Fettleber (Steatosis hepatis) – Differentialdiagnosen
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Hypobetalipoproteinämie (Mangel an bestimmten Fetttransporteiweißen im Blut) – insbesondere bei niedrigen Triglycerid- und Cholesterinwerten, Fettmalabsorption (gestörte Aufnahme von Nahrungsfetten) oder Vitamin-A-Mangel
- Hypophysenvorderlappeninsuffizienz (Unterfunktion des Hypophysenvorderlappens) – insbesondere bei Wachstumshormonmangel
- Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)
- Lipodystrophie (Fettverteilungsstörung) – genetisch bedingt oder erworben, z. B. unter antiretroviraler Therapie
- Lysosomale-saure-Lipase-Defizienz (Mangel an lysosomaler saurer Lipase) (LAL-D) – bei Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung), Splenomegalie (Milzvergrößerung), mikrovesikulärer Steatose (kleintröpfchenförmiger Leberverfettung) oder früh einsetzender Leberfibrose (Vernarbung der Leber)
- Mangelernährung bzw. Nährstoffmangel – insbesondere bei Anorexie (Magersucht), parenteraler Ernährung, intestinaler Bypassoperation oder rascher Gewichtsabnahme nach bariatrischer Operation
- Morbus Wilson (Kupferspeicherkrankheit) – insbesondere bei jungen Patienten, neuropsychiatrischen Symptomen (seelisch-neurologischen Beschwerden) oder erniedrigtem Coeruloplasmin
- Polyzystisches Ovarialsyndrom (Syndrom der polyzystischen Eierstöcke) (PCOS)
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Chronische Hepatitis-C-Virusinfektion (chronische Leberinfektion durch das Hepatitis-C-Virus) (HCV-Infektion), insbesondere Genotyp 3 – kann eine virusinduzierte hepatische Steatose (Leberverfettung) verursachen
Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)
- Alkoholassoziierte Lebererkrankung (alkoholbedingte Lebererkrankung) (ALD) – wichtigste Abgrenzung zur metabolischen Dysfunktion-assoziierten steatotischen Lebererkrankung; eine sichere histologische Unterscheidung ist nicht möglich
- Metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis (stoffwechselbedingte Fettleberentzündung) (MASH) – entzündlich aktive Form mit Leberzellschädigung und erhöhtem Fibroseprogressionsrisiko
- Metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (stoffwechselbedingte Fettlebererkrankung) (MASLD) – hepatische Steatose mit mindestens einem kardiometabolischen Risikofaktor (Risikofaktor für Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel) und ohne vorrangige andere Ursache
- Metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung bei erhöhtem Alkoholkonsum (stoffwechsel- und alkoholbedingte Fettlebererkrankung) (MetALD) – Kombination aus kardiometabolischen Risikofaktoren und einem Alkoholkonsum von 20-50 g/Tag bei Frauen bzw. 30-60 g/Tag bei Männern
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) – insbesondere bei Diarrhoe (Durchfall), Eisenmangel, Vitaminmangel oder fehlenden kardiometabolischen Risikofaktoren
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Hepatozelluläres Adenom (gutartiger Leberzelltumor) – bildmorphologische Differentialdiagnose einer fokalen Leberverfettung (örtlich begrenzten Leberverfettung) bzw. fokalen Aussparung (örtlich begrenzten Region ohne Leberverfettung)
- Hepatozelluläres Karzinom (Leberzellkrebs) (HCC) – insbesondere bei fokalem Befund, chronischer Lebererkrankung oder Leberzirrhose (Schrumpfleber) abzugrenzen
- Leberhämangiom (Blutschwämmchen der Leber) – kann sonographisch eine fokale echoreiche Leberverfettung imitieren
- Lebermetastasen (Tochtergeschwülste in der Leber) – multifokale oder inhomogene Fettverteilung kann bildmorphologisch eine Lebermetastasierung vortäuschen
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)
- Akute Schwangerschaftsfettleber (plötzlich auftretende Leberverfettung in der Schwangerschaft) – akut einsetzende mikrovesikuläre Steatose, typischerweise im dritten Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) oder frühen Wochenbett
- HELLP-Syndrom (schwere Schwangerschaftskomplikation) (Hämolyse, erhöhte Leberenzymwerte und erniedrigte Thrombozytenzahl) – wichtige klinische Abgrenzung bei akuter schwangerschaftsassoziierter Lebererkrankung
Medikamente
- Arzneimittelinduzierte Steatose (medikamentenbedingte Leberverfettung) bzw. Steatohepatitis – insbesondere durch 5-Fluorouracil, Amiodaron, Glucocorticoide, Irinotecan, Lomitapid, Methotrexat, Tamoxifen oder Valproat