiter klagt zudem über Schlafprobleme und Müdigkeit.

Die Ernährung hat einen großen Einfluss auf die Arbeitsleistung. Der Mahlzeitenverzehr als auch die Mahlzeitenzusammensetzung müssen zum richtigen Zeitpunkt erfolgen.

Physiologische und psychologische Bedingungen

Alle Körperfunktionen des Menschen unterliegen einem Tag-Nacht-Rhythmus, der dem Menschen angeboren und nur schwer zu beeinflussen ist. Man spricht in diesem Zusammenhang von der „inneren Uhr“.
Am Tag schaltet der Körper auf Leistungsbereitschaft und in der Nacht stehen Erholung und Ruhe im Vordergrund: Puls und Blutdruck sowie die Produktion der gesamten Verdauungssekrete und die Leberleistung sinken, das Wärmebedürfnis ist deutlich erhöht.

Schichtarbeiter arbeiten somit gegen ihren biologischen Rhythmus an. Verständlicherweise entspricht die Leistungsfähigkeit am Abend und während der Nacht nicht der des Tages. Ein absolutes Leistungstief stellt sich gegen ungefähr drei Uhr nachts ein, mit den Folgen, dass die Aufmerksamkeit, die Konzentrationsfähigkeit und das Durchhaltevermögen deutlich absinken. Die Fehlerquote ist zu diesem Zeitpunkt besonders hoch.

Krankheiten bzw. Störungen durch Schichtarbeit

Folgende Krankheiten bzw. Störungen treten vermehrt durch Schichtarbeit, insbesondere Nachtdienst, auf:

  • Beschleunigung von Alterungsvorgängen im Gehirn, d. h. Abnahme kognitiver Fähigkeiten [1]
  • Immundefizienz/Infektanfälligkeit
  • Insomnie (Schlafstörung)
  • Mammakarzinom (Brustkrebs)
  • Prostatakarzinom (Prostatakrebs)
  • Ulcus ventriculi (Magengeschwür)

Ernährungsempfehlungen für die Wechselschicht

Bei Wechselschicht arbeitet man entweder in der Frühschicht – zwischen 4 Uhr und 13 Uhr – oder in der Spätschicht – zwischen 14 Uhr und 23 Uhr.

In der Frühschicht werden während der Arbeitszeit zwei Mahlzeiten eingenommen:

  • eine Zwischenmahlzeit am Vormittag
  • eine warme Hauptmahlzeit am Mittag (entspricht dem Mittagessen der Normalschicht)

Auch in der Spätschicht werden während der Arbeitszeit zwei Mahlzeiten eingenommen:

  • eine Zwischenmahlzeit am Nachmittag
  • Abendessen (als kalte Mahlzeit).

Ernährungsempfehlungen in der Nachtschicht

Die Arbeitszeiten bei Nachtschicht liegen in der Regel zwischen 22 Uhr und 6 Uhr. Im Vordergrund der Ernährungsempfehlungen bei Nachtschicht steht eine leicht bekömmliche Ernährung, denn der gesamte Verdauungstrakt befindet sich nachts im Ruhezustand. Der Energiebedarf eines Nachtschichtarbeiters unterscheidet sich nicht von dem eines Tagarbeiters. Nur die Verteilung der Energiezufuhr ist eine andere, wie die folgende Tabelle zeigt:

  Mahlzeit   Empfohlene Uhrzeit   % der Tagesenergie
  Mittagessen   Zwischen 12.00 und 13.00 Uhr 25
  Zwischenmahlzeit   Zwischen 16.00 und 17.00 Uhr 10
  Abendessen   Zwischen 19.00 und 20.00 Uhr 20
  1. Nachtmahlzeit   Zwischen 0.00 und 1.00 Uhr 25
  2. Nachtmahlzeit   Zwischen 4.00 und 5.00 Uhr 8
  Frühstück, zu Hause   Zwischen 7.00 und 8.00 Uhr 12

Zwischenmahlzeiten sind wichtig (soweit der Nachtschichtarbeiter nicht übergewichtig ist), da diese ein zu hohes Absinken des Blutglucosespiegels (Blutzucker) verhindern, sodass Leistungsfähigkeit und Konzentration günstig beeinflusst werden. Als Zwischenmahlzeit eignen sich Milch und Milchprodukte, Obst und leichte Salate.
Eine der beiden Nachtmahlzeiten sollte warm zubereitet werden. Hier bietet sich die erste Nachtmahlzeit an. Eine warme Mahlzeit gibt besonders nachts das Gefühl innerer Erwärmung.
Das Mittag- und das Abendessen sollten in jeder Schicht zur gleichen Uhrzeit verzehrt werden. So lassen sich Appetitlosigkeit und Magen-Darmstörungen weitgehend vermeiden.
Generell sollten Schichtarbeiter so viel Regelmäßigkeit wie möglich in den privaten Bereich bringen, z. B. nach Schichtende immer zu einer festen Zeit zu Bett gehen und zu einer festen Zeit aufstehen.

Hinweis!
Für Schichtarbeiter, die abnehmen möchten, gelten dieselben Regeln für eine kalorienreduzierte und vollwertige Ernährung wie für Tagarbeiter.

Literatur

  1. Marquié JC et al.: Chronic effects of shift work on cognition: findings from the VISAT longitudinal study. Occup Environ Med doi:10.1136/oemed-2013-101993 
     
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