Diabetes insipidus – Medikamentöse Therapie
Therapieziel
Verbesserung der Symptomatik.
Therapieempfehlungen
- Therapieempfehlungen nachfolgend in Abhängigkeit von der Diagnose:
- Zentraler Diabetes insipidus (Störung des Wasserhaushalts durch Mangel an antidiuretischem Hormon):
- Substitution des antidiuretischen Hormons (körpereigenes Wasser-Rückhaltehormon) mittels Desmopressin.
- Beachte: Um Wassereinlagerungen (Flüssigkeitsansammlungen im Körper) frühzeitig zu erkennen, sollte sich der Patient insbesondere zu Beginn der Therapie täglich wiegen.
- Wg. Risikos einer Hyponatriämie (niedriger Natriumspiegel im Blut) muss der Natriumwert vor Beginn der Behandlung und im Verlauf der Therapie regelmäßig kontrolliert werden.
- Nephrogener/renaler Diabetes insipidus (Störung des Wasserhaushalts durch verminderte Nierenreaktion auf ADH):
- Behandlung der zugrunde liegenden Ursache (z. B. Absetzen auslösender Medikamente wie Lithium, Korrektur von Elektrolytstörungen, Therapie der Grunderkrankung).
- Einschränkung der Salz- und Proteinzufuhr zur Reduktion der osmotischen Diurese (vermehrte Harnausscheidung durch gelöste Teilchen).
- Thiaziddiuretika (bestimmte entwässernde Medikamente) können die Polyurie (vermehrte Urinmenge) paradox reduzieren.
- Ggf. zusätzlicher Einsatz von NSAID (entzündungshemmende Schmerzmittel) zur Hemmung der renalen Prostaglandinsynthese (Bildung bestimmter Botenstoffe in der Niere) (→ Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit der Nieren); strenge Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich.
- Zentraler Diabetes insipidus (Störung des Wasserhaushalts durch Mangel an antidiuretischem Hormon):
Zentraler Diabetes insipidus
ADH-Substitution (Vasopressin-Analogon)
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Desmopressin | Dosis individuell nach klinischem Ansprechen, Diurese (Urinmenge), Osmolalität (Konzentration gelöster Teilchen im Blut) und Schlafdauer titrieren |
- Wirkweise: Selektive Stimulation der V2-Rezeptoren (Bindungsstellen für Hormone) im Sammelrohr der Niere → gesteigerte Wasserrückresorption (Rückaufnahme von Wasser) (antidiuretischer Effekt); im Gegensatz zu Vasopressin praktisch keine relevante V1-vermittelte Vasokonstriktion (Gefäßverengung).
- Nebenwirkungen: Hyponatriämie/Wasserintoxikation (Verdünnung des Blutes durch zu viel Wasser) (klinisch relevant und potenziell schwerwiegend), Kopfschmerzen, Übelkeit, Gewichtszunahme durch Wasserretention (Wassereinlagerung).
- Kontraindikationen: Hyponatriämie, Herzinsuffizienz (Herzschwäche) mit Volumenüberlastung, psychogene Polydipsie (krankhaft gesteigertes Trinkverhalten), unkontrollierte Flüssigkeitsaufnahme.
- Monitoring: Serum-Natrium vor Therapiebeginn sowie regelmäßig im Verlauf; Kontrolle von Körpergewicht, Diurese und klinischen Zeichen einer Wasserretention.
- Um Wassereinlagerungen schnell zu bemerken, sollte sich der Patient zu Beginn der Therapie täglich wiegen.
Nephrogener/renaler Diabetes insipidus
Thiaziddiuretika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Hydrochlorothiazid (HCT) | Dosisanpassung bei Nieren- und Leberfunktionsstörung; kontraindiziert bei schwerer Niereninsuffizienz |
- Wirkweise: Hemmung des Natrium-Chlorid-Cotransporters (Salztransporter) im distalen Tubulus (Abschnitt des Nierenkanälchens) → leichte Volumenkontraktion (geringe Abnahme des Blutvolumens) → vermehrte proximale Natrium- und Wasserrückresorption → reduzierte Urinmenge (paradoxer antidiuretischer Effekt).
- Ergänzende Maßnahmen: salzarme Diät essenziell; Kaliumkontrollen erforderlich, ggf. Kaliumsubstitution.
- NSAID (Add-on, selektiv): Hemmung der renalen Prostaglandinsynthese → Verstärkung der antidiuretischen Wirkung; Cave: Nephrotoxizität (Nierenschädigung), kardiovaskuläres Risiko, gastrointestinale Nebenwirkungen.
Beachte
- Beim nephrogenen Diabetes insipidus ist Desmopressin in der Regel wirkungslos.
- Eine sorgfältige Differenzierung zwischen zentralem, nephrogenem und primär polydipsischem Diabetes insipidus ist Voraussetzung jeder Pharmakotherapie.
- Ziel ist eine klinisch akzeptable Symptomkontrolle bei stabiler Elektrolytlage, nicht zwingend die vollständige Normierung der Diurese.