Mundgeruch während einer Diät – warum er auftritt und was dagegen hilft

Mundgeruch (Halitosis; unangenehmer Geruch der Atemluft) wird häufig mit mangelnder Mundhygiene in Verbindung gebracht. Tatsächlich tritt Halitosis jedoch auch im Zusammenhang mit stoffwechselbedingten Veränderungen auf – etwa während einer Diät zur Gewichtsreduktion. Besonders bei kalorienreduzierten, kohlenhydratarmen oder intermittierenden Ernährungsformen (Esspausen mit längeren Nüchternphasen) berichten viele Betroffene über einen neu auftretenden oder verstärkten Mundgeruch. Die Ursachen liegen dabei weniger im Mundraum selbst als vielmehr in veränderten Stoffwechselprozessen, die jedoch durch lokale Faktoren beeinflusst werden.

Ketonkörper und Fettstoffwechsel als zentrale Ursache

Ein häufiger Auslöser für Mundgeruch während einer Diät ist die verstärkte Bildung von Ketonkörpern (Abbauprodukte des Fettstoffwechsels). Bei stark reduzierter Kohlenhydratzufuhr oder längeren Esspausen greift der Körper vermehrt auf Fettsäuren als Energiequelle zurück. In der Leber entstehen dabei Ketonkörper wie Acetoacetat, β- Hydroxybutyrat und Aceton.

Aceton ist flüchtig und wird teilweise über die Atemluft ausgeschieden. Dies führt zu einem charakteristischen süßlich-fruchtigen, gelegentlich an Nagellack erinnernden Geruch („Keto-Atem“). Dieser Effekt ist Ausdruck einer aktiven Fettverbrennung und stellt in der Regel keinen krankhaften Befund dar.

Reduzierte Speichelproduktion bei Kaloriendefizit

Ein weiterer relevanter Mechanismus betrifft die Speichelsekretion (Speichelbildung). Kalorienrestriktion (stark verminderte Energiezufuhr), längere Esspausen, reduzierte Kaubewegung sowie eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr können die Speichelproduktion senken. Speichel erfüllt jedoch eine zentrale Schutzfunktion im Mundraum, da er Bakterien abspült, Säuren neutralisiert und die Bildung geruchsaktiver Substanzen hemmt.

Bei Mundtrockenheit (Xerostomie; verminderte Speichelmenge) kommt es vermehrt zur Ansiedlung anaerober Bakterien, insbesondere auf der Zunge und in den Zahnzwischenräumen. Diese Mikroorganismen produzieren flüchtige Schwefelverbindungen, die als Hauptursache von Mundgeruch gelten. Warme oder leicht gewürzte Flüssigkeiten, wie beispielsweise Brühen, können die Speichelsekretion anregen und so den natürlichen Reinigungseffekt im Mundraum unterstützen.

Proteinreiche Ernährung und bakterielle Abbauprodukte

Viele Reduktionsdiäten sind eiweißreich, um den Muskelerhalt zu unterstützen. Beim bakteriellen Abbau von Aminosäuren entstehen jedoch ebenfalls geruchsaktive Substanzen. Besonders schwefelhaltige Aminosäuren wie Cystein und Methionin begünstigen die Bildung flüchtiger Schwefelverbindungen.

Dieser Effekt verstärkt sich, wenn gleichzeitig eine reduzierte Speichelproduktion oder eine unzureichende mechanische Reinigung des Mundraums vorliegt.

Flüssigkeitsmangel und Konzentration von Geruchsstoffen

Eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr während der Diät kann Mundgeruch zusätzlich verstärken. Ein vermindertes Trinkvolumen führt zu eingedicktem Speichel und einem reduzierten Spüleffekt im Mundraum, wodurch die Konzentration geruchsaktiver Substanzen steigt. Eine ausreichende Wasserzufuhr unterstützt nicht nur die Mundgesundheit, sondern kann auch den Stoffwechsel geringfügig aktivieren und die Gewichtsreduktion indirekt unterstützen, ohne dabei als alleinige Maßnahme überschätzt werden zu dürfen.

Was hilft gegen Mundgeruch während einer Diät?

Zur Reduktion von diätbedingtem Mundgeruch haben sich mehrere Maßnahmen bewährt, die sowohl stoffwechselbedingte Ursachen als auch Veränderungen im Mundraum berücksichtigen:

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Regelmäßiges Trinken unterstützt die Speichelproduktion, verbessert den natürlichen Spüleffekt im Mundraum und verdünnt geruchsaktive Stoffwechselprodukte. Auch das Ausspülen des Mundes mit Wasser nach Mahlzeiten kann kurzfristig zur Reduktion von Geruchsstoffen beitragen.
  • Konsequente mechanische Mundhygiene: Regelmäßiges Zähneputzen entfernt Plaque (bakterielle Beläge), die als Ausgangssubstrat für flüchtige Schwefelverbindungen dienen. Die Reinigung der Zahnzwischenräume ist besonders relevant, da sich dort bei reduziertem Speichelfluss vermehrt anaerobe Bakterien ansiedeln können. Bei Prothesenträgern ist zudem eine tägliche gründliche Reinigung von Teil- oder Totalprothesen erforderlich, da sich dort Schleimhautreste und bakterielle Beläge ansammeln können.
  • Zungenreinigung: Die Zungenoberfläche stellt ein zentrales Reservoir für geruchsbildende Mikroorganismen dar. Eine tägliche, schonende Zungenreinigung ergänzt die Plaqueentfernung und bildet eine wesentliche Grundlage der Halitosis-Prävention.
  • Kohlenhydratmenge moderat anpassen: Bereits geringe Mengen komplexer Kohlenhydrate (z. B. Vollkornprodukte) können die Ketonkörperbildung senken und damit den acetontypischen Atemgeruch abschwächen, ohne den Abnehmerfolg wesentlich zu beeinträchtigen.
  • Zuckerfreie Kaugummis: Durch die Stimulation der Speichelsekretion wird Mundtrockenheit reduziert, was kurzfristig zu einer Verbesserung des Atemgeruchs führt.
  • Ausgewogene Proteinzufuhr: Eine bedarfsgerechte, nicht übermäßige Eiweißaufnahme begrenzt die bakterielle Bildung geruchsaktiver Abbauprodukte aus schwefelhaltigen Aminosäuren.
  • Alkoholfreie Mundspülungen und geeignete Zahnpflegeprodukte: Mundspülungen mit Zinkverbindungen (z. B. Zinklactat oder Zinkchlorid) sowie Zahncremes mit Zink oder Zinnfluorid können flüchtige Schwefelverbindungen binden. Stark antiseptische oder alkoholhaltige Mundspülungen sind bei diätbedingter Halitosis nur für kurzfristige Anwendungen geeignet, da sie die Mundschleimhaut austrocknen und die Speichelproduktion hemmen können.
  • Raucherentwöhnung: Tabakkonsum begünstigt Mundtrockenheit und bakterielle Belagsbildung. Eine Raucherentwöhnung kann den sogenannten „smoker’s breath“ (rauchbedingten Mundgeruch) deutlich reduzieren und wirkt sich zusätzlich positiv auf Stoffwechsel und Gewichtsregulation aus.

Persistiert der Mundgeruch trotz dieser Maßnahmen, sollte auch an andere Ursachen wie Parodontalerkrankungen (Erkrankungen des Zahnhalteapparates), gastroösophagealen Reflux (Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre) oder systemische Stoffwechselerkrankungen gedacht werden.

Fazit

Mundgeruch während einer Diät ist ein häufiges und meist harmloses Begleitphänomen von Fettstoffwechsel, Ketonkörperbildung und reduzierter Speichelproduktion. Die Ursachen sind überwiegend physiologisch erklärbar und lassen sich durch ausreichendes Trinken, konsequente mechanische Mundhygiene, eine gezielte Zungenreinigung sowie eine ausgewogene Nährstoffzufuhr deutlich lindern. In der Regel handelt es sich um eine vorübergehende Anpassungsreaktion des Stoffwechsels ohne Krankheitswert.

Literatur

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