Zwerchfellbruch (Hiatushernie) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Hiatushernie (Zwerchfellbruch) mitbedingt sein können:

Atmungssystem (J00-J99)

  • Pulmonale Mikroaspiration (Einatmen kleinster Mengen von Mageninhalt in die Lunge) – insbesondere bei großen paraösophagealen Hernien (Zwerchfellbrüchen neben der Speiseröhre); sie kann auch klinisch stumm verlaufen und respiratorische Beschwerden (Atembeschwerden) mitbedingen [5].
  • Aspirationspneumonie (Lungenentzündung durch eingeatmeten Mageninhalt) – mögliche schwere Folge einer rezidivierenden pulmonalen Aspiration (wiederholten Einatmung von Mageninhalt in die Lunge) bei großer paraösophagealer Hernie und begleitendem gastroösophagealem Reflux (Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre) [5].

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Eisenmangelanämie (Blutarmut durch Eisenmangel) – insbesondere bei großen axialen Hernien (Gleithernien) bzw. paraösophagealen Hernien infolge chronischer okkulter Blutverluste (verborgener Blutverluste) aus Cameron-Läsionen (Schleimhautschäden im Bereich der Zwerchfellenge) oder anderen Schleimhautschädigungen im Bereich der Zwerchfellenge; eine Eisenmangelanämie kann auch ohne endoskopisch nachweisbare Blutungsquelle auftreten [2, 3].

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) (chronischer Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre) bis zur erosiven Refluxösophagitis (entzündlichen Schleimhautschädigung der Speiseröhre durch Reflux) – insbesondere bei axialer Hiatushernie infolge einer Beeinträchtigung der gastroösophagealen Antirefluxbarriere (des Verschlussmechanismus gegen den Rückfluss von Mageninhalt); eine Hiatushernie ist deutlich mit erosiver Refluxösophagitis assoziiert [1, LL3].
  • Barrett-Ösophagus (dauerhafte Schleimhautveränderung der unteren Speiseröhre) – mögliche langfristige, überwiegend über die gastroösophageale Refluxkrankheit vermittelte Folge; eine aktuelle Metaanalyse zeigt eine deutliche Assoziation mit der Hiatushernie, belegt jedoch keine unmittelbare eigenständige Kausalität [6, LL3].
  • Cameron-Läsionen – lineare Erosionen (oberflächliche Schleimhautdefekte) bzw. Ulzera (Geschwüre) der Magenschleimhaut an der Zwerchfellenge, insbesondere bei großen Hiatushernien; mögliche Folgen sind chronische okkulte Blutverluste, Eisenmangelanämie und eine manifeste obere gastrointestinale Blutung (sichtbare Blutung im oberen Magen-Darm-Trakt) [2, 3].
  • Mechanische Magenpassagestörung (Behinderung der Magenentleerung) bis zur akuten Magenobstruktion (zum akuten Magenverschluss) – insbesondere bei großen paraösophagealen Hernien durch Abknickung, Kompression oder Rotation des intrathorakal verlagerten Magens (in den Brustkorb verlagerten Magens) [7, LL1, LL2].
  • Akuter Magenvolvulus (akute Magendrehung) mit Closed-Loop-Obstruktion (beidseitigem Verschluss eines Magenabschnitts) – seltene, jedoch potenziell lebensbedrohliche Komplikation einer großen paraösophagealen Hernie; mögliche Folgen sind Inkarzeration (Einklemmung) und Strangulation (Abschnürung der Blutversorgung) [7].
  • Magenwandischämie (Minderdurchblutung der Magenwand), Magenwandnekrose (Absterben von Magenwandgewebe) und Magenperforation (Magendurchbruch) – mögliche Folgezustände eines strangulierten Magenvolvulus bzw. einer länger bestehenden akuten Magenobstruktion [7].

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Dyspnoe (Atemnot) und eingeschränkte körperliche Belastbarkeit – insbesondere bei großen paraösophagealen Hernien infolge pulmonaler Kompression (Zusammendrückung der Lunge), eingeschränkter Lungenvolumina, Gas trapping (Lufteinschluss), kardialer Kompression (Zusammendrückung des Herzens) oder pulmonaler Mikroaspiration; nach operativer Hernienreparation können sich Lungenfunktionsparameter und Beschwerden bessern [4, 5].

Prognosefaktoren

  • Hernientyp und Hernienausmaß – große paraösophageale Hernien der Typen II-IV sowie ein hoher intrathorakaler Magenanteil (in den Brustkorb verlagerter Magenanteil) sind häufiger mit mechanischen, hämatologischen (das Blut betreffenden) und respiratorischen Komplikationen verbunden [2-5, 7, LL1, LL2].
  • Akute mechanische Komplikationen – Magenobstruktion, Magenvolvulus, Inkarzeration, Strangulation oder Organischämie (Minderdurchblutung eines Organs) kennzeichnen einen potenziell lebensbedrohlichen Verlauf und erfordern eine unverzügliche chirurgische Beurteilung [7, LL1, LL2].
  • Blutung und Eisenmangelanämie – eine manifeste obere gastrointestinale Blutung, rezidivierende okkulte Blutverluste oder eine anderweitig nicht erklärbare bzw. trotz Eisensubstitution persistierende Eisenmangelanämie sprechen für eine klinisch relevante Hiatushernie [2, 3].
  • Respiratorische Beteiligung – ausgeprägte Dyspnoe, eingeschränkte Lungenfunktion sowie nachgewiesene symptomatische oder klinisch stumme pulmonale Aspiration weisen auf eine funktionell relevante große paraösophageale Hernie hin [4, 5].
  • Chronische Refluxschädigung – eine schwere erosive Refluxösophagitis und ein Barrett-Ösophagus kennzeichnen eine relevante chronische Refluxbelastung; beim Barrett-Ösophagus sind die leitliniengerechten endoskopischen Verlaufskontrollen maßgeblich [1, 6, LL3].
  • Gebrechlichkeit und Komorbidität (Begleiterkrankungen) – bei großen paraösophagealen Hernien beeinflussen Gebrechlichkeit, kardiopulmonale Begleiterkrankungen (Herz- und Lungenerkrankungen) und das individuelle Operationsrisiko die Prognose sowie die Entscheidung zwischen konservativem Vorgehen und operativer Versorgung [LL1, LL2].

Literatur

  1. Witarto AP, Witarto BS, Pramudito SL et al.: Risk factors and 26-years worldwide prevalence of endoscopic erosive esophagitis from 1997 to 2022: a meta-analysis. Sci Rep. 2023;13:15249. doi: 10.1038/s41598-023-42636-7.
  2. Dietrich CG, Hübner D, Heise JW: Paraesophageal hernia and iron deficiency anemia: Mechanisms, diagnostics and therapy. World J Gastrointest Surg. 2021;13:222-230. doi: 10.4240/wjgs.v13.i3.222.
  3. Kanani F, Shaiban M, Shwaartz C et al.: Surgical repair of paraesophageal hernia resolves unexplained iron deficiency anemia in the vast majority of patients: a propensity-matched multicenter study. Surg Endosc. 2026;40:4971-4984. doi: 10.1007/s00464-026-12900-8.
  4. Wang Y, Lv Y, Liu Y, Xie C: The effect of surgical repair of hiatal hernia (HH) on pulmonary function: a systematic review and meta-analysis. Hernia. 2023;27:839-848. doi: 10.1007/s10029-023-02756-5.
  5. Mugino M, Little SC, Van der Wall H, Falk GL: High incidence of dyspnoea and pulmonary aspiration in giant hiatus hernia: a previously unrecognised cause of dyspnoea. Ann R Coll Surg Engl. 2022;104:530-537. doi: 10.1308/rcsann.2021.0245.
  6. Ma S, Tong Z, He Y et al.: Association between hiatal hernia and Barrett’s esophagus: an updated meta-analysis with trial sequential analysis. Ther Adv Gastroenterol. 2024;17:17562848231219234. doi: 10.1177/17562848231219234.
  7. Manterola C, Biel E, Rivadeneira J et al.: Acute paraesophageal hernia with gastric volvulus. Results of surgical treatment: a systematic review and meta-analysis. World J Emerg Surg. 2025;20:41. doi: 10.1186/s13017-025-00617-3.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Daly S, Kumar SS, Collings AT et al.: SAGES guidelines for the surgical treatment of hiatal hernias. Surg Endosc. 2024;38:4765-4775. doi: 10.1007/s00464-024-11092-3 [LL1].
  2. Markar SR, Menon N, Guidozzi N et al.: EAES Multidisciplinary Rapid Guideline: systematic review, meta-analysis, GRADE assessment and evidence-informed recommendations on the surgical management of paraesophageal hernias. Surg Endosc. 2023;37:9013-9029. doi: 10.1007/s00464-023-10511-1 [LL2].
  3. S2k-Leitlinie Gastroösophageale Refluxkrankheit und eosinophile Ösophagitis der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). (AWMF-Registernummer 021-013) März 2023 Langfassung. [LL3]