Hämorrhoiden – Medikamentöse Therapie
Therapieziel
- Verminderung der Beschwerden, insbesondere Blutung, Juckreiz, Brennen und Schmerzen
- Stuhlregulation und Vermeidung von Pressen bzw. prolongierten Toilettensitzungen
- Symptomkontrolle bis zu einer ggf. erforderlichen definitiven proktologischen Therapie
Therapieempfehlungen
- Basistherapie: Ballaststoffreiche Ernährung und Korrektur des Defäkationsverhaltens (Verhalten bei der Stuhlentleerung) sind die primären konservativen Maßnahmen. Bei unzureichender Ballaststoffzufuhr können Quellmittel, insbesondere indische Flohsamenschalen (Plantago ovata), zur Stuhlregulation eingesetzt werden. Pressen und längere Toilettensitzungen sollen vermieden werden [1, LL1, LL2, LL3].
- Eine ballaststoffreiche Ernährung bzw. eine Ballaststoffsupplementation vermindert persistierende Beschwerden und insbesondere Blutungen; der Effekt auf Prolaps (Vorfall), Schmerzen und Juckreiz ist geringer [1, LL2].
- Topische Hämorrhoidalmittel: Lokalanästhetika, adstringierende Substanzen und kurzzeitig topische Glucocorticoide können zur symptomatischen Behandlung akuter Beschwerden eingesetzt werden. Die Evidenz für ihre Wirksamkeit ist insgesamt begrenzt; eine Langzeitanwendung ist nicht belegt [LL1-LL3].
- Bei Schmerzen und Juckreiz kann kurzfristig Lidocain lokal angewendet werden [F2].
- Bei ausgeprägter entzündlicher Begleitsymptomatik kann zeitlich begrenzt eine Kombination aus einem topischen Glucocorticoid und einem Lokalanästhetikum eingesetzt werden. Topische Glucocorticoide sollen nicht länger als 2 Wochen kontinuierlich angewendet werden [LL3, F3].
- Hamamelis-haltige Externa sind für die symptomatische Behandlung von Juckreiz, Brennen und leichten Blutungen bei Hämorrhoiden Grad I und II zugelassen; die klinische Evidenz für topische Astringenzien ist jedoch gering [LL3, F4].
- Phlebotonika/Flavonoide: Für systemische Phlebotonika, darunter mikronisierte gereinigte Flavonoidfraktionen mit Diosmin/Hesperidin, zeigen randomisierte Studien und Metaanalysen eine mögliche Besserung von Blutung, Juckreiz, Sekretion und Gesamtsymptomatik; ein überzeugender Effekt auf Schmerzen ist nicht nachgewiesen [2, LL2]. Die abgelaufene deutsche S3-Leitlinie sah für Diosmin/Hesperidin bei akuten Hämorrhoidalbeschwerden und postoperativ eine Kann-Empfehlung vor (Empfehlungsgrad 0), wies jedoch darauf hin, dass diese Arzneimittel in Deutschland nicht zugelassen waren [LL1]. Eine neuere randomisierte Studie stützt einen möglichen Nutzen der mikronisierten gereinigten Flavonoidfraktion als postoperative Zusatztherapie nach Hämorrhoidektomie (operative Entfernung von Hämorrhoiden) [3].
- Beachte: Die medikamentöse Therapie ist symptomatisch. Sie beseitigt einen persistierenden Hämorrhoidalprolaps (Vorfall von Hämorrhoiden) nicht und ersetzt bei therapierefraktären Beschwerden keine interventionelle bzw. operative Behandlung [LL1-LL3].
- Rektale Blutungen (Blutungen aus dem Enddarm) dürfen nicht ohne differentialdiagnostische Abklärung einem Hämorrhoidalleiden (Beschwerden durch krankhaft vergrößerte Hämorrhoidalpolster) zugeschrieben werden. Bei erstmaliger, persistierender oder rezidivierender Blutung ist eine proktologische bzw. je nach Risikokonstellation weiterführende kolorektale Abklärung erforderlich [LL2, LL3].
Wirkstoffe (Hauptindikation)
Quellmittel zur Stuhlregulation
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Indische Flohsamenschalen (Plantago ovata) | Stuhlregulation; ausreichende Flüssigkeitszufuhr obligat; Einnahme mindestens ½-1 Stunde vor oder nach anderen Arzneimitteln [F1] |
- Wirkweise: Quellmittel; Wasserbindung im Darmlumen (Innenraum des Darms) mit Zunahme des Stuhlvolumens und Verbesserung der Stuhlkonsistenz [F1].
- Indikationen: Stuhlregulation bei Erkrankungen, bei denen eine erleichterte Darmentleerung mit weichem Stuhl angestrebt wird, darunter Hämorrhoidalleiden; chronische Obstipation (Verstopfung) [F1].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Flohsamen, Schluckstörungen, Stenosen (Verengungen) des Ösophagus (Speiseröhre) oder Gastrointestinaltrakts (Magen-Darm-Trakts), drohender oder bestehender Ileus (Darmverschluss), Darmlähmung, Megakolon (krankhafte Erweiterung des Dickdarms) sowie nicht abgeklärte rektale Blutungen [F1].
- Nebenwirkungen: Blähungen und Völlegefühl; Überempfindlichkeitsreaktionen. Bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr Gefahr einer Obstruktion (Verlegung) von Rachen, Ösophagus oder Darm [F1].
Topische Lokalanästhetika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Lidocain 50 mg/g Rektalsalbe | Kurzzeitige symptomatische Behandlung von Juckreiz und Schmerzen im Analbereich, z. B. bei Hämorrhoidalleiden; Anwendung bei Erwachsenen [F2] |
- Wirkweise: Lokalanästhetikum vom Säureamid-Typ; reversible Blockade spannungsabhängiger Natriumkanäle und Hemmung der Erregungsleitung sensibler Nervenfasern [F2].
- Indikationen: Symptomatische Behandlung von Juckreiz und Schmerzen im Analbereich, z. B. aufgrund von Hämorrhoiden [F2].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Lidocain oder sonstige Bestandteile. Vorsicht bei schweren Leber- oder Nierenfunktionsstörungen, Herzerkrankungen sowie bei gleichzeitiger Anwendung weiterer Lokalanästhetika oder Antiarrhythmika der Klasse IB [F2].
- Nebenwirkungen: Lokale Überempfindlichkeitsreaktionen mit Juckreiz und Brennen, Diarrhö (Durchfall); gelegentlich anorektales Unwohlsein (Beschwerden im Bereich von After und Enddarm) und perianales Erythem (Hautrötung um den After) [F2].
Topisches Glucocorticoid plus Lokalanästhetikum
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Fluocortolonpivalat 1 mg/g + Lidocainhydrochlorid 20 mg/g Rektalcreme | Symptomatische Linderung von Schmerzen und Entzündung bei Erwachsenen mit Hämorrhoidalleiden; nur zeitlich begrenzte Anwendung [LL3, F3] |
- Wirkweise: Fluocortolonpivalat wirkt lokal antiphlogistisch und antiallergisch; Lidocain hemmt durch Blockade sensibler Nervenbahnen Schmerzen und Juckreiz [F3].
- Indikationen: Symptomatische Linderung von Schmerzen und Entzündung bei Hämorrhoidalleiden, insbesondere bei entzündlicher Begleitsymptomatik [F3].
- Kontraindikationen: Topische Infektionen bzw. spezifische Hautveränderungen im Behandlungsbereich, insbesondere Lues (Syphilis), Tuberkulose, Varizellen (Windpocken), Impfreaktionen und Herpes genitalis (Genitalherpes) sowie Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe oder sonstigen Bestandteile. Im ersten Trimenon (ersten Drittel der Schwangerschaft) sollen topische glucocorticoidhaltige Präparate grundsätzlich nicht angewendet werden [F3].
- Nebenwirkungen: Brennen am Applikationsort; gelegentlich lokale Irritationen und allergische Hautreaktionen. Bei länger dauernder Anwendung Risiko lokaler Hautatrophie (Verdünnung der Haut), Striae (Dehnungsstreifen) und Teleangiektasien (sichtbare Erweiterungen kleiner Hautgefäße) sowie eines topischen Corticosteroid-Entzugssyndroms [F3].
Pflanzliche Astringenzien
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Hamamelisrinde-Trockenextrakt 129 mg/10 g Salbe | Zugelassen zur Besserung von Juckreiz, Brennen und leichten Blutungen bei Hämorrhoiden Grad I und II; Selbstbehandlung maximal 4 Wochen; bei fehlender Besserung innerhalb von 3 Tagen ärztliche Abklärung [F4] |
- Wirkweise: Adstringierend, entzündungshemmend und lokal hämostyptisch; die pharmakologische Evidenz für die topische Behandlung des Hämorrhoidalleidens ist begrenzt [LL3, F4].
- Indikationen: Juckreiz, Brennen und leichte Blutungen bei Hämorrhoiden Grad I und II sowie Entzündungen und leichte Hautverletzungen im Analbereich [F4].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Hamamelis oder sonstige Bestandteile; keine Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren mangels ausreichender Daten [F4].
- Nebenwirkungen: Allergische Reaktionen und lokale Hautreizungen bzw. Kontaktdermatitis (entzündliche Hautreaktion nach Kontakt mit einem auslösenden Stoff) [F4].
Phlebotonika/Flavonoide
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Mikronisierte gereinigte Flavonoidfraktion (MPFF), meist Diosmin 450 mg + Hesperidin 50 mg | Optionale systemische symptomatische Therapie; Evidenz für Besserung einzelner Symptome und postoperative Zusatztherapie vorhanden, jedoch heterogen. Die zuletzt verfügbare deutsche S3-Leitlinie wies auf die fehlende Zulassung von Diosmin/Hesperidin in Deutschland hin [2, 3, LL1, LL2]. |
- Wirkweise: Der genaue Wirkmechanismus ist nicht abschließend geklärt; diskutiert werden eine Steigerung des Venentonus (Spannungszustand der Venen), Verminderung der Kapillarpermeabilität (Durchlässigkeit kleinster Blutgefäße) und Verbesserung des Lymphabflusses (Abfluss der Lymphflüssigkeit) [2, LL2].
- Indikationen: Mögliche symptomatische Behandlung akuter bzw. chronischer Hämorrhoidalbeschwerden und postoperative Zusatztherapie; kein Ersatz für eine erforderliche definitive Therapie [2, 3, LL1, LL2].
- Kontraindikationen: Präparatespezifisch; mangels zugelassener deutscher Standardtherapie ist eine deutsche Fachinformation für das Hämorrhoidalleiden nicht zugrunde zu legen.
- Nebenwirkungen: Insbesondere gastrointestinale Beschwerden, Kopfschmerzen bzw. Migräne, Unwohlsein, Schwindel und Hautreaktionen; insgesamt in den Studien meist gute Verträglichkeit [2, LL1].
Beachte
- Mit einer medikamentösen Therapie ist keine kausale Beseitigung des Hämorrhoidalleidens möglich; sie dient primär der Stuhlregulation und Symptomlinderung [LL1-LL3].
- Topische Hämorrhoidalmittel sollen nur zeitlich begrenzt eingesetzt werden. Eine längerfristige Anwendung kann insbesondere bei Lokalanästhetika und Glucocorticoiden zu Sensibilisierungen bzw. lokalen Hautschäden führen [LL2, LL3, F2, F3].
- Bei persistierender Blutung, Prolaps oder fehlender Besserung unter konservativer Therapie ist eine proktologische Reevaluation mit Prüfung einer interventionellen Therapie erforderlich [LL2, LL3].
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Darmgesundheit sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (A, E, D3)
- Mineralstoffe (Calcium)
- Weitere Vitalstoffe (Probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Literatur
- Alonso-Coello P, Guyatt G, Heels-Ansdell D et al.: Laxatives for the treatment of hemorrhoids. Cochrane Database Syst Rev. 2005;(4):CD004649. doi: 10.1002/14651858.CD004649.pub2 [1]
- Perera N, Liolitsa D, Iype S et al.: Phlebotonics for haemorrhoids. Cochrane Database Syst Rev. 2012;(8):CD004322. doi: 10.1002/14651858.CD004322.pub3 [2]
- Medkova YS, Tulina I, Yudina V et al.: Efficacy of Micronized Purified Flavonoid Fraction in the Posthemorrhoidectomy Period Trial: Open-Label Randomized Controlled Trial. Dis Colon Rectum. 2024;67(6):826-833. doi: 10.1097/DCR.0000000000003211 [3]
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- S3-Leitlinie: Hämorrhoidalleiden. (AWMF-Registernummer 081-007) April 2019. Seit mehr als 5 Jahren nicht aktualisiert; Leitlinie wird derzeit überarbeitet. Langfassung [LL1]
- Hawkins AT, Davis BR, Bhama AR et al.: The American Society of Colon and Rectal Surgeons Clinical Practice Guidelines for the Management of Hemorrhoids. Dis Colon Rectum. 2024;67(5):614-623. doi: 10.1097/DCR.0000000000003276 [LL2]
- Qureshi W, Hoang S, Frye J et al.: AGA Clinical Practice Update on Diagnosis and Treatment of Hemorrhoids: Expert Review. Clin Gastroenterol Hepatol. 2026;24(7):1773-1781. doi: 10.1016/j.cgh.2026.04.008 [LL3]
- van Tol RR, Kleijnen J, Watson AJM et al.: European Society of ColoProctology: guideline for haemorrhoidal disease. Colorectal Dis. 2020;22(6):650-662. doi: 10.1111/codi.14975 [LL4]
Fachinformationen
- DR. FALK PHARMA GmbH: Mucofalk® Apfel, Indische Flohsamenschalen 3,25 g/5 g Granulat. Fachinformation. Stand Juni 2023. Fachinformation [F1]
- DR. KADE Pharmazeutische Fabrik GmbH: Posterisan® akut 50 mg/g Rektalsalbe. Fachinformation. Stand Mai 2025. Fachinformation [F2]
- Karo Pharma AB: Doloproct® 0,1 % + 2 % Rektalcreme. Fachinformation. Stand April 2023. Fachinformation [F3]
- Strathmann GmbH & Co. KG: Haenal® fact Hamamelis Salbe. Fachinformation. Stand Februar 2021. Fachinformation [F4]