Zwischenmahlzeiten bei Untergewicht – geeignete Lebensmittel, Portionsgrößen und häufige Fehler
Bei Untergewicht stellt nicht nur die Hauptmahlzeitenstruktur, sondern insbesondere die gezielte Gestaltung von Zwischenmahlzeiten einen zentralen Baustein der Ernährungstherapie dar. Kleine, gut geplante Mahlzeiten zwischen den Hauptmahlzeiten können helfen, die tägliche Energie- und Nährstoffzufuhr zu erhöhen, ohne das Verdauungssystem zu überlasten. Entscheidend ist dabei weniger die Häufigkeit allein als vielmehr die Qualität, Energiedichte und physiologische Verträglichkeit der Zwischenmahlzeiten.
Warum Zwischenmahlzeiten bei Untergewicht sinnvoll sind
Viele untergewichtige Personen erreichen den erforderlichen Kalorienüberschuss nicht über drei Hauptmahlzeiten. Ursachen sind unter anderem ein frühes Sättigungsgefühl, reduzierte Magenkapazität oder eine gesteigerte Sättigungshormonantwort (z. B. Cholezystokinin). Zwischenmahlzeiten ermöglichen:
- eine gleichmäßigere Energiezufuhr über den Tag
- die Umgehung großer Portionsvolumina
- eine bessere Ausnutzung anaboler Stoffwechselphasen (aufbauender Stoffwechsel)
Aus ernährungsphysiologischer Sicht tragen häufige, energiedichte Mahlzeiten dazu bei, negative Energiebilanzen schrittweise auszugleichen.
Geeignete Lebensmittel: energiedicht und nährstoffreich
Zwischenmahlzeiten sollten eine hohe Energiedichte bei moderatem Volumen aufweisen und zugleich relevante Makro- und Mikronährstoffe liefern. Besonders geeignet sind:
- Fettbetonte Lebensmittel: Nüsse, Nussmuse, Samen, Avocado, hochwertige Pflanzenöle (z. B. Raps- oder Olivenöl)
- Eiweißreiche Komponenten: Joghurt, Quark, Skyr, Käse, Eier, proteinangereicherte Milchprodukte
- Kohlenhydratquellen mit moderater Ballaststoffmenge: Haferflocken, Brot, Reiscracker, Trockenfrüchte
- Flüssige Zwischenmahlzeiten: Smoothies oder Shakes mit Milch, Joghurt, Obst und zusätzlichen Fett- oder Proteinquellen
Diese Kombinationen unterstützen nicht nur die Energiezufuhr, sondern auch die Muskelproteinsynthese (Muskelaufbau) und die Auffüllung von Nährstoffspeichern.
Portionsgrößen und praktische Orientierung
Zwischenmahlzeiten sollten bewusst kleiner als Hauptmahlzeiten ausfallen, jedoch dennoch einen relevanten Beitrag zur Tagesbilanz leisten. Als Orientierung gelten:
- Energiegehalt pro Zwischenmahlzeit: etwa 200-400 kcal
- Portionsumfang: so bemessen, dass keine ausgeprägte Sättigung entsteht
- Frequenz: 1-3 Zwischenmahlzeiten täglich, abhängig vom individuellen Bedarf
Eine schrittweise Steigerung der Portionsgrößen ist sinnvoll, um gastrointestinale Beschwerden (z. B. Völlegefühl oder Übelkeit) zu vermeiden.
Häufige Fehler bei Zwischenmahlzeiten
In der Praxis zeigen sich typische Fehler, die den gewünschten Gewichtszuwachs behindern können:
- Zu geringe Energiedichte: große Mengen kalorienarmer Lebensmittel (z. B. Rohkost, fettarme Produkte)
- Unzureichender Fettanteil: aus Sorge vor „ungesunder“ Ernährung
- Ersatz statt Ergänzung: Zwischenmahlzeiten verdrängen Hauptmahlzeiten
- Rein zuckerreiche Snacks: kurzfristige Energiezufuhr ohne nachhaltige Nährstoffversorgung
Eine strukturierte Planung hilft, diese Fehler zu vermeiden und Zwischenmahlzeiten gezielt als therapeutisches Instrument einzusetzen.
Fazit
Zwischenmahlzeiten sind bei Untergewicht ein wirksames Mittel, um die Energie- und Nährstoffzufuhr alltagsnah zu steigern. Entscheidend sind energiedichte, gut verträgliche Lebensmittel, angemessene Portionsgrößen und die Einbettung in ein strukturiertes Mahlzeitenkonzept. Richtig eingesetzt, unterstützen Zwischenmahlzeiten eine nachhaltige Gewichtszunahme und tragen zur Stabilisierung des Stoffwechsels bei.
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