Darmkrebs (Kolonkarzinom) – Differentialdiagnosen

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Eisenmangelanämie (Blutarmut durch Eisenmangel) – Leitsignal bei okkultem Blutverlust aus dem Gastrointestinaltrakt (Magen-Darm-Trakt); Abklärung bis zum Ausschluss einer kolorektalen Neoplasie (bösartige Neubildung des Dickdarms) obligat
  • Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) – Blutungsneigung mit rektalen Blutabgängen (Blut aus dem Enddarm) möglich; bei Alarmzeichen endoskopische Abklärung (Spiegelung) erforderlich
  • Von-Willebrand-Krankheit (angeborene Blutgerinnungsstörung) – Blutungsneigung mit gastrointestinalen Blutungen; kann eine Tumorblutung klinisch imitieren

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) – autonome Neuropathie (Schädigung des vegetativen Nervensystems) kann Obstipation (Verstopfung)/Diarrhö (Durchfall) und Stuhlentleerungsstörungen verursachen; bei Alarmzeichen keine funktionelle Erklärung akzeptieren
  • Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) – Diarrhö und Gewichtsverlust; Differenzierung zu Tumorsymptomen erforderlich
  • Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) – Obstipation und abdominelle Distension (aufgetriebener Bauch); kann Stuhlveränderungen verursachen und eine Tumorabklärung triggern

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Amöbenkolitis (Darminfektion durch Amöben) – blutige Diarrhö und Tenesmen (schmerzhafter Stuhldrang); Differenzierung endoskopisch sowie histologisch/mikrobiologisch
  • Campylobacter-Enterokolitis (bakterielle Darminfektion) – akute (teils blutige) Diarrhö und Bauchschmerzen; bei Persistenz/Alarmzeichen Abklärung wie bei Tumor
  • Clostridioides-difficile-Kolitis (antibiotikabedingte Darmentzündung) – Diarrhö, Bauchschmerzen, ggf. Fieber; kompliziert/stenosierend (verengend) selten, aber relevant bei protrahiertem Verlauf
  • Intestinale Tuberkulose (Tuberkulose des Darms) – chronischer Verlauf mit Gewichtsverlust und Stenosen (Verengungen); kann eine neoplastische Stenose (tumorbedingte Verengung) imitieren
  • Salmonellose (Salmonelleninfektion) – akute Enterokolitis (Darmentzündung), ggf. Blutbeimengungen; Differenzialdiagnose bei entsprechender Exposition/Reiseanamnese
  • Shigellose (Shigelleninfektion) – dysenterische Diarrhö (blutiger Durchfall) und Tenesmen; differenzialdiagnostisch relevant bei akuter Symptomatik

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Analfissur (Einriss der Afterschleimhaut) – schmerzhafte, meist hellrote Blutung; bei atypischem Verlauf/Alarmzeichen endoskopische Abklärung
  • Angiodysplasie des Kolons (Gefäßfehlbildung im Dickdarm) – Ursache okkulter/rezidivierender Blutungen und Eisenmangelanämie (Blutarmut durch Eisenmangel); endoskopische Diagnosesicherung
  • Colitis ulcerosa (chronisch-entzündliche Dickdarmerkrankung) – Blutabgänge, Diarrhö (Durchfall) und Anämie (Blutarmut); erhöhtes Karzinomrisiko bei langjährigem Verlauf
  • Divertikulitis (Entzündung von Darmausstülpungen) – Bauchschmerzen, Fieber und Stuhlveränderungen; kann ein Karzinom klinisch imitieren
  • Divertikulose (Darmausstülpungen) – relevante Ursache akuter/okkulter Blutungen; sehr häufig
  • Hämorrhoiden (Gefäßpolster am After) – häufige Ursache hellroter Blutabgänge; bei Anämie/unklarer Blutung oder Alarmzeichen keine Entwarnungsdiagnose
  • Ischämische Kolitis (durchblutungsbedingte Darmentzündung) – akuter Beginn mit Bauchschmerzen und Hämatochezie (blutiger Stuhl); bei segmentalem Befall/Stenosen Tumor-Differenzialdiagnose
  • Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Darmerkrankung) – Stenosen (Verengungen), Blutungen und Gewichtsverlust möglich; langjähriger Kolonbefall erhöht Karzinomrisiko
  • Reizdarmsyndrom (Colon irritable) (funktionelle Darmerkrankung) – funktionelle Erkrankung; erklärt keine Blutung oder Eisenmangelanämie
  • Strahlenproktitis (strahlenbedingte Enddarmentzündung) – Blutungen, Ulzerationen (Geschwüre) und Stenosen nach Radiatio (Strahlentherapie); kann Neoplasie/Rezidiv imitieren

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Kolorektale Adenome (Darmpolypen) – obligate Präkanzerosen (Krebsvorstufen); können Blutungen/Stuhlveränderungen verursachen; Abgrenzung endoskopisch/histologisch
  • Lymphom des Darms (bösartige Erkrankung des Lymphsystems im Darm) – B-Symptomatik (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust), Anämie und Stenosen möglich; kann Karzinom klinisch/endoskopisch imitieren
  • Neuroendokriner Tumor (hormonbildender Tumor) – polypoide/stenosierende Läsion möglich; Differenzierung histologisch
  • Rektumkarzinom (Enddarmkrebs) – ähnliche Symptomatik (Blutung, Stuhlveränderungen); Abgrenzung anatomisch durch (Rekto-)Koloskopie (Mastdarm- und Darmspiegelung)

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde (R00-R99)

  • Abdominelle Raumforderung (tastbare Veränderung im Bauch) – palpabler Tumor oder Stuhlverhalt proximal einer Stenose möglich
  • Eisenmangel (Mangel an Eisen im Blut) – typischer Marker eines chronischen okkulten Blutverlusts aus dem Kolon
  • Erhöhte Entzündungsparameter unklarer Genese – mögliche tumorassoziierte Entzündungsreaktion; Differenzialdiagnostik erforderlich
  • Persistierende Änderung der Stuhlgewohnheiten – neu aufgetretene Diarrhö, Obstipation oder Wechselstuhl
  • Positive Testung auf okkultes Blut im Stuhl (nicht sichtbares Blut im Stuhl) – Hinweis auf chronischen gastrointestinalen Blutverlust; Abklärung bis zum Ausschluss einer kolorektalen Neoplasie obligat
  • Tenesmen (schmerzhafter Stuhldrang) – v. a. bei distaler Tumorlokalisation
  • Ungewollter Gewichtsverlust – Alarmsymptom; Tumorausschluss erforderlich

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Endometriose (gutartige Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter) – intestinaler Befall möglich mit zyklusabhängigen Schmerzen, Blutabgängen und Stenosen; kann Tumor klinisch imitieren

Medikamente

    • Antikoagulanzien (blutgerinnungshemmende Medikamente) – können gastrointestinale Blutungen verstärken oder manifest machen; okkulte Blutung unter Antikoagulation schließt ein Kolonkarzinom nicht aus
    • Glukokortikoide (Kortisonpräparate) – erhöhen in Kombination mit nichtsteroidalen Antirheumatika das Blutungsrisiko; keine ausreichende Erklärung für Eisenmangelanämie ohne Tumorausschluss
    • Nichtsteroidale Antirheumatika (entzündungshemmende Schmerzmittel) – Schleimhautschädigung und Blutungen im Gastrointestinaltrakt möglich; Blutabgänge dürfen nicht allein medikamentös erklärt werden
    • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (bestimmte Antidepressiva) – erhöhtes Risiko gastrointestinaler Blutungen durch Thrombozytenfunktionshemmung; differenzialdiagnostisch relevant bei okkultem Blutverlust
    • Thrombozytenaggregationshemmer (Medikamente zur Hemmung der Blutplättchen) – erhöhen das Risiko gastrointestinaler Blutungen; können eine tumorbedingte Blutung klinisch erst manifest werden lassen

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Kolorektales Karzinom. (AWMF-Registernummer: 021 - 007OL), September 2025 Langfassung