Mineralwasser und Natrium – wie Salzgehalt Wassereinlagerungen beeinflusst
Mineralwasser ist eines der wichtigsten Getränke im Alltag und spielt auch beim Abnehmen eine zentrale Rolle. Gleichzeitig wirft der Natriumgehalt vieler Mineralwässer Fragen auf: Kann salzreiches Mineralwasser Wassereinlagerungen fördern und dadurch das Körpergewicht kurzfristig erhöhen? Für eine realistische Einschätzung sind die physiologischen Zusammenhänge zwischen Natrium, Wasserhaushalt und Gewicht entscheidend.
Natrium im Körper – Schlüsselrolle für den Wasserhaushalt
Natrium ist ein essenzieller Elektrolyt (Mineralstoff mit elektrischer Ladung), der vor allem im Extrazellulärraum (Flüssigkeitsraum außerhalb der Zellen) vorkommt. Es reguliert den osmotischen Druck, den Blutdruck sowie die Funktion von Nerven- und Muskelzellen. Der Natriumhaushalt wird über hormonelle Regelkreise wie das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (Steuerung von Blutdruck und Flüssigkeitsvolumen) und das antidiuretische Hormon ADH (Regulation der Wasserausscheidung über die Niere) eng kontrolliert.
Warum Natrium Wassereinlagerungen begünstigen kann
Natrium bindet Wasser über osmotische Effekte (Ausgleich von Konzentrationsunterschieden). Steigt die Natriumkonzentration im Extrazellulärraum an, wird vermehrt Wasser im Gewebe zurückgehalten. Dies kann zu Ödemen (sicht- oder tastbaren Wassereinlagerungen) führen, die häufig an Beinen, Knöcheln oder Händen auftreten. Diese Gewichtszunahme ist funktionell bedingt und unterscheidet sich grundlegend von einer Zunahme an Körperfett, da sie reversibel ist und sich bei ausgeglichenem Flüssigkeits- und Natriumhaushalt rasch zurückbildet.
Natriumgehalt von Mineralwasser – große Unterschiede
Mineralwasser ist nicht gleich Mineralwasser. Der Natriumgehalt kann stark variieren:
- Natriumarmes Mineralwasser: < 20 mg Natrium pro Liter
- Mittel-natriumhaltiges Mineralwasser: 20-150 mg Natrium pro Liter
- Natriumreiches Mineralwasser: > 150-200 mg Natrium pro Liter
Im Vergleich zur Natriumzufuhr aus verarbeiteten Lebensmitteln ist der Beitrag von Mineralwasser meist gering. Bei regelmäßigem Konsum natriumreicher Wässer kann die tägliche Natriumaufnahme jedoch spürbar ansteigen und Wassereinlagerungen begünstigen, insbesondere bei salzreicher Ernährung.
Mineralwasser, Natrium und Gewichtsschwankungen beim Abnehmen
Während einer Gewichtsreduktion treten häufig kurzfristige Gewichtsschwankungen auf. Natriumreiche Getränke oder Mahlzeiten können diese verstärken, da sie vorübergehend mehr Wasser im Gewebe binden. Besonders in Phasen von Ernährungsumstellungen, kohlenhydratreduzierter Kost oder hormonellen Schwankungen wird dieser Effekt sichtbar. Für den langfristigen Fettabbau ist diese Wassereinlagerung jedoch ohne Bedeutung, kann aber die Motivation beeinträchtigen, wenn sie fälschlich als Stillstand interpretiert wird.
Wann ist natriumarmes Mineralwasser sinnvoll?
Ein natriumarmes Mineralwasser kann insbesondere in folgenden Situationen Vorteile bieten:
- bei Neigung zu Wassereinlagerungen
- bei arterieller Hypertonie (Bluthochdruck)
- bei insgesamt hoher Salzaufnahme über die Ernährung
- zur besseren Beurteilung des tatsächlichen Gewichtsverlaufs beim Abnehmen
Für sportlich aktive Personen oder bei starkem Schwitzen kann ein moderater Natriumgehalt hingegen sinnvoll sein, um Elektrolytverluste auszugleichen und die Leistungsfähigkeit zu unterstützen.
Fazit
Der Natriumgehalt von Mineralwasser kann über osmotische Mechanismen kurzfristige Wassereinlagerungen beeinflussen, führt jedoch nicht zu einer echten Gewichtszunahme im Sinne von Fettmasse. Entscheidend ist die Gesamtnatriumzufuhr aus allen Quellen sowie eine ausreichende Trinkmenge. Natriumarmes Mineralwasser ist beim Abnehmen eine praktikable Option, um unnötige Gewichtsschwankungen zu reduzieren und den Gewichtsverlauf besser einzuordnen.
Literatur
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