Alltag mit Untergewicht – energiedichte Ernährung praktisch umsetzen
Untergewicht stellt im Alltag häufig eine besondere ernährungsphysiologische Herausforderung dar. Obwohl der Energiebedarf erhöht sein kann, ist die tatsächlich aufgenommene Energiemenge oft unzureichend. Gründe sind unter anderem ein frühes Sättigungsgefühl, Appetitmangel oder eine hohe Stoffwechselaktivität. Eine energiedichte Ernährung ermöglicht es, mit kleinen Portionsmengen ausreichend Energie und essenzielle Nährstoffe zuzuführen und bildet damit eine zentrale Säule der Gewichtsstabilisierung und Gewichtszunahme.
Energiedichte als zentrales Prinzip
Die Energiedichte beschreibt den Energiegehalt eines Lebensmittels pro Gramm. Lebensmittel mit hoher Energiedichte liefern viele Kalorien bei geringem Volumen und sind daher besonders geeignet bei Untergewicht.
Ernährungsphysiologisch relevant ist dabei vor allem der Fettanteil, da Fette mit etwa 9 kcal/g mehr als doppelt so energiereich sind wie Kohlenhydrate oder Proteine (jeweils etwa 4 kcal/g).
Geeignete energiedichte Lebensmittel sind unter anderem:
- pflanzliche Öle (z. B. Raps-, Oliven- oder Nussöle)
- Nüsse, Nussmuse und Samen
- fettreiche Milchprodukte (z. B. Sahne, Crème fraîche, Vollmilchjoghurt)
- Avocado
- fettreicher Fisch
Energieanreicherung im Alltag
Die praktische Umsetzung erfolgt häufig über eine gezielte Energieanreicherung bestehender Mahlzeiten. Ziel ist es, den Kaloriengehalt zu erhöhen, ohne das Volumen wesentlich zu vergrößern.
Bewährte Strategien sind:
- Zugabe von Ölen oder Butter zu warmen Speisen (z. B. Gemüse, Kartoffelpüree, Reis)
- Anreicherung von Suppen und Soßen mit Sahne oder pflanzlichen Fettquellen
- Verwendung von Nussmusen in Porridge, Smoothies oder Desserts
- Austausch fettarmer gegen vollfette Produktvarianten
Diese Maßnahmen nutzen die hohe Energiedichte von Fetten und verbessern gleichzeitig die Resorption fettlöslicher Vitamine (Vitamin A, D, E und K).
Mahlzeitenfrequenz und Portionsgestaltung
Bei Untergewicht ist nicht nur die Zusammensetzung, sondern auch die Verteilung der Energiezufuhr entscheidend. Große Mahlzeiten können aufgrund einer verzögerten Magenentleerung (längere Verweildauer der Nahrung im Magen) schlecht toleriert werden.
Empfohlen werden daher:
- mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt (mindestens 3 Mahlzeiten)
- zusätzliche energiereiche Zwischenmahlzeiten (2 Zwischenmahlzeiten)
- flüssige oder halbfeste Mahlzeiten (z. B. Shakes, Smoothies), da diese schneller den Magen passieren
Flüssige Mahlzeiten kombinieren eine hohe Energiedichte mit guter Verträglichkeit und können gezielt zwischen Hauptmahlzeiten eingesetzt werden.
Rolle von Proteinen und Kohlenhydraten
Neben Fetten spielen auch Proteine und Kohlenhydrate eine wichtige Rolle. Proteine sind essenziell für den Erhalt und Aufbau von Muskelmasse, während Kohlenhydrate als schnell verfügbare Energiequelle dienen.
Eine ausgewogene, energiedichte Ernährung berücksichtigt daher:
- eine ausreichende Proteinzufuhr zur Unterstützung der fettfreien Körpermasse
- komplexe Kohlenhydrate (z. B. Haferflocken, Vollkornprodukte), die zusätzliche Energie liefern und den Insulinspiegel moderat anheben
Insulin wirkt anabol (aufbauend) und unterstützt die Einlagerung von Nährstoffen in Muskel- und Fettgewebe.
Alltagsnahe Planung und Routinen
Eine strukturierte Mahlzeitenplanung erleichtert die Umsetzung im Alltag erheblich. Regelmäßige Essenszeiten, vorbereitete Snacks und eine bewusste Lebensmittelauswahl reduzieren das Risiko unzureichender Energiezufuhr.
Hilfreich sind unter anderem:
- vorbereitete energiereiche Snacks (z. B. Nussmischungen, Riegel)
- Vorratshaltung energiedichter Lebensmittel
- einfache Rezepte mit hohem Kaloriengehalt
Die Etablierung fester Routinen trägt dazu bei, die tägliche Energiezufuhr langfristig zu sichern.
Fazit
Eine energiedichte Ernährung ist ein zentrales Instrument im Alltag mit Untergewicht. Durch gezielte Auswahl und Anreicherung von Lebensmitteln, eine erhöhte Mahlzeitenfrequenz sowie alltagsnahe Planung lässt sich die Energiezufuhr effektiv steigern, ohne das Essvolumen stark zu erhöhen. Entscheidend ist eine ausgewogene Kombination aus Fetten, Proteinen und Kohlenhydraten, die sowohl den Energiebedarf als auch die ernährungsphysiologischen Anforderungen berücksichtigt.
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