Verstopfung (Obstipation) – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
    • Beurteilung von Allgemeinzustand und Ernährungszustand
    • Inspektion (Betrachtung) von Haut und Schleimhäuten
    • Ggf. gezielte Untersuchung auf Hinweise für eine sekundäre Ursache der Obstipation (Verstopfung), insbesondere endokrine (hormonell bedingte), metabolische (stoffwechselbedingte) oder neurologische (das Nervensystem betreffende) Erkrankungen
  • Untersuchung des Abdomens (Bauches)
    • Inspektion
      • Form und Kontur des Abdomens [Abdominaldistension (Aufblähung des Bauches)]
      • Narben, Hernien (Brüche), sichtbare Raumforderungen (Gewebevermehrungen) oder auffällige Darmbewegungen
    • Auskultation (Abhören) der Darmgeräusche [verminderte Darmgeräusche bei ausgeprägter Stuhlretention (Stuhlverhalt)]
    • Perkussion (Abklopfen) [tympanitischer (trommelartig klingender) bzw. hypersonorer (übermäßig hohl klingender) Klopfschall bei Meteorismus (Blähbauch)]
    • Palpation (Abtasten)
      • Druckschmerz, Abwehrspannung (unwillkürliche Anspannung der Bauchdecke) und palpable (tastbare) Raumforderungen
      • [Palpable Stuhlmassen, insbesondere im Kolonverlauf (Verlauf des Dickdarms)]
  • Anorektale Untersuchung (Untersuchung von After und Enddarm)
    • Inspektion der Anal- und Perianalregion (Bereich des Afters und seiner Umgebung)
      • Beurteilung von Anus (After), Perineum (Damm) und äußerlich sichtbaren anatomischen Veränderungen
      • Beurteilung während Pressversuch/Valsalva-Manöver [Rektumprolaps (Enddarmvorfall) bzw. pathologischer (krankhafter) Descensus perinei (Absinken des Damms)]
    • Digital-rektale Untersuchung (DRU) (Austastung des Enddarms mit dem Finger)
      • Beurteilung des Analkanals (Afterkanals) und der Rektumampulle (Enddarmampulle) hinsichtlich Stuhlfüllung, Raumforderungen, Strikturen (Verengungen) und anatomischer Veränderungen [harte bzw. eingedickte Stuhlmassen/Fäkalimpaktion (Kotstau)]
      • Beurteilung des analen Ruhetonus (Grundspannung des Schließmuskels) [erhöhter analer Ruhetonus]
      • Beurteilung der Beckenbodenkoordination (Zusammenspiel der Beckenbodenmuskulatur) bei simuliertem Defäkationsversuch (nachgeahmtem Stuhlgang): physiologisch (normalerweise) Relaxation (Entspannung) des Analsphinkters (Afterschließmuskels) und des M. puborectalis (Schambein-Mastdarm-Muskels) bei gleichzeitigem abdominellen Pressdruck [fehlende Relaxation bzw. paradoxe Kontraktion (widersinnige Anspannung) bei dyssynergischer Defäkation (gestörtem Zusammenspiel beim Stuhlgang)]
      • Beurteilung auf Rektozele (Aussackung des Enddarms) [Vorwölbung der Rektumvorderwand (Vorderwand des Enddarms) bei Pressversuch]
  • Ggf. gynäkologische Untersuchung (frauenärztliche Untersuchung) – insbesondere bei Verdacht auf eine Beckenbodendysfunktion (Funktionsstörung des Beckenbodens) bzw. ein obstruktives Defäkationssyndrom (erschwerte Stuhlentleerung durch eine Auslassstörung)
    • Beurteilung der vaginalen (die Scheide betreffenden) und pelvinen (das Becken betreffenden) Anatomie [Rektozele bzw. Beckenorganprolaps (Senkung oder Vorfall von Beckenorganen)]
  • Ggf. neurologische Untersuchung (Untersuchung des Nervensystems) – bei anamnestischen (aus der Krankengeschichte hervorgehenden) oder klinischen Hinweisen auf eine neurologisch bedingte Obstipation
    • Orientierende Prüfung von Motorik (Bewegungsfunktion), Sensibilität (Empfindungsfähigkeit) und Reflexstatus (Reflexen)
    • Bei Verdacht auf neurogene (nervenbedingte) Beckenboden- bzw. Sphinkterfunktionsstörung (Funktionsstörung des Schließmuskels) zusätzlich Prüfung der perianalen Sensibilität und sakralen Reflexe (Reflexe im Bereich des Kreuzbeins)

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.