Unterkühlung (Hypothermie) – Differentialdiagnosen

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Hypoglykämie (Unterzuckerung) – wichtige reversible Ursache einer sekundären Hypothermie (Unterkühlung), insbesondere bei schwerer oder prolongierter Hypoglykämie
  • Nebennierenrindeninsuffizienz (Unterfunktion der Nebennierenrinde), insbesondere Addison-Krise – Hypothermie vor allem bei schwerer Dekompensation mit Hypotonie (niedrigem Blutdruck), Hypoglykämie und Elektrolytstörungen (Störungen der Blutsalze)
  • Schwere Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) bis zum Myxödemkoma (Koma bei schwerer Schilddrüsenunterfunktion) – charakteristische endokrine Ursache einer Hypothermie; insbesondere bei Bradykardie (verlangsamtem Herzschlag), Hypoventilation (verminderter Atmung) und Bewusstseinsstörung (Störung des Bewusstseins) zu berücksichtigen
  • Schwere Protein-Energie-Mangelernährung – verminderte Thermogenese (Wärmebildung) und fehlende Energiereserven können eine Hypothermie begünstigen

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Erythrodermie (großflächige Hautrötung) – bei ausgeprägtem generalisiertem Hautbefall erhöhter Wärmeverlust; hierzu kann insbesondere eine erythrodermische Psoriasis (Schuppenflechte mit großflächiger Hautrötung) gehören

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Akuter Schlaganfall – insbesondere bei Bewusstseinsstörung, Immobilität (Bewegungsunfähigkeit) oder zentraler Beeinträchtigung der Thermoregulation (Wärmeregulation) als Ursache einer sekundären Hypothermie zu berücksichtigen

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Sepsis (Blutvergiftung) – relevante Ursache einer spontanen Hypothermie, insbesondere bei älteren, immunsupprimierten oder schwer erkrankten Patienten

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Großflächige Verbrennungen – erheblicher Wärmeverlust durch Verlust der kutanen Barriere (Hautschutzbarriere) und Exposition
  • Schweres Trauma (schwere Verletzung), insbesondere Polytrauma (Mehrfachverletzung) oder Rückenmarksverletzung – Hypothermie durch Exposition, Blutverlust, eingeschränkte Thermogenese bzw. gestörte Thermoregulation

Medikamente

  • Anästhetika – Beeinträchtigung der zentralen Thermoregulation und periphere Vasodilatation (Gefäßerweiterung); insbesondere Ursache einer perioperativen Hypothermie
  • Antipsychotika – können insbesondere bei zusätzlicher Kälteexposition, höherem Lebensalter oder Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) eine Hypothermie begünstigen
  • Sedativa/Hypnotika, insbesondere Benzodiazepine und Barbiturate – verminderte Vigilanz (Wachheit), motorische Aktivität und Kälteabwehrreaktion

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Ethanolintoxikation (Alkoholvergiftung) – relevante Ursache bzw. wesentlicher Verstärkungsfaktor durch periphere Vasodilatation, eingeschränkte Kältewahrnehmung und Immobilität
  • Kälteexposition, insbesondere bei Immersion (Eintauchen) in kaltem Wasser, Nässe oder Wind – wichtigste Ursache einer primären akzidentellen Hypothermie
  • Kohlenmonoxidintoxikation (Kohlenmonoxidvergiftung) – insbesondere bei unklarer Bewusstseinsstörung und gleichzeitiger Kälteexposition differentialdiagnostisch zu berücksichtigen
  • Opioid- oder Sedativaintoxikation (Vergiftung mit Opioiden oder Beruhigungsmitteln) – Hypothermie durch Bewusstseinsminderung, Immobilität und beeinträchtigte autonome Kälteabwehr