Transglutaminase-Antikörper
Transglutaminase-Antikörper sind Autoantikörper gegen Gewebstransglutaminase 2. Sie gehören zur zentralen serologischen Diagnostik der Zöliakie (Glutenunverträglichkeit). Primärer Screeningparameter ist in der Routine die Bestimmung von Transglutaminase-IgA-Antikörpern in Kombination mit Gesamt-IgA; bei gesichertem IgA-Mangel sollen IgG-basierte Tests eingesetzt werden. Die Testung muss unter ausreichender Glutenzufuhr erfolgen, da eine glutenarme oder glutenfreie Kost die Sensitivität deutlich vermindern kann.
Synonyme
- Transglutaminase-Antikörper
- Gewebstransglutaminase-Antikörper
- tTG-Antikörper
- anti-TG2-Antikörper
- Transglutaminase-IgA-Antikörper
- Transglutaminase-IgG-Antikörper
Das Verfahren
- Benötigtes Material
- Serum
- Vorbereitung des Patienten
- Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
- Die Untersuchung muss unter glutenhaltiger Ernährung erfolgen
- Störfaktoren
- Glutenreduktion oder glutenfreie Ernährung vor der Testung
- Selektiver IgA-Mangel mit falsch-negativen Transglutaminase-IgA-Befunden
- Gering ausgeprägte oder frühe histologische Veränderungen können mit niedrigen bzw. grenzwertigen Titern einhergehen
- Assayabhängige Unterschiede zwischen Enzyme-linked Immunosorbent Assay (ELISA), Fluoreszenz-Enzymimmunoassay (FEIA) und Chemilumineszenz-Immunoassay (CLIA)
- Methode
- Immunoassay, meist ELISA, FEIA oder CLIA
- Parallelbestimmung von Gesamt-IgA empfohlen
- Bei IgA-Mangel ergänzend Transglutaminase-IgG und/oder deamidierte Gliadinpeptid-IgG-Antikörper
Normbereiche (je nach Labor)
| Subgruppe/Geschlecht/Alter | Referenzbereich |
|---|---|
| Erwachsene | Negativ unterhalb des hersteller- und methodenspezifischen Grenzwerts |
| Kinder | Negativ unterhalb des hersteller- und methodenspezifischen Grenzwerts |
| Qualitative Befundung | Negativ/grenzwertig/positiv je nach Assay |
| Spezifische Konstellation | Für diagnostische Algorithmen ist häufig die Relation zum oberen Referenzwert relevanter als ein absoluter U/ml-Wert |
Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.
Indikationen
- Primärdiagnostik bei klinischem Verdacht auf Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)
- Serologisches Screening bei Malabsorptionssyndrom (Störung der Nährstoffaufnahme), chronischer Diarrhö (anhaltender Durchfall), Eisenmangel, unklaren Oberbauchbeschwerden, Gewichtsverlust
- Abklärung bei assoziierten Erkrankungen und Risikokonstellationen, z. B. Typ-1-Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Autoimmunthyreoiditis (Autoimmunerkrankung der Schilddrüse), erstgradige Verwandte von Patienten mit Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)
- Ergänzende Diagnostik im Rahmen pädiatrischer (Kinderheilkunde) und erwachsener diagnostischer Algorithmen
- Verlaufskontrolle unter glutenfreier Ernährung, wobei die Serologie die klinische und ggf. histologische (feingewebliche) Beurteilung nicht vollständig ersetzt
Interpretation
- Erhöhte Werte
- Vereinbar mit Zöliakie (Glutenunverträglichkeit), insbesondere bei positiver Klinik und weiterer typischer Serologie
- Hohe Titer sprechen mit hoher Wahrscheinlichkeit für Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)
- Sehr hohe Transglutaminase-IgA-Werte über dem Vielfachen des oberen Referenzwerts sind in pädiatrischen (Kinderheilkunde) Algorithmen besonders relevant
- Erniedrigte Werte
- Kein pathologischer Befund
- Ein negativer Befund schließt Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) nicht sicher aus, insbesondere bei IgA-Mangel, geringer Glutenexposition oder starker klinischer Wahrscheinlichkeit
- Spezifische Konstellationen
- Gesamt-IgA immer mitbeurteilen
- Bei IgA-Mangel IgG-basierte Zöliakie-Serologie verwenden
- Endomysium-Antikörper dienen eher als hochspezifischer Bestätigungstest und als genereller Erstlinientest
- Erwachsenen bleibt die Histologie (feingewebliche Untersuchung) in den meisten Konstellationen weiterhin zentral; in neueren Leitlinien werden serologiebasierte Strategien allerdings differenzierter diskutiert
Weiterführende Diagnostik
- Gesamt-IgA
- Endomysium-IgA-Antikörper
- Deamidierte Gliadinpeptid-IgG-Antikörper, insbesondere bei IgA-Mangel oder in ausgewählten pädiatrischen (Kinderheilkunde) Konstellationen
- Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (Magenspiegelung) mit multiplen Duodenalbiopsien (Gewebeproben aus dem Zwölffingerdarm)
- HLA-DQ2/HLA-DQ8 bei unklarer Konstellation, bereits begonnener glutenfreier Ernährung oder zum Ausschluss einer Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)
- Basislabor bei Verdacht auf Malabsorption (Störung der Nährstoffaufnahme), z. B. Blutbild, Ferritin, Folsäure, Vitamin B12, Leberparameter
Literatur
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